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Blackwater & Toy: Die japanische Folter (Teil 3)

Eine Bondage-Geschichte von Tek Wolf.

Bebend, schwitzend, keuchend hockte ich nun da, unendlich fest eingeschnürt und zu keiner Regung mehr fähig. Ich konnte dieser Enge und den grausam schönen Sinneseindrücken ebenso wenig entrinnen wie den aufgepeitschten Emotionen in meinem Inneren. Ich war auf mich selbst zurückgeworfen, rettungslos und vollständig.

Noch einmal schluckte ich schwer, um den Mut für das Unvermeidliche aufzubringen. Dann schloss ich die Augen und übergab mich dem tosenden Gefühlschaos meiner Seele. Seine wilde Intensität verwirrte und ängstigte mich zutiefst. Instinktiv versuchte ich, dem zu begegnen, wie ich es immer tat, wenn etwas Unfassbares auf mich eindrang. Ich bemühte mich, das große Unbekannte zu ordnen und erfassen, um rational mit der Situation umzugehen, so wie es mir vernünftig erschien. Doch hier, das musste ich schnell feststellen, war dieses Vorgehen vergebens.

Die Elementarteilchen meines Selbst wirbelten viel zu aufgeregt umher, als dass ich in der Lage gewesen wäre, meine Verfassung auch nur ansatzweise zu verstehen, geschweige denn in den Griff zu bekommen. Es war mir nicht einmal möglich, zu bestimmen, ob sich dieser Zustand unerträglich anfühlte und damit Panik die folgerichtige Reaktion war, oder es sich, im Gegenteil, um die Erfüllung meiner heftigsten und feuchtesten Masochistenträume handelte.

In meiner Not griff ich nach dem ersten, was mir in den Sinn kam. So fielen mir alte Erinnerungen in die Hände, die teils derartig oft beschworen worden waren, dass sie schon abgenutzt wirkten. Sie führten mich zurück, an den Ort, an dem alles begann.

Als Kind hatte ich mir sehnsüchtigst gewünscht, umarmt und festgehalten zu werden. Doch vergebens, Kuscheln wurde mir stets verwehrt. Dabei verlangte es mich so sehr danach, von einem warmen, weichen Körper mit aller Kraft umfangen zu werden. Ich wollte mich am liebsten gar nicht mehr bewegen können, sondern einfach nur der liebevollen menschlichen Fessel ausliefern.

Warum durfte mir das nicht vergönnt sein? Ich war ein so bemühtes Kind gewesen, allen zu gefallen zu sein. Haftete mir etwa eine grundsätzliche Schlechtigkeit an, die ich nicht mit Fleiß und gutem Benehmen wettmachen konnte? Ich fand keinen anderen Grund, warum mich niemand liebkosen oder zumindest ein wenig streicheln wollte.

Mit diesem schmerzhaften Defizit wuchs ich heran und da mir auch weiterhin körperliche Nähe versagt blieb, begann meine Phantasie, um sich zu greifen und nach Auswegen zu suchen. Ich fand sie in einer rätselhaften, aber nichtsdestotrotz starken Faszination für Gefangennahmen. Mit großem Eifer begann ich, jeden Fernsehfilm, jede Comicgeschichte und jedes Buch, in dem es auch nur ansatzweise um den strammen Griff von Leder, Stahl oder Hanf ging, zu studieren. Egal, ob im Krimi ein Entführungsopfer mit Knebel und Seilen ruhiggestellt wurde, eine Squaw an den Marterpfahl gebunden war oder ein Burgfräulein von Schurken in Ketten gelegt wurde, ich beäugte es mit glänzenden Augen.

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Kommentare von Leserinnen und Lesern

26.12.2022 um 01:04 Uhr

Schön geschrieben, sehr aufregend,

25.06.2022 um 23:04 Uhr

wow.

08.03.2022 um 23:46 Uhr

Puuu, da würde ich mich gerne als Lieblingsspielzeug zur Verfügung stellen

famulus severus

Förderer.

28.02.2021 um 22:21 Uhr

einfach berauschend diese Tiefe der Gefühlswelt...

19.05.2020 um 02:06 Uhr

geändert am 20.05.2020 um 00:08 Uhr

Ich habe gerade gesehen, das es noch 6 Teile der Reihe gibt, die nicht mehr zur Trilogie gehören, aber über den Titel und natürlich den Personen immer noch mit ihr verbunden sind. Ich möchte mich deswegen entschuldigen, das ich einen Wunsch geäußert habe, der vielleicht schon erfüllt wurde. Mann sollte wirklich nie zu voreilig sein, wie es so scheint. Sorry.

18.05.2020 um 01:41 Uhr

Toller Dritter Teil. Eine exzellente Beschreibung ihrer Innenwelt und eine wunderschön romantische Betrachtung der SM-Welt. Besonders gefallen hat mir hier die Stelle mit den "heimlichen Treffpunkte"

Am genialsten fand ich das Ende. Mann hofft regelrecht, das die Beförderung zum Lieblingsspielzeug, ihr endlich klar macht, das es keinen Grund gibt, sich selbst mit falschen Augen zu betrachten. Und natürlich, das ein gewisser Teil der Menschheit begreift, was die Liebe bedeutet und welche Macht, Worte haben können. Ich muss sagen ich sehne mich nach einer Fortsetzung. Wenn man an den ersten Teil denkt, könnte man vielleicht die Moralansichten der übrigen Menschen zu thematisieren, verbunden mit ihrer Selbstbewusstseins zerstörenden Wirkung die sie für einige vielleicht entfaltet.

Lani

Gelöscht.

25.04.2020 um 00:13 Uhr

Diese Geschichte ist so facettenreich wie ein Kaleidoskop, die Gefühle absolut verbunden und stimmig.

Vielen Dank.

hanne lotte

Autorin. Lektorin.

23.07.2019 um 19:02 Uhr

Jetzt sind sie also endgültig Geschichte, die geflochtenen Zopfschnecken über den Ohren der braven Henrietta Mouse, die dieses Attribut nun auch nicht mehr nötig hat.

 

Sie hat einen großen Schritt getan, genaugenommen war es ein atemberaubender Gewaltmarsch, der sie vor diesen Spiegel und zu dem Anblick der reizenden Frau geführt hat. Du hast sie, lieber Tek Wolf, bei Gewitter und Sturm an einem Abgrund entlang geführt bis zu einer überwältigenden Aussicht. Sie wird nie wieder vor sich selbst erschrecken und sie wird sich nie wieder vor sich selbst verstecken. Henrietta hat ihren Wert erkannt. Ich ziehe meinen Hut (in meinem Fall ist das freilich nur ein Haarband) von Lady Lilith.

 

Und natürlich ziehe ich ihn auch vor dem Autor, der mir diese aufwühlenden Innensichten und die Metamorphose von der grauen Maus zur bezaubernden jungen Frau gezeigt hat.

 

Danke für ein kleines lustvolles Seufzen

hanne

Gelöscht.

23.05.2019 um 07:54 Uhr

Hallo Tek Wolf,

 

vielen Dank für diesen wundervollen dritten Teil der Geschichte. Meisterlich beschreibst Du darin die Gefühlswelt der Henrietta, ihren innerlichen Kampf, aber auch die schrecklichen und herrlichen Gefühle, die in ihrem Inneren toben. Und auch Lilith, die Herrin wird in Deiner Geschichte lebendig, so gut beschreibst Du ihre Aktionen und ihre Gefühle, auch von "außen".

 

Deine Geschichte handelt von BDSM, wie es sein sollte: Zwei Menschen schenken einander ihre Lust, spornen einander durch ihre Reaktionen und Gefühle an, haben die Lust von einander in der Hand.

 

Deine Geschichte könnte ich mir sehr gut als Auftakt zu einem sehr guten Buch vorstellen, in dem die weitere Entwicklung von Lilith und Henrietta erzählt wird. Die Beiden werden bestimmt noch viele lustvolle Stunden miteinander verbringen.

 

Und ich finde, Deine Geschichte ist eine sehr gute Inspiration für interessierte Menschen, die wissen wollen, was BDSM ausmacht.

 

Liebe Grüße

von Spätzle

Hekate

Autorin.

17.05.2019 um 05:45 Uhr

geändert am 17.05.2019 um 05:48 Uhr

Der Autor begründet Henriettas sexuelle Präferenz. Ich fragte in einem Thread danach, hier las ich eine verständliche Variante. Der dritte Teil rundet die Geschichte, zeigt umfassende Erfüllung und thematisiert, dass BDSM so gar nichts mit tatsächlicher Gewalt gemein hat. Gewalt ist liebevoll, zotiges Vokabular, reiner Trigger. Die Ambivalenz zwischen Gewalt und Gewalt ist im Fall von Henriette und Lilith aufgelöst. Letztlich habe ich ein Märchen für Erwachsene gelesen, in dem das Böse nur vorsichtig um die Ecke schaute. Ohne Märchen wird niemand groß. Diese Liebhabergeschichte hätte ich gern in einer Anthologie besonderer BDSM-Geschichten im Regal.

Berücksichtigt wurden nur die letzten Kommentare.

Zu allen Beiträgen im Forum zu dieser Veröffentlichung.