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Schattenzeilen

BDSM-Geschichten lesen und schreiben

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Namen, Orte, Handlungen: Im Text erwähnte Namen, Orte und Begebenheiten sind, soweit nicht anders angegeben, fiktiv. Handlungen und Techniken sind nicht vollständig beschrieben, es fehlen Sicherheitshinweise. Mehr dazu ...

 

Im Keller

Eine BDSM-Geschichte von Campanula

Es ist warm im Keller. Eine Fußbodenheizung sorgt dafür, dass ihre Füße nicht auskühlen, wenn sie lange steht. Manchmal steht sie sehr lange. Und manchmal ist sie tagelang allein. Der Lichtschacht, der hoch oben in die Decke eingelassen ist, streut einen milchigen Schein auf die antik anmutenden Terracottafliesen. Wenn es regnet, hört sie das Prasseln der Regentropfen auf dem blinden Glas.

 

Es ist erstaunlich, wie viele Geräusche die Stille in sich trägt. Das monotone Flüstern der Belüftungsanlage. Das Knacken und Knarren der Balken. Das Gurgeln der Wasserrohre. Das Quietschen der Federung unter ihrer Matratze. Ihren Atem, der an den Nasenflügeln entlang streicht. Das Geräusch einer Buchseite beim Umblättern. Den weichen Klang ihrer Sohlen auf dem Fliesenboden. Das metallische Klirren, das ihre Schritte begleitet.

 

Ein Geräusch gibt es, das sie mehr als alle anderen erwartet, eines, das sie jedes Mal kerzengerade und wach werden lässt: die rasche Sequenz von sechs elektronischen Pieptönen, gefolgt von einem gleichmäßigen Surren und Klacken. Sie lässt ihr Buch sinken und richtet sich auf. Merkwürdig, dass ihr noch immer das Herz bis zum Hals schlägt, wenn er den Raum betritt. Seine Hände verrichten die üblichen Rituale, prüfen den Thermostat, legen ein paar Bücher auf den Nachttisch, schenken Wasser nach und füllen den Napf, der auf dem Fußboden steht.

 

Aufmerksam sieht sie ihn an, wartend, geduldig, hellwach. Die Kette klirrt, als er ihr das Halseisen abnimmt. Er fasst sie am Arm und führt sie in die Mitte des Raumes, dorthin, wo mit zwei Schritten Abstand die beiden Holzbalken bis zur Decke ragen. Jede seiner Gesten ist ihr zutiefst vertraut. Die elegante, beinahe zärtliche Bewegung, mit der er ihr das Seil um das Handgelenk schlingt. Seine Hand, die ihre Fußgelenke umfasst. Die ruhige Entschlossenheit, mit der er die Aufhängung straff zieht. Die federnde Gebärde, die ihr den Knebel in den Mund drückt, ehe er das Ledergeschirr an ihrem Hinterkopf verschließt. Wäre da nicht der Ausdruck in seinen Augen, man könnte meinen, er sei ganz im Einklang mit sich.

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Kommentare von Leserinnen und Lesern

15.09.2021 um 00:41 Uhr

Die Geschichte berührt mich sehr, denn sie  läßt mich tief in das Gefühls- und Seelenleben der Frau eintauchen.

Du beschreibst so feinfühlig und sensibel,dass ich mich mitten in der Geschichte befunden habe. Danke dafür.

Nachtasou

Autor.

15.09.2021 um 00:22 Uhr

Das Böse lockt. Das ist ja die Crux am ganzen Sein, und seine Süße.

Die Frau in dieser stylischen Geschichte findet ihren Frieden in der Gefangenschaft. Den Mann treibt ein verstummter Kummer dazu ein Kerkermeister zu werden. Im „tragischen Unfall“ einer Gattin blitzt das Verderben schon auf.

Das alles hat Campanula in verführerisch glänzendes Papier eingewickelt, das in seiner Ruhe stiftenden Anmutung in mir eine Unruhe auslöste.

Ich lese die Geschichte als Pseudo-Romanze, die ein langsam wirkendes Gift transportiert. Eine Reißzwecke im süßen Haferbrei ist dieser tragische Unfall. Wobei ich voraussetze, dass niemandem ein Dachziegel auf den Kopf fiel oder dem Auto ein Baum im Wege stand, sondern mit dem Inhalt der Geschichte verwoben ist. Weil die ganze Geschichte mit dünnem Faden gewebt ist. Wie Wetterleuchten, zunächst lautlos, sorgfältig in die Vergangenheit verschoben, scheint die Tragik auf.

Und so stellte sich mir die Frage: Ist die namenlose, erzählende Frau in der Geschichte gar die „Gattin“? Ist das, was in der Vergangenheit geschah die Andeutung ihres eigenen Schicksals? Die Geschichte kann auch zirkulär gelesen werden: Als eine einzige Frau, oder eine Abfolge, in der eine in die Fußstapfen der nächsten tritt, und immer so weiter. Bei den beschriebenen Quälereien und der Isolation liegt ein Missgriff doch in der Luft.

Campanula hat eine ganze Reihe formaler Lesehilfen mitgegeben. Bei soviel inhaltlicher Offenheit (keine Namen etc.) suchte ich also im formalen Aufbau den Schlüssel. Es kann ja kein Zufall sein, dass die Geschichte zwei Zeitformen benutzt, zwei Erzählperspektiven (allwissend gegenüber Ich-), und dann sich dann noch typografischer Wechsel bedient (normal, kursiv), und dann noch Gliederungshilfen (die „***“), womit Unterkapitel voneinander abgrenzt werden. Ich habe also farbig markiert, Skizzen angefertigt und … ja, mit dem Messer alles schön klein zerschnitten und versucht das Puzzle zusammenzusetzen. In der Hoffnung, darin des Rätsels Lösung zu finden.

Das ist mir nicht gelungen.

Entweder bin ich zu doof, oder die ganze Geschichte ist in dieser Hinsicht völlig unnötig überstrukturiert worden. Jedenfalls für den kleinen Raum von 10 Seiten etwa. Irrlichter sozusagen, die in den Sumpf locken? Warum der ganze Formalzirkus also?

Soviel aufwändige Schönheit für eine so deprimierende Botschaft, dass sich Menschen „etwas antun“. Der Mann hält sie im Kerker, um sie nicht zu verlieren, und sie findet in der Gefangenschaft ihre Erfüllung. Und doch geschieht beides ja, so steht es im Text, aus der Not heraus. Er im Kummer und sie im Schmerz.

Ist das Erfüllung?

Was teilen sie denn? Teilen sie sich überhaupt mit? In der Vergangenheit gab es noch Worte. Inzwischen Stille. Reicht das Ahnen der Gedanken im Gegenüber?

Sie teilen nicht ein einziges Atom miteinander. Aber so ist das im Sex: Die eine Seite penetriert, die andere wird penetriert. Und daran ist überhaupt nichts Gemeinsames. Es ist das Komplementäre, das über das Einzelne hinauswächst. So wie Licht Welle und Teilchen sein kann, so wie süß-sauer lecker schmecken kann.

Ich kann den beiden in der Geschichte nur wünschen, dass sie darum wissen, was sie „verbindet“. Auch unausgesprochen. Tragisch ist es allemal. Sowieso. Ob Unfall oder gewollt, von außen betrachtet findet es sein Ende. Diese Geschichte ist so trauer-umhüllt und dabei wunderschön. Und das ist ja die Aufgabe jeden Tuns: Ästhetik. Das ist die einzige Kraft, mit der Menschen sich befreien, indem sie sich ihr unterwerfen.

Luna Ery

Förderer.

11.09.2021 um 22:01 Uhr

Ich habe diese Geschichte gelesen und musste erstmal tief durchatmen. Tiefgründig geschrieben, mit soviel Emotionen.

Ich stelle mir die Frage ist es die tiefe Liebe oder ihr Wunsch sich unterzuordnen und ihm zu gefallen. Diese Geschichte wird mir noch lange im Kopf bleiben und hat mir viel Stoff zum Nachdenken gegeben.

Klasse geschrieben, danke für diese Geschichte!

Chezjulia

Autorin.

09.09.2021 um 01:03 Uhr

Wann ist es Liebe und wann Hörigkeit?

Wann tut die Verbindung gut und wann zerstört sie?

Wer ist der Stärkere und wer der Schwächere?

Wann ist es der freie Wille und wann Abhängigkeit?

Beklemmend und beeindruckend in lebendigen Worten verfasst, bleibe ich als Leser zurück mit der Frage, wer von beiden diese Verbindung psychisch überleben wird. 

Doch steht mir diese Frage zu? 

Zwei Erwachsene haben sich freiwillig gefunden - und leben ihren Traum. That's it. 

Der Autorin ein großes Dankeschön für das Teilhaben lassen an Ihrer Kunst - für mich persönlich ein Meisterwerk!

Meister Y

Autor. Förderer.

07.09.2021 um 15:33 Uhr

Liebe Campanula, mir bleibt nichts anderes, als den virtuellen Hut zu ziehen! Grandios beschreibt es, ohne zu übertreiben.

Dir ist etwas gelungen, was man wirklich selten liest. Harte, sadistische Praktiken nicht einfach zu beschreiben sondern in einer tiefgehenden, hocherotischen, hochemotionalen Geschichte zu verpacken. Sicher in einer, die selbst die erreicht und mitnimmt, die mit dieser Art von S/M absolut nichts anfangen können. Das schaffst Du, in dem Du uns tief in Seelenleben blicken lässt, in dem Du zeigst, was Liebe vermag und zwar bei Beiden.

Vieles was da passiert mag man schier nicht glauben, am Ende aber, ist man sicher, dabeigewesen zu sein.

Die Art, wie Du all das in Worte verpackst, wie es Dir gelingt Praktiken darzustellen ohne sie wirklich zu erzählen, wie Du emotionale Aspekte, Sehnsucht, Liebe, Angst u.a. mit Härte und Selbstkontrolle verwebst ist absolut lesenswert!

Danke für harte, ergreifende, wirklich tolle Zeilen, die ich mit Sicherheit nicht zum letzten Mal gelesen habe.

05.09.2021 um 00:17 Uhr

Das liest sich fantastisch. Es ist für meinen Geschmack arg gruselig.

Campanula

Autorin.

31.08.2021 um 23:59 Uhr

Ach, ihr Lieben, ihr macht mich ganz sprachlos mit euren zauberhaften Kommentaren! Vielen, vielen Dank!

Tek Wolf Wenn es mir gelungen ist, dich zu gruseln und dennoch Verständnis für die Frau zu wecken, deren Geschichte da erzählt wird, dann freut mich das ungemein. Ich tanze gerne auf der Schwelle und es reizt mich besonders, die vielen Facetten von Bindung und Hingabe auszuloten. Das ist im literarischen Raum möglich wie nirgends sonst.

okto Schön, dass ich dich mit der Geschichte in den Bann ziehen konnte!

Söldner Du siehst mich tief erröten angesichts deines Lobes. Danke! Wie ich an anderer Stelle schon einmal erwähnte, ist die Darstellung von SM-Techniken nicht meine Stärke. Mich interessiert eher das, was zwischen den Beteiligten passiert, mich interessieren ihre Motive, ihre Sehnsüchte, ihre Ängste und Träume. Wenn dadurch meine Figuren für dich lebendig geworden sind, freut mich das ungemein.

Ambiente Uff, was für ein schöner Kommentar! Mir kamen auch schon fast die Tränen, als ich ihn las. Danke, dass du mich so lebhaft hast Anteil nehmen lassen an dem, was dir beim Lesen durch den Sinn ging! Meine Welt ist das auch nicht, jedenfalls nicht meine reale Welt. Aber die meiner inneren Bilder ist es dann doch - ein ganzes Leben schon. Und ich bin sehr dankbar, dass es Buchstaben gibt, um meine inneren Räume damit auszuschmücken.

Rene Raimann Hab vielen Dank für deinen lieben Zuspruch! Ja, die Welt, die ich beschreibe, gibt es so nur in meiner Fantasie. Meine Geschichten haben keinen Anspruch, Tatsachenberichte zu sein. Umso mehr freue ich mich, wenn sie in sich glaubwürdig erscheinen. Wie schön, dass du im Sog deiner inneren Bilder versunken bist! Ist es nicht meistens so, dass vor allem jene Geschichten uns ansprechen, die in irgendeiner Weise unsere eigenen inneren "Weltenblasen" berühren?

30.08.2021 um 20:39 Uhr

Wow.

Klasse.

Klasse - im Sinne von "hat Klasse" - liest sich beinahe... "klassisch"! Eine wirklich ästhetische Sprache ohne Holperer und Brüche. Gratuliere.

Ganz subjektiv möchte ich allerdings anmerken, dass die Welt, die du da aufbaust (So glaubwürdig du sie auch rüberbringst! Das sei unbenommen!) für mich eine Roman-Welt ist bzw. bleibt.

Ich finde die Geschichte großartig - die Protagonistin geradezu eine... Heldin! Ich lass mich widerstandslos hineinziehen in die Szene und sehe die Verfilmung vor mir... Womöglich, weil es in meinem Geschichten-Universum vergleichbare Weltenblasen umher schweben; wenn auch mit einem "anderen Cast" besetzt.

Zusammenfassung: Ich mag, wie du schreibst und ich mag, was du da geschrieben hast!

Respekt!

Ambiente

Autorin. Förderer.

30.08.2021 um 13:28 Uhr

Hallo Campanula,

uff, ich muss erst einmal durchatmen.

Ich habe gerade Deinen Text gelesen. Er ist für mich wie Yin & Yang.

Auf der einen Seite zauberst Du mit Deinen Worten. Du hast so wunderbare Worte gefunden: >mein Blick flüchtete hastig die Straße hinab< Worte wie Seide, gemalte Momente, zum weinen schön.

Dann die kleine Welt Deiner Protagonistin. Hart, von Schmerz und Verlangen geprägt. Mein Inneres bäumte sich auf, als ich las: Manchmal ist sie tagelang allein. Gefesselt, gebunden, allein in einem Keller? 

Das geht doch nicht! Doch am Ende Deines Textes ist mir klar: Doch, es geht, denn diese Beiden, haben sich ihr ureigenes Universum geschaffen, in der sie ihre, für beide erfüllende Zweisamkeit leben.

Ich habe noch nie mit so zarten Beschreibungen eine so harte Verbundenheit gelesen.

Es wäre nicht meine Welt, aber es scheint die Welt Deiner Protagonisten zu sein.

Hut ab, toll geschrieben!

wir lesen uns 

Ambi

Söldner

Autor. Lektor. Förderer.

29.08.2021 um 08:29 Uhr

Deine Geschichte spielt mit Grenzen.

Es ist nicht die schreibtechnische Darstellung von SM-Techniken, die eine gute Geschichte ausmacht. Es ist die erotische Beschreibung, bestehend aus Eintauchen in Praktiken, Darstellung von Emotionen, Erfassen von Dominanz und Submission in Handlung, nicht in Beschreibung. Du zeichnest Deine Figuren perfekt, ohne sie vordergründig zu präsentieren. Deine Figuren schilderst du nicht, sondern lässt sie leben.

Ich habe selten einen derart harten, tief gehenden und emotionalen Text bester Qualität gelesen.

Berücksichtigt wurden nur die letzten Kommentare.

Zu allen Beiträgen im Forum zu dieser Veröffentlichung.