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Schattenzeilen

BDSM-Geschichten lesen und schreiben

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Urheberrecht Urheberrecht: Eine Veröffentlichung, Vervielfältigung oder Verwendung darf nur nach Zustimmung durch Rene Raimann erfolgen! Mehr dazu ...

Hinweise beachten Namen, Orte, Handlungen: Im Text erwähnte Namen, Orte und Begebenheiten sind, soweit nicht anders angegeben, fiktiv. Handlungen und Techniken sind nicht vollständig beschrieben, es fehlen Sicherheitshinweise. Mehr dazu ...

 

Das Portrait

Eine BDSM-Geschichte von Rene Raimann.

Er wollte mich von Anfang an zeichnen.

Ich fand das abgeschmackt. Das hatte für mein Empfinden etwas von ›Briefmarkensammlung zeigen‹.  Ich erklärte ihm, dass ich mich alles andere als pittoresk fühlte. Er hielt dagegen, er sähe in mir eine Grazie, die ich selbst offensichtlich nicht wahrhaben wolle. Grazie. Ich und Grazie! Klar: Mit meinen 175 cm und satten 80 Kilo hätte ich ihm wohl eher abgenommen, dass er die verborgene Walküre als die Elfe in mir entdeckte. Er entkräftete meine sarkastischen Bemerkungen, indem er seine Hand auf die Rundung meiner Hüfte legte und meinen Widerspruch stummküsste.

Immer wieder fing er damit an. Lass mich dich zeichnen!

Halb hoffte, halb fürchtete ich, dass er davon geheilt sein würde, nachdem er mich zum ersten Mal nackt gesehen hatte. Doch nein, die Frequenz seiner Gesuche erhöhte sich nach unserem ersten Sex sogar! Ich hatte den Eindruck, dass er mich nur noch mehr umschwärmte. Ständig zauberte er in passenden und unpassenden Augenblicken seinen Skizzenblock hervor und wedelte damit vor meiner Nase herum.

Anfangs war ich selig - noch nie hatte mich ein Mann spüren lassen, dass er mich physisch so anziehend fand. Doch nach und nach musste ich feststellen, dass nach dem Sex oft ein schales Gefühl zurückblieb. Eine schwer zu fassende Leere, als hätte ich irgendetwas verpasst. Manchmal schien mir, als befände er sich gar nicht in seinem Körper, während er - rein technisch gesehen makellos - mit mir zugange war. Oft brachte er mich zum Höhepunkt, doch fühlte sich das wie ein unverdientes Zugeständnis an.

Es machte mir ein schlechtes Gewissen, für das ich keine Erklärung fand; schließlich kam doch auch er auf seine Kosten! Oder etwa nicht? Die meiste Zeit über hielt er die Augen geschlossen. Einmal kam mir der Vergleich mit dem Agenten eines Sondereinsatzkommandos, der über den Knopf im Ohr unauffällig Befehle aus seiner Zentrale entgegennimmt. Tatsächlich bewegten sich auch manchmal seine Lippen, als gäbe er unhörbare Antwort.  ›Headquarters hier. Hier Headquarters, Sergeant X, halten Sie weiterhin engen Kontakt mit der Zielperson und sorgen Sie dafür, dass sie keinen Verdacht schöpft. Haben Sie verstanden, Sergeant X? Over.‹ - ›Aye Sir, Sergeant X hier. Ich stehe in diesem Augenblick in engstem Kontakt mit der Zielperson. Sie ist ahnungslos, Sir. Over and out ...‹ Ich hatte Mühe, bei dieser Vorstellung nicht loszuprusten.

 

Bevor wir zusammengekommen waren, hatte ich Oliver als maskulin, ja geradezu machohaft erlebt. Eine Eigenschaft, die mich bei einem bildenden Künstler, dem das Klischee eher Sanftmut und Introvertiertheit abforderte, überraschte. Mit der Zeit lernte ich allerdings, seine Vielschichtigkeit zu schätzen. Er hatte nämlich durchaus eine weiche, sensible Seite, trat aber in den richtigen Momenten als ›echter Kerl‹ auf. Selbstsicher und klar. Das füllte mich mit einem heimlichen Triumphgefühl, denn bisher hatten sich die Männer in meinem Leben früher oder später als - milde gesagt - entscheidungsschwache Softies herauskristallisiert.

 

Oliver ließ nicht locker.  Er brachte vor, dass seine Bilder mir doch laut eigener Aussage gefielen! Dass ich seine Aquarelle mochte, vor allem aber seine erotischen Zeichnungen. Ja, schon ... Aber es ist etwas anderes, Kunst zu besehen und zu genießen, als ein Objekt derselben zu werden. Und falls ich irgendwann einmal so weit sein sollte, mich von ihm zeichnen zu lassen - was ich für ziemlich unwahrscheinlich hielt - dann käme das Bild ganz bestimmt nicht in seine Erotik-Mappe!

Und er nervte weiter. Na gut, sagte ich schließlich. Es war in unserem ersten gemeinsamen Urlaub: Okay. Tu es! Zeichne mich!

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Kommentare von Leserinnen und Lesern

poet

Autor.

22.04.2020 um 22:32 Uhr

Großartig - Reflexion statt Aktion, das Bild bildet das Leben vorab, eine tolle Idee. Danke für diesen Text!

20.04.2020 um 01:12 Uhr

Erst musste ich so lachen, als die Protagonistin ihr Portrait, das sie überhaupt nicht ansprechend fand, entdeckt hatte und detailliert beschrieb. Man konnte sich so in sie hineinversetzen. Wunderbar. Spürte den Ärger und die Scham, die darauf folgten und wie sich im Anschluss das Ganze langsam in Erregung verwandelte. Tolles Kopfkino, vielen Dank dafür.

Gregor

Autor.

18.04.2020 um 16:12 Uhr

Fein, Rene. Verhalten, hast du dir Zeit gelassen beim Schreiben. Scheinbar ein Stilleben, doch wirkt deine Geschichte nicht bremsbar. Sie zieht mit verdeckter Kraft vorwärts. Unaufhaltsam, ist dabei fast sezierend und sehr klar.

Ich mach ein Bild. Deine Geschichte wirkt so, als würde jemand ganz langsam eine Decke wegziehen. Auf das Papier gebrachte Schreibdisziplin.

Das habe ich gern gelesen.

dienerin

Autorin.

17.04.2020 um 20:43 Uhr

Danke Rene Raiman

für diese Geschichte.

Sinnlich kommt sie daher.

Die Gefühle der Frau waren so deutlich im Raum zu spüren

Und auch die Verwandlung, die mit ihr passierte

Ich habe die Geschichte sehr gerne gelesen.

Dienerin

17.04.2020 um 12:16 Uhr

@hanne lotte

Was für ein schöner Kommentar! Beinahe schon eine Geschichte für sich...

Ja, das Schöne ist ja, dass wir als Schreiber/Leser manchmal klüger sind als die Protagonisten - und trotzdem bis zuletzt die eine oder andere Frage offen bleiben kann...

13.04.2020 um 02:33 Uhr

Ich kann mich nicht erinnern, ob ich während des Lesens einmal geatmet habe. Schnörkellos und dennoch beeindruckend plastisch geschrieben. Gefällt mir sehr gut. Danke

hanne lotte

Autorin. Teammitglied.

12.04.2020 um 22:21 Uhr

Der Künstler, der hinter die Maske schaut, von deren Vorhandensein man selbst nichts ahnt. Wo scheinbare Sicherheit nur durch leises Unwohlsein ein bisschen aus dem Tritt gebracht wird.

Was für ein Schock, diesen Spiegel vorgehalten zu bekommen.

Natürlich war mir von Anfang an klar, dass es ihm nicht um das Portrait an sich ging, sondern dieses ein Mittel zum Zweck ist. Man weiß es ja immer irgendwie, sonst wäre man nicht hier. Frau auch nicht.

Und hält dann doch die Luft an, ob das Wagnis gelingt, ob der Spiegel zerspringt oder heil bleibt und das Bild der Realität zur Ausschmückung zurück gibt. Und atmet am Ende auf.

Danke für Revolte contra Schamgefühl

Hanne

Knurrwolf

Autor.

12.04.2020 um 07:57 Uhr

Das war eine wirklich schöne und zugleich auch intensive Geschichte, in der es wunderbar gelungen ist, nur an der Oberfläche zu kratzen und doch die darunter schlummernde Tiefe zu offenbaren. Von den Empfindungen der Beteiligten über ihre unbewussten Absichten bis hin zu den - vielleicht gar nicht mehr so geheimen - Vorstellungen. Das Ende war das fast schon ein wenig zu offensiv für mich, aber es fügt sich gut in die Geschichte ein.

Wie immer bin ich etwas irritiert, das die Charaktere zwar gedanklich und von ihren Gefühlen her aber optisch so wenig gezeichnet werden, aber das ist nur mein Tick

Tek Wolf

Autor.

12.04.2020 um 07:12 Uhr

Wie immer ein großes Vergnügen, eine Geschichte von dir zu lesen. Deine Sätze sind kristallklar und doch können sie kurz und bündig Stimmungen und Bilder erzeugen. Ich liebe es. Und dann die Gedankenwelt der Frau, zögerlich, verwundbar, zuerst angewidert und dann doch der Neugier erlegen. Wirklich ganz großes Kino, ich werde diese Geschichte sicher mehr als einmal lesen. Danke. Danke dafür.

Berücksichtigt wurden nur die letzten Kommentare.

Zu allen Beiträgen im Forum zu dieser Veröffentlichung.

 

 

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