BDSM-Geschichten und andere erotische Texte und Literatur

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Das Feng Shui der Perversion

Satire von Mai

Leselupe

„Was gefällt dir daran?“, fragte sie, während er ihr den Arm auf den Rücken drehte und ihren Oberkörper mit einem Knie auf die Matratze nagelte. Dementsprechend gequetscht klang ihre Stimme.

„Was? Jetzt? Ist nicht dein Ernst!“, genervt ließ er ihren Arm los und verlagerte das Gewicht auf das andere Bein. „Was gefällt dir daran, was gefällt dir daran ...“, äffte er sie nach. Wie er solche Frauenfragen hasste. Seine Erektion fiel in sich zusammen, wie ein Soufflé der zu frühen Neugier der Köchin und dem Windhauch der geöffneten Backofentüre anheimfiel. In solch einem Moment sollten derartige Fragen verboten sein. Er ärgerte sich, sie nicht rechtzeitig geknebelt zu haben. Das würde ihm nie wieder passieren. „Es ist eben geil“, versuchte er es mit einer schnellen Männerantwort.

„Und warum ist es geil?“

Es war so klar, etwas durch und durch Schlüssiges schluckte sie natürlich nicht. „Okay“, er begrub seine letzte Hoffnung und schnappte sich seine Klamotten. „Dann können wir uns auch in die Küche setzen und während der Grundsatzdiskussion rauchen.“ Er schmiss seiner kleinen Zicke die Klamotten auf den Hinterkopf und fragte sich - wieder einmal -, warum er nicht von ihr lassen konnte. Sein Blick streifte ihre stämmigen Beine, den geliebten Knick zwischen Oberschenkel und Knackarsch und er wurde sich des Warums schnell wieder bewusst. Sie war zum Anbeißen niedlich. Von ihrem Haar, das zum Verknoten neigte, über die Knitterfältchen auf der Nase, wenn ihr etwas nicht genehm war, über die liebreizende Schnute, die mal das Abbild des personifizierten Unbills darstellen und im nächsten Moment so strahlend lächeln konnte, dass es ihm immer einen flauen Stich in den Solarplexus gab. Er war süchtig nach diesem Lächeln und tat meist sein Bestes, um es zu provozieren. Aber er war auch ein Mann und liebte ihre großen, prallen Brüste und die Geigenrundung ihrer Lenden. Er konnte nichts dagegen tun, er war ihr verfallen, seit er sie das erste Mal auf dem bescheuerten Stammtisch gesehen hatte.

Es war damals ihre Premiere. Auch er ging eher sporadisch hin, er hasste diesen frivol angehauchten schwäbischen Kleintierzüchterverein. War er sexuell versorgt, brachten ihn keine zehn Pferde in die tristen heiligen Hallen der schwul-lesbischen Hochburg, in der sich die Perversen eingenistet hatten. Sie kam zu spät. Der lange Tisch war bis zum letzten Platz besetzt. Alle Köpfe der Anwesenden drehten sich zur Tür, als sie sich öffnete. Unverhohlen gierig begutachteten die Männer ihre Erscheinung, von den Frauen ging eine giftig-grüne Aura der Stutenbissigkeit aus. Selbstvergessen und in sich ruhend durchschritt sie mühelos die Distanz zum langen Tisch, auch die Peinlichkeit des ersten Kontaktes mit dieser vermeintlich dunklen Szene schien sie nicht aus der Ruhe zu bringen, nicht einmal das implizierte Outing ihres Auftritts. Schnell rückte man Stühle hin und her, um Platz zu schaffen. Sie saß an der Stirnseite am anderen Ende und ließ ihren Blick schweifen. Warum schämte er sich jetzt für die Ansammlung übergewichtiger Menschen in billig anzüglicher Gewandung? Lack, Leder, Halsbänder, alles wie  aus dem Otto-Katalog bestellt. Marke Frau Müller-Eberles letzter Versuch, den lendenfaulen Gatten zu verführen. Er hatte sie ja nicht eingeladen, also trug er nicht die Verantwortung für dieses Grüppchen. Dennoch war es ihm peinlich, irgendwie doch dazuzugehören, und er war froh, eine blaue Jeans und ein weißes Shirt anzuhaben und nicht das uniformartige Schwarz zu tragen. Schnell ging man wieder zum Tagesgeschäft über, die Männer referierten mit Schwanz vergleichendem Habitus über Knottechniken, Spreizdübel und der effizientesten Langzeitkatheterisierung, die Frauen gingen wieder zu ihrem Wer geht mit wem ins Bett und wer hat mit wem Schluss gemacht und warum-Kaffeeklatsch über. Plötzlich löste sich eine Walküre aus dem Einheitsbrei der sich ewig wiederholenden Gespräche, die seit Jahren im eigenen Saft schmorten.

„Was bischn du? Bisch du a Dommse oder bisch devot?“, fragte sie distanzlos die Neue und umrundete dabei den Tisch mit einer Geste, als wolle sie sie an den mütterlichen Busen drücken. Sofort war wieder Ruhe in der Halle. Alles war ganz Ohr. Die Frage der Fragen. Treue, gierige Hundeäuglein devoter Männer starrten hoffnungsvoll, herrisch ausgeführte Gesten männlicher Luftknoter, das BDSM-Ambivalent zur Luftgitarre, froren mitten in der Bewegung ein.

„Ich, was?“

„Na, ob de uffn Arsch kriegsch oder druffhausch?“

„Ich weiß nicht. Weder noch, ich habe da nur solche Bilder, Sehnsüchte. Ich glaube, ich hätte gerne einen Mann, der weiß, was er will.“

In dem Moment kam es zu einer merklichen Luftverschiebung. Alle passiven Männer seufzten enttäuscht Luft aus, die sofort von den dominanten Männern aufgesogen wurde, es kam zu einer bemerkenswerten Erschlaffung auf der einen und zu aufgeblasenen Brustumfängen auf der anderen Seite.

Sie wollte einen Mann, der weiß, was er will. Das gefiel ihm. Er wusste, was er wollte. Er wollte sie. Bevor es den Schauspielern dieses Mummenschanzes recht gewahr wurde, hatte er sie schon an der Hand genommen und in den Hof auf eine Zigarette entführt. Er hatte ein leichtes Spiel, es war simpel, sich von diesem Affentheater abzuheben.

Sicher gab es weitaus willigere und gefügigere Frauen, er war ein attraktiver Kerl. Und musste nicht die Essensreste unterm Tisch zusammenkratzen.  Er gehörte nicht zu den Männern, die immer auf der Suche nach Frischfleisch waren, denn Neulinge waren auch eines, sie waren anstrengend. Sie wurden noch nicht durch die Mühle des Neigungs- und Selbstfindungsprozess gedreht, stellten Grundsätzliches infrage. So wunderbar es war, mit einem Menschen Neuland zu betreten,  sich ein bisschen als großer Held zu fühlen, scheinbar unverrückbare Gesetzmäßigkeiten wurden gleichfalls neugierig hinterfragt,  wie neue Spiele beklatscht wurden. Man musste Identitätskrisen mit ihnen überstehen, tausend Fragen beantworten und ja, man musste Grundsatzdiskussionen führen. Ständig. So wie heute.

„Könntest Du die Frage noch einmal präzisieren?“, eröffnete er die neuerliche Runde.

„Also ... Warum kannst du mich nicht einfach so lassen, wie ich bin? Warum musst du mich immer verändern?“

Den unschuldigen Augenaufschlag beherrschte sie perfekt, er spürte seinen Ärger schon verrauchen.

„Verändern? Ich dachte, du fändest das auch erregend?“, resigniert drückte er gewaltsam seine Kippe in den abgegessenen Teller, er war sich des Fauxpas durchaus bewusst, aber irgendwie hatte er das kindische Gefühl, sie ein bisschen ärgern zu müssen. Leider ging sie souverän darüber hinweg.

„Ja. Aber ständig musst du etwas an meinem Körper ändern. Ihn in eine neue Form pressen. Oder du versuchst, meine Art umzuwandeln, meine Umgangsformen, meinen Alltag. Du scheinst immer genau die Umformung toll zu finden, nicht mich, wie ich natürlich bin. Und selbst führst Du Dich auf, wie ein Höhlenmensch.“, sie verdrehte die Augen und schweifte dann deutend auf den geschändeten Paradeteller.

„Das ist doch Quatsch. Ich liebe dich, wie du bist.“

„Nein.“

„Beispiele?“

„Korsagen. Du liebst es, wenn ich mich in die Dinger presse. Wenn aus Gitarre Wespe wird um die Mitte. Nachdem ich sie ausgezogen habe, befühlst du sabbernd die Abdrücke der Stäbe an meinem Bauch. Du stehst darauf, mich zu fesseln, in möglichst unnatürliche und beschämende Posen, die ich niemals freiwillig einnehmen würde. Und geilst dich dann an der Verrenkung und dem Quellfleisch auf. Um mir im Anschluss ungehindert den Arsch zu vermöbeln. Sag, dass du dir nicht die ganze Woche vorstellst, wie ich mit deinen Striemen rumlaufe?“

 „Schon ...“, musste er einräumen. Leider fühlte er sich nun ertappt und ein bisschen vorgeführt.

„Du findest es prickelnd, mich zu verändern. Dauernd bekomme ich Aufgaben, Anweisungen, wie ich mich zu verhalten habe. Es gibt tausend Regeln, mich zu perfektionieren. Wenn sie mir schwerfallen, machen sie dir besonders viel Spaß. Du liebst es, mich mühen und scheitern zu sehen.“

„Ich bin eben Sadist.“

„Ich empfinde dich als zutiefst japanisch.“

„Japanisch? Du hast doch einen Knall!“

„Du musst dir nur mal ihre Gärten anschauen. Da darf nichts natürlich wachsen. Alles wird ästhetisch perfektioniert und in das ausgewogenen Feng Shui gebracht.“

„Das ist 'ne chinesische Lehre“, trumpfte er sofort rechthaberisch auf, leider hörte er selber, dass er zu dick aufgetragen hatte, es klang nicht dominant und erhaben, sondern eher Marke Korinthenkacker.

„Schlaumeier, also gut, dann bist du eben asiatisch. Anderes Beispiel, Bonsai. Die Bäume haben kaum Erde, um sich zu entwickeln, es wird an ihnen herumgeschnippelt, bis sie die perfekte Miniatur darstellen und auf dem Schreibtisch irgendeines reichen Deppen stehen. Oder denke an die Lotusfüße ehemaliger Chinesinnen. Sie litten Höllenqualen, nur um dem Schönheitsideal der Männer zu entsprechen. Es ist die Beschneidung der Natur, die dir gefällt. Du machst mich nicht schön, nein, du formst mich um. Machst einen unansehnlichen Rollbraten aus mir, bringst mich zum Lallen, findest es niedlich, wenn mir der Speichel debil aus dem Mund läuft. Ich kann mich nicht natürlich bewegen, gestikulieren, agieren, weil mit tausend Regeln im Weg stehen.“

Wie liebreizend sie in ihrem Eifer aussah, die Wangen leicht gerötet, das Haar vom begonnenen Sex auf der einen Seite komplett aus der Form geraten und verfilzt, auf der anderen noch perfekt frisiert und glänzend. Genau so fühlte er sich in dem Moment. Seine sonst nie infrage gestellte Dominanz fühlte sich etwas in Mitleidenschaft gezogen an. War er auch nur ein Klischee? Dominanz nur so lange, wie ihm dieselbe eingeräumt wurde, durch die vorauseilende Submission? Fiel sie ebenfalls in sich zusammen, wenn ein bisschen in ihr herumgestochert wurde? War er tatsächlich besser, als die aufgeblasenen Luftknoter?

„Ich verändere nie etwas Irreversibles an dir. Aber ja, ich liebe es, Abdrücke an dir zu hinterlassen. Und ich dachte, dass du einen Mann suchst, der weiß, was er will“, erwiderte er halbherzig.

„Ja. Schön, dass wir das besprochen haben. Jetzt können wir wieder vögeln gehen.“

Einen Moment erwog er das Angebot. Aber er war sich sicher, dass dieser Akt ein Rohrkrepierer werden würde. Er hatte die Situation nicht unter Kontrolle. Er hatte sie nicht unter Kontrolle. Schlechte Zeiten für seinen kleinen Freund. Denn auf den war heute sicher auch kein Verlass mehr.

„Nein. Such dir einen Tantralehrer. Der macht dich zu Göttin. Ich hab jetzt echt keinen Bock mehr.“

 

 

 

Kommentare von Leserinnen und Lesern

07.05.2016 um 07:24 Uhr

Nach der Neuveröffentlichung "Lady Di hauen" bin ich auf diese nette Story von Mai gestossen, die mich sofort in Beschlag nahm.

Einfach nur die Schubladen Dom oder Sub reichen nicht immer. Es gibt so viele kleine Stellschrauben...

Eine etwas andere Story die beruhigt und zugleich beunruhigt.

Es geht ganz einfach um die Gattung "Mensch".

Vielen Dank.

Signatur

Viele Grüße, Subsi

Nachtasou

Autor.

09.12.2015 um 23:41 Uhr

Diese Geschichte endete für mich in einer großen Enttäuschung.

Als ich nämlich mehr aus Mai´s Feder lesen wollte, fand ich: nichts. Nichts! Keine einzige weitere Geschichte.

Einen dicken Fehler fand ich. Aber nicht im Text, sondern im Profil. Dort steht irgendwas mit sub ... Richtig muss es heißen: Realsadistin, und zwar von der brutalen Sorte. Nach diesem Appetithappen nichts folgen zu lassen ist genau das.

Die Geschichte ist nach meinem Empfinden einfach kraftvoll. Punkt. Die Protagonistin ist nicht blöd und zudem sympathisch, und irgendwie zicke-zacke. Beide Darsteller sind aus Fleisch und Blut. Geschichten mit "wumms" mag ich (das ist mir neu).

Signatur

Die Zunge hat keine Knochen

Mai

Autorin.

01.10.2015 um 16:55 Uhr

Hallo Patrizier,

beim Schreiben des Zwischenteil habe ich sogar an Dich denken müssen, ich wusste, dass Dir der gefallen wird.

Grüßle und danke an ungewohnter Stelle.

Patrizier

Autor.

30.09.2015 um 20:20 Uhr

Mir gefällt diese Langfassung deutlich besser als die Kurze andernorts. Das ist amüsant geschrieben und zeigt eine andere Seite von Dir, die bislang nicht so zum Vorschein kam. Schön. Gern und mit Vergnügen gelesen.

Signatur

Freundliche Höflichkeit und Dominanz schließen einander nicht aus, aber von mir aus kann jeder machen, was ich will!

06.08.2015 um 16:41 Uhr

Amüsante Zeilen zu einem ernsten Thema, die sich leicht lesen ließen. Mir ab und an ein Lächeln abgerungen haben. Eine fast schon philosophische Diskussion über Sex, Vorlieben sozusagen Leben und Leben lassen. Einfach wundervoll. Am Ende hat er mir fast ein bisschen leid getan. 

Danke für diese schöne Geschichte.

Signatur

Niemand ist gut genug, einen anderen ohne dessen Zustimmung zu regieren (Abraham Lincoln).

Profil unsichtbar.

Gelöscht.

06.07.2015 um 16:07 Uhr

Eine sehr schöne geschichte. 

Mir fehlt wohl leider noch die nötige rafinesse, die die anderen Leser schon haben... der letzte Gedanke den ich mein lesen hatte war "schwarzer humor", "und auch lachen musste ich nicht. 

Aber mir persönlich zeigt die Geschichte eine weitere Facette des Themas bdsm, an die ich so bisher noch nicht gedacht habe, stehe ich doch gerade erst am Anfang meiner erkundungstour durch das ganze Thema  

Sehr schön und fließend geschrieben, gefällt mir

Profil unsichtbar.

Gelöscht.

25.05.2015 um 19:53 Uhr

sehr witzig

22.04.2015 um 19:30 Uhr

Passt nicht. Weiberei - immer ein Satz zuviel, ein Wort zu sehr verstärkt.

Eine Geschichte, die mal zeigt, dass es auch so nicht geht. Es hat viel Spass gemacht sie zu lesen!

21.04.2015 um 16:48 Uhr

Schöner Lesestoff für mal zwischendurch

Profil unsichtbar.

Gelöscht.

16.04.2015 um 16:33 Uhr

herrlich! die suche nach der eigenen rolle, das subtile spiel um machtverhältnisse, die längst geklärt sind und gleichzeitig wird ein erregender kampf darum geführt!

raffiniert und gerissen. super!

Berücksichtigt wurden nur die letzten Kommentare.

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