Hallo Noras Marie,
was für eine tolle Geschichte! Ich mag sie sehr. Authentisch und sympathisch wird die Lebensrealität deProtagonistinnenbeschrieben, Berliner WG Leben, Punk, der Corona-Lockdown und nur „die Impf- Schwurbler“, die „frei herumlaufen, “ durften… ( das fand ich so witzig und treffend ausgedrückt, hoffe das ist ok das ich das hier schreibe).
Dazu das Dilemma der jungen Frau nach gesellschaftlichen Normen zu dick zu sein, Selbstabwertungen bis hin zu Depressionen, und die Befreiung daraus, erfüllte, liebevolle BDSM Beziehungen und die wunderschöne Botschaft das (wahre) Liebe ( zu sich selbst und zu anderen) alles kann. Toll geschrieben, vielen Dank für die Geschichte!
25.06.2026 um 11:49 Uhr
Ich finde die Perspektive sehr interessant, nennen wir sie einmal Second Person POV mit stark kommentierendem Erzähler. Sie erzeugt einerseits Immersion, schafft andererseits aber auch eine gewisse Distanz, weil der Erzähler die emotionale Einordnung permanent mitliefert.
Dadurch entsteht für mich ein leicht therapeutischer oder meditativer Ton.
Insgesamt liest sich der Text durch seinen ruhigen und kontrollierten Grundton angenehm. Auch gefällt mir, dass BDSM hier als Beziehungs- und Vertrauensprozess dargestellt wird und nicht bloß als Aneinanderreihung sexueller Praktiken.
Allerdings hat der Text meines Erachtens auch einige literarische Schwächen.
Er interpretiert seine Szenen sehr häufig selbst, etwa durch Formulierungen wie „Nicht Unterordnung, sondern Aufmerksamkeit“, „Genau das macht sie verbindlich“ oder „Wo der Slip war, ist jetzt Offenheit.“ Gerade letzteres zeigt für mich eine Tendenz, alltägliche Vorgänge unnötig zu überhöhen. Ich hätte mir hier mehr Vertrauen in die Wirkung der eigentlichen Szene gewünscht.
Das andere Extrem bedient der Text allerdings ebenfalls. Nachdem die Sprache über weite Strecken fast sakral überhöht wirkt, folgen plötzlich Formulierungen wie „süßer, dichter Schleim“, der aus ihr „quillt“, oder dass ihre Lust bis zum Bund ihrer Strümpfe läuft und diesen durchnässt. Das wirkt sprachlich deutlich gröber und teilweise auch anatomisch etwas unplausibel, selbst wenn es nicht völlig unmöglich ist.
Etwas störend empfand ich außerdem die Vielzahl abstrakter Begriffe. Wörter wie Präsenz, Klarheit, Ordnung, Offenheit oder Vertrauen tauchen immer wieder auf. Mir hätten an diesen Stellen konkretere Beobachtungen und weniger abstrakte Einordnungen besser gefallen.
Mein Fazit:
Der Text ist erzählerisch solide, sprachlich überdurchschnittlich flüssig und psychologisch durchaus interessant. Stilistisch wirkt er auf mich allerdings stellenweise etwas formelhaft, weil er seine Wirkung häufig erklärt, anstatt sie aus den beschriebenen Szenen entstehen zu lassen.
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