BDSM-Geschichten und andere erotische Texte und Literatur

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Geplantes Vorgehen

BDSM-Geschichte von Söldner

Leise fiel die Wohnungstür hinter mir ins Schloss. Schnell und möglichst geräuschlos lief ich die Treppen hinunter. Auf der Straße blendete mich eine böse Sonne, zu grell für einen frühen Sonntagvormittag, zu intensiv nach einer anstrengenden Nacht mit schlechtem Sex. Nur fort hier!

Durch Klubeintritt, angesagte Getränke und einen Kneipenbesuch hatte ich in der vergangenen Nacht über zweihundert Euro verloren. Ich ärgerte mich. Die letzten Stunden gehörten überhaupt nicht zu meinen Rennern. Dabei zeigte ich so viele Bemühungen, doch meine Abendbekanntschaft verhielt sich wie eine dieser aufblasbaren Puppen. Vorschläge, mit ein paar aufmunternden Fesselspielen für Stimmung zu sorgen, wies sie entrüstet zurück. Zum Abschluss der öden Nacht war ich froh, sie doch noch mit meiner Hand zu einem stillen Orgasmus zu bringen. Unmittelbar danach schlief sie ein.

Mein mieses Gefühl paarte sich mit schlimmen Gedanken an die kommenden langweiligen Sonntagsstunden und führte mich in depressive Stimmung. Während ich die menschenleere und öde Straße entlanglief, fragte ich mich, was ich verbrochen hatte, um dieses Leben vierundzwanzig Stunden täglich, sieben Tage in der Woche und, wenn es gut ging, achtzig Jahre lang führen zu müssen. Weit und breit sah ich kein Taxi. Eine ganze Woche im Büro steckte mir wie nasse Watte im Kopf. Ich hatte mich so auf das Wochenende gefreut. Und dann? Ein trauriges Abenteuer. Was für ein Leben!

Endlich saß ich im Taxi und beruhigte mich. Ich verdrängte meine beginnende Mittelstanddepression mit Blick auf den müden Taxifahrer, der seine Nacht sicher noch schlimmer verbracht hatte als ich.

Dennoch. Traurige Nächte häuften sich bei mir in den letzten Monaten. Ich musste etwas ändern.

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Kommentare von Leserinnen und Lesern

24.09.2017 um 23:23 Uhr

Anregende Geschichte, die mich sehr anspricht. Danke dafür.

hanne lotte

Autorin. Fördermitglied.

18.03.2017 um 17:10 Uhr

Da sind sich zwei Schwindler gegenseitig ins Netz gegangen und beide bekommen, was sie verdienen. Mittelmäßiges unverbindliches Wohlstandseinerlei mit ein bisschen gespielter Verruchtheit. Ich habe nur den kleinen, selbstgehäkelten Hund vermisst.

Leider merken solche Leute aber nur sehr selten, wie armselig das ist. Und so bleibt mir das Lachen auch im Halse stecken und alles, was mir noch einfällt, ist voller Sarkasmus.

Darauf ein Glas Rotwein und herzlichen Dank

hanne

Signatur

Tue was du willst, aber schade keinem dabei.

29.10.2016 um 00:05 Uhr

Lieber Söldner,

zu Deiner Steilthese: Das wäre ja traurig.

Nun darf man aber meines Erachtens nicht davon ausgehen, daß jeder Genuß, den man sich im Leben gönnt, gleich von reinem Hedonismus kündet. Wie der Wortbestandteil "-ismus" ja aussagt, ist hier von einem Prinzip die Rede. Somit ist der Hedonist nicht der, der sich mal etwas Angenehmes gestattet (hier und da mal eine Phantasie ausleben oder so), sondern einer, dem es das höchste Anliegen ist, stets seinen Genuß "an erste Stelle" (so die wörtliche Bedeutung von "Prinzip") zu setzen. Hedonismus ist eine extrem antisoziale, ich würde sogar soweit gehen zu sagen: asoziale, Haltung.

Dabei ist sie in allen Gesellschaftsschichten zu finden: Ich vergesse leider immer wieder den Namen dieser französischen Kokotte, die den Satz "Nach mir die Sintflut!" (Après moi le deluge!) geprägt hat. Das ist Hedonismus.

Und Deinen Protagonisten nehme ich auch so wahr: Keine Verpflichtungen im Leben, hier ein bißchen mit seiner Sklavin rumspielen, dort ein bißchen am kulturellen Büffet schnabulieren und sich dabei noch einbilden, man gehöre zur gebildeteren Schicht der "leaders of society", aber ansonsten keinen Beitrag zum größeren Ganzen leisten. In der Erzählung ist das gut und richtig, es wäre ganz unpassend gewesen, da noch eine Sozialkritik in die Geschichte reinzupressen (und vor allem, wer will hier sowas lesen? Ich gewiß nicht! ) Wäre Dein Protagonist allerdings ein Mensch aus Fleisch und Blut, ich würde ihn verachten.

Wem BDSM alles ist, der hätte einen – nach meinem Verständnis – recht trostlosen Lebensstil gewählt, denn der wäre wirklich im Hedonismus begründet. Man könnte es doch vielmehr genau umgekehrt sehen, und dann wird es doch erst richtig interessant: Mit BDSM nicht das Leben definieren, sondern es bereichern.

Soweit meine Küchenphilosophie für heute abend.

Noch einmal dank für die Geschichte, die ich gern gelesen habe.

Söldner

Autor. Fördermitglied.

28.10.2016 um 07:29 Uhr

geändert am 28.10.2016 um 08:05 Uhr

Willkommen auf den , Everyman!

Dank für Deinen Kommentar.

Er bringt mich ins Nachdenken.

An Hedonismus habe ich nicht gedacht, aber letztlich ist mein Protagonist strukturell als williger Mitläufer des Hedonismus veranlagt.

Was hat er denn gelernt? Konnte er aus sich die Kraft zu eigener Entscheidung zwingen?

Hat ihm jemand erklärt, dass der Hedonismus dieser Welt nicht für alle Menschen reicht?

Ich werte Hedonismus als ganz klare und brutale Zielrichtung, die mir von der Marktwirtschaft vorgegeben wird.

Habe Lust, kaufe, genieße, nimm mit, was du bekommst.

Funktioniere!

Das perverse daran ist, dass es funktioniert, vom Harz-Vierer bis zum Banker.

Hedonismus ist Barbarei, ganz korrekt.

Aber wenn ich in den Spiegel schaue, sehe ich mich frei davon?

 

Ich wage die Steilthese, dass BDSM seine Basis im Hedonismus hat. Sofern er das nicht wie im gesellschaftlichen Kontext auf den Knochen anderer Menschen tut, ist die Sache in Ordnung.

Everyman, Du treibst mich am frühen Morgen in die Philosophie.

Danke.

28.10.2016 um 00:48 Uhr

Die Erzählung hat mir ausgezeichnet gefallen.

Der Protagonist hat in seinem naiven Glauben an die Planbarkeit des Lebens etwas Puritanisches und wird ja dann auch folgerichtig (von Gott? dem Schicksal? dem Teufel?) für seinen biederen Fleiß im Verfolgen seiner Ziele mit dem sexuellen Szenario seiner Wahl belohnt.

Gruselig finde ich nur das Hedonistische in der Erzählung. Aber in einer Phantasie ist das natürlich erlaubt. Im wahren Leben fände ich solch eine Sichtweise, zumindest wenn in größerem Umfange gelebt, zutiefst barbarisch.

Nichtsdestotrotz, eine sehr ansprechende Geschichte; ich werde Bilder daraus im Kopf behalten.

Profil unsichtbar.

Gelöscht.

24.10.2016 um 04:37 Uhr

Lieber Söldner,

Jeder bekommt was er verdient, oder? Nun ja, zumindest in den Geschichten kann man es so gestalten. Ein ziemlich unsympathischer, selbstverliebter Kerl wird ein wenig an der Nase herumgeführt und bekommt am Ende was er sät.

Für mich eine sehr gelungene Geschichte. Du überrascht den Leser nicht nur mit einem Protagonisten, der einem unter die Haut geht (wenn auch im negativen Sinne), sondern auch mit dem Ende, welches ich in dieser Weise keinesfalls erwartet habe.

Es war ein Spass Deine Geschichte zu lesen. Vielen Dank.

12.10.2016 um 23:13 Uhr

gut und sehr konkret erzählt, stringent, schnörkellos!

09.10.2016 um 00:17 Uhr

Eine sehr schöne anregende Geschichte und auch mit Gefühl geschrieben. Klasse gefällt mir  

08.10.2016 um 01:58 Uhr

Sympatische Geschichte, mit viel verstecktem Humor. Schön, dass es hier auch Leute gibt, die nicht alles so bierernst nehmen.

Signatur

Viele Grüsse, Skorpion

Devana

Autorin. Teammitglied.

29.09.2016 um 10:48 Uhr

Ein wenig schmunzeln muss ich ja schon bei den Kommentaren zu dieser Geschichte. Sagen wir, die Leserschaft ist in zwei Lager geteilt...

Berücksichtigt wurden nur die letzten Kommentare.

Zu allen Beiträgen im Forum zu dieser Veröffentlichung.

 

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