Liebe Kitty,
vielen Dank für eine Geschichte, die einen Nerv getroffen hat und mich noch weiter und aus einem anderen Blickwinkel über eine Thematik nachdenken lässt, die uns gerade eh beschäftigt, auch wenn es sich um eine andere Situation handelt.
Du beschreibst sehr realistisch und nachvollziehbar, dass auch in einer D/S-Beziehung nichts als selbstverständlich erwartet werden kann, auch wenn es beide im Innersten fühlen und wollen. Es sind die kleinen alltäglichen Gesten, die Gespräche und auch die Initiative, derer es von beiden Seiten bedarf, damit es über den Alltag hinweg trägt.
Bei uns hat sich die Alltagssituation derart geändert, dass wir relativ plötzlich deutlich mehr Zeit für zweisame Momente haben, was wir uns oft ersehnt haben. Vorher standen immer nur wenige Zeitfenster und gelegentlich mal ein ganzes Wochenende zur Verfügung, um unsere Leidenschaft auszuleben und auf diese haben wir dann hingefiebert und sie exzessiv genossen. Jetzt müssen wir uns quasi erstmal neu einfinden und gemeinsam herausfinden, wie wir diese "gewonnene" Zeit gestalten wollen, denn Kopfkino und Realität sind halt nicht wirklich das gleiche.
Danke für den Denkanstoß.
LG Cid




30.05.2026 um 14:53 Uhr
Den Podcast anzuhören, werde ich noch nachholen. :)
So kann ich ganz unvoreingenommen meine Erfahrung und Meinung zum Thema schreiben.
Mit seinem Kink hadern bedeutet für mich,
im inneren Widerstand sein und mit seiner Neigung zu ringen,
unzufrieden damit zu sein, sich ein anders-sein zu wünschen.
Derlei innere Kämpfe hatte ich vor meinem inneren und äußeren Coming-Out nicht, sondern hatte meine Fantasien zugelassen, aber nie die Realität gesucht, und Bedürfnisse verdrängt; weil damals derlei Neigungen als pathologisch oder gar gefährlich galten.
Als ich dann im Internet auf die Begriffe bdsm und ssc gestoßen bin, hatte das für mich etwas befreiendes und es ging sehr zügig ins real live mit Besuch von Stammtischen, Events. Mit meinem damaligen Freund gab es experimentelle Erfahrungs- und Findungs-Interaktionen, die reflektierend sehr aufschlussreich für mich waren.
Gehadert hatte ich dann eher damit, dass danach - gerade für mich als demi- und greysexuell orientierte - die Partnersuche problematisch wurde. Auch oder gerade innerhalb der bdsm-Szene.
Die Zeit dieses Haderns war aber kurz, weil ich über sehr viele Jahre hinweg mit ganz anderen existenziellen Problemen konfrontiert war/bin, als mit meiner Art der sexuellen bzw. Intimitäts-Neigung. Deshalb bin ich nicht einmal mehr sicher, ob und in wieweit meine Neigungen noch vorhanden sind, getriggert werden könnten und auslebbar wären; was eine Frage der Sexual Identity wäre. Zu beklagen und behadern ist für mich eher, dass ich für mich keine Möglichkeiten mehr sehe, das für mich herauszufinden.
Ich denke, dass man in der heutigen aufgeklärten und toleranteren Zeit nicht mehr damit hadern müsste, derlei Kinks zu haben, sofern diese nicht extremer destruktiver Natur sind. Ein Hadern mit bdsm-Neigungen könnte aber entstehen, wenn sich beim realen Ausleben Probleme ergeben – welcher Art und warum auch immer.
Grüße an die Community
Salimera
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