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Schattenzeilen

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Glühende Wangen

Eine BDSM-Geschichte von Schattenwölfin

23.12.

Mit der Zwiebelsuppe fing es an, genaugenommen mit den Zwiebeln für die Zwiebelsuppe und ganz genau genommen damit, wie Kristina, entspannt am Küchentisch sitzend, die erste von zahlreichen Zwiebeln, die sie für die Zwiebelsuppe würde schälen und würfeln müssen, in die linke Hand nahm, ein scharfes Küchenmesser mit langer Klinge in die rechte, sie ebendiese Klinge zwischen die harten äußeren und die innenliegenden Blätter zu manövrieren versuchte und sich dem entsetzten Blick ihres Mannes ausgesetzt sah.

Björn wiederum, der soeben die Küche betreten hatte, sah das Messer abrutschen und die Klinge, vielleicht nicht in ihrer ganzen Länge, aber mindestens mit deren Spitze, bestenfalls oberhalb oder unterhalb von Kristinas Auge blutigen Schaden anrichten, schlimmstenfalls ... So oder so: Es drohte etwas zwischen Arztbesuch und Klinikaufenthalt, einen Tag vor Heiligabend eine Katastrophe, und so legte Björn alle Strenge in seinen auf Kristina gerichteten Blick und in seine Stimme und bekundete, was er vom leichtsinnigen Umgang mit dem Schneidwerkzeug hielt.

„So, Kiki, wie du da gerade mit dem Messer hantierst, gehört dir links und rechts eine auf die Backe gehauen!“

Kristina blickte zu ihm auf. Runzelte kurz die Stirn, glättete umgehend die so dort entstandenen Falten, ersetzte sie durch Lachfältchen und antwortete in einem aufreizend kecken Ton. „An welche Backen dachte der Herr denn?“

Björn kannte das. Kiki beherrschte dieses Spiel. Präzise Provokationen, wie scharf servierte Aufschläge beim Tennis. Für gewöhnlich lief sie sich jedoch warm, bevor sie aufschlug, wählte zum Beispiel ein besonderes Kleidungsstück, dehnte und streckte sich, indem sie Gespräche in eine Richtung lenkte, die über kurz oder lang in ein Wortgefecht mündeten, aus dem sich, je nach seiner Laune, ein ganz anderes Händel entwickelte. Ja, Händel traf es auf den Punkt, denn Björns Hände spielten dabei neben Kristinas Arschbacken, die er nach vielen gemeinsamen Jahren noch immer liebevoll Luise und Lotte nannte, eine nicht unwesentliche Rolle.

An diesem Abend gab es kein Warmlaufen, kein Dehnen, kein Strecken.

Kristinas Frage traf Björn unvermittelt und sie traf ihn umfänglich, ein bisschen etwas von ihr kam in seinem Kopf an, ein bisschen etwas in der Herzgegend, das meiste in seinem Schritt. Dass Kristina sich weiter dem Schälen der Zwiebeln widmete, verwirrte ihn. Für gewöhnlich hätte sie ihn nun mit einem vermeintlich unschuldigen Blick von unten angesehen, diesem Blick, der nichts anderes gewesen wäre als sie nächste Frage.

„Zu welchem Instrument greifst du jetzt, um mich für meine Frechheit zu maßregeln?“

Björn hätte sich auf das von Kristina initiierte Spiel eingelassen. Dass sie sich nun nicht hingebungsvoll ihm, sondern weiter dem Gemüse zuwandte, verunsicherte ihn, erzeugte ein Wanken, das ihm missfiel, dem er augenblicklich zu trotzen gedachte. Er war der Herr im Haus, jedenfalls der Herr, der die Backenfrage zu entscheiden hatte. Sein Geschlecht war offensichtlich nicht annähernd verunsichert, und so entschied Björn, sich von ihm mitnehmen zu lassen.

„Kiki?!“

Immerhin wandte die Angesprochene sich ihm wieder zu und sah ihn fragend an. Von süßer Demut, wie er sie erwartet hatte, keine Spur.

„Kiki, wenn du die Zwiebeln geschält, gewürfelt und angedünstet hast, den Weißwein und die Brühe angegossen und alles zum Köcheln gebracht hast, dann erwarte ich dich im Wohnzimmer.“

Kristina nickte. Ihr Versuch, ein triumphierendes Grinsen wenigstens der Form halber zu unterdrücken, misslang. Am liebsten wäre sie Björn, der die Küche verließ, sofort gefolgt, denn alles in ihr schrie nach Vergeltung. Nach seiner Vergeltung. Aber erstens war seine Ansage eindeutig, so, wie sie es liebte, und zweitens musste die Zwiebelsuppe für den kommenden Tag vorbereitet werden. Ihr Beitrag zum Abendessen bei Björns Eltern am nächsten Abend, am Heiligabend.

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Kommentare von Leserinnen und Lesern

Luna Ery

Förderer.

11.09.2021 um 22:22 Uhr

Eine tolle Geschichte.

Mir hat der Aufbau super gefallen mit den Sprüngen zwischen den Tagen. Es hat sich flüssig gelesen und das Kopfkino in Gang gebracht.

Danke!

08.07.2021 um 02:53 Uhr

Der Inhalt dieses Beitrags ist aus Gründen des Jugendschutzes nicht frei einsehbar.

Bitte melde Dich zunächst am Altersverifikationssystem an.

09.06.2021 um 00:02 Uhr

Herrlich :D was für eine tolle Metaphorik. Ich war nur etwas enttäuscht, dass die entscheidenden Backenszenen nicht weiter ausgeführt waren. Aber das besorgt das Kopfkino :))

07.06.2021 um 23:44 Uhr

Leider bricht die Geschichte zu früh ab! Man möchte doch auch etwas über die Höhe hinaus wissen...

07.06.2021 um 18:03 Uhr

Wunderschön

19.05.2021 um 22:59 Uhr

Wunderbare Geschichte! Dankeschön!

01.04.2021 um 19:48 Uhr

Sehr lustbringend.  Danke 

21.03.2021 um 00:30 Uhr

Interessante Erzählperspektive, schön geschrieben

18.03.2021 um 14:29 Uhr

Auch diese Geschichte gefällt mir sehr gut. Der Wechsel der Zeitebenen erzeugt Spannung, die so nicht da wäre. Die Sprache ist ironisch, zweideutig. Das Augenzwinkern des Autors ist förmlich spürbar. Mit den körperlichen Auswirkungen bin ich nicht ganz einverstanden - müssen aber wohl sein, weil sonst die Story nicht funktioniert hätte. Solche Geschichten kann es ruhig mehr geben! Danke

Jana

Autorin.

25.02.2021 um 23:40 Uhr

Liebe Schattenwölfin, 

ich bin über deine Geschichte gestolpert und was soll ich sagen - es hat mir schlicht und ergreifend Spaß gemacht, sie zu lesen. Ich muss zugeben, nach den ersten zwei Absätzen war ich ein klein wenig überrascht von den Schachtelsätzen, welche mich an diverse Cicero-Texte aus meiner Schulzeit erinnert haben, was meinen Lesespaß jedoch nicht gemindert hat. Ich mag lange Schachtelsätze und verfalle beim Schreiben selbst oft genug in die Falle, dass ein Satz plötzlich über fünf Zeilen geht, jedoch ist dein Schreibstil so erfrischend, so angenehm zu lesen, dass mir die Länge der Sätze erst beim genauen Betrachten aufgefallen ist. 

Darüber hinaus mochte ich das Setting, welches du uns dargeboten hast, zusammen mit den kleinen Zeitsprüngen von Vor-Weihnachtsabend-Abend zum Heiligabend-Essen und zurück. Das hat für eine angenehme Frische in der Geschichte gesorgt. Der Aufbau der Szene liest sich toll und die Nachwirkungen eines schönen Spankings kennt man/frau nur zu gut, besonders wenn man stundenlang im Hörsaal oder, wie in deiner Geschichte, im Gottesdienst oder beim Familienessen sitzt. 

Deswegen: 4/4, mit großem Lob an die Autorin zurück ^-^

LG Jana

Berücksichtigt wurden nur die letzten Kommentare.

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