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Triptychon

Eine BDSM-Geschichte von Campanula.

Ante ictum

 

Da steht sie nun also, mit gespreizten Beinen über dem Schrägbrett, das Gesicht der Sprossenwand zugewandt, die Arme hoch erhoben, die Handgelenke mit Seilen rechts und links am Klimmzugbügel festgebunden. Er hat auch ein Seil um ihre Taille gewunden und dieses so an der Sprossenwand befestigt, dass sie ihr Becken nach vorne kippen und ihren Hintern deutlich exponieren muss. Aus den Augenwinkeln sieht sie ihr Spiegelbild in der dunklen Glasfront des Schiebetürenschranks: Das Netzkleid, das sie trägt, betont die Konturen ihres Körpers eher, als dass es sie verbirgt. Ihre Füße stecken in knöchelhohen Söckchen und High Heels. Und natürlich ist sie geschminkt, ein ausdrucksvolles Augen-Make-up und rote Lippen. Natürlich.

 

Erstaunt stellt sie fest, wie sexy sie aussieht in diesem Outfit und der Körperhaltung, in die er sie gezwungen hat. Gehorsam öffnet sie den Mund, als er ihr nun den Knebel zwischen die Lippen schiebt. Und dennoch hat sie Angst. Der Weg hierher war steinig und sie haben sich mehr als einmal die Zehen blutig gestoßen. Auch jetzt ist sie sich noch nicht sicher, ob das hier funktionieren wird. Es ist Monate her, dass sie es zuletzt gewagt haben. In all der Zeit war es unvorstellbar für sie, sich noch einmal darauf einzulassen. Sie hat sich nicht danach gesehnt, geschlagen zu werden. Im Gegenteil, sie fürchtet den Schmerz. Aber sie weiß, dass es nur so geht. Wenn es überhaupt geht.

 

Er war behutsam und liebevoll bis jetzt. Hat ihr Zeit gelassen, ihr sanft den Nacken gestreichelt, geduldig gewartet, bis sie soweit war. Aber das ist jetzt vorbei. Gleich wird er seine Hand gegen sie erheben - mit welchem Werkzeug auch immer. Sie hat ihn gebeten, nicht zu vorsichtig zu sein.

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Kommentare von Leserinnen und Lesern

high time

Autor.

08.02.2023 um 14:37 Uhr

Liebe Campanula, gestern habe ich diesen Text nochmal in der Nachlese gelesen. Ich kannte ihn schon. Aber es ist, wie viele Texte von dir, einer, den man öfter lesen kann.

Ganz viel ist ja schon gesagt worden in den Kommentaren. Deshalb nur ganz kurz.

Der Text macht demütig. Welcher Dom, der liebt, wünsch sich nicht, derjeige für seine Sub zu sein, den sie wirklich meint? Immer! Wenn sie fliegt und wenn sie landet. Er möchte sie gleichzeitig fliegen lassen und bei sich behalten.

Aber vielleicht geht das wirklich nicht. Vielleicht ist das ein Widerspruch in sich. Vielleicht ist das Fliegen im Äther der Sehnsüchte, der Phantasien und der Traumgestalten und das Landen in tiefer warmer Freundschaft, die man mit dem Einen teilt, alles, was man erwarten kann. Was du als Sub erhoffen kannst und was ein Dom erhoffen kann. Dein Text versöhnt mit dem Gedanken, vor allem der Schlusssatz, aber es bleibt auch ein wenig Traurigkeit. Oder Desillusion. So eine Art aufsässiges Donnergrollen. Ein "Nein, für die Richtige will ich mehr sein!"

Tony Baigu

Gelöscht.

09.01.2023 um 23:07 Uhr

Wirklich ein Triptychon? Temporär so gestaltet, vielleicht. Gedankenwelt, Gefühlswelt und reale Welt lägen aus meiner Sicht vielleicht näher als Grundlage einer Dreiteilung. Aber auch diese wäre, wie die zeitlich erfolgte, nur ein Teil des Raum-Zeit-Zusammenhangs. Imgrunde ist aber der Mensch hier dreigeteilt, oder besser: die Menschen sind es. Real ist es in mehrfach Hinsicht. Keine weltfremden Gedanken, kein abstruses Geschehen, keine unglaubwürdigen Figuren. Hier weiß jemand, wovon er spricht. Heutzutage selten geworden, desto mehr zu würdigen.

23.08.2022 um 16:50 Uhr

Sehr ansprechend geschrieben.  Klare Beschreibungen und Freiraum für eigene Vorstellungen ergeben ein rundes Bild. Macht Lust zum mehrfach lesen.

Nachtasou

Autor. Lektor.

13.07.2022 um 01:36 Uhr

Das ist keine Geschichte. Aber ein Text, und zwar eine kurze Abhandlung.

Und doch eine »Geschichte«, weil das Wort von Geschehen abstammt. Das gehört zur menschlichen Grundexistenz und geschieht dauernd.

 

Die für die Geschichte selbst unnötigen Einschübe in Latein sollen was andeuten? Dass diese Frau nach dem Sex mit diesem bekannt unerfindlich glasigen Blick (als läse sie jetzt lieber alte Griechen als eine Zigarette zu rauchen) antwortet: »Doch doch, alles gut. War schon in Ordnung.«

 

Ist auch besser so, dass sie schweigt. Das angeschnittene Thema sollte keinesfalls mit einem Partner, und schon gar nie, nie, nie nicht nach dem Sex, besprochen werden. Einen effektiveren Lustkiller gibt es nämlich nicht. Und damit sind nicht die Hilfsphantasien gemeint!

 

Die Rolle von Schmerz (neben der nicht zu überwindenden Einsamkeit, auch durch Sex nicht) wird als mögliche Lösung versucht. Aber hier gerät die Denkende in einen Strudel. Denn subjektiver als dieser kann überhaupt nichts sein; nicht teilbar, und damit noch trennender.

Aber er ist von jemand anderem herstellbar, über Ursache und Wirkung und zeitliche Nähe eben doch verbindend.

Das Ende hört sich dann auch eher pragmatisch an.

 

Gut zum Nachdenken ist dieser Text. Aber er hätte auch etwas »geschichtlicher« verpackt sein können. Er verbleibt so zwischen Abhandlung und Geschichte auf halber Strecke. Die Idee, das Thema ist es aber allemal wert.

 

Den Text vor dem Schlafengehen gelesen zu haben, bereue ich. Aber das laste ich nicht der Autorin an. Den Boten soll man nicht schlagen.

Einer Frau, die nach dem Sex über dieses Thema grübelt, post coitum, anstatt selig anzukuscheln, tät ich nächstes Mal den Arsch derart nadeln, dass sie sich freiwillig nie wieder in mein Bett legt. Depressiv kann ich allein besser *g

 

Danke für den Text.

13.07.2022 um 00:01 Uhr

Sehr einfühlsam und romantisch. Ruft nach Vertiefung.

Yuria

Förderer.

01.04.2022 um 14:39 Uhr

Liebe Campanula,

vielen Dank für deine Geschichte, ein Einblick in einen vielleicht zwar kurzen Moment, der doch mit so viel Leben und Inhalt gefüllt ist. Die kribbelnde Spannung zu Beginn, die spätere "Trauer" um den einen Richtigen, der vielleicht nie kommt, aber trotzdem ein abschließend friedliches Gefühl des Vertrauens und der Dankbarkeit finde ich sehr schön!

Gelöscht.

25.03.2022 um 16:25 Uhr

Eine Geschichte, die mir durch dein sicheres Sprachgefühl überzeugt. Dank dafür.

08.02.2022 um 14:44 Uhr

Sehr schön geschrieben, dunkel, leidenschaftlich. Wie ein Tanz

Vielen Dank

Campanula

Autorin.

07.02.2022 um 21:40 Uhr

Ich bin immer wieder beeindruckt, wie unterschiedlich Texte gelesen werden können - oft genug völlig anders, als der Autor oder die Autorin es beim Schreiben im Sinn hatte. Danke, dass du deine Lesart so ausführlich und detailliert mit uns geteilt hast! Es hat mir viel Freude gemacht, meinen Text mit deinen Augen zu betrachten.

07.02.2022 um 18:23 Uhr

Da blitzt das unterschwellige Thema von der Sub auf, die sich ganz hineinbegeben will - hier in die Welt des Schmerzes. Da ist sie bei diesem Herrn an der richtigen Adresse. Er beginnt ohne Schonung. Es ist ihr mehr als recht, sie hat erhofft, dass sie nicht geschont wird. Sie hat es zuvor sogar verbal herausgefordert und bekommt nun ihre Forderung erfüllt. Sie akzeptiert nicht nur die volle Härte ihres Dom, sondern registriert auch mit gewisser Genugtuung, dass sie - zeitweilig - die Schwelle zur Schmerzwelt überschreitet. Da sie nur noch vom Schmerz beherrscht wird und alles andere ausgeblendet ist, kann sie sicher sein, dass sie die Schwelle zum Schmerzreich tatsächlich überschritten hat. Das ist ein legitimes Ziel einer Sub: Durch die körperliche Gewalt des Herrn im Kopf befreit werden von allem anderen, nur noch dem beißenden, heißen Schmerz nachspüren, ganz bei sich selbst sein. Schon der Gedanke "Jetzt gehöre ich ganz ihm" wäre in dieser Situation schon ein Gedanke zu viel. Insofern hat ihr Herr ihr wohl einen Wunsch erfüllt und ihr tatsächlich "gedient". Diese gefühlten Wechsel im Empfinden einer Sub zwischen Erduldung und Beschenktwerden finde ich immer wieder faszinierend. Deshalb gefällt mir dein Text.

Aber wir erfahren auch: Die reine, von allen anderen Empfindungen und Gedanken abgeschottete Schmerzwelt ist flüchtig. Selbst die unterwerfungswillige Sub neigt dazu zu "tricksen", also ihre Gedanken doch wieder fliegen zu lassen. Da hilft sogar der nicht versiegende Tränenschwall und das Schreien, beides zugleich Zufluchtsorte in der Schmerzwelt als auch Auswege aus dieser heraus. Mir fällt auf, was diese Sub nicht ist: stolz und willens, die ihr auferlegte Prüfung zu bestehen. Sie stürzt sich quasi im freien Fall in die Schmerzwelt hinein. Wir erfahren nicht, ob der danach vollzogene Koitus sie belohnt und versöhnt hat oder er nur die banale Rückkehr aus dem Schmerzreich markiert hat. Diese Sub fühlt intensiv, aber sie bleibt in ihren Gefühlen ambivalent. Ihr Herr erscheint zudem austauschbar und erfüllt lediglich seinen Zweck in dieser Begegnung, die offenbar nicht das Potenzial einer Beziehung hat. Trotzdem: eine gute, sehr kompakte Skizze eines Gefühls, die bestimmt so oder ähnlich fast jede schmerzaffine Sub schon mal erlebt hat.

Berücksichtigt wurden nur die letzten Kommentare.

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