Beste,
Aus Deinen Zeilen lese ich gehörigen Kummer. Drei Dinge möchte ich dazu anmerken:
1.) Du kannst Dich nicht am Grünen Tisch erfinden:
Der Satz «Ich bin ... (dies und das)» klingt handlich, und meist geht dem Nachdenken über Erlebtes voraus. Zum Teil konstruieren wir uns tatsächlich so.
Die Gefahr dabei ist, sich dabei zu vertun. Dann läufst Du mit einem selbst erstellten Etikett umher und versucht Dich dementsprechend zu verhalten. Wie: «Ich bin selbstbewusst (also muss ich mich selbstbewusst geben)».
Wenn Dir bei der Selbstdefinition (oder dem, was andere Dir über Dich sagen) Fehler unterlaufen sind, rennst Du in eine Sackgasse. Verlierst schlimmstenfalls auch die Spontaneität, versäumst Möglichkeiten oder verhältst Dich an Deinem wirklichen Charakter vorbei. Das kann dann zu bösen Diskrepanzen führen.
Sag lieber: «Ich mag ... (dies oder das). Ich mag (dies oder das) nicht.»
Oder: «Das mag ich hier, und dort mag ich das nicht.» Oder: «Das tut mir (nicht) gut. Damit fühle ich mich wohl (unwohl).»
Das ist viel näher an Deiner Wirklichkeit dran als solche abstrakten Etiketten, die nach Charaktereigenschaften klingen, wie Deine aktuellen Selbstzuschreibungen.
2.) Vorsicht ist auch bei solchen Etiketten wie submissiv oder devot geboten.
Auch Stino-Menschen wünschen sich eine starke Schulter, und ich wage zu behaupten, bisweilen auch sexuell dominante Menschen.
Du gebrauchst das Wort «Neigung» und versuchst Deine Vorlieben einzuordnen. Mal schwach sein, Verantwortung abgeben wollen, passiv sein wollen, macht keine Neigung aus, sondern ist total normal im Gemisch.
Früher zog man hier die Grenze: Als «normal» galt, von allen Neigungen etwas zu haben. Als gesunde sexuelle Entwicklung galt, praktisch nichts auszuschließen (übertrieben gesagt). Nur wenn Du auf eines festgelegt bist, und nur daraus Genuss ziehen kannst, mochte man über Paraphilie nachdenken. Einen Fetisch zu benutzen macht noch keinen Fetischisten. Mal jemanden mit Genuss zu fesseln oder zu nehmen macht noch keinen SM-er.
Im Moment sind das nur "Worte", die Dir nichts nutzen.
Steck Dich also nicht vorschnell in Schubladen, die verdammt eng sind. Denn wenn Du sie zuschiebst, sitzt Du für Jahre in einer Falle, die vielleicht gar nicht nötig ist und suchst Konterparts in einem verengten Suchraum und verbaust Dir Erfahrungen, an die Du noch nicht dachtest.
Du bist nicht submissiv oder devot, nur weil Du gern jemandem anderen die Führung überlässt im Bett, oder Dich in jungen Jahren an Ältere orientiertest. Vielleicht bist Du sexuell submissiv, vielleicht nicht: Ich glaub, im Moment bringt Dich das nicht weiter.
Vor allem: pathologisiere Dich nicht vorschnell oder unnötigerweise. Probier Dich aus und nutze Spielräume. Nur so kannst Du Dich selbst überraschen und kennenlernen. In einer Schublade bleibst Du betriebsblind. Du fühlst ja beizeiten, was Dir bekommt und was nicht und kannst dann nachkorrigieren.
3.) Du scheinst viel mit Selbstdefinition beschäftigt zu sein. Dass das in einen solchen Kummer mündet, heißt, es ist etwas fehlgelaufen. Lass Dir raushelfen. Das heißt nicht, dass Du krank bist, aber eventuell hast Du Dich im Denken in Dir verirrt.
Ich rate das gleiche wie rote Blume: Eine Fachfrau, die Dich nicht bewertet oder definiert (in diesem Wort steckt die Bedeutung Grenzen-ziehen!). Ihre Tätigkeit bestünde darin, Dich auf Irrtümer hinzuweisen, kritisch nachzufragen, Dich zu ermutigen. Also wie die Leitplanken bei einer Schleuderfahrt in enger Allee. Aber das Lenkrad bleibt Deines.
Auch wichtig: Lass Dir eine Liste von Deiner Krankenkasse geben (also nicht Coaches oder Heilpraktiker). Keine Angst, die stecken Dich nicht in eine neue Schublade, sondern achten darauf, dass Du nicht in einer neuerlich falsch gefalteten verkümmerst.
Warum ich diesen Umweg wählte? Weil ich den Eindruck bekam, dass Du weniger mit Deiner Erotik als vielmehr außerhalb dieser Kummer hast.
Ich wünsche Dir alles Gute


03.04.2026 um 05:55 Uhr
Es geht nichts über Körperpflege des Sub's und damit auch um einen gut riechenden Sub.
Jetzt hast Du mich zum grinsen gebracht liebe Ambi.
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