Lieber Tek,
danke für diese schöne Kombination aus relativ harter Session auf der einen und inniger Zuneigung, Achtsamkeit und Vertrautheit auf der anderen Seite. Wenn diese beiden Komponenten zusammen kommen, trifft es genau meinen Geschmack und befeuert mein Kopfkino, was mich dann in eine Geschichte eintauchen lässt. Dies ist dir wunderbar gelungen, da dein flüssiger, bildhafter und gefühlsbetonter Schreibstil dies sehr gut unterstützt und begleitet. Auch die beschriebene Fesselung, sowie ihre daraus resultierende Eingeschränktheit und die beschriebenen Auswirkungen auf ihren Körper sind sehr realistisch und mir durchaus vor Augen, wodurch das Ganze nachvollziehbar wird und unter die Haut geht. Dies trifft genauso auf die Auswahl und den Einsatz der Schlagwerkzeuge zu, was mich in eine mir sehr bekannte Situation versetzt hat, die dann auch des öfteren auf sehr ähnliche Weise endet.
Da es sich wohl beabsichtigter Weise um eine reine Sessionbeschreibung handelt, in der seine Gedanken im Fokus stehen, ist dieses Ziel mit Bravour erreicht worden. Ich könnte mir allerdings auch etwas mehr Background gut vorstellen, da es zu Beginn durchaus kurz angeteasert wurde. Dies würde die augenscheinlich Tiefe der Beziehung, die zwischendurch immer mal durchbltzt, weiter untermauern und könnte wunderbar mit etwas mehr Einblick in ihre Gedankenwelt kombiniert werden.
Vielen Dank für eine tolle Geschichte nach meinem Geschmack.
LG Cid



03.04.2026 um 22:08 Uhr
Auch wenn es nicht die Perspektive ist, die ich oft benutze, ist die Du-Perspektive mein kleiner Liebling. Gerade in den Momenten, in denen ich mir noch nicht in der Erzählperspektive sicher bin, oder erst einmal darauf los schreiben möchte, greife ich gerne auf die 2.Person zurück.
Ich finde, dass ein "Du" mich teilweise als Autor zum Leser macht und ein Platzhalter dafür sein kann, wie innig die Beziehung zu der Protagonist*in sein soll oder auch sein kann. Damit meine ich, dass "Du" in gewisser Form ein allgemeines "man" ersetzen kann, aber auch die persönlichere Version vom "Ich" sein kann, denn ich als Leser nehme aktiv an der Geschichte teil und muss mich nicht in die Figur hineinversetzen.
Wenn es sich bei dem "Du" um den Leser handelt muss man ganz explizit darauf aufpassen, dass der Leser mit seinen Persönlichkeitsmerkmalen nicht kollidiert und diese innige Nähe nicht zerbricht, an sich ist das die gleiche Gefahr wie bei einem Ich-Erzähler. Die Gefahr, dass sich der Leser nicht in die Erzählperspektive hineinversetzen kann, weil sie zu genau oder zu allgemein erzählt. Wenn ich dieses Problem bereits in meinen Schreibideen und Schreibschnipseln in der Du-Perspektive löse, ist die Ich-Perspektive auf einmal viel leichter.
Wenn es sich bei dem "Du" um ein allgemeines "man" handelt, kann ich die Persönlichkeitsentwicklung in meiner Geschichten-findungsphase sich selbst entwickeln lassen, das "Du" hat noch kein Gesicht, ich kann die Geschichte laufen lassen, bevor ich mich endgültig entscheiden muss.
Aber abgesehen von meinen Schreibübungen und Schreibschnipseln ist die Du-Perspektive gerade in Kurzgeschichten, Gedichten oder Dialogen auch in fertigen Geschichten unglaublich spannend. Hier bekommt das "Du" nochmal eine ganz neue Perspektive. Es kann die 4-Wand durchbrechen, in einem Gedicht musikalisch verschiedene Stimmen einnehmen oder in einem Dialog zu verschiedenen Figuren gleichzeitig sprechen, zu der Figur in der Szene, zu dem Leser und reflektiv über die Person, die spricht.
Es ist nicht die leichteste, oder oft auch nicht die perfekt geeignete Perspektive, aber es loht sich für mich immer, sie nicht zu vergessen und zumindest einmal zu probieren.
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