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Mein Schuft

Er holt Seile hervor, unsere Seile. Ich war immer der Überzeugung, dass diese Bondage-Sache nichts für mich ist. Es war mir zu viel Kontrollverlust. Außerdem habe ich um meine zarte Haut gefürchtet. Er hat mich dazu überredet. Und jetzt liebe ich es. Ich könnte genauso wenig ohne die feste Umarmung der Stricke leben wie ohne Schokolade oder Wein oder meinen geliebten Unhold.

Eine Bondage-Geschichte von Tek Wolf.

Bild: KI-generiert, Dall-E (2024)

 

Und es ist mal wieder soweit. Eigentlich will ich es nicht. Ganz und gar nicht. Aber er bringt mich dazu. Schon wieder.

Er kocht für mich. Ich leiste ihm mit einem Glas Wein Gesellschaft, sehe zu, wie er mit den Zutaten hantiert. Ich bin noch etwas knatschig vom Arbeitsstress, aber seine gute Laune zieht mich an.

Und dann, zwischen Zwiebeln schneiden und Hackfleisch anbraten, sprudelt es aus mir heraus. Der ganze Ärger des Tages. Blöder Chef, blöde Mandanten und dieser Staatsanwalt, wenn der nur den Mund aufmacht, könnte ich schon ...

Er hört mir zu. Einfach nur zu. Ist auf meiner Seite. Voll und ganz und ohne Vorbehalte. Er bedauert mein Leiden und bewundert, wie stark ich trotz allem bin. Und er macht mir Lasagne. Dieser Schuft! Mit drei verschiedenen Käsesorten. Wie kann er nur!

Frisch gemachte Lasagne. Nur für mich. Und als er mir zum Nachtisch mit Mousse au Chocolat kommt, bin ich einfach zu satt, um Widerstand zu leisten. Ich verputze sie. Vollständig. Wenn schon, denn schon.

Schließlich landen wir auf dem Sofa. Er schnappt sich meine Füße und massiert sie. Nicht nur streicheln, er knetet sie richtig durch, bis sie wieder ihre normale Form haben und nicht mehr verbogen sind, um in irgendwelche Pumps zu passen.

Kerzen überall erschaffen warmes Licht, das bei jedem Luftzug mit den Schatten in den Ecken spielt. Die Melodie leiser Musik klimpert ziellos durch den Hintergrund und dieses große Kissen in meinem Rücken lädt zum Versinken ein. Ein frisches Potpourri auf dem Tisch duftet nach Meer und Sand und Lagerfeuer zwischen Dünengras. Billige Tricks. Ich kann nicht fassen, dass ich darauf hereinfalle. Wieder einmal.

Nach einer Runde behaglichen Schweigens beginnen wir zu reden. Über Gott und die Welt. Und über mich. Ich bin Anwältin, ich kann mich gut ausdrücken, aber dieser Kerl nimmt Schmeicheleien und faltet sie wie Origami. Macht ein Kunstwerk daraus und gibt mir das Gefühl, die schönste und klügste Frau auf dem Planeten zu sein. Natürlich lügt er mir frech ins Gesicht, aber ich lache am Ende trotzdem und fühle mich gut. Einfach nur gut. Ein Pirat der Worte hat mich geentert.

Und plötzlich liege ich in seinen Armen, dicht an ihn geschmiegt, und weiß nicht, wie ich dorthin gekommen bin. Vielleicht der Wein, vielleicht der Strom der Komplimente. Mir ist etwas schwindelig.

Wir sehen uns in die Augen und wissen es. Und er schmunzelt, oh, dieses Schmunzeln. Du fauler, leichtlebiger Typ, damit kriegst du mich jedes Mal. Von diesem Punkt an läuft alles wie auf Schienen. Eine unsichtbare Macht spielt mit uns, als wären wir an Fäden aufgehängte Puppen.

Gespannt darauf, wie es weitergeht?

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Kommentare von Leserinnen und Lesern

Tek Wolf

Autor. Förderer.

17.03.2026 um 13:30 Uhr

Danke, lieber Herzenswunsch, für deine netten Worte. Es freut mich wirklich sehr, dass dir meine Geschichte so gefallen hat. Ich habe auch lange daran herumgefeilt und sie zig mal umgeschrieben. Um so schöner zu hören, dass sich die Arbeit gelohnt hat

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16.03.2026 um 18:45 Uhr

Lieber Tek Wolf,

 

so eine schöne, wirklich schön geschriebene Geschichte.

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Herzenswunsch

Autor. Förderer.

14.03.2026 um 15:14 Uhr

Lieber Tek Wolf,

 

wie soll ich das, was ich gerade gelesen habe kommentieren? Das war wirklich der Wahnsinn wie detailliert und authentisch du die Emotionen beschreibst. Dazu in so feine Worte gefasst, kein bisschen vulgär, sehr schön geschrieben. Da ich die gleichen Gefühle hege wie deine Protagonistin war ich direkt im Geschehen drin und konnte es miterleben, mitfiebern. Ganz lieben Dank für diese Geschichte, ich finde sie richtig Klasse!

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Tek Wolf

Autor. Förderer.

29.07.2025 um 10:56 Uhr

Danke Cid, für deine netten Worte. An dieser Geschichte habe ich besonders lange gefeilt. Schön zu hören, dass es sich gelohnt hat

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Cid

Förderer.

27.07.2025 um 16:47 Uhr

Lieber Tek Wolf,

ich finde die Geschichte toll. Sehr sinnlich, im wahrsten Sinne des Wortes, spiegelt sie wieder, was sowohl meine Sub beim Bondage empfindet, als auch das, was ich bei ihr im Verlauf der Session beobachten kann.

 

Vielen Dank, dass du vermagst, es in einen so fließenden und empahtischen Text zu "schnüren".

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31.05.2025 um 02:48 Uhr

Wow, ist das gut geschrieben.

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Cire

Förderer.

16.08.2024 um 13:18 Uhr

Schön zu lesen das sich die Situation erst hergestellt werden musste bevor sie dann erlebt werden kann. Manchmal reich "nur Dominanz" halt nicht.

Der Text zeigt schön das Mindset - Submission ist ein Geschenk an einen speziellen Menschen und sollte es auch sein.

 

Danke

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Tek Wolf

Autor. Förderer.

10.07.2024 um 11:23 Uhr

Danke für deinen netten Kommentar, das tut uns Schreibern immer gut

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Tangoseiler

Förderer.

09.07.2024 um 23:43 Uhr

Schön geschrieben und die Ambivalenz der Gefühle treffend geschrieben.

Eine Geschichte zum Vorlesen und Einstimmen.

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25979

Gelöscht.

16.09.2022 um 13:32 Uhr

Sprache gekonnt verwendet, auf den Punkt gesetzt. Schon fast zu gut, rein technisch. Erwische mich nach einiger Zeit beim "Überfliegen", den erwarteten Wortlaut nur bestätigend finden. Das ist in meinen Augen schade, denn eigentlich ist es eine schöne Geschichte.

Ich bin kein Freund von Fremdwörtern, wo die deutsche Sprache selbst Brauchbares bietet. Deshalb empfand ich einige Stellen als empfindungslos hingeworfen, wo andere möglicherweise zerschmelzen.

Nun, ich bin nicht das Maß der Dinge, schaue nur manchmal zu genau hin. Wie beim genossenen Rotwein. Kenner von Rebensäften, wenn wie ich in einem früheren Leben bewusst der österreichischen, haben bestimmt geschmunzelt. Ähnlich ging es mir an einigen Stellen. Solch kleine Dinge sind die Verräter. Für Leser ein Segen.

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