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Schattenzeilen

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Der Mann im Kleid

Eine Fetisch-Geschichte von T Lagemann

Der Mann im Kleid sitzt auf einer Bettkante und ist nicht glücklich. Ist es vielleicht nie gewesen. Er weiß das nicht so genau. Er weiß nur, dass es sich früher gut angefühlt hat, ein Kleid zu tragen. Kurze Momente des Glücks sind das gewesen. Deswegen hat er es doch gemacht. Wegen dieser Momente. Und deswegen macht er es auch heute. Obwohl sich das Gefühl gewandelt hat. Jetzt scheint es ihm nur eine Erinnerung zu sein. Aber auch als Erinnerung fühlt es sich gut an, ein Kleid zu tragen. Wie Glück ist dieses Gefühl, denkt er, das Glück der ersten Male, nachdem die Angst gewichen war. Denn die ist da gewesen, Angst. Beim Zuziehen der Reißverschlüsse haben seine Hände gezittert. Auf Schritte im Treppenhaus hat er gelauscht. Am Fenster gestanden, auf die Straße geschaut. Denn er hat gewusst, was er da macht, das würde niemand verstehen. Nicht sein Vater, nicht sein Bruder. Die auf keinen Fall. Und auch seine Mutter nicht. Die aber vielleicht gelacht hätte, weil sie es für eine Vorführung gehalten hätte. Ein kleines Schauspiel. Wie damals, als er Werbung gespielt hat. Zauberkreuz hebt den Busen. Er die Betonung der Stimme nachahmend, die er aus dem Fernsehen kannte. Mit seinen kleinen Fäusten den BH von sich weg und nach oben drückend. Zauberkreuz. Und noch ein Stück nach oben. Hebt. Noch höher. Den Busen. 

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Kommentare von Leserinnen und Lesern

21.06.2021 um 17:24 Uhr

Wie zauberhaft ist es, wenn man eine Agnes um sich hat, die diese Orientierung nicht nur duldet, sondern mitträgt.

17.06.2021 um 16:11 Uhr

Der Zwiespalt ist vortrefflich geschildert und erinnert mich ein wenig an meine Pubertät!

03.05.2021 um 01:02 Uhr

Fantastisch geschrieben!

05.04.2021 um 23:01 Uhr

Gefallen ist nicht das richtige Wort. Als Leser, aber nicht Betroffener, erfordert der Text ein gerütteltes Maß an Abstraktionsvermögen. Dem Autor ist die Beschreibung der Gedankenwelt des Protagonisten gut gelungen, denke ich!

Xentaur

Autor.

04.04.2021 um 09:42 Uhr

Mit klopfendem Herzen hab ich diese Geschichte gelesen, fand mich teilweise in Erinnerungen an Kinder und Jugendtage wieder. Die seltsamen Schuldgefühle, die Ängste erwischt zu werden. Die Zerissenheit im Inneren. Gut geschildert. Obwohl ich nie den Wunsch hatte so weit zu gehen, wie in der Geschichte.

Aber weshalb? Ist es nicht eine seltsam anerzogene Ungerechtigkeit?

Es besteht ein seltsames Ungleichgewicht in Herren und Damenmode. 2/3 bis 3/4 aller Klamottenkaufhäuser oder Klamottenkataloge bestehen aus Damenmode in der allergößten Vielfalt. Es gibt nahezu jede Art von Kleidungsstück für Männer auch in Damenpassform.

Bei mir selbst hat sich das zum großen Teil verändert als ich vor fast 20 Jahren Mitglied im Münchner Männerrockstammtisch wurde. Seit dem trage ich Röcke und Strumpfhosen und auch Stiefel ganz offen und habe sie in meinen Kleiderschrank integriert. Auch wenn sie seltener trage als Hosen.

Das heimliche Wichsen ist seitdem verschwunden.

Ich habe keine Angst mehr das mich jemand erwischt.

Trotzdem das Ungeleichgewicht besteht fort. Ich und wenig andere Männer versuchen dies zu ändern, auch wenn wir eine diesbezügliche Gleichberechtigung zu unseren Lebzeiten nie erreichen werden.

Ist es deshalb so dass es Feminisierung nur in FemDom - MaleSub Spielen gibt?

Anderherum gibt es keine Maskulinisierung: Frauen sind in deieser Beziehung frei, es gibt keine Ängste.

Ronja

Autorin.

15.12.2020 um 01:28 Uhr

Was für ein trauriger Einblick, der mich tief berührt hat. Wünsche dem Protagonisten, dass er seine immerwährenden Zweifel an sich überwinden kann, um glücklich zu werden. Leider ist die Gesellschaft in vielen Teilen noch nicht so offen. Man kann nur hoffen, dass sich dies alles irgendwann einmal ändert. Sich ein Prozess in Gang setzt und ein Wandel beginnt.

09.12.2020 um 19:45 Uhr

Das ist aber eine sehr schön geschriebene Geschichte! Man mag sich nicht vorstellen dass sie wahr ist, es wäre zu traurig. Seine Gefühlswelt ist eindrucksvoll beschrieben und sehr gut nachzuvollziehen.

09.12.2020 um 12:12 Uhr

Die Geschichte katapultiert mich in mein eigenes Lust- und Triebleben!

Diese endlos,lange dramatische Geschichte meiner selbst.

Ich schreibe absichtlich nicht Drama!

Dafür gab und gibt es zu wenig Negativität um meine Seele zu beugen und zu zerstören.

Doch all diese ganzen Ausreden, das Sich-Verstellen-Müssen, das nicht so sein dürfen, wie man ist.

Das bringt Deine Geschichte so authentisch und ehrlich rüber.

Es sind andere Themen, doch dieses Gefühl, nicht richtig zu sein, wie man(n) ist!

Wie gnadenlos ist der Mensch zu Seinesgleichen!

Super, hat mich sehr berührt! Danke.

Mississippi

Förderer.

30.09.2020 um 19:30 Uhr

Sehr gut geschrieben und sehr traurig...

Gelöscht.

11.04.2019 um 21:42 Uhr

Die Wünsche außerhalb der Normen können eine wirkliche Belastung sein. Das ist hier sehr einfühlsam und nachvollziehbar beschrieben. Ein sehr guter Text.

Berücksichtigt wurden nur die letzten Kommentare.

Zu allen Beiträgen im Forum zu dieser Veröffentlichung.