Registrieren Login

Schattenzeilen

BDSM-Geschichten lesen und schreiben

Social Bondage: Textnummer 2041 | Facebook | Twitter

Urheberrecht: Eine Veröffentlichung, Vervielfältigung oder Verwendung darf nur nach Zustimmung durch Onmymind erfolgen! Mehr dazu ...

Namen, Orte, Handlungen: Im Text erwähnte Namen, Orte und Begebenheiten sind, soweit nicht anders angegeben, fiktiv. Handlungen und Techniken sind nicht vollständig beschrieben, es fehlen Sicherheitshinweise. Mehr dazu ...

 

Ein Wochenende mit Elise

Eine BDSM-Geschichte von Onmymind.

Meine Finger waren klamm. Ich fluchte, als ich die Schneeketten um den Reifen legte. Ich blies in meine kalten Fäuste. Den Beginn unseres gemeinsamen Wochenendes hatte ich mir anders vorgestellt. Schließlich ließ ich mir den Spaß so einiges kosten. Ich stieg ins Auto und schmiss die Tür zu. Die Heizung lief auf Hochtouren. Verflucht, war ich genervt. Zwei Stunden Stau, denn wir waren nicht die einzigen, die in den Tiroler Bergen die Adventszeit verbringen wollten, und das Steckenbleiben im Schnee hatten ihr Übriges getan.

„Glaubst du, dass wir den Berg jetzt hochkommen?“, frage Elise vorsichtig.

Ihr duckmäuserischer Tonfall gab mir den Rest. „Ob ich es glaube, spielt keine Rolle, wir werden es einfach machen, basta!“ Ich drehte mich zu ihr. Unbewusst, rutschte sie den Beifahrersitz runter, machte sich kleiner. Ein Überbleibsel ihrer cholerischen Ehe. Mir war bewusst, dass sich zwanzig Jahre nicht so einfach abschütteln ließen, trotzdem ärgerte mich ihr Verhalten. Ich war nicht ihr Exmann! Elise ahnte es noch nicht, doch dieses Wochenende musste sie ihre Harmoniebedürftigkeit ablegen und sich vor den Spiegel stellen. Ob sie die Wahrheit erkennen würde?

Die Ketten griffen auf dem eisigen Güterweg. In engen Serpentinen ging es immer weiter den Berg hoch. Außer verschneiter Landschaft war weit und breit nichts zu sehen. Die frequentierten Hotels hatten wir schon längst hinter uns gelassen. Genauso hatte ich mir das vorgestellt. Dann endlich, am Ende des Weges stand unsere Herberge, ein altes Holzhaus.

 

Ich pfiff anerkennend, als ich mit unseren Koffern über die Schwelle in die warme Stube trat. Von der Broschüre wusste ich, dass die „einsame Luxushütte mit Verpflegung“ das Lieblingsprojekt eines Hoteliers war, dessen Urgroßeltern hier gelebt hatten. Das Äußere ließ nicht vermuten, welche Annehmlichkeiten innen bereitstanden. „Traditionell eingerichtet mit modernem Komfort“ hatte ich gelesen und ich konnte dieser Beschreibung nur zustimmen. Frisches Brennholz lag schön gestapelt neben dem Tischherd. Das Feuer knisterte und machte die Atmosphäre noch heimeliger. Ein „Herrgottswinkel“ mit gemütlicher Eckbank lud zum Verweilen ein. Auf dem wurmstichigen Holztisch stand eine Thermobox mit unserem Abendessen. Eine Flasche Rotwein daneben.

„Ist das schön hier! Hast du schon die anderen Räume gesehen? Sie haben im Wohnzimmer sogar einen Christbaum geschmückt.“ Elise konnte ihre Begeisterung nicht verhehlen.

„Nein, ich habe noch eine Zigarette geraucht und dabei das Panorama genossen.“

Sie las die Menübeschreibung laut vor: „Rindsuppe mit Fritatten, Hirschgulasch mit Knödel und Blaukraut, Apfelstrudel. Wenn ich das alles esse, platze ich.“

„Keine Angst, du wirst dich derart verausgaben, dass du danach hungrig bist.“

„Oh“, war ihre einzige Antwort, während sie den Blick senkte.

Ich betete ihre Verlegenheit an, die uns beide erregte. Dass ich es nach einem Jahr noch immer schaffte, sie mit nuancierten Bemerkungen in diesen Zustand zu versetzen, bedeutete mir unendlich viel. „Was geht in deinem strukturierten Köpfchen vor, hm?“

Sie räusperte sich. „Soll ich mich jetzt gleich ganz ausziehen oder willst du mich lieber in meinem Mieder und den Strümpfen sehen, oder soll ich zuerst unsere Koffer auspacken?“

„Elise, Elise. Ein Schelm, wer Schlimmes dabei denkt. Du sollst dir noch viel mehr anziehen. Hülle dich richtig warm ein. Und meinen Koffer kann ich selber auspacken. Ich warte draußen auf dich.“

Ihre geröteten Wangen waren Belohnung und Antwort zugleich.

Du möchtest diese BDSM-Geschichte weiterlesen?

Melde Dich in Deiner BDSM-Community an

Name:

Passwort:

Wenn Du bereits einen Nutzernamen hast, melde Dich bitte vor dem Lesen am System an. Andernfalls kannst Du Dich kostenlos registrieren oder Dir zunächst weitere Vorzüge von angemeldeten Nutzern ansehen.

Du möchtest Dich nicht anmelden? Dann stehen Dir nur die ohne Anmeldung lesbaren BDSM-Geschichten zur Verfügung.

 

Deine Meinung

Du kannst Texte nur dann bewerten, wenn Du sie voll einsehen kannst.

 

Kommentare von Leserinnen und Lesern

25.03.2021 um 21:53 Uhr

Diese Geschichte hat mir sehr, sehr gut gefallen.

18.03.2021 um 13:50 Uhr

Gefällt mir gut, die Geschichte. Von der Idee, als auch von der Machart her. Kein abstrakter Fantasietext sondern gut beobachtet. Läßt einen Blick in die Gedankenwelt der Protagonisten zu und das ist sehr glaubwürdig. Dank dem Autor und mehr von ihm!

06.02.2021 um 18:02 Uhr

Vielen Dank für diese gefühlvolle winterliche Geschichte, die mich sehr angesprochen hat...

02.01.2021 um 22:20 Uhr

Es ist einfühlsam beschrieben, dass ein Dom sehr wohl ein liebender Mann sein kann. Danke für die Geschichte.

Gregor

Autor.

01.01.2021 um 18:53 Uhr

Ich glaube, deine Geschichte rückt auch die Definitionsmeierei gerade. BDSM ist Teil des Lebens, aber es ist nicht das Leben und auch nicht Ersatz oder ein anderes Leben. Es ist auch keine Arznei für vergangene Beziehungen.

Die meisten Geschichten liegen in Schubladen. Man zieht sie auf, findet den Autor und weiß in etwa, worum es geht. Daran ist nichts Schlechtes denn jeder liest gern seine Neigung. Es ist wie beim Likör, jeder hat seine Vorlieben.

In Deiner Geschichte habe ich etwas Übergreifendes gelesen, mehr und größer als Neigung.

Sehr gut beschrieben, sehr gut geschrieben.

hanne lotte

Autorin. Lektorin. Förderer.

28.12.2020 um 22:33 Uhr

Diese Geschichte hat mich berührt.

Alte Narben machen Angst vor neuen Verletzungen und es gehört Mut dazu, sich erneut auf eine Beziehung einzulassen, die über ein Spiel hinausgeht.

Und manchmal braucht es ungewöhnliche Maßnahmen.

Danke für mehr als ein Spiel

hanne

Schattenwölfin

Autorin. Lektorin. Förderer.

28.12.2020 um 17:42 Uhr

Ein jeder trägt sein Päckchen in eine Beziehung hinein. Manch einer wird erwarten, dass alte Wunden geheilt werden, womit man dem neuen Partner eine unglaubliche Bürde auflastet ... 

Hier hilft er ihr, indem er zu einem sehr ungewöhnlichen Mittel greift, zu sehen, befreit sich von eben dieser Bürde und macht den Weg für beide - für ein Wir - frei, bei dem die alten Päckchen abgeworfen werden können.

Ich freue mich, dass so viel Tiefgang in den Adventskalender Einzug gehalten hat. 

Wölfin

Robert S

Autor.

28.12.2020 um 16:09 Uhr

Eine Geschichte zum Nachdenken. Ich denke, Fetisch ist Fetisch und BDSM ist BDSM. Aber Dom ist nicht Dom und Sub ist nicht Sub. Das sind sie auch, aber nicht komplett. Es gibt Wichtigeres. Auch das steht  in der Geschichte. Dank für eine Wintergeschichte zum Denken.

Meister Y

Autor. Förderer.

26.12.2020 um 16:13 Uhr

Liebe Onmymind welch schöne Geschichte . Du malst tolle Winterbilder auch wenn sie die Rauheit der Natur und das anfängliche Versagen der Technik zeigen. Dann zeigst Du uns Menschen, die scheinbar flüchten um sich dann aber der Wirklichkeit zu stellen. Deine Protagonistin, die wohl in ihrer früheren Beziehung wenig Zweisamkeit, Harmonie und Zuneigung erfahren hat, wird über eine Grenze geführt, die sie selbst so wahrscheinlich nicht wahrgenommen hat. Es ist Liebe, anders kann man das nicht sagen! Dieser Satz :

„In erster Linie bin ich ein Mann, der dich liebt.“

hat das für mich am deutlichsten gemacht.

Danke für wunderschöne Zeilen, die ich schon im Adventskalender genossen habe und die mir einen verschneiten Weihnachtsfeiertagnachmittag noch mal verschönert haben!

Berücksichtigt wurden nur die letzten Kommentare.

Zu allen Beiträgen im Forum zu dieser Veröffentlichung.