Sie wollten nur ein Experiment: Sex ohne Liebe, intensiv, frei und furchtlos. Doch was als Arrangement unter Erwachsenen beginnt, wird zu einem gefährlichen Spiel.
Ein Dienstagabend im September. Die Luft ist noch warm vom Tag, aber das Licht draußen hat bereits diesen goldenen Ton, der den Herbst ankündigt. In einem kleinen Café abseits der Hauptstraße sitzen sie sich gegenüber an einem Tisch nahe dem Fenster.
Schon bei ihrer ersten Begegnung war da eine unmittelbare Anziehung. Wie ein unbewusster Reflex: roh, körperlich und ungefiltert, plötzlich da und nicht mehr wegzukriegen. Zugleich erschien diese Reaktion absurd, vollkommen deplatziert, lebten sie doch in festen, durchaus glücklichen Beziehungen. Umso rätselhafter also, was da plötzlich einschlug, als wolle es ihren ruhigen Alltag kurzschließen.
Natürlich merkten beide, was zwischen ihnen geschah, und vielleicht fiel gerade deshalb nie ein Wort darüber. Sie wählten den naheliegendsten Ausweg und taten, was man eben tut, wenn man nicht soll, was man will: Sie nannten es Freundschaft. Dabei waren sie in Wahrheit wie füreinander gemacht. Sarkasmus war ihre gemeinsame Muttersprache, gepflegter Zynismus ihre Königsdisziplin, und es schien, als hätten sie kaum ein Interesse, das sie nicht teilten.
Dass sie sich so mühelos verstanden, blieb nicht lange unbemerkt. Doch nach und nach wurden auch ihre Partner in diese Allianz miteinbezogen, bis sie schließlich alle eine vertraute Viererfreundschaft verband. Trotzdem blieb zwischen ihnen beiden, obwohl sie nun die meiste Zeit zu viert verbrachten, etwas Eigenes, eine andere Art von intensiver Vertrautheit. Sie schrieben einander jeden Abend, tauschten Erlebnisse, Gedanken, Beobachtungen aus, bis es irgendwann selbstverständlich war, alles miteinander zu teilen, was ihnen durch den Kopf ging. Und je selbstverständlicher es wurde, desto intensiver wurden die Themen.
Über Sex hatten sie immer schon gerne gesprochen. Zuerst ging es um den mit ihren Partnern, dann zunehmend um das, was fehlte. Und irgendwann um das, was sie insgeheim wollten. Erst da begriffen sie, wie sehr sich ihre Fantasien spiegelten, wie exakt ihre Wünsche auf derselben Linie lagen und dieser stille, merkwürdige Sog zwischen ihnen war plötzlich nicht mehr so rätselhaft. Von diesem Moment an war es im Grunde nur noch eine Frage der Zeit. Es begann harmlos: elegant codierte Anspielungen, doppeldeutige Antworten, Andeutungen und passende Erwiderungen. Bis der Subtext irgendwann explodierte: Sie sagten einfach klar und deutlich, was sie sich wünschten.
An diesem Punkt beschlossen sie, dass nichts dabei sein könne, wenn zwei Erwachsene einander ein wenig Vergnügen gönnten. Es war als kontrolliertes Experiment gedacht: Zwei Menschen, die einander vollkommen vertrauten, entschieden sich, sich einfach das zu geben, was sie in ihren Beziehungen vermissten. Nichts weiter. Also einigten sie sich auf ein Arrangement. Ganz rational, wie sie sagten, wie Erwachsene eben.
Der vermeintlich »ganz rationale« Sex war überwältigend: intensiv, frei und furchtlos. Nichts war zu viel und nichts zu seltsam. Im Gegenteil: Sie reizten einander dazu, selbst das Geheimste ans Licht zu holen, und was sie dabei miteinander entdeckten, ging weit über das hinaus, was sie je für möglich gehalten hätten. Jede ihrer Begegnungen zog sie immer tiefer hinein, bis irgendwann mehr zwischen ihnen war. Schließlich kam, was kommen musste: Sie verliebten sich leidenschaftlich, heftiger, als man es in ihrem Alter längst verlernt haben sollte. Doch sie wussten, dass es nicht gut ausgehen konnte. Also ließen sie los, so gut sie konnten, und gingen auf Abstand voneinander.
Es war schwerer, als sie gedacht hatten, fast unerträglich, und doch blieb ihnen nichts anderes übrig. Beiden war klar, dass alles andere unweigerlich in einem Desaster geendet hätte. Zudem waren beide von Natur aus monogam, treue Seelen, und deshalb war es ihnen ohnehin nie ganz verständlich gewesen, wie sie diese Affäre so mühelos mit sich selbst und ihrem Gewissen hatten vereinbaren können.
Doch etwas blieb zurück von ihrem Abenteuer. Etwas, das nie wieder ganz verschwand. Es war einfach zu gut gewesen, zu wirklich, und sie hatten sich dabei verändert. Eine Zeit lang hielten sie Abstand, ein stiller Pakt der Vernunft. Doch bald kehrten die langen Gespräche zurück, Nacht für Nacht, während ihre Partner schliefen und nichts davon ahnten. Irgendwann ließ es sich nicht mehr unterdrücken: Sie verabredeten sich noch einmal. Nur um zu sehen. Ein einziges Treffen, sagten sie, um noch eine ihrer Fantasien Wirklichkeit werden zu lassen, vielleicht die letzte. Und genau deshalb sitzen sie jetzt hier.
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