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Schattenzeilen

BDSM-Geschichten lesen und schreiben

Social Bondage: Textnummer 2015 | Facebook | Twitter

Urheberrecht: Eine Veröffentlichung, Vervielfältigung oder Verwendung darf nur nach Zustimmung durch Rebecca Loumé erfolgen! Mehr dazu ...

Namen, Orte, Handlungen: Im Text erwähnte Namen, Orte und Begebenheiten sind, soweit nicht anders angegeben, fiktiv. Handlungen und Techniken sind nicht vollständig beschrieben, es fehlen Sicherheitshinweise. Mehr dazu ...

 

Liebe voller Hass oder liebevoller Hass

Eine BDSM-Geschichte von Rebecca Loumé.

Er kniete, und dennoch warf ihr Schlag ihn beinahe um.

„Bist du ein Mann oder ein kleiner dummer Junge?“, brüllte sie.

„Ein kleiner dummer Junge, Herrin.“

Verächtliches Schnauben als Antwort, während sie sich von ihm abwandte.

Er nutzte die Gelegenheit, einmal kurz seinen benommenen Kopf zu schütteln, und richtete sich dann schnell wieder gerade auf. Aus den Augenwinkeln nahm er wahr, wie sie erneut auf ihn zueilte.

Ihr heißer Atem schlug ihm von oben ins Gesicht, als sie ihn anschrie: „So einer wie du hätte nie Kinder bekommen dürfen.“

„Ja, Herrin“, entgegnete er ruhig.

„Du hättest mich nie bekommen dürfen!“

Sie stampfte auf und verließ erzürnt den Raum. Aus dem Nebenzimmer drang ihr lautes Schluchzen an sein Ohr, während sein Kopf nach unten sank.

 

War es also wieder einmal so weit. Die Frau, die er liebte, nutzte ihn erneut als Prellbock. Der Hass, den sie ihm entgegenschleuderte, galt eigentlich einem anderen. Aber er hielt ihn aus. Für sie. Für die Frau, die ihm ihr ganzes Leben erzählt hatte. Die einzige Frau, die sich ihm jemals wirklich geöffnet hatte. Die Frau, die gerade wieder auf ihn zuraste und deren Tränen auf ihn niederprasselten, während sie ihn schlug und trat: „Warum behandelst du mich so? Was hab ich dir denn getan, Papa, was?“

Eine Stiefelspitze rammte sich tief in seine Seite und er kippte keuchend nach vorne.

„Was hätte ich denn tun sollen, Papa? Hätte ich mit dir schlafen sollen?“

Mühsam rappelte er sich hoch. Offenbar erwartete sie eine schnelle Antwort, denn sie packte ihn an den Haaren und riss seinen Kopf nach hinten: „Sag’s mir, du Stück Dreck.“

Wieder donnernde Ohrfeigen, vermischt mit ihren salzigen Tränen auf seinem Gesicht. Als sie kurz innehielt, erwiderte er betont liebevoll: „Schatz, das hätte auch nichts geändert. Wenn ich ...“

Weiter kam er nicht, denn sie verließ wieder schreiend den Raum.

 

Ob sie bemerkt hatte, dass sie ihn wieder mit ’Papa’ ansprach? Sie bemerkte es nicht immer. Manchmal war sie während der Sessions wie im Rausch. Dann schien sie in ihm wirklich ihren Vater zu sehen und reagierte sich ausdauernd an ihm ab. Selbst nach Beendigung einer Session war sie sich nicht immer im Klaren darüber, dass sie ihn gerade als ’Vater’ missbraucht hatte. Er stieß sie dann auch nicht mit der Nase darauf, ihr zuliebe.

Oft lachte sie überrascht auf, wenn in den Tagen nach einer gemeinsamen Session die Blutergüsse auf seinem Körper sichtbar wurden.

„Oh Schatz, da hab ich dich aber ganz schön rangenommen“, sagte sie dann zärtlich mit Mitleid in der Stimme. „Tut es denn sehr weh?“

Stets nahm er sie dann in den Arm und küsste sie: „Alles halb so wild, meine Schöne. Ich liebe dich.“

Falls sie das nicht beruhigte, bedeckte er sie so lange mit kleinen Küsschen oder kitzelte sie, bis ihre Augen wieder fröhlich waren und sie lächelnd davon ging. Er selbst blieb verliebt zurück.

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Kommentare von Leserinnen und Lesern

Meister Y

Autor. Förderer.

02.01.2021 um 15:55 Uhr

geändert am 02.01.2021 um 16:18 Uhr

Liebe Rebecca Loumé über den Text ist ja schon viel gesagt worden, es ist fast schon ein bisschen schade, dass ich ihn erst heute gelesen habe.

Wenn ich erhrlich bin, bin ich ein bisschen arg hin- und hergerissen. Fakt ist, solche Texte gehören genau so auf die Schattenzeilen wie all die, die dem vermeintlichen BDSM-Mainstream genügen. Weil ein Text wie deiner aufrüttelt, zum Nachdenken bewegt, vielleicht auch erschüttert. Es mag Leserinnen und Leser geben, die sich entsetzt abwenden wenn sie eine Protagonistin erleben, die auch aus meiner Sicht wirklich in Behandlung gehört. Die sich ebenso abwenden, wenn ein Protagonist, anscheinend vor Liebe blind, alles erträgt und ertragen will, was sie ihm antut. Es mag viele geben, die sehen, dass das offenbar nicht wirklich etwas mit SSC zu tun hat, die sagen, dass es um reine sexuelle Gewalt geht. Es gibt aber bestimmt auch viele, die sehen und erkennen, dass das was du hier erzählst vielleicht gar nicht so selten passiert. Das jemand aus Liebe Gewalt erträgt, ja ertragen will und dann in seinem weiteren Umfeld dafür sogar Begründungen (er)findet.

Ein starker, lesenswerter, harter Text, der mich wirklich mitgenommen hat und mich nachdenken ließ und der, denke ich, auch geeignet ist, Augen zu öffnen.

Danke, dass ich ihn lesen durfte.

02.01.2021 um 00:04 Uhr

Die psychischen Defizite drängen sich wiederholt in den Vordergrund und würgen jeglich Erotik ab. Schade

Hekate

Autorin.

29.12.2020 um 00:19 Uhr

Gott, meistens ist ja der Mann der Psycho, hat sich nicht in der Kontrolle. Hier ist die Frau schwerstens daneben und ich möcht fast sagen, süß, wie er sie liebt, wenns nicht so bitter wäre.

Grenzgeschichte. Feine Schreibe.

griche

Förderer.

11.12.2020 um 11:13 Uhr

Ich kann mich hier ganz eindeutig Devana anschließen. 

Etwas läuft falsch. Aber er erträgt es aus Liebe. 

Und er hat nicht den Mut oder Weitblick, ihr wirklich zu helfen. Denn ewig wird das nicht gut gehen...

hanne lotte

Autorin. Lektorin. Förderer.

10.12.2020 um 18:39 Uhr

Rebecca Loumé

von "genießen" ist und war nirgends die Rede.

Stimmt, das war mein subjektiver Eindruck.

Und natürlich hast du recht, ein klassisches Feedback sollte der, der das Feedback empfängt, unkommentiert hinnehmen.

Aber hier geht es nicht um klassisches Feedback bzw um die Beurteilung des Textes à la zu viele Adjektive und insgesamt zu wenig Buchstaben.

Du hast eine Geschichte, die ohne Zweifel handwerklich gut geschrieben ist, über Grenzziehung, Schnittmengen und gefährliche Nähe in den Ring geworfen. Es geht nicht um Feedback, sondern um Meinungen und Definitionen.

Aber ich bin da vielleicht anders und überhaupt kann ich mit ganz vielen Dingen leben

Gruß

hanne

10.12.2020 um 09:42 Uhr

geändert am 10.12.2020 um 09:45 Uhr

hanne lotte

Rebecca Loumé Die klassische feedback-Regel, die mir btw völlig neu und unverständlich ist, liebe Autorin, hätte ich an dieser Stelle gern durchbrochen gesehen. Immerhin provoziert der Text enorm, da halte ich genießen und schweigen für fehl am Platze.

Danke

hanne

Beste hanne,

von "genießen" ist und war nirgends die Rede.

Man wird damit leben können, dass ich diese klassische "Feedbackkommentare-nicht-ungefragt-kommentieren-Regel" gerade bei divers diskutierten Texten für richtig und wichtig halte und daher - selbstverständlich - auf konkrete Fragen antworten würde, sollten welche kommen, aber nicht einfach meinen Senf dazugebe.

Danke

Rebecca

hanne lotte

Autorin. Lektorin. Förderer.

08.12.2020 um 21:57 Uhr

geändert am 09.12.2020 um 15:10 Uhr

Ich glaube, das ist gar keine BDSM-Geschichte. Es gibt nur Schnittmengen. Und einen devoten Partner, der damit den Gewaltorgien seiner Partnerin Vorschub leistet.

Jakob ist ein Co-Abhängiger - er wird die Endlosschleife aus Selbstvorwürfen und Hass nicht durchbrechen, indem er sich zur Projektionsfläche hergibt. Man ahnt schon den Abgrund, er ist nie weit.

@Rebecca Loumé: Die klassische feedback-Regel, die mir btw völlig neu und unverständlich ist, liebe Autorin, hätte ich an dieser Stelle gern durchbrochen gesehen. Immerhin provoziert der Text enorm, da halte ich genießen und schweigen für fehl am Platze.

Danke

hanne

Gregor

Autor.

23.09.2020 um 09:10 Uhr

Da wäre ich ja Psycho Schattenwölfin

BDSM ist eine sexuelle und partnerschaftliche Variante, keine psychische Störung.

Psychisch gestört wird es, wenn BDSM ikonenhaft erhöht wird, als einzig wahre und tiefe Form des Zusammenlebens interpretiert wird. Das ist bei allen Dingen im Leben so, nicht nur im BDSM.

Die Geschichte bestärkt keine Vorurteile. Sie zeigt eine Störung der Frau, die jederzeit in unterschiedlichen Bereichen des Lebens auftreten kann, nicht nur beim BDSM. Eine Nähe zum BDSM ist schlicht falsch. Die gibt es nicht. Stark ist, was Nachtasou dazu geschrieben hat. Das bringt das Thema in unserer Zettelwirtschaft  auf den Punkt.

Schattenwölfin

Autorin. Lektorin. Förderer.

23.09.2020 um 07:03 Uhr

Danke Gregor für die Textstellen, die allesamt deutliche Hinweise auf eine Störung sind. Das habe ich auch nicht anders gelesen. Also müssen wir uns im Folgenden missverstanden haben:

Du hast kommentiert: "Gefährlich ist die Nähe, das Gleichsetzen von BDSM und psychischer Krankheit".

Ich konkretisiere meine Rückfrage mal: Siehst Du konkret ein Gleichsetzen von BDSM und psychischer Störung oder befürchtest Du, dass eine Geschichte wie diese geeignet ist, hier bestehende (Vor)Urteile zu bestärken? (Das meinte ich mit "Wer stellt die Nähe her?")

Letzteres würde ich sofort unterschreiben.

Schattenwölfin

Schattenwölfin

Autorin. Lektorin. Förderer.

23.09.2020 um 06:49 Uhr

Nachtasou

Den Titel der vorliegenden Geschichte halte ich für das Schwächste am Text. a) Technisch, weil es ein Stilmittel der Fabel oder Moritat ist, die "Moral von der Geschicht" vorwegzunehmen. Da ist jede Chance auf Pointe oder eigene Lesarten am Startblock schon geplatzt. War ja früher mal für Leseunkundige gemacht.

b) Inhaltlich: Natürlich kann Hass überall sein. Besonders da, wo Verbundenheit und starke Gefühle vorhanden sind. Wo denn sonst? Davon ist die Sexualität erst recht nicht ausgenommen.

Geschätzer Nachtasou

Das sehe ich nach wie vor anders mit dem Titel, und ich denke auch, dass jeder einem Buch/Geschichtentitel eine andere Funktion zuschreiben (besser: lesen?) kann.

a) Eine Pointe, die hätte platzen können, sehe ich in dieser Geschichte überhaupt nicht.

Ich finde den Titel zunächst einmal "einladend" im Sinne von Neugier weckend; tatsächlich war er es, der mich für das Lesen genau dieser Geschichte unter den letzten Veröffentlichungen hat entscheiden lassen. Beim Lesen dann habe ich nicht jeden Absatz vor dem Hintergrund des Titels geprüft, sondern bin allein der Handlung gefolgt. Und in der Rückschau finde ich den Titel treffend. Es gibt auch Filme, die so konzipiert sind, dass einen der Ausgang geradezu zwingt, sich die ein oder andere Szene noch einmal vors Auge zu holen. So ging es mir hier bezüglich des Titels.

b) Ich wette, dass die meisten Menschen sagen würden, dass Hass in der Sexualität gerade nichts verloren hat, sehe es aber wie Du: Er kann überall sein und ist es sicher auch. De Frage ist halt: Was macht das mit den betroffenen Menschen? Ich verstehe aber nicht ganz, warum Du hier eine Schwäche des Titels siehst.

Nachtasou

In dieser Diskussion vermischt sich manches und wird missverständlich. Man kann über einen Text reden, über Leserreaktionen oder über Genres. Auch über vermeintliche Absichten der Textautorin. Das sind Ansätze, die jedoch voneinander unterschieden werden müssen.

Danke für das Aufdröseln, das habe ich seit der Beendigung meines Deutsch-LKs tatsächlich wohl verdrängt

Schattenwölfin

Berücksichtigt wurden nur die letzten Kommentare.

Zu allen Beiträgen im Forum zu dieser Veröffentlichung.