Registrieren Login

Schattenzeilen

BDSM-Geschichten lesen und schreiben

Social Bondage: Textnummer 2055 | Facebook | Twitter

Urheberrecht: Eine Veröffentlichung, Vervielfältigung oder Verwendung darf nur nach Zustimmung durch Onmymind erfolgen! Mehr dazu ...

Namen, Orte, Handlungen: Im Text erwähnte Namen, Orte und Begebenheiten sind, soweit nicht anders angegeben, fiktiv. Handlungen und Techniken sind nicht vollständig beschrieben, es fehlen Sicherheitshinweise. Mehr dazu ...

 

Tabu

Eine BDSM-Geschichte von Onmymind

Die Hände aufgestützt betrachte ich mich im Spiegel. Was siehst du? Ich kralle mich in das harte Porzellan, will nicht hinsehen. Ein Rinnsal im Waschbecken, das ich nicht verschwenden will. In der Kuhle meiner Hände sammelt sich das kalte Wasser. Immer wieder wasche ich mein Gesicht, doch ich wache nicht auf. Dieses Mal nicht. Meine Haare sind nass geworden und der Spiegel ist vollgespritzt, sodass die Tropfen hinunterlaufen. Es juckt mich in den Fingern, das Glas zu putzen. Wenn ich den Wasserhahn nicht poliere, bleiben Kalkflecken. Nicht gleich, aber irgendwann. Eine Metapher. Die Chaotin in mir lacht mich aus. Was ist aus dir geworden? So wolltest du doch nie werden! Die Luft zum Atmen wird kostbar, gierig sauge ich sie ein. Ich tauche meine Hände ins Wasser und verschmiere wütend das Bild, bis ich mich nur mehr verschwommen sehe. Gut so! Das bin ich. Verschwommen. Ein Schatten meiner selbst.

Plötzlich ist mir alles zu viel. Und dass mir alles zu viel ist, ist mir auch zu viel, schließlich habe ich alles, was man sich wünschen kann. Ich bin ein undankbares Luder, ich hasse mich! Mein Kopf schnellt zur Seite, die Wange brennt von der heftigen Ohrfeige und meine Handfläche kribbelt. Es ist sinnlos, ich komme nicht runter. Eine lächerliche Selbstgeißelung mit schalem Nachgeschmack. Rationell betrachtet weiß ich, dass ich eine Panikattacke habe. Es gibt Abhilfen. Entweder räume ich den Kühlschrank leer, esse, bis ich pappvoll bin, mich endlich wieder spüren kann, oder ich betäube mich mit Tabletten. Falsch, richtig, gut, böse, alles verschwimmt. Die dritte Möglichkeit steht nicht zur Debatte. Wie um mich zu vergewissern, gehe ich zu den Kinderzimmern. Davor bleibe ich stehen. Schützend breite ich meine Arme aus, spüre das Holz an meinen Handflächen. Eine Tür links, die andere rechts. Eine gekreuzigte Sünderin. Ich wende mich zum Schlafzimmer. Hinter der geschlossenen Tür schläfst du. Ich drücke meine Stirn dagegen.

„Weshalb kannst du nicht annehmen, was ich bin? Ich passe mich an und fühle mich schlecht. Bitte, ich will uns nicht verlieren, aber ich bin mehr als nur ein Teil“, flüstere ich.

Dabei will ich, dass du mich hörst und doch wieder nicht, denn du verstehst mich nicht. Mit zitternder Hand drücke ich den Türgriff nieder und verharre. Stell dich! Wimmernd presse ich die Finger an meine Schläfen, doch die Stimme ist beharrlich. Stell dich! Hektisch entblocke ich eine Nummer und tippe eine Nachricht ein. Kai schläft nicht. Auch hat er mich nach all der Zeit nicht vergessen. Er antwortet sofort. Ich nehme den Autoschlüssel, hole die Pumps aus ihrem Versteck und schleiche mich aus dem Haus. Ich bin ein feiger Wurm.

 

Der Bass hämmert aus den Boxen. Großstadtlichter ziehen vorbei. Der Fahrtwind zerrt an meinen Haaren. Ich fühle mich berauscht und der Druck ist weg. Ich kann wieder atmen. Die Nacht wirft ihren nachsichtigen Schleier über mich, lässt Adrenalin durch meine Adern strömen. Seit ich die schwarzen Lackheels angezogen habe, bin ich eine andere Frau. Sie holt sich, was sie braucht. An einer Kreuzung springt die Ampel auf Rot. Mein verhangener Blick begegnet mir im Rückspiegel. Ich trage den knallroten Lippenstift auf, den ich im Alltag niemals verwenden würde. Viel zu aufdringlich. Eigentlich wollte ich ihn schon längst wegwerfen, doch ich konnte es nicht. Eines der letzten Attribute meiner Selbstfindung. Es hat mich körperlich geschmerzt, mein Lederhalsband und meine Mieder wegzugeben. Ich wollte damit meine Identität ausradieren, mich wieder geradebiegen, doch es hat nichts genutzt. Alles nur Schein.

Du möchtest diese BDSM-Geschichte weiterlesen?

Melde Dich in Deiner BDSM-Community an

Name:

Passwort:

Wenn Du bereits einen Nutzernamen hast, melde Dich bitte vor dem Lesen am System an. Andernfalls kannst Du Dich kostenlos registrieren oder Dir zunächst weitere Vorzüge von angemeldeten Nutzern ansehen.

Du möchtest Dich nicht anmelden? Dann stehen Dir nur die ohne Anmeldung lesbaren BDSM-Geschichten zur Verfügung.

 

Deine Meinung

Du kannst Texte nur dann bewerten, wenn Du sie voll einsehen kannst.

 

Kommentare von Leserinnen und Lesern

10.06.2021 um 23:32 Uhr

Sehr schön geschrieben. Man kann sich gut in die Szene einfühlen und mit den Akteuren die bildlich beschriebene Spannung fühlen.

08.06.2021 um 23:47 Uhr

Brutal. Diese Geschichte kann seelisch sehr verletzen aber auch aufwecken. Ich will glauben, dass es doch einen Ausweg aus ihrer Situation geben kann... wenn nicht mehrere.

27.04.2021 um 04:00 Uhr

Eine tolle Geschichte. Gut lesbar und nachvollziehbar. Die Beschreibung der Weiblichkeit in Verbindung mit der Erde fand ich sehr faszinierend. Das Sehen der eigenen Schönheit wird den Frauen heutzutage leider sehr schnell abgewöhnt durch die die Regeln und Normen der Gesellschaft haben sie selten die Chanze auch sie selber sein zu dürfen. Umso schöner finde ich, diese Themen einmal auf so eine Art darzustellen.  Eine wirklich wunderschöne Geschichte.

27.04.2021 um 00:32 Uhr

Als Auftakt für eine längere Geschichte, ein toller Einblick in das Seelenleben der Protagonistin. Als eigenständige Geschichte beißt das Traumende natürlich als "deus ex machina".

Drachenlady

Autorin. Förderer.

26.04.2021 um 22:54 Uhr

geändert am 27.04.2021 um 00:14 Uhr

Ich finde die Geschichte spannend, ergreifend, sie macht mich nachdenklich, sie wirkt vertraut, erinnert an geführte Gespräche. Sie nimmt einen mit, man kann die innere Zerrissenheit fast mit Händen greifen.

Allerdings kann ich an ein paar Stellen dem Dialog irgendwie nicht mehr folgen, passen für mich die Antworten nicht zu den gestellten Fragen und hören sich für mich seltsam durcheinander an.

Außerdem sind manche Aussagen für mein Dafürhalten unlogisch

"Kai sieht mit kalter Miene auf mich hinunter, ..."

das heißt für mich, er steht direkt vor oder zumindest sehr nah bei ihr und sie sieht, dass er auf sie hinunterblickt => trotz Augenbinde?

Zwei Sätze später folgt

"Kai atmet hörbar. Er kommt zu mir, nimmt mir die Augenbinde ab".

Bedeutet für mich, er stand (etwas) weiter entfernt. Gut, in Träumen ist nicht immer alles logisch.

Aber das sind natürlich Spitzfindigkeiten meinerseits, die dem Gesagten nichts von seiner Bedeutungsschwere nehmen.

Ronja

Autorin.

21.04.2021 um 15:01 Uhr

Fühle mich in deine Geschichte hineingezogen. Wie ein Sog, der mich mit sich reißt. So ein intensives Erleben, an dem du mich teilhaben lässt. Spannend und tragisch zugleich. Ohne, dass es je ein Happy End geben könnte. Ein Leben gelebt hinter einer Fassade.

Criss

Förderer.

21.04.2021 um 12:50 Uhr

Eine intensive, berührende Geschichte. Leider gibt es zuviele, die sich verbiegen und verstecken.

poet

Autor.

16.04.2021 um 21:27 Uhr

Sehr intensiv erzählter Text, der mich nicht einfach nur entlässt, er "arbeitet" weiter, hängt mir ein Fragezeichen um den Hals ...

† Eleanor Rigby

Gelöscht.

12.04.2021 um 23:39 Uhr

In dieser Geschichte konnte ich das Geschehen in jeder Minute nachempfinden.

Die Worte haben mich weit weggetragen.

12.04.2021 um 00:10 Uhr

Eien Geschichte die sehr nachdenklich macht und sich wahrscheinlich auch gar nicht so selten in der einen oder anderen Form wirklich so abspielt.

Ich habe mich schon in einer vergleichbaren Situation empfunden, deshalb trifft sie auch einen Nerv bei mir.

Berücksichtigt wurden nur die letzten Kommentare.

Zu allen Beiträgen im Forum zu dieser Veröffentlichung.