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Schattenzeilen

BDSM-Geschichten lesen und schreiben

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Inhalt: Blogbeiträge bilden die Meinung der Autorin / des Autors ab. Wir machen uns diese nicht zueigen.

 

Geschichten und Gefühle - Phantasie und Wirklichkeit

Ein Blogbeitrag von Gregor

Bei meinen Malesubgeschichten wird oft angemerkt, dass sie distanziert wirken. Auch auf das Fehlen von Emotionen der dominanten Frau werde ich hingewiesen. Meine Dominas sind häufig kalt und narzisstisch dargestellt, egoistisch, kompromisslos. Ich habe darüber nachgedacht, warum das so ist. Und bin darauf gekommen, dass ich es selbst nicht begründen kann. Die einzige Erklärung besteht darin, dass ich es in meinen Geschichten so will. Aber warum?

Klar, Geschichten stehen immer ein Stück über der Wirklichkeit. Sie müssen einen Entwicklungsprozess enthalten, eine Handlung, die sich vom Alltag abhebt. Es ist schon eine ganze Menge, wenn ich es schaffe, dass meine Geschichten von Leuten gelesen werden, die keine männlich-submissiven Neigungen haben. Dafür danke ich.

 

Ich möchte Euch einladen, meinen Gedanken zu folgen, vielleicht selbst etwas zum Thema aufzuschreiben. Wie seht Ihr das? Unterscheidet sich das Erleben männlicher Subs von dem weiblicher Subs? Wie ist das in Eurer Realität?

 

Ich bin kein Psychologe, kein Sexualwissenschaftler. Je älter ich werde, desto klarer wird mir, dass ich keine allgemeingültigen Antworten auf Fragen kenne. Als junger Mensch wusste ich genau, wie die Welt funktioniert, konnte jedem alles erklären und war davon überzeugt, dass meine Wahrheit allgemeingültig ist. Das ist sie nicht. Meiner Meinung nach gibt auf alle Fragen immer nur individuelle Antworten, je nach Standpunkt, von dem ein Mensch auf das Objekt seiner Frage schaut. Also, bitte schreibt was zum Thema.

 

Ich mache den Anfang. Der Abstand des Sub zur Domina macht den Reiz. Und dieser Abstand kann nicht groß genug sein. Sehe ich mir Internetseiten professioneller Dominas an, dann finde ich Abstand und Reiz. Diese Frauen bedienen den Wunsch nach Abstand zur Realität, bedienen den ausgeprägten, in die submissive Seele treffenden Reiz. Ich sehe Frauen wie Amazonen, Stiefel, Leder, Peitschen, besondere, ganz eigene Schönheit. Aus ihren Augen trifft mich ein Blick, der mir durch Herz und Seele geht. Diese Frauen sind nicht von dieser Welt. Sie haben nichts mit Realität, mit alltäglicher Welt zu tun. Dominas wirken wie von einem anderen Stern, und das müssen sie auch. Eine Frau mit Anorak und Einkaufstasche kann nicht Domina sein. Sie ist und bleibt Frau im Rollenbild. Ich möchte das begründen.

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Kommentare von Leserinnen und Lesern

15.03.2021 um 12:58 Uhr

Sehr anregender Beitrag. Als Anhänger der Evolutionstheorie geht die Fragestellung für mich noch weiter - was ist der Zweck dahinter.

Einen "Göttlichen Plan" schließe ich mal aus. Sind Abweichungen von der vermeintlichen Norm nur Kopierfehler unserer Gene? Ist es der "Fluch" unseres "großen Gehirn"? Also, ich meine im Vergleich zu Tieren. deren Sexualität hauptsächlich von biochemischen Vorgängen gesteuert wird - denken wir? Stecken wir Humanoiden nicht in der selben Zwanglage? Mit unserem komplexen Gehirn wird es nicht nur komplizierter sondern auch undurchschaubarer! Also, graue Zellen in Aktion versetzen oder unkommentiert hinnehmen und genießen.

Sizilia Luber

Autorin.

25.02.2021 um 09:41 Uhr

Lieber Gregor,

vielen Dank für den interessanten Blogbeitrag.

Da ich bisher wenige Geschichten mit submissiven Männern gelesen habe, ist mir noch nicht aufgefallen, dass Dominas darin immer in gleichen Motiven (hart, kalt, entsprechender Look) dargestellt werden.

Für mich kommt es hier auf die Ausgestaltung an, die der Schreibende schafft. Wie Du schon sagtest, was sieht man außen, wie sind die Gefühle beim Handeln? Für mich kommt es darauf an, dass Top nicht auch innen nur kalt und grausam ist.

Prinzipiell denke ich auch, dass man als Autor/in selbst bestimmen kann, wie die Charaktere geformt sind. Und wenn Du es so möchtest und gut findest, warum nicht?

Auch interessant finde ich, dass Du auf die „typischen“ Rollenbilder eingehst. Das typisch bewusst in Anführungszeichen gesetzt. Evolutionär bedingt gibt es sicher Eigenschaften, die sich vermehrt bei dem einen oder anderen Geschlecht herausgebildet haben. Das muss aber nicht heißen, dass Frau nur brav und Mann nur hart sein kann (stark vereinfacht gesagt). Ich denke, im Alltag beweisen wir alle, zu wie viel wir fähig sind. Fordernde Führungspositionen, Alltag mit Kindern und Familie. Hier beginnen festgelegte Rollenbilder aufzubrechen.

Warum also nicht auch im BDSM?

Womöglich bestimmt das eine hier auch das andere. Jemand der im Alltag die Zügel in der Hand halten muss, weil es zum Beispiel der Job so erfordert, hat vielleicht in seiner Freizeit das Bedürfnis sich fallen zu lassen, geführt zu werden, Verantwortung abzugeben.

Aber wir waren ursprünglich beim Schreiben. Ich stelle mal die These auf, dass es langweilig werden könnte, immer in denselben Rollenbildern zu agieren; wenn Kopfkino nur anspringt, wenn es ein bestimmtes Motiv gibt. Es könnte faszinierend sein, wenn man mit Althergebrachtem bricht, sich selbst und den Leser überrascht und im Genre ein wenig Chaos stiftet.

01.02.2021 um 21:11 Uhr

ich sehe es genauso. Hier ist das Thema sehr gut dargestellt und aufgeschlüsselt. Danke.

Gregor

Autor.

23.01.2021 um 18:07 Uhr

Danke, Hekate, Drachenlady, Wodin und olaris für Eure Gedanken zu meinem Blog. Eure Antworten sind gleichzeitig Weiterführungen und Anregungen zu den Fragen von Fantasie und Wirklichkeit, eigenem Erleben und, olaris, klarer Analyse meines Blogs.

Ich denke, jeder Mensch zieht Grenzen zwischen Fantasie und Wirklichkeit und die Welt der Geschichten erlaubt ein Überschreiten dieser Grenzen am effektivsten.

20.01.2021 um 22:12 Uhr

Hallo Gregor,

danke ersteimal für dieses spannende Thema. Die Gedanken dazu sind vielfällig und regen mich selbst zu interessanten Fragen an.

„Dominas deiner Geschichten“

Nun, es sind deine Geschichten, da kannst du eigentlich die Charaktere so darstellen wie du es magst, oder?

Willst du jedoch ganz bestimmte Kreise von Menschen mit deinen Geschichten erreichen, erwarten diese wahrscheinlich bestimmte Merkmale ihres Genres.

Wie entstehen den deine Charaktere? Planst du ihre Eigenschaften und Motivationen?

Was passiert mit einer deiner Geschichten, wenn du eine Domina mal ganz gegensätzlich handeln lässt? Sie warmherzig und emotional anlegst?

Was passiert dann mit deiner Geschichte? Wie verändert sich deren Handlung?

Ich lass mal das „Handbuch für Sklaven von Edit Kelm. Ich meine mich zu erinnern, dass sich die männlich-submissiven Erlebenswelt sich für mich, „anders“ anfühlt, näher kann ich das leider nicht mehr beschreiben.

Auch die Erklärungen für die Domians und deren Idee von Erotik, war eine andere.

Auch meine ich mich zu erinnern, dass es unterschiedlichste Arten von Domians gab. Amazonen, Göttinnen, usw., deren Spielarten auch immer ganz anders waren. Eine höchst vielfältige Welt mit unterschiedlichsten Motiven.

Also erschaffe die Charaktere, die für dich funktionieren.

„Leser ohne männlich-submissiven Neigungen“

Ich glaube ich kann mich zu diesem Kreis zählen. Wie du das selbst auf den Punk bringst, ich habe diese Neigung eher nicht und daher bietet das Nachspüren dieser Neigung für mich eher wenig.

Spannend finde ich aber, wie sich der Mensch fühlt, der diese Neigung hat.

Was sind seine Geschichten, wie sieht seine Welt aus, was treibt ihn an, was erlebt er?

„Anorak und Einkaufstasche kann nicht Domina sein“

Ich verstehe was du meinst, aber es gibt ganz sicher Frauen, die dich auch in diesem Aufzug auf die Knie zwingen.

Denk doch mal darüber nach, warum diese Frau das könnte. Ganz ohne all ihre Reliquien die sicher auch ein Teil deiner Faszination sind.

„Entwicklungsstand vs. Kulturstufe“

Ich meine „Yuval Noah Harari“ hatte in „Eine kurze Geschichte der Menschheit“ eine interessante These dazu. So wie ich es verstand, ist Dominanz bei Frauen ebenso angelegt, wie bei Männern. Nur hatten diese dominanten Frauen dem geforderten Rollenbild widersprochen und daher schlechtere Möglichkeiten einen Partner zu finden. Daher haben sich die braven Frauen, starker fortpflanzen können, die die nicht so „aufregend“ waren und sind so öftern anzutreffen. Er erklärt so auch, warum es eher wenig Helden unter den Menschen gibt. Sie sterben zu oft ;)

Ob es stimmt, kann ich natürlich nicht sagen, aber es klingt, mit Blick auf die Geschichte, einleuchtet.

„masochistisch-devoter Mann“

Ich nehme an, den gab es auch schon immer. Ich meine mich an ein einige Paare zu erinnern, auf dem so eine Beschreibung hätte zutreffen können.

Sicher „spielen“ einige „masochistisch-devoter Mann“ auch unerkannt die ganz gegensätzliche Rolle in unserer Gesellschaft. Bizarr ist zurzeit vielleicht noch, dass sie mehr und mehr ihre Rolle in unserer Gesellschaft einfordern? Man kennt und akzeptiert das Klischee des erfolgreichen Managers, der sich diese „Marotte“ leisen kann, weil er als starker Manager, jeden Kritiker in die Schranken weist. Für „normale“ Männer ist es sicherlich vielfach schwerer.

Viel Geld würde sicherlich helfen:

be local eccentric!

Wodin

Autor. Förderer.

29.12.2020 um 03:13 Uhr

Hallo Gregor, hier meine eigene Sicht der Dinge.

Du beschreibst im Blogbeitrag die Rollenbilder unserer Gesellschaft. Vereinfacht: Mann = dominant, kräftig und das passende Pendant die Frau = submissiv, weich. Und dann auf der anderen Seite die dominanten Frauen, die nicht so in dieses Bild passen.

Ich unterscheide hier schon mal grundsätzlich die Realität, oder besser gesagt „den gesellschaftlichen Alltag“ von der Situation zweier Menschen zueinander in intimerer Situation - egal ob in einem bezahlten Verhältnis oder in einer realen Beziehung.

Bei jedweder alltäglichen Situation in der Gesellschaft, sei es auf der Arbeitsstelle, im Supermarkt oder auch bei einem kulturellem oder gesellschaftlichen Ereignis, sind wir alle „nur“ Menschen (ich lasse jetzt Geschlechterbezeichungen weg) und besetzen die Rolle, die wir genau dort einnehmen. Auf der Arbeit reicht das von der einfachsten Hilfskraft bis zum Management, im Supermarkt sind wir halt gerade derjenige, der die Dinge des täglichen Bedarfs besorgt und im gesellschaftlichen Hintergrund können wir alles sein, vom Vereinsvorstand bis zum Hausbesetzer. Kann schon sein, daß die martialischeren, härteren und agressiveren Rollen statistisch eher von Männern eingenommen werden und es deutlich mehr Kindergärtnerinnen gibt als Kindergärtner. Aber ist es dann tatsächlich so, daß der skrupellose Manager eines Topunternehmens gleichzeitig auch der brutale Familienvater sein muss, der seine Kinder (vornehmlich die Jungs) zu Disziplin und Härte trimmt? Kann nicht auch eine einfühlsame Pädagogin auf der Förderschule gleichzeitig eine Meisterin in Selbstverteidigung sein, die ihre Gegnerinnen mit aller Härte auf die Matte legt? Ich sehe darin keinerlei Widerspruch, sondern jeder nimmt je nach Situation eine Rolle ein, die ihm in eben dieser Situation passt. Wagen wir den Sprung in die Intimität zweier (oder gerne auch mehrerer Menschen), dann werden auch hier Rollen eingenommen und ich denke, es sind eben diese Rollen, die einem die meiste Erregung bieten. Schließlich ist man genau in dieser Intimität befreit von allem gesellschaftlichen Druck - schließlich muss man damit kein Geld verdienen um seine Rechnungen zu bezahlen - und kann sich genau dem hingeben, was einem Befriedigung verschafft.

Was bedient dann die Domina? Eben genau einen Markt von Menschen, die exakt das haben wollen und es eben in einer Beziehung so nicht bekommen. Sie bietet die Reize, die gefragt sind und natürlich ist es ein Abstand zur Realität, aber den sehe auch beim Bordellbesuch des Vanilla-Menschen zum alltäglichen gesellschaftlichen Leben, wenn es auch nicht so „spektakulär“ daherkommt.

Übertragen auf unsere Neigungen hier, stell' ich die Fragen, kann ich als submissiver Mann nicht auch meine Femdom beschützen? Nur weil ich mich nicht gegenüber meiner Lady wehre kann ich nicht bei Einflüssen von aussen in die Beziehung wehrhaft und stark sein? Kann ich nicht genauso meine Stellung in der Gesellschaft erfolgreich behaupten, aber in der Beziehung hat die Lady das letzte Wort? Ja, sie ist für mich gesehen stärker und fordernder als ich es bin bzw. sein möchte. Doch es ist auch nur sie alleine, keine andere Frau hat diese Stellung inne. Zumindest bei mir ist das so.

Aber zurück zur Frage des Fehlens von Emotionen bei dominanten Frauen. Bei der Domina ist mir das klar, eine reine Dienstleistung genau so wie in allen Varianten des käuflichen Sex. Aber innerhalb einer Beziehung empfinde ich sehr wohl Emotionen und das nicht zu knapp. Alleine, daß sie die Darreichung meiner Unterwerfung aufnimmt und achtsam damit umgeht, daß sie mein Verständnis von Masochismus achtet und darauf eingeht, mich fordert und an meinen Grenzen rüttelt und über meine Sexualität bestimmt.

Zumindest für mich kann ich sagen, daß mir beim Fehlen der emotionalen Bindung zur Femdom, viel vom Reiz des Spiels verloren gehen würde.

Drachenlady

Autorin. Förderer.

29.12.2020 um 02:39 Uhr

Hallo Gregor,

nun ja, ich weiß gerade nicht so ganz, womit ich anfangen soll. Ich kann auch nicht aus Sub-Sicht oder männlicher Perspektive sprechen.

Vielleicht vorab als Einleitung einfach mal mein ganz persönlicher Eindruck zu FemDom-Stories im allgemeinen.

Sehr viele dieser Geschichten funktionieren nach immer ein und dem selben Schema F: Bösartige Femdom nutzt dummen devoten Mann aus (meistens materiell und häufig mit Ergänzung á la: wenn jemand so bescheuert ist, geschieht es ihm doch ganz recht, Dummheit gehört eben bestraft!). Richtig perfide wird es dann, wenn Einlassungen von Lesern wie „Einem richtigen Mann wäre so etwas nicht passiert!“ dazukommen. Aber dazu später noch einmal.

Manchmal kommen dann auch Kommentare wie „Einblicke in männlich-devote Fantasien“. Dem möchte ich zuerst einmal widersprechen. Nein, es sind keine "Einblicke“ in „die“ Fantasien von devoten Männern. Die gibt es nämlich genauso wenig wie die vielzitierten Männer- oder Frauenfantasien. Ich bin entschieden gegen solche Verallgemeinerungen. Es ist nur die Fantasie des Schreibers, nicht mehr, aber auch nicht weniger. Das Thema haben wir schon ausführlich in einem anderen Thread. Trotzdem noch einmal: bitte nicht das niedergeschriebene Kopfkino eines einzelnen als das Paradebeispiel oder gar Normierung für alle mit der selben Neigung nehmen. Das wäre fatal und ungefähr so, als würde man SoG als Tatsachenbericht sehen oder vielleicht sogar noch als Gebrauchsanleitung betrachten.

Es wird sicher devote und/oder masochistische Männer geben, die solch Extreme, wie in etlichen dieser Geschichten beschrieben, anmachen, aber auch genügend andere, die damit nichts anfangen können. Weder ist es möglich, die weibliche Devotion zu verallgemeinern, noch haben alle submissiven Männer dieselben Wünsche. Das gilt natürlich auch für die devoten/submissiven/masochistischen Frauen. Auch hier hat doch jede ihre eigenen Vorlieben und möchte sicher nicht in eine Schublade gesteckt und behandelt werden nach dem Motto: “das gefällt schließlich doch allen `solchen`“. Es sind eben nur Geschichten, die nach meinem Dafürhalten mit der Realität sehr wenig zu tun haben dürften.

Leider sind aber, wie auch schon einmal von TekWolf angesprochen, die meisten FemDom-Geschichten ziemlich extrem, auch hier auf den Schattenzeilen. Ich hab’ mir in der letzten Zeit mal ein paar entsprechende Erzählungen zu Gemüte geführt (nicht nur hier), und ganz ehrlich, ich bin mittlerweile tatsächlich nur noch genervt von dem Bild, das darin von dominanten Frauen gezeichnet wird. Man möge mir verzeihen, wenn ich dem einen oder anderen Autor oder Autorin jetzt Unrecht tue, aber mir ist im Moment im Wortsinn die Lust auf solche Geschichten vergangen.

Ich habe bis jetzt nicht wirklich eine auch für mich aus meiner Sicht als FemDom gute Story gefunden. Und die Suche auf besseres zumindest für den Moment eingestellt. Stattdessen werden immer wieder die gleichen Stereotype bedient: geldgierig, gehässig, bösartig, letzten Endes nur auf einen Sklaven aus, den man finanziell ausnehmen kann und auf dem man nebenbei noch rumtrampelt, um möglicherweise noch ein paar vorhandene eigene sadistische Neigungen zu befriedigen. Kaltschnäuzige, völlig gefühllose Personen, beliebig austauschbar, zu keiner Emotion fähig, die nahezu ausschließlich die extremsten sadistischen Spielarten ausüben. Weibliche Menschen, denen der Zustand - sowohl der physische als auch der psychische - ihres Sklaven/Dieners/Opfers völlig egal ist. Sicher haben auch diese Varianten, genauso wie alle anderen, ihre „Daseinsberechtigung“, aber doch bitteschön nicht zur allgemeingültigen Normalität erklären. Bitte nicht Fantasien mit Realität verwechseln und auf Basis von solchen Stories gar Psychogramme von „den“ devoten Männern oder dominanten Frauen zeichnen. Nur weil in solchen fiktiven Geschichten nichts von Beziehung oder Bindung zu lesen ist, heißt es nicht, dass das die Mehrheit wäre geschweige denn die Realität abbildet. Denn was die Wirklichkeit ist, weiß niemand. Auch wenn hier auf den Schattenzeilen eine bestimmte Ausprägung weiblicher Sub zu männlicher Dom zu finden ist, kann diese erstmal nicht unbedingt als repräsentativ für den Rest der Gesellschaft bzw. der BDSM-Gemeinde angesehen werden. Und mal so ganz nebenbei, das Verhältnis von 460 submissiven Männern zu 545 dominanten Männern (Stand heute, 29.12.20) hier auf den Schattenzeilen würde ja eher bedeuten, dass der devote Mann nicht unbedingt ein Exot ist, oder? Auch die tagtäglich gelebte Rolle in der Gesellschaft und Familie sagt rein gar nichts nichts über die sexuelle Präferenz aus geschweige denn lässt sich daraus „automatisch“ über eine im BDSM-Kontext eingenommene Rolle Dom/Sub schließen.

Es wird leider eben häufig nicht akzeptiert - auch nicht in BDSM-Kreisen - wenn ein Mann sich als masochistisch oder gar devot outet. Wobei Masochismus - also konkreten Schmerz in Erregung verwandeln -  anscheinend dabei noch eher akzeptiert wird als devotes Verhalten, zumindest kommt es mir so vor. Ich konnte auch hier schon - und nicht nur einmal - lesen, dass ein submissiver Mann eben doch kein richtiger Mann sei und nicht wirklich ernst genommen werden könne. Es stellt sich für mich häufig so dar, dass nicht dominante Männer sich entweder von vornherein nicht als solche zu erkennen geben oder nach entsprechenden Anfeindungen, manchmal auch nach vergeblichen Rechtfertigungs- oder Verteidigungsversuchen, schnell wieder in der Versenkung verschwinden. Musste je eine devote Frau hier auf den SZ für ihre Neigung in die Bütt gehen?

Trotzdem taucht dieses vereinfachende Muster - starker Mann = automatisch dominant, schwache Frau = logischerweise submissiv - immer wieder auf und scheint bei vielen auf fruchtbaren Boden zu fallen. Im Gegensatz zum männlichen Dom mit weiblicher Sub sind allerdings im umgekehrt gelagerten Fall meistens keine Emotionen vorgesehen, da FemDoms eben keine Gefühle haben oder zeigen dürfen, wenn man dem Blogbeitrag Glauben schenken wollte.

Und was mich an Deinem Beitrag, bester Gregor, gelinde gesagt ärgert, ist die gemeinsame Auflistung von Dominas und FemDoms. Es käme doch auch niemand auf die Idee, submissive Frauen mit Prostituierten gleichzusetzen. Eine Domina ist im Prinzip nichts anderes als eine Prostituierte mit spezieller Ausprägung und erhält Geld für ihre Dienstleistung, da gibt es selbstverständlich keine Gefühle für den Kunden geschweige denn eine Beziehung. Und woher will man denn wissen, wie eine Domina privat agiert? Das eine ist Beruf, Geld verdienen, das andere, private, kann genauso gut Vanilla, eine submissive BDSM-Neigung oder vielleicht auch eine homosexuelle Beziehung (mit oder ohne BDSM) sein. Diese hat nichts, aber auch gar nichts mit dem professionellen Teil, ihrer Arbeit, zu tun.

Spannend wird es aber dann, wenn Männer die Gefühlswelt und Beziehungen von dominanten Frauen beschreiben wollen. Und in meinem persönlichen Fall so völlig danebenliegen. Denn ohne Emotionen, ohne Liebe zu meinem Partner würde - vor allem und gerade auch während des Spiels - das Ganze überhaupt nicht funktionieren. Denn dann wäre ich tatsächlich nur Domina, aber keine FemDom.

Hekate

Autorin.

29.12.2020 um 00:06 Uhr

Da habe ich eine Antwort auf deinen Blog. Du schreibst Fetisch, Gregor. Schau, die Frau in deinen Geschichten ist Fetisch. Daran ist nichts schlecht. Fetisch gehört zum BDSM. Du verehrst, vergötterst die Frau als Fetisch, liebst sie wie einen Fetisch. Das ist mehr als ausreichend in deinem literarischem Anspruch und den setzt du um.

Fetisch ist besondere Liebe. Fetisch ist viel. Meist genügt Fetisch dem masochistischen Mann zur Befriedigung seiner Neigung. Doch Fetisch ist nicht die ausschließliche Liebe, die Frauen sich vorstellen, wünschen, ersehnen.

Gregor

Autor.

27.12.2020 um 17:35 Uhr

Schon Deine ausführliche, auf persönlicher Erfahrung beruhende Meinung zum Thema, geschätzter poet, lohnt meinen Blog.

poet

Autor.

27.12.2020 um 13:43 Uhr

Tja, wenn du Recht hast, wirst du hier nicht allzu viele Antworten bekommen, weil es ja deiner Meinung nach um eine Minderheit geht. Ich denke mal, dass das stimmt, was die weibliche Seite angeht, aber keineswegs auf der anderen Seite, wo kämen sonst die vielen Kunden der einschlägigen Studios her. Interessant dabei ist doch, dass darunter auch immer gerade Männer sind, die ansonsten selbst leitende Positionen innehaben und befehlsgewohnt sind, und dennoch hier herumkommandiert und bestraft werden wollen. Ich bin kein Psychologe und kann dieses Phänomen nicht erklären.

Im Rückblick als heute der Thematik eher nur noch abstrakt gegenüberstehender Senior teile ich deine Beschreibung einer Herrin jedoch nicht. Ich habe in verschiedenen Phasen meines Lebens beide Seiten ausprobiert, lange Jahre, und nur in einer Liebesbeziehung, aber intensiv. Allerdings war ich weder der harte Dom noch der masochistische Sub, die psychologischen Spielarten waren im Vordergrund, weniger harte sogenannte Sessions, dafür ein stetiges 24/7, das unheimlich reizvoll funktionierte. Daher sehe ich es nicht als notwendig an, dass der dominierende Teil so realitätsfern auftreten muss, auch nicht, wenn es die Frau ist. Ich finde im Gegenteil eine schick, aber normal gekleidete Dame wesentlich erotischer als eine Lack-Leder-Domina, die auf einer Kostümparty in Fetischkostümen sicher angebracht sein mag. In Letzterer sehe ich als Mann eben eher die bezahlte Variante einer Prostituierten, also Dienstleisterin, die ich auf gar keinen Fall als über mir stehend akzeptieren könnte. Wogegen der Dienst an einer geliebten Frau, die durchaus fordernd und auch streng sein darf und sollte, einen Reiz entwickelt, welcher subtiler ist, in der freiwilligen Unterwerfung unter die physisch schwächere, aber mental stärkere Frau besteht, die man als Dame verehrt und anhimmelt, anstatt wegen stereotyper Fetischklamotten und einer meist eher primitiven Sprache. Aber natürlich muss ich zugeben, dass das halt meine Sicht ist, und andere Männer anderen Fantasien anhängen, deren Berechtigung ich nicht abstreiten will. Altklug gesagt: Schon der Philosoph Fichte meinte vor über 200 Jahren, jeder Mensch lebt in seiner ganz eigenen Welt, und es ist nicht leicht, zwei individuelle Welten in Einklang zu bringen. Allen sei alles möglich, ist da mein Credo!

Um zum Schluss zu kommen: Dein Versuch ist interessant, und ich bin gespannt, wie viele Reaktionen du erhalten wirst!

Berücksichtigt wurden nur die letzten Kommentare.

Zu allen Beiträgen im Forum zu dieser Veröffentlichung.