Eine aufschlussreiche Geschichte vor allem für Neulinge im bdsm.
Fraglich ist, ob der Top sie einer schwierigen Gehorsamkeits-Prüfung unterwerfen wollte, oder ob er einfach nicht darüber nachgedacht hat, ob das ein gutes Setting ist.
Jedenfalls scheint die Protagonistin sich bzw. ihrer Neigung mehr abverlangen zu wollen, als ihr befriedigend möglich wäre. Und die Wut resultiert vielleicht daraus, ihren Ansprüchen an sich selbst nicht zu genügen. Ob der eigene Leistungsanspruch, Klischeedenken, Gefallsucht, oder andere Gründe dem zugrunde liegen, kann nur die Protagonistin für sich selbst klären.
Beim Ausleben wollen einer Neigung sollte man Kopfkino auch nicht mit der Realität verwechseln.
Salimera

04.06.2026 um 12:10 Uhr
Liebe community, hier also TEIL 2 meiner Texttapete, der in der Warteschlange geparkt war - falls das Thema euch interessieren sollte.
BDSM als Erkenntnisweg mit negativer Konnotation und somit als „Therapie“?:
Therapeutische Intentionen und Ziele halte ich bei bdsm-Interaktionen für eben sowenig angebracht, wie in einem Vanilla-Sex-Kontext. Sexualität und erotische Praktiken sind keine Werkzeuge, die zweckentfremdet benutzt werden sollten.
Außerdem impliziert eine therapeutische Absicht im bdsm, dass Neigungen Problem bedingt wären, und diese sich durch das Wirken mit gezielten Aktionen auflösen könnten und sollten.
Negativ konnotierte Intention, mit mehr oder weniger bewusster Retraumatisierung, mag bei einem eher geringen Anteil von Kinkstern vorhanden sein, die Regel sind solche Motive sicher nicht.
Meiner Beobachtung nach ist es einfach eine Art der Sexualität, die durch vielerlei Einflüsse geprägt wurde – und meist positiv lustvoll orientiert ist, und nicht negative Erlebnisse fokussiert.
Die von Clu beschriebene Aufstellung, wie ich sie verstanden habe (Knoten – Kink – Jagd – Entschleunigung – Auflösung Knoten), vermute ich nicht bei der Mehrzahl der Kinkster.
Alles was mich an persönliche negative Erlebnisse und Erfahrungen erinnern könnte und dem zu ähnlich wäre, könnte ich nicht lustvoll im bdsm ausleben und würde entsprechende Inhalte im bdsm ablehnen.
Wenn die Sexualität bzw. Sexual-Identity stark mit bdsm-Neigungen vernetzt und verwoben ist, kann aufgrund intensiver und vielfacher negativer Erfahrungen im bdsm oder im Alltag späterer Lebensphasen, die ebenso prägend und nicht auslöschbar sind, die Neigung belastet werden. Wodurch ein Ausleben eigener (bdsm-)Sexualität verunmöglicht – oder zumindest sehr erschwert werden kann.
Überspitzt betrachtet, könnte außerdem beispielsweise die Erkenntnis der Gründe für eine homosexuelle Orientierung dazu führen, dass die Freude und Akzeptanz eigener Sexualität geschwächt oder beseitigt wird; ohne dass dadurch aus einer Homosexualität eine Heterosexualität werden könnte.
In beiden Fällen könnte dies zu einer Art unerwünschter Asexualität und Verlust der sexual Identity führen, die psychotherapeutisch auch nicht wieder „geheilt“ werden könnte.
Allgemeine Alltagsbelastungen, nachhaltige Negativerfahrungen und auch Ursachen-Erkenntnisse einer Neigung können auf die zuvor befriedigende Sexualität destruktiv wirken.
Weniger zu hinterfragen und zu analysieren, statt dessen mehr zu genießen, sehe ich eher als glückbringenden Weg.
BDSM mit therapeutischer Absicht wäre unwirksam – und zudem ungeil!
Solch Ansinnen eines Tops fände ich anmaßend, übergriffig und ungeil. Einen Consens könnte es von mir hierfür niemals geben, und auf keiner Seite des Spiels würde ich daran mitwirken wollen.
Der Begriff „Therapie“ sollte dem medizinischen Bereich zugeordnet sein und vorbehalten bleiben, und alles was einem gut tut und befriedigt sollte nicht damit verknüpft werden - insbesondere nicht die eigene Art und das Ausleben von Sexualität. Gerade weil Therapiemaßnahmen immer auch der Anspruch einer „Normalisierung“ innewohnt. Das Andichten therapeutischer Effekte und die inflationäre Nutzung des Begriffs „Therapie“ finde ich abstrus.
Sicher gibt es bei manchen eine Prägung oder ein Sein, durch welches vor allem eine D/s-Neigung nicht nur der Lust, sondern auch der Psychohygiene, Kompensation, Substitution oder Beziehungsfähigkeit im Paarkontext dienen kann. Würde man diese Nebeneffekte allein durch Erkenntniswege beseitigen, dann wäre das eher kontraproduktiv. Denn Altlasten, Defizite oder charakterliche Prägungen würden ja bestehen bleiben, wodurch man vielleicht professionelle Psychotherapeuten als dauerhafte Auffangstation bräuchte; während man zuvor im bdsm das Nützliche mit dem Angenehmen verbinden konnte.
Durch neuronale Verknüpfungen manches im D/s erotisieren zu können, was in der Alltagsrealität oder biografisch eher negativ zu bewerten wäre, schätze ich eher als positive Fähigkeiten mancher Kinkster.
Im Übrigen stehen masochistische Bedürfnisse und Befriedigungen
- sofern nicht psychologischer Natur -
im Zusammenhang mit rein physiologischen Funktionalitäten und anatomischen Gegebenheiten.
Grüße
Salimera
Zum Thema.