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Schattenzeilen

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Triptychon

Eine BDSM-Geschichte von Campanula

Ante ictum

 

Da steht sie nun also, mit gespreizten Beinen über dem Schrägbrett, das Gesicht der Sprossenwand zugewandt, die Arme hoch erhoben, die Handgelenke mit Seilen rechts und links am Klimmzugbügel festgebunden. Er hat auch ein Seil um ihre Taille gewunden und dieses so an der Sprossenwand befestigt, dass sie ihr Becken nach vorne kippen und ihren Hintern deutlich exponieren muss. Aus den Augenwinkeln sieht sie ihr Spiegelbild in der dunklen Glasfront des Schiebetürenschranks: Das Netzkleid, das sie trägt, betont die Konturen ihres Körpers eher, als dass es sie verbirgt. Ihre Füße stecken in knöchelhohen Söckchen und High Heels. Und natürlich ist sie geschminkt, ein ausdrucksvolles Augen-Make-up und rote Lippen. Natürlich.

 

Erstaunt stellt sie fest, wie sexy sie aussieht in diesem Outfit und der Körperhaltung, in die er sie gezwungen hat. Gehorsam öffnet sie den Mund, als er ihr nun den Knebel zwischen die Lippen schiebt. Und dennoch hat sie Angst. Der Weg hierher war steinig und sie haben sich mehr als einmal die Zehen blutig gestoßen. Auch jetzt ist sie sich noch nicht sicher, ob das hier funktionieren wird. Es ist Monate her, dass sie es zuletzt gewagt haben. In all der Zeit war es unvorstellbar für sie, sich noch einmal darauf einzulassen. Sie hat sich nicht danach gesehnt, geschlagen zu werden. Im Gegenteil, sie fürchtet den Schmerz. Aber sie weiß, dass es nur so geht. Wenn es überhaupt geht.

 

Er war behutsam und liebevoll bis jetzt. Hat ihr Zeit gelassen, ihr sanft den Nacken gestreichelt, geduldig gewartet, bis sie soweit war. Aber das ist jetzt vorbei. Gleich wird er seine Hand gegen sie erheben - mit welchem Werkzeug auch immer. Sie hat ihn gebeten, nicht zu vorsichtig zu sein.

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Deine Meinung

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Kommentare von Leserinnen und Lesern

01.04.2022 um 14:39 Uhr

Liebe Campanula,

vielen Dank für deine Geschichte, ein Einblick in einen vielleicht zwar kurzen Moment, der doch mit so viel Leben und Inhalt gefüllt ist. Die kribbelnde Spannung zu Beginn, die spätere "Trauer" um den einen Richtigen, der vielleicht nie kommt, aber trotzdem ein abschließend friedliches Gefühl des Vertrauens und der Dankbarkeit finde ich sehr schön!

Rufus

Gelöscht.

25.03.2022 um 16:25 Uhr

Eine Geschichte, die mir durch dein sicheres Sprachgefühl überzeugt. Dank dafür.

08.02.2022 um 14:44 Uhr

Sehr schön geschrieben, dunkel, leidenschaftlich. Wie ein Tanz 

Vielen Dank

Campanula

Autorin.

07.02.2022 um 21:40 Uhr

Ich bin immer wieder beeindruckt, wie unterschiedlich Texte gelesen werden können - oft genug völlig anders, als der Autor oder die Autorin es beim Schreiben im Sinn hatte. Danke, dass du deine Lesart so ausführlich und detailliert mit uns geteilt hast! Es hat mir viel Freude gemacht, meinen Text mit deinen Augen zu betrachten.

07.02.2022 um 18:23 Uhr

Da blitzt das unterschwellige Thema von der Sub auf, die sich ganz hineinbegeben will - hier in die Welt des Schmerzes. Da ist sie bei diesem Herrn an der richtigen Adresse. Er beginnt ohne Schonung. Es ist ihr mehr als recht, sie hat erhofft, dass sie nicht geschont wird. Sie hat es zuvor sogar verbal herausgefordert und bekommt nun ihre Forderung erfüllt. Sie akzeptiert nicht nur die volle Härte ihres Dom, sondern registriert auch mit gewisser Genugtuung, dass sie - zeitweilig - die Schwelle zur Schmerzwelt überschreitet. Da sie nur noch vom Schmerz beherrscht wird und alles andere ausgeblendet ist, kann sie sicher sein, dass sie die Schwelle zum Schmerzreich tatsächlich überschritten hat. Das ist ein legitimes Ziel einer Sub: Durch die körperliche Gewalt des Herrn im Kopf befreit werden von allem anderen, nur noch dem beißenden, heißen Schmerz nachspüren, ganz bei sich selbst sein. Schon der Gedanke "Jetzt gehöre ich ganz ihm" wäre in dieser Situation schon ein Gedanke zu viel. Insofern hat ihr Herr ihr wohl einen Wunsch erfüllt und ihr tatsächlich "gedient". Diese gefühlten Wechsel im Empfinden einer Sub zwischen Erduldung und Beschenktwerden finde ich immer wieder faszinierend. Deshalb gefällt mir dein Text.

Aber wir erfahren auch: Die reine, von allen anderen Empfindungen und Gedanken abgeschottete Schmerzwelt ist flüchtig. Selbst die unterwerfungswillige Sub neigt dazu zu "tricksen", also ihre Gedanken doch wieder fliegen zu lassen. Da hilft sogar der nicht versiegende Tränenschwall und das Schreien, beides zugleich Zufluchtsorte in der Schmerzwelt als auch Auswege aus dieser heraus. Mir fällt auf, was diese Sub nicht ist: stolz und willens, die ihr auferlegte Prüfung zu bestehen. Sie stürzt sich quasi im freien Fall in die Schmerzwelt hinein. Wir erfahren nicht, ob der danach vollzogene Koitus sie belohnt und versöhnt hat oder er nur die banale Rückkehr aus dem Schmerzreich markiert hat. Diese Sub fühlt intensiv, aber sie bleibt in ihren Gefühlen ambivalent. Ihr Herr erscheint zudem austauschbar und erfüllt lediglich seinen Zweck in dieser Begegnung, die offenbar nicht das Potenzial einer Beziehung hat. Trotzdem: eine gute, sehr kompakte Skizze eines Gefühls, die bestimmt so oder ähnlich fast jede schmerzaffine Sub schon mal erlebt hat.

Campanula

Autorin.

26.01.2022 um 21:57 Uhr

Es freut mich, dass ich dich zu fesseln vermochte!

26.01.2022 um 21:56 Uhr

Eine wunderbar fesselnde Geschichte! Ich danke dir, dass ich sie lesen durfte, Campanula

Maren

Autorin.

04.01.2022 um 21:04 Uhr

Campanula

@Maren Magst du erzählen, was genau für dich das "seltene Glück" an dieser Geschichte ist? Das würde mich interessieren! Danke für deinen Kommentar!

„Seltenes Glück“ liegt in der Fiktion deines Textes, nicht im Leben. Es ist so, dass die Traumvorstellungen des perfekten Mannes, Doms, Subs oder was auch immer als Partner gesucht wird, nie real erreicht wird. Wie auch? Sie bleiben Fiktion, eine Grenze, durchlässig nur für Text.

Campanula

Autorin.

04.01.2022 um 10:30 Uhr

Liebe @Mississippi, in Clus Blog las ich mal den Gedanken, dass die Devotion einer jeden Sub sich letztendlich auf Traumdom richtet und kein Mann aus Fleisch und Blut diesen Anspruch je dauerhaft erfüllen kann. Seinerzeit habe ich mich an dieser Aussage gestört, aber sie hat mich doch nie wieder losgelassen. Und heute würde ich diesem Satz tatsächlich mehr Wahrheit zuschreiben als damals, wenngleich ich ihn immer noch absolut setzen würde.

Danke fürs Lesen und für deinen lieben Kommentar!

Mississippi

Förderer.

03.01.2022 um 18:36 Uhr

Wow, was für eine Geschichte. Ich liebe deine Gedanken zwischen dem echten und dem imaginären Herrn, den es wohl nie geben wird.

Berücksichtigt wurden nur die letzten Kommentare.

Zu allen Beiträgen im Forum zu dieser Veröffentlichung.