BDSM-Geschichten und andere erotische Texte und Literatur

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Konzentrationsstörung

BDSM-Geschichte von eileen

Leselupe

Ich stehe vor dem Spiegel im Schlafzimmer und betrachte mich. Meine Kleidung liegt ordentlich gefaltet auf der Kommode und ich bin nackt. Mein Haar ist nach oben gesteckt, mich zu schminken ist heute nicht erlaubt. Mein Gesicht soll genauso nackt sein wie der Rest meines Körpers. Das sind die Vorschriften für unseren ruhigen Abend zu Hause, wobei "ruhig" bei uns ein sehr dehnbarer Begriff ist. Die Vorfreude lässt ein Prickeln auf meiner Haut entstehen und ich sehe immer wieder auf die Uhr. Um Punkt acht soll ich mich im Wohnzimmer einfinden. Es ist zehn vor. Der Sekundenzeiger bewegt sich quälend langsam.

Ich muss an den Abend denken, an dem Erik mir von seiner dominanten Neigung erzählt hat. 

Wir saßen auf dem Sofa und sahen uns "The Amityville Horror" an. Mir fiel schon den ganzen Tag auf, dass Erik sich anders verhielt als sonst. Mich hat von Anfang an fasziniert, dass er mit sich selbst so im Reinen zu sein scheint, nichts kann ihn nervös machen oder aus der Ruhe bringen. Zumindest dachte ich das immer. Aber an diesem Tag wirkte er rastlos. Auch jetzt rutschte er auf seinem Platz hin und her, nahm sein Smartphone in die Hand, nur um es gleich wieder wegzulegen, und ich ertappte ihn dabei, wie er mich entweder ganz ernst anstarrte oder mit den Gedanken weit weg war.

"Alles okay?", fragte ich schon zum fünften Mal, als er mich wieder musterte. Seine Unruhe übertrug sich langsam auf mich.

"Sicher, alles in Ordnung", antwortete er und tat so, als würde er den Film gucken. Ich hielt es noch ungefähr fünf Sekunden aus, dann stellte ich den Fernseher ab.

"Was ist los?"

Erik schien mit sich zu kämpfen und langsam bekam ich Angst. Wollte er mit mir Schluss machen oder hatte er mich betrogen? Er saß verkrampft da und betrachtete seine Hände. 

"Hast du schon mal von BDSM gehört?", fragte er leise.

Oh nein, dachte ich entsetzt, das kann er nicht wissen. Oder doch? War er an meinem Laptop gewesen? Hatte ich mich nicht bei der Community abgemeldet, bei der ich mich seit einiger Zeit über das Thema informierte? Was hatte er gelesen? Und was sollte ich antworten, alles gestehen oder leugnen?

"Also, gehört habe ich schon davon. Aber es ist doch eher ein Gedankenspiel, etwas, worüber man mal nachdenkt, aber das man nie wirklich machen würde." Ich hatte gehofft, meine Worte würden ihn beruhigen, aber er wirkte eher noch angespannter.

"Und wenn man es doch in der Realität erleben will?"

"Nein", beeilte ich mich, ihm zu versichern. "Es war nur, um mal zu lesen, worum es bei BDSM geht. Wir müssen das aber nicht machen, keine Sorge."

Jetzt sah Erik mich völlig verwirrt an. "Wovon redest du überhaupt?"

"Und wovon redest du?"

Er sah mich einen Moment prüfend an, dann antwortete er: "Für mich ist BDSM nicht nur ein Gedankenspiel. Ich weiß schon lange von meiner dominanten Neigung und habe sie mit Monika auch schon ausgelebt."

Ich knirschte mit den Zähnen, als er seine Ex-Freundin erwähnte. Ich wusste, meine Eifersucht war kindisch, aber das war mir egal. Dann wurde mir klar, was er gerade gesagt hatte.

"Du meinst, es wäre okay, wenn wir mal eine Session versuchen?", meine Begeisterung konnte er schlecht überhört haben. Auf seinem Gesicht erschien dieses Lächeln, das mir auch nach sechs Monaten Beziehung noch Schmetterlinge in den Bauch zauberte.

"Verrätst du mir jetzt erst mal, was du gelesen hast?"

Und da erzählte ich ihm alles. Dass ich immer öfter Fantasien hatte, die ich selbst nicht verstand. Wie ich in der Community einen Namen für diese Wünsche fand und begann, mich zu informieren. Wir redeten die ganze Nacht, irgendwann  bei einer Kanne Kaffee, über unsere Vorstellungen, Abneigungen und darüber, wie viel Angst wir hatten, dem Anderen etwas zu erzählen. An diesem Abend begann etwas völlig Neues zwischen uns.

 

Das Gespräch ist schon fast ein Jahr her. Ich finde wieder in die Gegenwart und endlich ist es eine Minute vor acht. Noch einmal tief durchatmen, dann gehe ich ins Wohnzimmer. Erik sitzt entspannt auf dem Sofa und liest ein Buch. Noch heute schlägt mein Herz schneller, wenn ich ihn sehe. Ich stelle mich in die Mitte des Zimmers, aufrecht, mit gespreizten Beinen, die Hände hinter dem Kopf verschränkt, die Brust herausgestreckt. Zuerst beachtet Erik mich gar nicht. Ich warte und versuche, unauffällig die Augen zu heben, um ihn heimlich zu beobachten. Er wirkt völlig auf den Text konzentriert, als würde er nichts um sich herum wahrnehmen. Aber er schluckt oft und räuspert sich, kleine Anzeichen, dass er sich meiner Gegenwart durchaus bewusst ist. Ob er wohl genauso ungeduldig darauf wartet, dass es losgeht? Jedes Mal hat er mich zuverlässig durch unsere Abenteuer geführt, war das Sicherheitsnetz, das mir den Mut gab, mich ganz auf neue Erfahrungen einzulassen. Ich weiß, dass ich jetzt schweigen muss, aber in diesem Moment würde ich ihm so gerne sagen, dass ich ihn liebe. 

Erik erhebt sich und ich schaue schnell wieder nach unten. Er umrundet mich langsam und berührt mich beiläufig. Sein Finger fährt über meine Schulter, seine Hand legt sich auf meine Hüfte und ich spüre seine Blicke, die über meinen Körper gleiten. Dann steht er wieder vor mir, hebt mein Kinn an und ich sehe in seine blaugrauen Augen.

"Spiel etwas für mich", sagt er ruhig und ich setze mich an mein geliebtes Piano. Die Musik ist ein fester Bestandteil meines Lebens, seit ich mich mit neun Jahren durch die ersten Fingerübungen gekämpft habe.

Ich spiele "Someone like you" von Adele. Meine Finger bewegen sich sicher über die Tasten und ich tauche in die Musik ein. Jetzt ist es an mir, Erik zu entführen, ihn in meine Welt zu ziehen, zu berühren und zum Träumen zu bringen. Alles andere rückt in den Hintergrund, mein einziges Ziel ist es, den Tasten die Töne zu entlocken, die ihm Freude bereiten. Erik spielt mit einer Haarsträhne, die sich aus meiner Frisur gelöst hat. Er betrachtet abwechselnd mein Profil und die Bewegungen meiner Hände. Als ich kurz aufschaue und den Ausdruck in seinen Augen sehe, weiß ich, dass ich es geschafft habe, ihn mit mir zu nehmen. 

Nachdem das Lied zu Ende ist, drückt er einen Kuss auf meine Schulter.

"Du spielst wunderschön", sagt er versonnen, er ist stolz auf mich.

"Such dir noch ein Lied aus. Aber du musst es fehlerfrei und ohne Unterbrechung spielen." Er hat diesen speziellen Unterton in der Stimme. Jetzt beginnt unser gemeinsames Spiel. Das bedeutet auch, dass diese Aufgabe eine Falle ist. Ich überlege, die Titelmelodie von "The big bang theory" zu spielen. Sie geht nur knappe dreißig Sekunden, da kann nicht allzu viel passieren. Aber wenn ich Erik absichtlich sabotiere, bringt mir das eher noch eine zusätzliche Strafe. Mit einem inneren Seufzen entscheide ich mich für "You raise me up" von Josh Groban. Ich weiß, wie gerne er es hört.

Kurz, nachdem ich angefangen habe, spüre ich, wie Erik meinen Nacken streichelt und massiert. Ich liebe es, dort gepackt, berührt oder geküsst zu werden. Ausgeliefert, beschützt, geborgen.

Aber jetzt versuche ich, diesem Gefühl keine Beachtung zu schenken und mich zu konzentrieren. Eriks Hände wandern zu meinen Schultern und streicheln sich dann, unter meinen Armen hindurch, zu meinen Brüsten. Er streichelt erst die Unterseiten und wiegt meine Brüste in den Händen. Gleichzeitig beginnt er, meinen Hals zu küssen. Als er mich beißt, verspiele ich mich fast. Er tut es nicht sehr fest und der Schmerz ist auszuhalten, aber er hat es geschafft, mich zu erschrecken. Gott sei Dank ist "You raise me up" eines meiner Lieblingslieder. Ich habe es so oft geübt, dass meine Finger sich fast automatisch über die Tastatur bewegen. Als er anfängt, mit meinen Nippeln zu spielen und sie zwischen Daumen und Zeigefinger zu zwirbeln, muss ich trotzdem alle Beherrschung aufbringen, um im Takt zu bleiben. Die Berührungen fühlen sich wie kleine Stromstöße an. Dann kneift er zu, so fest, dass mir die Luft wegbleibt. Ich stöhne gequält, meine Finger erstarren und eine Folge von Misstönen klingt durch den Raum. Ich nehme mich zusammen und finde den Faden wieder. Den Rest des Liedes massiert Erik meine Brüste, ich weiß, dass er lächelt. 

Nachdem die letzten Töne verklungen sind, bricht er das Schweigen. 

"Das war ja nicht gerade fehlerfrei", bemerkt er trocken. "Deine Bestrafung übernehme ich gleich, komm mit ins Schlafzimmer. "

Mit wackeligen Beinen und empfindlichen Nippeln folge ich ihm. Ich denke an unsere Spielzeugkiste, an die Spreizstange und die Peitschen in der untersten Schublade unserer Kommode. Plötzlich dreht Erik sich um und sieht mich wissend an. Dann lächelt er, zwinkert mir zu und die Schmetterlinge tanzen. Glücklich gehe ich mit ihm.

 

 

 

Kommentare von Leserinnen und Lesern

eileen

Autorin.

31.12.2015 um 14:02 Uhr

Vielen Dank, für eure Kommentare und Kritiken. 

@ Nachtasou

Ich und die Titelvergabe ist ein ewiger Kampf. Bei dieser Geschichte war die Grundidee, dass eine Frau am Klavier sitzt und ihr Dom versucht sie abzulenken. Die restliche Story ist drumherum entstanden und der Titel "Konzentrationsstörung" war schon am Anfang entschieden (und ich so froh, dass ich mich damit nicht mehr befassen muss )

Aber es stimmt, "Someone like you" hätte sehr gut gepasst, bin nur nicht drauf gekommen. 

Signatur

Das Leben ist viel lustiger, wenn man sich selbst nicht so ernst nimmt.

Nachtasou

Autor.

19.12.2015 um 23:25 Uhr

Diese Geschichte "rund" zu machen, hätte mich vor zwei Schwierigkeiten gestellt:

1.) Die zeitliche Rückblende birgt die Gefahr, dass bei einem so kurzen Text der Lesefaden reißt

2.) Die Ich-Form in der Gegenwart bringt Nähe, macht es aber schwierig, die andere Figur heranzurücken

Beides hast Du gelöst:

zu 1.) Die äußere Situation ist zu beiden Zeiten gleich: Erik sitzend auf dem Sofa

zu 2.) Eriks innere Vorgänge schildert die Ich-Erzählerin allein über Beobachtbares (Zeichen von Unruhe). Und die Pointe der Geschichte ist ja sogar, dass beide dasselbe innere Anliegen haben, wie sich herausstellt.

Alle Teile (2 Personen, 2 Zeiten) sind wunderschön miteinander verklammert, mehr noch: gespiegelt. Dadurch wirkt es so kompakt. Von einer Konzentrationsstörung kann in der Architektur der Geschichte also keine Rede sein

Persönlich ansprechend find ich die Klavierszene, und die Art der Berührungen. Da sirrt die Luft (Lust) mehr als im "Baumarkt-SM".

Eileen, der Titel fällt mir aus dem Rahmen. Auch wenn er in der Klavierszene passt. Er weckte bei mir ein ganz anderes Feld von Erwartungen. Aber okay, vielleicht ging es nur mir so. "Someone Like You" kommt im Text vor, und wäre eine mögliche Wahl gewesen (?).

Signatur

Die Zunge hat keine Knochen

16.11.2015 um 23:46 Uhr

Die Idee ist sehr nett, doch was dann kommt, läßt zwar viel Raum für das eigene Kopfkino, doch ich hätte gern noch ein wenig mehr davon gelesen :)

Gruß,

Mr.G.

Kaoru

Autor.

13.11.2015 um 15:51 Uhr

Eine Geschichte, die einen mitzieht, ohne jetzt zu sehr ins Detail zu gehen. Hie und da hätte ich mir ein paar tiefere Eindrücke gewünscht, aber das ist nur mein persönlicher Geschmack.

In jedem Fall regt sie das Kopfkino an und hinterlässt einem mit genug Material dafür.

Signatur

The sexiest thing a man can do to his woman - is crawl inside her mind and make her imagination run wild.

Profil unsichtbar.

Gelöscht.

20.10.2015 um 13:24 Uhr

Diese Gefühle zu wecken ist mir ein Bedürfniss

linky

Profil unsichtbar.

Gelöscht.

22.09.2015 um 16:34 Uhr

Trotz der Vorhersehbarkeit wird die Lust auf mehr geschuert.

Profil unsichtbar.

Gelöscht.

18.07.2015 um 22:20 Uhr

Durch dein Wortwahl, die beschriebene Alltagsnähe und Emotionalität der Protagonisten wäre es sehr verlockend, mehr zu erfahren

Profil unsichtbar.

Gelöscht.

05.07.2015 um 10:00 Uhr

Wunderschöne Geschichte, die mich total mit genommen hat. Die Verbundenheit der Beiden ist greifbar. Schön auch der Blick in die Retrospektive. Danke

22.06.2015 um 12:18 Uhr

Eine wirklich tolle Geschichte, in der ich die Wärme und Liebe zwischen den Protagonisten sehr deutlich herauslese. Im Gegensatz zu manch anderer Geschichte mit eher offenem Ende stört es hier überhaupt nicht, dass der letzte Teil der eigenen Phantasie überlassen wird.

Die Verbindung von handgemachter Musik und einer Dominanz-Situation gefällt mir gut, die Idee, die Liebste unter gewissen Zwängen für mich spielen zu lassen, ebenso.

Vielleicht sollte ich meiner Kleinen ein paar Stunden Musikschule finanzieren...

25.05.2015 um 21:20 Uhr

Wirklich schön geschrieben. Irgendwie hatte man immer das Gefühl, als heimlicher Zuschauer in der Ecke zu stehen.

Signatur

Niemand ist gut genug, einen anderen ohne dessen Zustimmung zu regieren (Abraham Lincoln).

Berücksichtigt wurden nur die letzten Kommentare.

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