Lieber poet,
ich möchte ehrlich sein.
Deine Geschichte hat bei mir gewirkt und sie wirkt auch immer noch nach.
Du hast es geschafft, den Protagonisten in seiner ganzen Erbärmlichkeit so gut zu beschreiben, dass es mich beim Lesen zwischen Ekel, Mitleid und Fremdscham hin und her gerissen hat. Ich hatte ihn bildlich vor Augen, roch förmlich die widerliche Mischung aus Alkohol, Nikotin und abgegriffenen Pornoheften in seiner Wohnung. Eine tragische Gestalt, der Sucht verfallen, einsam und ohne Selbstachtung. Das ist leider für nicht wenige Mitmenschen die bittere Realität.
Zeit meines Lebens kenne ich einen solchen bedauerlichen Menschen im familiären Umfeld, mit allen schlimmen Erkrankungen, die dieser Lebenswandel mit sich bringt. Einfach nur grausam und traurig, das wurde mir mit jeder gelesenen Zeile bewusst.
Aus diesem Gesichtspunkt finde ich die Geschichte sehr gut geschrieben. Sie nimmt mich mit, berührt mich, macht mich traurig, nachdenklich und auch innerlich wütend. Warum muss es bei manchen Menschen so weit kommen?
Wie kann man sich selbst derart aufgeben? Warum erfährt er nicht einmal von seinem Bruder ein wenig Achtung? Ganz im Gegenteil, er nennt ihn einen Versager.
Die Geschichte wirkt heftig auf mich und das macht sie irgendwie gut, auch wenn ich mich in würdevollen, liebevollen und romantischen Geschichten eher wiederfinde.
Den Sprachgebrauch, zum Beispiel die Worte "Pissen" oder "Titten", finde ich schrecklich vulgär. Klar, passt es im Kontext dieser Geschichte perfekt, aber für mich sind das beim lesen immer die Momente an denen ich überlege abzubrechen. Ist wahrscheinlich Geschmackssache.
Die Obsession des Protagonisten wird deutlich, Sexfantasien, mit einer großen Portion Alkohol und Nikotin. Was mich dabei wirklich angewidert hat ist die Art seiner Fantasien.
Eine Frau zu besitzen, sie zu einem Werkzeug abzurichten, für sich alleine, nur seine Wünsche erfüllend. Sehr einseitige Gewaltfantasien ohne einen Bezug zu BDSM, meiner Meinung nach. Da habe ich mich wirklich gefragt, ob die Fantasien gemeinsam mit dem Menschen untergehen, ob einem Menschen in seiner Situation keine schönen Träume mehr vergönnt sind, ob man in dieser Lage keine Liebe, Zärtlichkeit, Einvernehmlichkeit mehr zu wünschen fähig ist. Aber auch das passt zum Gesamtbild der Geschichte, macht sie für mich rund, aber auch sehr hart und düster, eher grenzwertig.
Vielen Dank also für deine Geschichte.
Auch wenn sie thematisch gar nicht zu meinen Favoriten gehört und ich auch nicht behaupten kann sie gerne gelesen zu haben, hat sie auf ihre eigene Art funktioniert und mich bewegt. Und das macht eine Geschichte am Ende aus.
17.08.2026 um 05:25 Uhr
Hallo Valérian,
deine Geschichte ist so frisch und spritzig wie die beschriebenen Protagonisten! Ich bin öfter "etwas aus der Zeit gefallen" in meinem Lebenslauf, deine Geschichte hat mich zurück katapultiert in eines meiner früheren Leben. Dafür schon einmal danke! In Ermangelung von Zeit jetzt einfach nur: hat mir super gut gefallen
Liebe Grüße Cat
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