Wie wird es in der Zukunft weitergehen mit der Akzeptanz von BDSM in der Gesellschaft? Was ist, wenn das Besondere plötzlich das Normale ist? Oder umgekehrt? Eine nicht ganz ernst gemeinte Betrachtung – oder doch ganz ernst?
Gedankenvoll blickte sie auf die Zeilen, die sie per Voicetext verfasst hatte. Ihr Herz hämmerte bei dem Gedanken, was er wohl darüber denken würde. Sollte sie sie wirklich absenden? Ein Tastendruck und es war nicht mehr rückgängig zu machen. So viel hing davon ab. Sie hatte Angst und wusste doch gleichzeitig, dass es kein Zurück gab. Leise las sie sich den Text noch einmal vor:
[i]Geliebtes Mausezähnchen,
ja, so nenne ich Dich in Gedanken immer. Ich weiß, dass ich mit diesem Brief viel wage, denn ich lege Dir meine innersten Gedanken und Gefühle dar. Ich gehe das Risiko ein, von Dir verachtet zu werden oder noch Schlimmeres. Denn ich weiß nicht wirklich, wie Du damit umgehen wirst, wenn Du hörst, von was ich träume und wonach ich mich sehne. Ich bitte Dich, diese Zeilen zu Ende zu lesen, sie auf Dich wirken zu lassen und mich nicht gleich im ersten Entsetzen zu verurteilen. Ich habe lange überlegt, ob ich Dir schreiben soll. In den letzten Tagen und Wochen sind wir uns nun so nahgekommen, und doch weißt Du so vieles noch nicht von mir. Ich habe Angst, Dich zu verlieren, und gleichzeitig weiß ich, dass es ohne diesen Schritt kein »Weiter« geben wird.
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Schubladendenken, Dogmatismus und Intoleranz sind nie gut.
In dieser beschriebenen „ normalen“ BDSM Welt ist alles festgelegt, eigene individuelle Wünsche zählen nicht, und das macht sehr unfrei. Erinnert mich auf die Realität bezogen leider sehr an konservative, partriarchalische Gesellschaften. Und natürlich auch an die Stigmatisierung und Verurteilung von „ Andersartigkeit“.
Diese Geschichte regt zum nachdenken an und ist dabei witzig geschrieben.
Mein Highlight:
…“ Schlagermusik beim Sex. – Keine düsteren Mönchsgesänge.“ ( Ich hasse Schlagermusik, aber ob ich düstere Mönchsgesänge beim Sex hören möchte? 😅) .
Dieser Text ist ein kleines Schmuckstück. Es war mir ein Genuss, ihn zu lesen. Am besten gefällt mir eingeschlafen bei einer Demutsübung.
Abgesehen davon beschleicht mich ein Verdacht: Wieviel meiner Erregungszustände beim Spielen resultieren letztlich nur aus dem Reiz den Versteckens, des ein bisschen Verruchten?
Ich sehe auf jeden Fall meine Baumwoll-Unterwäsche jetzt mit ganz anderen Augen. Nur Sex nach der Sportschau - nee, soweit würde ich nie gehen. Sportschau - nee.
Hallo Kitty, dein wunderbarer Text dreht die Perspektive bewusst um. Was heute als „normal“ gilt, ist immer nur das, worauf sich eine Mehrheit stillschweigend geeinigt hat. Gesellschaft verändert sich ständig, weil Werte, Freiheit und Identität stärker individualisiert werden. Menschen probieren mehr aus, sprechen offener über Wünsche, Rollen und Beziehungen. Dadurch wirkt es manchmal so, als wäre alles extremer geworden, tatsächlich ist es oft nur sichtbarer geworden.
Wie konnte es dazu kommen: mehr persönliche Freiheit, weniger starre Normen, Internet als Raum für Austausch, und ein wachsender Fokus auf Selbstverwirklichung statt Anpassung. Normalität ist kein fester Zustand, sondern ein bewegliches Ziel.
Ich liebe das Bild der "Vanilla" die während Löffelchen Schlager hört.
Und ja, die Norm. Wenn ich so an die DinNorm denke, dürfte eigentlich tatsächlich nur eine Spielart erlaubt sein.
Hier jedoch ein schönes Zitat von duden.de:
„In der veraltenden, wertenden Bedeutung sollte das Wort normal im öffentlichen Sprachgebrauch nicht mehr verwendet werden. Das gilt besonders dann, wenn es als Gegensatzwort zu (geistig) behindert oder im Sinne von heterosexuell gemeint ist.“ (4)
Ich habe leider nicht herausgefunden (oder hab's übersehen) wie alt diese Definition ist. Aber es zeigt ja zumindest eine Bereitschaft zum Wandel, zumindest in der Sprache. Und Sprache vereint Gruppen von Menschen, die dann für ihre Gruppe Handlungsregeln festlegen, um als Gesellschaft zu funktionieren und wenn sich zuerst die Sprache ändert,.......
Köstlich dieser Blickwinkel und ich muss zugeben, dass mich diese Zeilen wirklich amüsiert haben.
Eines haben sie aber auch erreicht, mich ein bisschen nachdenklich gemacht. Nachdenklich darüber, wie schnell man in Schubladendenken verfallen, Klischees bedienen kann.
Danke für diese wunderschönen Zeilen. Jetzt einen kleinen Moment noch, ja doch: "absenden..."
Eine sehr schöne Geschichte, die mich erst zum Lachen, dann zum Nachdenken bewegt hat. Es wirft für mich immer wieder eine Frage auf: Wer definiert denn eigentlich "normal"?
04.03.2026 um 14:00 Uhr
Schubladendenken, Dogmatismus und Intoleranz sind nie gut.
In dieser beschriebenen „ normalen“ BDSM Welt ist alles festgelegt, eigene individuelle Wünsche zählen nicht, und das macht sehr unfrei. Erinnert mich auf die Realität bezogen leider sehr an konservative, partriarchalische Gesellschaften. Und natürlich auch an die Stigmatisierung und Verurteilung von „ Andersartigkeit“.
Diese Geschichte regt zum nachdenken an und ist dabei witzig geschrieben.
Mein Highlight:
…“ Schlagermusik beim Sex. – Keine düsteren Mönchsgesänge.“ ( Ich hasse Schlagermusik, aber ob ich düstere Mönchsgesänge beim Sex hören möchte? 😅) .
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