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Schattenzeilen

BDSM-Geschichten lesen und schreiben

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Dienst nach Vorschrift

Eine BDSM-Geschichte von Hans Bergmann.

Schließlich wurde ich Wachmann. In Berlin. Zuerst einfacher Objektschutz, wechselnde Firmengelände, Baustellen. Ein Jahr lang nur Nachtschicht. Das habe ich durchgezogen. Es hat mir auch Abstand von Cottbus gebracht. Da musste ich weg. Ich erzähle das gleich. Jetzt erst mal zum Job. Wachdienst ist ein ehrbarer Beruf. Wir sind zuverlässige Leute. Pack hat bei uns nichts verloren. Fritz Honka war eine Ausnahme. Den kennt jeder. Hamburg. Die Kneipe „Der goldene Handschuh“, Frauenmörder. Den Kerl hat auch eine Mineralölfirma direkt angestellt. Leichtsinnig. Falsch. Bei uns werden die Leute durchleuchtet. Ohne polizeiliches Führungszeugnis geht nichts. Eine Schufa ohne Eintrag ist Voraussetzung. Drogen sind tabu. Wir mögen keine Trinker. Bei uns wird auch nicht geraucht. Das drehen die ganz geschickt in unserer Personalabteilung. Kleidung, die nach Rauch stinkt, ist eklig. Das ist wie bei Frauen. Wer küsst gern einen feucht-warmen Aschenbecher? Wachmänner sind zurückhaltend, diskret, immer korrekt. Jeder Anfänger muss eine Sachkundeprüfung ablegen. Führerschein ist nötig, eine Berufsausbildung ebenfalls. Wachmann ist ein Job für taffe Leute. Versuch mal, an einem Wachdienst vorbei zu kommen. Und hier rede ich nicht von den Türstehern. Ich meine Flughäfen, Ministerien, Firmenzentralen. So etwas ist Wachdienst. Bundeswehr, Polizei und Feuerwehr. Die können sich nicht bewachen. Das machen wir. Monatliches Gehalt im ersten Jahr tausendvierhundert Euro. Netto. Mein Appartement bekam ich für lau. Auch davon erzähle ich gleich.

 

Einige Frauen stehen auf Uniform. Das muss so ein Drang sein. Eine Gier, was Sexuelles. Und Berlin ist manchmal direkt. So wie an der Tankstelle. Früh, nach meiner Nachtschicht. Ich war keine zehn Wochen in der Stadt. Müde war ich, aber sofort munter. Nicht vom Kaffee, sondern von der Frau. Etwas älter, Sommerkleid, Sandalen. Sie tankte ihr Coupe voll. Im Shop spürte ich ihren längeren Blick. Sie zahlte, nahm einen Kaffee. Kam zu mir an den Stehtisch. Schichtende oder Schichtbeginn, fragte sie. Ende, antwortete ich. Sie sah auf ihre Uhr. Die Uniform steht dir, lobte sie. Ich stehe auf die Handschellen an deinem Gürtel. Lust auf eine Gefangennahme? Kleine Vergewaltigung? Ich nackt, du behältst dein Zeug an. Ich starrte. Hatte ich mich verhört? Sie trank, sah mich an, lächelte. Fährst du vor? Ich nickte stumm. In meinem Apartment öffnete sie ihre Handtasche. Kondome, ein Lederknebel. Ich bin so laut, sagte sie. Der Ball dämpft gut.

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Kommentare von Leserinnen und Lesern

14.05.2020 um 01:11 Uhr

Ich muss gestehen, mir gefiel der Schreibstil nicht. Dieses Abgehakte. Ist aber Geschmackssache. Ausserdem finde ich es seltsam, das Frau Kramer ein Geheimnis aus ihrer Affäre gemacht hat, obwohl ihr Mann dann doch kein Problem damit hatte. Gleichzeitig kann mann sich natürlich gewaltig in Menschen täuschen, in einigen Fällen wohl auch bei Ehepartnern obwohl es einen schon traurig anmutet einen dann doch so wenig zu kennen. Ich denke nur, das die meisten Ehen in die Brüche gegangen wären. Ausnahmen bestätigen allerdings die Regel. Hat dafür aber gezeigt das die Wohnungslage fragwürdig ist. War alles in allem nicht schlecht.

poet

Autor.

17.04.2020 um 18:17 Uhr

Bin wie alle Vorgänger sehr angetan. Der Hackstil, diese unterkühlte Berichterstattung, deren Emotionalität stets gleich bleibt, egal ob in erotischen oder gar politischen Belangen - dieser Typ wirkt fast wie ein Computer, und doch kommt er so gehetzt und verplant uns trotzdem mit einem Quentchen Emotion rüber, das ihn wieder glaubhaft macht. Auch die Fetzentechnik im Aufbau passt sehr gut zu ihm. War pures Lesevergnügen!

06.02.2020 um 12:53 Uhr

Sehr gute Geschichte und läd zum träumen ein :)

08.10.2019 um 23:26 Uhr

Eine heimliche Spielpartnerin ist schon gut, wenn ihr Mann Bescheid weiss und es unterstützt wird es noch besser.

07.10.2019 um 14:35 Uhr

Eine schöne Geschichte, mit einem erfrischend anderen Schreibstil. Dieser paßt sehr gut zu dem neuen Beruf des Erzählenden: Der Wachmann. Kurz, knapp, bestimmend. Dem Kunden gegenüber immer exakt, immer alles im Griff. Vermeintlich zumindest.

Im Inneren brodelt es jedoch, begehrt es auf, gegen die Verlogenheit, den schönen Schein des Jetzt. Die Seitenhiebe mit der Verbitterung über die Vergangenheit, die man als Leser ebenso erfährt, wie das Verlangen, die Lust auf die Zukunft.

Er hat immer noch etwas parat, was er uns erzählen kann, bevor der Wachmann zu einem, seinem Schluß kommt: Die Erfüllung eines Teiles seiner Wünsche.

Er kann sie peitschen.

Fledermaus

Gesperrt.

14.09.2019 um 08:39 Uhr

Ein ganz eigener Stil.

Anfangs gewöhnungsbedürftig aber gut lesbar.

Gutes Vermischen von persönlichem, gesellschaftskritischem und erotischem mit einem sehr schönen unerwarteten Ende.

Danke, ich lese gerne mehr.

10.09.2019 um 22:45 Uhr

Hammer!

Aber ganz verstehe ich nicht... Kramer hat ihn rausgeschmissen? 🤔🤔

Knurrwolf

Autor.

08.09.2019 um 14:39 Uhr

Die Ich-Perspektive aus männlicher/dominanter Sicht ist mal wieder eine nette Abwechslung und durch die knappen Sätze wirkt es irgendwie leichter. Das meine ich nicht negativ, es ist eher so, dass man deine Geschichte leicht und flott lesen kann. Es wirkt wie ein Off-Kommentar oder eine Autobiographie des Hauptcharakters, was es ja im Grunde genommen auch sein soll.

Ich muss allerdings zugestehen, dass die erotischen Teile der Geschichte für mich etwas ausführlicher hätten sein können. Am Anfang war ich eher etwas irritiert und am Ende musste ich darüber schmunzeln. Das liegt nicht am Stil sondern mehr daran, dass es eben mehr so wirkt, als ob der Hauptcharakter von seinem Alltag erzählt, aber dabei irgendwie das gleiche Gefühl hinein legt, egal ob er jetzt von seinem Job oder von seiner Affäre erzählt.

07.09.2019 um 12:22 Uhr

Besten Dank für eure Kommentare! Ich empfinde es bedeutend, auf den Schattenzeilen mehr als eine Konsumgesellschaft vorzufinden und werde mich zu euren Geschichten selbstverständlich auch äußern.

02.09.2019 um 00:39 Uhr

Kurze knackige Sätze. Das gibt der Handlung den richtigen, den passenden Schwung.

Gefällt mir, gerne mehr!

Berücksichtigt wurden nur die letzten Kommentare.

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