BDSM-Geschichten und andere erotische Texte und Literatur

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Dieser Text besteht aus mehreren Teilen.

Dies ist der erste Teil. Folgender Teil: Lämmchen und Arschloch (Teil 2).

Lämmchen und Arschloch (Teil 1)

von Daniel

Leselupe

Er stand nun schon seit Stunden dort und langweilte sich. Aber es wurde einigermaßen gut bezahlt und er war froh, ein paar Mark nebenher verdienen zu können. Das Studium war teuer und das BAföG reichte nie bis zum Monatsende. So hatte er den Job bei der Wach- und Schließgesellschaft auf dem Düsseldorfer Messegelände angenommen und bewachte einen Nebeneingang, durch den in den letzten sechs Stunden genau vierundzwanzig Menschen hindurchgegangen waren. Davon waren sieben männlich gewesen und siebzehn weiblich, meistens so ab 45 Jahren aufwärts. Nur ein einziges schwarzes Model, das sich verirrt hatte und verzweifelt zur Dessoushalle eilte, war dabei gewesen. Wenn man Langeweile hatte, war man dankbar für jede Statistik, die man im Kopf führen konnte. Das Fliesenmuster auf dem Boden an diesem Nebeneingang hatte er schon mehrmals abgezählt und mit seinen Füßen Kästchen für Kästchen abgeschritten. Sowohl quer, als auch längst. Die Lampen an der Hallendecke waren wiederholt durchgezählt, und wie viele Sekunden es bis zur nächsten Ablösung zur Kaffeepause waren, konnte er jederzeit sagen: 43 Minuten mal 60 machten genau 2580 Sekunden. Eine halbe Ewigkeit an dieser Stelle, die er erwischt hatte. Dabei war der Job unter seinen Kommilitonen heiß begehrt, gerade jetzt während der Modemesse. Und er war nur durch die Fürsprache eines Freundes hier, der schon lange dabei war.

Und er war ausgerechnet in die Schuhhalle eingeteilt worden! Lauter Messestände mit Damenschuhen, die in der Regel Eigentum von Frauen waren, die nicht mehr so ganz im jugendlichen Alter waren. Er hatte also die absolute Arschkarte gezogen! Nicht nur, dass er von den Shows, in denen die berühmtesten Models dieser Erde mit deutlich weniger als Nichts auf der Haut auf und ab liefen, nichts mit bekam: die anderen Jungens in der Umkleide, fast ausnahmslos Studenten wie er, hatten ihn zur ersten Pause als „Al Bundy von Halle drei“ begrüßt. Ob er denn wenigstens auf Füße stehen würde, ob er nicht umsatteln wolle auf Schuhverkäufer und ob es da wohl einen Studiengang gäbe.

Der freundliche alte Herr im Rentenalter hinter dem Schreibtisch in dem kleinen Büro vor der Umkleide hatte ihm mit einem freundlichen Lächeln erklärt: „Vielleicht nächstes Jahr, Junge. Am Anfang müssen alle unten anfangen.“

Das war zwar symbolisch gemeint, traf es aber genau, wenn er an Schuhe dachte!

„Langweilig, was?“

Er schreckte aus seinen Gedanken hoch. Vor ihm stand der Koch des Hallenrestaurants, dem er von seinem Platz aus den halben Tag bei der Arbeit zugesehen hatte, wie er Wiener Schnitzel mit Pommes, Bockwürstchen mit Bratkartoffeln und ähnlich hochwertige Gerichte zubereitet hatte. Alles im selben Fett, versteht sich. Ein Handwaschbecken hatte er an dem Stand bis jetzt noch nicht entdecken können. Wie machten die das bloß, fragte er sich immer wieder, obwohl er die Antwort auf diese Frage in seinem tiefsten Inneren bereits kannte.

„Nee, ich mach das aus Spaß, ich bin unheimlich maso“,  antwortete er, ohne seine Hände aus den Taschen seiner schwarzen Hose zu nehmen.

Der dicke Koch lachte ihn an, wobei eine lückenhafte Reihe gelber Zähne zum Vorschein kam, steckte sich eine Zigarette an und hielt ihm mit fettigen Fingern und vom Nikotin gefärbten Fingernägeln die offene Schachtel hin.

„Nee, danke. Nichtraucher.“

Und während er die Schürze des unrasierten, untersetzten Kochs betrachtete, war er in diesem Moment dankbar dafür, Nichtraucher zu sein. Wenn man die in einen großen Topf  voll mit Wasser gefüllt werfen würde und lange genug kochte, dachte er, käme bestimmt noch eine kräftige Bouillabaisse für eine größere Gesellschaft heraus. Seine Frage nach dem Handwaschbecken war jedenfalls beantwortet. Von dem würde er nicht einmal einen jungfräulich verpackten Schokoriegel geschenkt nehmen. Er musste an seine Mutter denken, die ihm als Kind immer eingebläut hatte, nichts von fremden Männern anzunehmen.

„Bist du auch Student? Sind fast immer Studenten hier.“

Mann ist der klug, dachte er. Ein intelligenter Hallenkoch, der intelligente Fragen stellte. Und er war vor lauter Langeweile schon so weit, dass er dem lieben Gott für die Konversation mit Mister Schmierlapp dankbar war. Den Blick auf dessen fettige Haare wollte er absichtlich vermeiden, was unweigerlich dazu führte, dass er gerade dauernd dahin starrte. Und es gab doch einen Unterschied zwischen Wetgel und Pommesfett! Man lernte eben auch in den dunkelsten Stunden seines Lebens immer noch etwas dazu.

„Ja, wie hast du das rausgefunden?“

Er tat erstaunt und rechnete mit einer Antwort wie: ‚Wenn man so viele Schnitzel mit so wenig Fett in der Schuhhalle gebraten hat wie ich, dann hat man ein Auge dafür!’ Das hatte er natürlich nicht gesagt. Hätte aber gut sein können, dachte er. Ihm kam Humphrey Bogart in den Sinn. Den Spruch hätte man mit Sicherheit in „Casablanca“ einbauen können.

Schmierlapp ging aber gar nicht darauf ein. Schade eigentlich, dachte er. Es wurde langsam unterhaltend.

Schmierlapp zog an seiner Zigarette.

„Willste Kohle nebenher verdienen? Ich meine richtig Geld in kurzer Zeit. Nicht das hier.“ Dabei flog sein fleischiger Kopf wichtig und mit einer Behändigkeit, die man ihm nicht zugetraut hätte, in Richtung der Türe, die er seit heute früh eifrig bewachte, damit keine bösen Menschen unbefugt in die Schuhhalle gelangten und Berge von Pumps und Sandaletten in die Luft sprengten. Er malte sich in Gedanken aus, wie das gesamte Messegelände von bunten Damenschuhen übersät wäre. Er hatte kaum zugehört, was der Dicke gesagt hatte, weil er es als Wichtigtuerei abtat. Die Fritteuse jedenfalls würde er abends für kein Geld dieser Welt sauber machen und was konnte der Fettige ihm sonst schon für einen Job anbieten? Vielleicht machte er ja auch in Versicherungen. Er war aber doch neugierig, was er ihm als Nächstes erzählen würde. Er hatte ja eh nichts Besseres zu tun und die Zeit ging dabei schneller um.

„Was müsste ich dafür tun?“

Er schaute erneut auf die riesige Hallenuhr ganz oben an der Wand. Noch 41 Minuten, machten genau 2460 Sekunden. Immer noch 26 große Strahler an der Decke, wenn man die Leuchtstofflampen außer Acht ließ. Die Anzahl der Bodenfliesen blieb auch konstant. Er zählte trotzdem sicherheitshalber noch mal nach und verstand mit einem Mal, warum Alkoholismus ein ernstes Thema in diesem Job war.

„Es gibt hier während der Messe viele Geschäftsfrauen, die sich abends im Hotel langweilen.“

„Aha.“

Er hatte nichts dagegen. War nicht sein Problem. Um 18 Uhr war Feierabend, dann schnell zur Umkleide, die Uniformjacke ausziehen, in der er aussah wie der Seilbahnführer von Sankt Ulrich, und dann ab nach Hause! Und bloß niemandem erzählen, was er heute gemacht hatte. Wenn in seinem Freundeskreis bekannt würde, dass er der Wächter der Schuhe war, während nebenan Cindy Crawford im String über den Catwalk dackelte, wäre ein  Psychiater das Mindeste, was er brauchte. Besser wäre dann ein Umzug in eine fremde Stadt.

„Ich vermittele denen ab und an jemanden als Begleitung. Die Stadt zeigen und so.“

In seinem Kleinhirn klingelte es. Er zwang sich, den Koch anzusehen und war mit einem Mal hellwach.

„Du meinst, die bezahlen dafür, dass denen jemand die Altstadt zeigt und wo es lecker Bier gibt, oder beinhaltet das ’und so’ noch irgendwelche anderen Dinge?“

„Das bleibt dir überlassen. Ist Verhandlungssache.“

Er sagte das völlig ernst, ohne ein Grinsen oder Lächeln auf den Lippen.

„Lohnt sich wirklich. Überleg’s dir.“

„Wie alt sind die denn so?“, fragte er vorsichtig.

„Unterschiedlich. Die haben hier einen Stand in der Halle. Geschäftsfrauen halt. Oder dachtest du, die Models bezahlen dafür?“

Er versuchte zu lachen, was aber im eigenen Zigarettenqualm sofort in ein trockenes Husten überging.

„Ich glaube, die sind mir zu alt. Da würde ich keinen hochkriegen.“

Er lächelte entschuldigend.

„Schau sie dir doch erst mal an. Kannst ja jederzeit Nein sagen. Würde sich echt lohnen.“

Nun wurde er etwas nervös. Das klang sehr konkret. Meinte der das etwa tatsächlich ernst?

„Das klingt ja so, als ob du da schon jemanden Bestimmtes hättest.“

„Na ja, ich bin gebeten worden, Dich anzusprechen. Ich vermittele manchmal und stelle den ersten Kontakt her. Du verstehst ...“

Und ob er verstand. Aber er glaubte doch, nicht richtig gehört zu haben. Dieser olle Koch versuchte tatsächlich gerade, ihn an eine Geschäftsfrau zu verkuppeln. Einerseits fühlte er sich in seiner Ehre gekränkt. Dachte die sich etwa, dass sie mit ihrer Kohle alles kaufen konnte? Andererseits fühlte er sich auch ein wenig geschmeichelt, dass es offensichtlich eine Frau gab, die ihn dafür bezahlen wollte, dass er sie ausführte und anschließend mit ihr ins Bett ging. Er war neugierig geworden, wie es weitergehen würde. Er hatte jedoch auf gar keinen Fall vor, für Geld mit so einer alten Schnalle mit schwabbeligem Hintern ins Bett zu gehen. Was dachte die sich denn dabei? Er konnte Geld brauchen, aber das kam sicher nicht infrage. Und noch dazu eine aus der Schuhhalle!    

„Ich weiß nicht, so was habe ich noch nie gemacht“, grinste er halb im Scherz.

„Kein Problem, die sind am Begehrtesten!“, grinste der Koch wissend zurück. „So etwas wollen die. Sonst würden die sich einen Profi bestellen. Pass auf, ich sag dir was. Sie gibt dir 50 Mark, wenn Du hingehst, und mit ihr sprichst. Die kannst du in jedem Fall behalten. Ist das ein Angebot? Du gehst kein Risiko ein. Brauchst nur ein bisschen Mut. Oder traust du dich nicht?“

Ein gewisses Kribbeln im Bauch konnte er nicht leugnen bei dem Gedanken. Er beschloss, sich die Dame einmal anzusehen. Er würde sich einen Spaß daraus machen, die 50 Mark nehmen und wieder gehen. Wenn die so dumm war und zu viel Geld hatte, was konnte er dafür?

„Na gut, aber ich sage dir gleich, ich geh nur hin und schaue sie mir an.“

„In Ordnung. Ist deine Entscheidung. Liegt ganz bei dir. Warte hier, ich bin gleich zurück!“ Er trat seine Zigarette auf Bodenfliese Nummer 97 Länge und Nummer 13 Breite aus, wie er sofort in Gedanken durchrechnete, blies ihm den Rauch des letzten, hastigen Zuges fast ins Gesicht und weg war er. Klar, würde er hier warten. Und zwar genau ...  2220 Sekunden. Dann war erst mal Kaffeepause, und wenn er nun darüber nachdachte, so glaubte er, der Spuk wäre vorbei und den schwitzenden Fettkloß würde er nicht wieder sehen. Der hatte sich bestimmt einen Scherz mit ihm erlaubt. Vielleicht war Fettkloß doch nicht so doof und er der Idiot. So stand er wieder da und ging wichtig am Nebeneingang auf und ab. Es kam wahrscheinlich niemand mehr hier durch heute. Keine Geschäftsfrau mittleren Alters und auch kein Supermodel. So latschte er weiter auf und ab, hing seinen Gedanken nach und hatte den Koch schon fast vergessen, als dieser mit wichtiger Mine auf ihn zueilte.

„Hat ein bisschen länger gedauert“, entschuldigte er sich und fuhr hastig fort, „war viel zu tun. Ich konnte nicht eher weg. Ich habe mit ihr telefoniert. Hier ist die Nummer ihres Messestandes. Sag mir aber kurz Bescheid, wie es gelaufen ist, ja? Und sei diskret, warte, bis sie dich anspricht. Die Kunden sind nun wirklich die Letzten, die das mitbekommen sollen. Du machst das schon. Bist ja nicht blöd. Ich muss wieder.“  

Mit diesen Worten drückte er ihm einen fettigen Zettel in die Hand, auf dem mit Bleistift eine Nummer gekritzelt war. Der Zettel erinnerte ihn sehr an die Metzgerei, wo er immer sein Fleisch kaufte. Daran klebten auch manchmal solche Zettel, die beim Waschen des Fleisches im Spülbecken landeten.

Ehe er etwas antworten konnte, war der Koch wieder weg.

Da stand er nun, den Zettel in der Hand und starrte auf die Nummer. Er schaute auf die Uhr. Noch fast zehn Minuten, bis die Pausenvertretung kommen würde. Das Zählen der Sekunden war ihm vergangen. Er dachte nach. Sollte er? Oder lieber nicht.

War eine blöde Situation.

So etwas würde ihm mit Sicherheit kein zweites Mal im Leben passieren, dessen war er sich sicher. Wenn er jetzt nicht hinging, würde er sich womöglich irgendwann ärgern und sein Leben lang darüber nachdenken, was wohl passiert wäre. Warum eigentlich nicht? Er musste lächeln. Auf einmal war alles ganz klar. Natürlich würde er hingehen! Er wäre schön blöd! Da gab es eigentlich gar nichts zu überlegen. Vielleicht erübrigte sich ja sowieso alles, wenn er die Tante erst einmal gesehen hatte.

Seine Ablösung kam früher, als erwartet und teilte ihm mit, dass er sich Zeit lassen konnte. Man hatte lieber zu viele als zu wenige Studenten als Wachpersonal eingeteilt. Die Jungens kosteten nicht viel und man konnte sie immer einsetzen, wenn es mal irgendwo unvorhersehbar voll wurde. Das war mal eine gute Nachricht und kam ihm gelegen. Er hatte jetzt eine gute halbe Stunde Pause, und wenn es länger dauerte, war es also auch nicht tragisch.

Er nahm den Zettel aus der Hosentasche, den er die ganze Zeit nicht losgelassen hatte, und machte sich auf den Weg. Zuerst zur Toilette, ein wenig frisch machen und dann den Stand suchen. Auf dem Weg zum Klo musste er an der Theke des Kochs vorbei. Der hob beim Wenden der Schnitzel seine fleischige Linke durch den Kochdunst in seine Richtung, den Daumen nach oben und kniff ein Auge zu. Vielleicht ist der doch nicht so übel, dachte er im Vorbeigehen.

Er musste nicht lange suchen. Auf der Messe hatte alles seine Ordnung. Alle Messestände waren der Reihe nach durchnummeriert. Er postierte sich in sicherer Entfernung und beobachtete den Stand. Es war niemand zu sehen. Schuhe gab es auch nicht viele. Ein paar exklusive Modelle auf sündhaft teueren Plexiglasständern. Ihm war schleierhaft, wie sich das rechnete. War nicht sein Problem. Er wollte schon wieder gehen, als er bemerkte, dass sich der Vorhang, der den Zugang in das Innere des Standes verbarg, bewegte. Sie stand offensichtlich dahinter und kramte geschäftig in irgendwelchen Kisten herum, wie er durch den offenen Spalt erkennen konnte. Als er gerade seinen Beobachtungsposten aufgeben wollte, um zu ihr zu gehen, öffnete sich der Vorhang und sie kam heraus. Er stockte unwillkürlich einen Moment, als er sie erkannte. Sie war ihm bereits am Morgen aufgefallen, kurz, nachdem er seinen Posten an der Türe bezogen hatte. Sie hatte versucht, sich vorbeizumogeln, während er die Ausweise einer Gruppe japanischer Geschäftsleute kontrollierte. Das hatte ihn gewurmt und er hatte sie betont unfreundlich und mit Nachdruck in der Stimme aufgefordert: „Ihren Messeausweis bitte!“

„Haben Sie nichts Besseres zu tun?“, hatte sie ihn angemault. „Sie sehen doch, dass ich die Hände voll habe.“

„Doch Madame, aber dafür kriege ich kein Geld“, hatte er geantwortet und ihr dabei mit seinem frechsten Grinsen auf den Lippen direkt in die dunklen Augen gesehen. Sie hatte widerstrebend ihre Schuhkartone abgesetzt, sich ein paar Strähnen ihrer schwarzen Haare aus der Stirn gestrichen und den Messeausweis hervorgekramt. Er hatte sich extra viel Zeit gelassen und ihren Ausweis ausgiebig studiert und es schade gefunden, dass auf den Messeausweisen kein Geburtsdatum stand. Er hätte gerne gewusst, ob sie jenseits der 50 war oder davor. Er konnte so etwas schon immer schlecht schätzen. Er mochte Frauen, die Temperament hatten. Und diese hier hatte eine Menge davon, das merkte er sofort.

„Warum nicht gleich so, sie können passieren.“

Er hatte das diesmal extra freundlich gesagt und war gespannt auf ihre Reaktion gewesen. Sie hatte ihm darauf hin wutentbrannt ihren Messeausweis aus der Hand gerissen und war, ohne ihn noch eines Blickes zu würdigen, mit den Schuhkartonen zu ihrem Stand stolziert. Das hatte ihm gefallen und er musste sich eingestehen, dass sie trotz ihres Alters einen verdammt verführerischen Knackarsch hatte. Und der Rest war auch nicht übel. Sie war klein und zierlich, ein wenig zu sehr aufgetakelt nach seinem Geschmack. Sie würde vor einem Date ihrem Lover bestimmt als Erstes einbläuen, er solle auf ihre Frisur achten dabei. Er hatte grinsen müssen bei dem Gedanken und ihr einen Mann gegönnt, der ihr mal so richtig zeigte, wo es langging. Und er hatte sich ausgemalt, wie es sein würde, mit ihr hemmungslosen Sex zu haben. Keinen Kuschelsex, sondern animalischen Sex. Keine Streicheleinheiten und Austausch von Zärtlichkeiten. Einfach nur zu seinem Spaß. Sie hatte sich zu fügen und fertig. In ihrem Job war sie der Boss. Umso befriedigender musste es sein, sie im Bett zu unterwerfen. Er hatte sich noch darüber gewundert, dass es immer die gleiche Art von Frauen war, die solche Phantasien in ihm weckten. Die Art und Weise, wie sie ihre hohen Pumps zum Stand bewegt hatte, war erste Klasse. Das musste man ihr lassen.

Und jetzt wollte ausgerechnet sie ihn kaufen! Na, dachte er im Stillen, mal sehen, wie weit sie geht. Er wollte sich einen Spaß machen und ihr dann im letzten Augenblick offenbaren, dass er nicht für Geld zu kaufen war. Und für sie schon mal gar nicht!

Zurück konnte er jedenfalls jetzt nicht mehr. Sie hatte ihn bereits gesehen, machte aber keine Anstalten, ihre Arbeit zu unterbrechen. Es war also anscheinend nicht das erste Mal, dass sie jemanden wie ihn zu ihrem Stand bestellte. Sie hatte Routine darin.

„Guten Tag“, sagte er höflich, als er bei ihr angekommen war.

„Hallo, junger Mann. Ich glaube, wir hatten schon einmal das Vergnügen heute. Erinnern Sie sich?“, antwortete sie kühl mit unbewegter Mine.

„Klar, hab ja kein Alzheimer. Sie wollten mich sprechen?“ Er musste unwillkürlich grinsen.

„Nun, man sagte mir, Sie hätten Interesse daran, für mich zu arbeiten.“

So nannte man das also in diesen Kreisen. Wozu ich jetzt Lust hätte, sage ich dir lieber nicht,  obwohl es genau das sein könnte, was du willst, dachte er.

„Kann schon sein. Kommt darauf an.“

„Ja, da haben sie recht.“

Dabei schaute sie ihm direkt in seine Augen, aber er hielt ihrem Blick stand. Sie war wirklich sehr attraktiv, fand er, obwohl sie viele Jahre älter war als er. Nach einem kurzen Moment, der ihm aber wie eine Ewigkeit vorkam, wandte sie sich unsicher ab und hob irgendeinen Karton vom Boden auf, den sie nach kurzem Zögern in ein Regal stellte, wo er mit Sicherheit nicht hingehörte. Jetzt hast du verloren, dachte er und musste innerlich grinsen.

„Als Erstes sollten Sie sich bei mir entschuldigen“, sagte sie, aber dieses Mal mit etwas freundlicherer Stimme, empfand er.

„Warum? Weil ich meinen Job gemacht habe? Sie wollten sich vorbeimogeln, ohne mir den Ausweis zu zeigen. Wenn das jemand sieht, kann mich das den Job kosten.“

„Sie haben ja jetzt einen besseren“, antwortete sie schnippisch.

„Das wird sich zeigen“, konterte er, obwohl er nicht vorhatte, den ‚Job’ anzunehmen.

„Wie viel verlangen sie für den Abend?“, fragte sie, während sie die Brieftasche zückte.

„Stellen Sie sich vor, das ist keine Sache des Geldes!“, antwortete er etwas verstimmt. Die dachte wirklich, wenn sie genug zahlte, würde er alles für sie machen, was sie verlangte. Wir werden sehen, dachte er. Ihm kam eine Idee, in dem Moment, als er den Satz ausgesprochen hatte.

„Nicht? Ich dachte, Sie brauchen Geld“, antwortete sie spöttisch.

Den Ton würde ich dir gerne austreiben, dachte er in diesem Augenblick. „Aber nicht um jeden Preis.“

„Nun, junger Mann, dann müssen Sie mir schon sagen, was Sie wollen. So kommen wir nicht weiter. Bin ich Ihnen zu alt oder gefalle ich Ihnen nicht? Oder wollen Sie den Preis hochtreiben, ohne dass Sie wissen, was ich zu bezahlen bereit bin?“

„Wie kann ich wissen, ob Sie mir gefallen? Ich habe ja noch nicht viel von Ihnen gesehen. Und wenn mir eine Frau nicht gefällt, dann wird das nichts. Das weiß ich. Tut mir leid. Ist aber wirklich so,“ sagte er mit perfekt gespielter Unschuldsmine.

„Aha, und wie stellen Sie sich das vor? Soll ich mich etwa vor Ihnen ausziehen, damit Sie zu einer Entscheidung kommen?“

Der spöttische Unterton in ihrer Stimme war nun nicht mehr zu überhören. Aber es erstaunte ihn, dass sie ihn noch nicht weggeschickt hatte. Er hätte es jedenfalls an ihrer Stelle getan, wenn ihm jemand so gekommen wäre. Also musste ihr etwas an ihm liegen und so antwortete er: „Ja, das wäre eine Möglichkeit, es herauszufinden.“ Er war über sich selber erstaunt, wie leicht ihm diese Worte über die Lippen gekommen waren.

„Sie träumen wohl, junger Mann!“

In diesem Augenblick wurden sie unterbrochen, weil ein Messebesucher näherkam, sie ansprach und in ein Gespräch verwickelte. Er dachte, dass es das nun endgültig war und nach ein paar Minuten, die ihm ewig vorkamen, drängelte er sich vorsichtig in eine Gesprächspause: „Entschuldigung, ich gehe dann wieder. Ich wünsche Ihnen noch viel Erfolg.“

„Nein, halt, warten Sie“, rief sie eilig, „ich bin gleich fertig. Setzen Sie sich doch solange an die Bar, bitte, ja?“ Sie blickte ihn dabei mit einem strahlenden Verkäuferlächeln an, als ob er ihren halben Laden kaufen wollte. Er konnte es kaum glauben, setzte sich aber auf einen Barhocker an die kleine Kaffeebar, die zum Stand gehörte, schaute ihr zu, wie sie den Kunden beriet, und hatte nun Zeit sich zu überlegen, wie es wohl weitergehen würde.

Als sie den Kunden wohl endlich zu dessen Zufriedenheit informiert hatte, kam sie zu ihm, setzte sich hinter die Theke auf den Barhocker ihm gegenüber und war wieder das Selbstbewusstsein in Person. Offenbar war das Gespräch sehr wichtig für sie gewesen und gut verlaufen, denn ihre Laune schien sich gebessert zu haben.

„Wo waren wir stehen geblieben? Ach ja, sie kommen am besten um 21 Uhr in mein Hotel und dann zeigen sie mir erst einmal die Altstadt. Wir gehen etwas Essen und dann machen wir es uns gemütlich. Einverstanden?“

Er ging gar nicht darauf ein. Es war ein plumper Versuch, von dem Thema abzulenken, bei dem sie vorhin unterbrochen worden waren.

„Gerne“, sagte er, „aber erst müsste ich sicher sein, dass Sie auch meinen Vorstellungen entsprechen. Sie wissen schon. Ich fürchte, ich kann sonst wirklich nicht. Dann wäre der Abend hinterher verdorben und Sie geben mir die Schuld. Das möchte ich nicht!“ Er sagte das wieder in so einem unschuldigen Ton, dass sie wohl einen Moment überlegte, ob er sie verarschen wollte oder ob er es ernst meinte.

„Hören Sie, ich werde mich doch nicht hier vor Ihnen ausziehen! Ich bezahle Sie schließlich dafür und ich verlange ja auch nicht, dass Sie sich erst ansehen lassen.“

„Warum nicht? Ist doch nichts dabei. Ich schaue Ihnen schon nichts weg.“

„Sie meinen das doch wohl nicht wirklich ernst?“

„Doch, absolut. Wenn Sie nicht einverstanden sind, verstehe ich das. Ich gehe dann wieder.“ Er stand bereits, um zu gehen. Sie überlegte und wusste, dass sie blitzschnell eine Entscheidung treffen musste, sonst war er weg. Aber sie wollte ihn. Sie hatte ihn gewollt in dem Augenblick, als er sie mit strenger Stimme am Eingang zurückgerufen hatte. Sie hatte sich den Ablauf nur etwas anders vorgestellt. Na ja, dachte sie, im Grunde war ja nichts dabei. Er würde sie zu später Stunde sowieso sehen, wenn alles so lief, wie sie es wollte, und wenn er erst zugestimmt hatte, würde sie das Heft schon wieder in die Hand bekommen und alles würde so laufen, wie sie es wollte. Sie bezahlte ja schließlich dafür.

„Also gut, wenn Sie heute Abend in mein Hotel kommen, dürfen Sie mich als Erstes ansehen, und wenn Sie dann gehen wollen, was ich nicht glaube“, sagte sie nun wieder selbstbewusst, „gehen Sie wieder und ich werde nicht böse auf Sie sein. Ist das okay?“

„Warum bis heute Abend warten? Dann wäre unter Umständen für uns beide der Abend verdorben.“

„Wie stellen Sie sich das denn vor, junger Mann?“, fragte sie vorsichtig aber auch mit einer guten Portion Neugierde.

„Ganz einfach, Sie gehen hinter den Vorhang, ziehen sich aus und ich schaue kurz hinein, wenn sie soweit sind.“

„Was? Sie meinen, hier auf dem Messestand?“

„Ja, ist das ein Problem für Sie?“ Er schaute sie selbstsicher an, als ob es das Selbstverständlichste auf der Welt war. Er glaubte sowieso nicht daran, dass sie es tun würde. Aber es machte ihm zunehmend Spaß, den coolen Kerl zu spielen.

„Ähm, eigentlich nicht.“ Ihre Stimme klang unsicher. „Also gut, kommen Sie zehn Minuten vor Schluss wieder her. Dann ist es nicht mehr so voll und es kommen keine Kunden mehr.“

Er war erstaunt, zeigte es aber nicht. Was musste er noch alles von sich geben, damit sie ihn fortschickte? Oder war sie so spitz, dass sie nicht mehr klar denken konnte? Er musste innerlich grinsen. „Das geht nicht“, log er, „ich habe gleich Feierabend und dann muss ich das Messegelände verlassen.“  

Er wartete einfach. Sagte nichts mehr und wartete. Sollte sie überlegen, wie es weiter ging. Sie wollte ja was von ihm. Ob er auch etwas von ihr wollte, dessen war er sich noch nicht sicher. Nein, das war nicht richtig ausgedrückt. Mittlerweile war er sich nicht mehr sicher, ob er nicht doch etwas von ihr wollte. Sie tat jedenfalls alles dafür, ohne es wahrscheinlich zu ahnen. Er fand sie immer attraktiver und es machte ihm höllischen Spaß, ihre Grenzen auszuloten. Ob sie es wirklich machen würde? Er tat so, als ob er gelangweilt dem Treiben zwischen den Messeständen zusehen würde.

Sie schaute sich verstohlen um. „Sie meinen, jetzt gleich?“ Diese Eile passte ihr nicht. Das sah er. Sie würde nicht mehr überlegen können, ob sie einen Rückzieher machte. Aber genau das bezweckte er damit. Wenn sie es nicht jetzt gleich und hier tat, war es vorbei. Dann würde sie Zeit haben, darüber nachdenken und die Diskussion ging von vorne los. Wenn überhaupt.

„Es könnte jemand kommen, das ist mir zu riskant!“

„Ich passe auf. Haben Sie ein wenig Vertrauen zu mir! Oder haben sie Angst?“ Er sagte das so locker, als ob er sie gerade ermutigen wollte, das erste Mal vom Beckenrand ins Wasser zu springen. Er sah, wie sie überlegte und mit sich kämpfte. Dann stand sie plötzlich auf und ging hinter den Vorhang.

„Ich verlasse mich auf Sie, junger Mann. Wenn jemand kommt, halten Sie ihn hin, bis ich wieder angezogen bin!“

Er konnte kaum glauben, was sie sagte. „Versprochen!“, rief er ihr hinterher. Sein zufriedenes Grinsen konnte sie nicht mehr sehen. Sie merkte offenbar gar nicht, dass sein Spiel schon begonnen hatte. Dass sie bereits damit begonnen hatte, sich ihm unterzuordnen und nicht umgekehrt. Und er merkte sofort, dass sie Gefallen daran hatte, ohne dass es ihr selbst bewusst war. Vielleicht wusste sie es auch, dachte aber, dass er es nicht merken würde. Es versprach, ein interessanter Abend zu werden. Und er war sich nun sicher, dass er sie wollte! Das Geld interessierte ihn im Moment nicht die Bohne. Er ging bis an den Vorhang, hinter dem er die raschelnden Geräusche vernehmen konnte.

„In welchem Hotel wohnen Sie?“  

„Im Hilton. Wissen Sie, wo das ist?“

Dem Klang der Stimme nach zu urteilen, musste ihr Kopf sehr tief unten sein. Er stellte sich vor, wie sie gerade den Rock oder den Slip über die Pumps streifte.

„Ja, weiß ich.“

Die Fachhochschule, an der er studierte, war direkt gegenüber. Er schaute während zahlreicher Vorlesungen auf das Hotel, in dem er aber selber noch nie gewesen war. Vielleicht würde er irgendwann auch mal das Geld haben, dort übernachten zu können. Aber bis dahin würde noch viel Wasser den Rhein herunter fließen.

„Welche Zimmernummer? Ich meine, für den Fall, dass ... ähm, ich für Sie arbeite.“

Das war gelogen, grinste er innerlich. Wer hier für wen arbeitete, würde sich noch herausstellen. Mehrere Italiener in feinen Anzügen schritten gemächlich in Landessprache diskutierend vorüber.

Sie nannte ihm die Nummer.

„Sind Sie soweit? Kann ich mir die Ware mal anschauen?“, rief er extra etwas lauter nach hinten, sodass sie davon ausgehen musste, dass es vorbeigehende Messebesucher hören konnten.

„Ist Kundschaft gekommen?“, kam es fast verzweifelt hinter dem Vorhang zurück. Er ging davon aus, dass sie sich bereits ausgezogen hatte. Der Klang ihrer Stimme suggerierte ihm dies.

„Nee, war nur ein Scherz. Sorry, ich wollte Ihnen keine Angst machen!“ War wieder gelogen, dachte er. Klar wollte er ihr Angst machen. Und es hatte prima funktioniert. Er schob den Vorhang in Augenhöhe ein wenig zur Seite und späte hinein. Und da stand sie. Mit nichts auf der Haut als halterlosen Strümpfen, einem fast durchsichtigen weißen Spitzenslip und einen ebensolchen BH. Und natürlich diese Pumps, die ihm schon vorher aufgefallen waren. Nun, sie sah wirklich umwerfend aus. Ihr Body war durchtrainiert, fast muskulös und wohlproportioniert. Sie war nahtlos gebräunt, das konnte er durch die Unterwäsche sehen. Es gab wirklich keinen Grund, ihr Angebot aufgrund dessen, was er da sah, abzulehnen. Und sie wusste mit Sicherheit auch, war er gerade dachte, denn sie drehte sich kokett einmal im Kreis und flüsterte verführerisch, wieder in etwas spöttischem, aber nicht unfreundlichem Ton, während sie ihn ansah. „Nun, junger Mann, haben Sie eine Entscheidung treffen können?“

„Ich möchte, dass Sie alles ausziehen!“, antwortete er.

„Hat Ihnen schon einmal jemand gesagt, dass Sie unverschämt sind, junger Mann?“ Sie stemmte ihre Hände in die nackten Hüften. Jetzt war der Klang ihrer Stimme wieder derselbe wie am Morgen an der Eingangspforte. Sie war richtig wütend.

„Hat ihnen schon einmal jemand gesagt, dass Sie umwerfend aussehen, wenn Sie wütend sind?“, antwortete er.

Es entstand eine peinliche Stille. Er hatte noch immer den Kopf durch den Vorhang geschoben, hinter ihm ging eine Gruppe laut lamentierender Japaner vorbei. Er fragte sich, ob es die von heute Morgen waren. Vor ihm, keinen Meter entfernt, stand sie, deren Namen er nicht mal kannte, fast nackt und wusste nicht, was sie von der ganzen Sache halten sollte. Direkt vor ihm, auf einem kleinen chromfarbenen Klapphocker mit schwarzem Kunstlederbezug lagen ihre Sachen, die sie für ihn ausgezogen hatte. Ein schwarzer Rock, der passende Blazer dazu und eine weiße Bluse. In dem Moment, wo er die Sachen dort liegen sah, dachten sie beide dasselbe, aber er war schneller. Noch ehe sie einen Schritt nach vorne machen konnte, griff er den Rock und ließ ihn hinter seinem Rücken verschwinden. Sie hatte keine Chance, ihn wiederzubekommen, wenn er es nicht wollte. Der Rock war nun auf der anderen Seite des Vorhanges. In einer anderen Welt für sie. Und sie wusste es, denn in ihren Augen sah er die nackte Panik. Er konnte förmlich sehen, was hinter ihrer kleinen Stirn vorging. Wenn er jetzt mit dem Rock abhaute!

„Geben Sie mir sofort den Rock wieder. Das finde ich nicht mehr lustig.“

Er hatte ihr mehr Angst eingejagt, als er es beabsichtigt hatte. Es war mehr ein Reflex gewesen, als er den Rock gegriffen hatte und wenn sie nicht so flink danach hätte greifen wollen, wäre er wahrscheinlich gar nicht auf die Idee gekommen. Er überlegte, was er machen sollte.

„Würden Sie mir ihren Slip dafür geben?“

Er lächelte vertrauensvoll, um ihr nicht noch mehr Angst zu machen. Sie überlegte kurz. Ihr blieb eigentlich nichts anderes übrig. Sie konnte natürlich probieren, den Rock auch so wieder zu bekommen. Wenn das aber nicht klappte, war das eine Katastrophe. Sie entschied sich für den sichereren Weg.

„Also gut. Aber wie kann ich sicher sein, dass Sie mir wirklich den Rock geben?“

„Ich gebe Ihnen mein Wort!“, sagte er.

„Und Sie glauben, ich vertraue Ihnen einfach so?“

„Gegenseitiges Vertrauen ist sehr wichtig, finde ich.“ Er lächelte.

„Sie haben mein Vertrauen doch gerade missbraucht!“, antwortete sie unsicher.

„Das finde ich nicht. Sie hatten mir zugesagt, dass ich Sie ansehen darf. Ich fordere nur Ihr Wort ein, das ist etwas anderes! Wenn ich mein Wort gebe, dann halte ich es.“ Er sah sie ernst an. Hinter ihm ging wieder eine Besuchergruppe vorbei.

„Ich halte auch mein Wort!“, antwortete sie giftig. Sie verschränkte dabei ihre Arme vor die Brust und verlagerte ihr Gewicht auf das andere Bein, was eine sehr erotische Hüftbewegung zur Folge hatte.

„Wir werden sehen“, sagte er und warf ihr den Rock zu.

Sie war zu verdutzt, um ihn aufzufangen. Er flog gegen ihren nackten Bauch und fiel von dort vor ihr auf den Boden. Sie beachtete ihn nicht. Sie war zu sehr mit sich und der Situation beschäftigt. Nach einer Weile unbehaglichen Schweigens - er fürchtete schon, dass sie ihn nun bitten würde zu gehen - begann sie, an ihrem Slip zu wuseln und ihn hastig und nervös herunterzuziehen.

„So nicht“, sagte er streng, „mach es richtig, oder lass es sein!“ Er war verärgert. Was glaubte sie wohl, was das werden sollte?

Sie schaute ihn erschrocken von unten herauf an.

„Wollen Sie, dass ich gehe?“ Er meinte das ernst.

Es entstand wieder eine peinliche Pause. Sie hatte den Kopf gesenkt, sodass er ihr Gesicht nicht mehr sehen konnte.

„Nein.“

Er sagte nichts darauf. Er wollte sehen, was sie nun machte, was sich änderte. Ob sie selber wusste, was ihm missfallen hatte und ob sie sich bemühte, es besser zu machen.

Was mache ich hier nur, dachte sie. Sie war gerade dabei, sich von einem jungen Mann, der ihr Sohn sein konnte, nach dessen Belieben herumkommandieren zu lassen. Sie hätte ihn wegschicken sollen, dachte sie. Aber sie musste sich eingestehen, dass sie die Situation aufregend fand. Es war völlig anders als sonst. Das hatte noch niemand vorher geschafft, dass sie versuchte, einem jungen Mann zu gefallen und dass sie von ihm Anweisungen entgegen nahm, ja, dass sie sogar den Drang und den Willen verspürte, es ihm recht zu machen, damit er mit ihr zufrieden war. Sie war verwirrt und erstaunt über sich, Gefallen daran zu haben. Aber sie war auch neugierig, was als Nächstes folgen würde. Und sie konnte es ja jederzeit beenden, dachte sie. Warum also nicht ein wenig kooperativ sein, wenn er es wünschte und wenn sie auch ihren Spaß dabei hatte? Im Moment jedenfalls siegte die Neugierde.

Sie schaute ihn an, baute sich in voller Größe vor ihm auf und zog den Slip langsam und ohne Hast herunter, ohne dass er sich wie eine Wurstpelle aufrollte, stieg erst mit dem einen Schuh heraus, dann mit dem anderen, ging einen Schritt auf ihn zu, bis sie direkt vor ihm stand, zwischen ihrer Nacktheit und ihm nur der dünne Vorhang. In dem kurzen Moment, in dem sie ihm ermöglichte, einen Blick auf ihre Scham zu erhaschen, registrierte er einen schwarzen Haarbüschel, der aber sorgfältig gekürzt und ausrasiert war. Und er bekam im selben Moment einen Ständer.

Hinter ihnen ertönte eine männliche Stimme: „Hallo, ist jemand da?“

„Ich komme sofort, einen Moment bitte!“ Sie war erstaunlich ruhig dabei und hielt ihm ihren Slip vor das Gesicht, während sie das sagte. Er nahm ihn und steckte ihn in seine Tasche.

„Du bekommst ihn heute Abend zurück. Wenn du es verdienst. 21 Uhr. Ich werde pünktlich sein.“

Etwas lauter, sodass es durchaus möglich war, dass der Mann hinter ihnen es auch verstehen konnte, falls der darauf achtete, ergänzte er noch: „Du darfst dich jetzt wieder anziehen!“

Er zog den Vorhang sorgfältig wieder zu, lächelte dem neugierig schauenden Mann, der an einer dieser Plexiglassäulen stand, aufmunternd zu und verließ den Stand.

 

 

Dieser Text besteht aus mehreren Teilen.

Dies ist der erste Teil. Folgender Teil: Lämmchen und Arschloch (Teil 2).

 

Kommentare von Leserinnen und Lesern

hanne lotte

Autorin. Fördermitglied.

21.02.2017 um 21:05 Uhr

Schuhe, ich liebe Schuhe! In Verbindung mit Leder sind sie ein ewiger schöner  Grund für Unvernunft.

Spätestens, als ich inhaltlich in der Schuhhalle angekommen war, hatte mich die Geschichte fest im Griff. Der Koch sorgte dann zwitweilig für Ernüchterung (Gute Schuhe in Verbindung mit schlechtem Essen - das geht gar nicht!)

Doch diese heiße Szene hinter dem Vorhang umgeben von Schuhen und dem Geruch von Leder - lässt sich das noch steigern? 

Danke für eine kleine Ekstase

hanne

Signatur

Tue was du willst, aber schade keinem dabei.

22.05.2016 um 08:45 Uhr

mhm...

Ich mag Geschichten, die von null auf hundert das Kopfkino anwerfen sehr. Genau so eine, habe ich gerade gelesen. Wortgewandt geschrieben, bunte Bilder malend, wirklich toll. Sie, die sich mehr und mehr in der Situation verfängt, dem zappelnden Insekt gleich, das im Netz der wartenden Spinne gefangen ist. Er, der mehr und mehr Herr der Situation wird, Gefallen am beginnenden Spiel findet, sich am Zappeln weidet. All dies ohne Übertreibungen beschrieben, ab und an ein bisschen Klischeehaft, aber ohne dies in den Vordergrund zu rücken. Auch das passende Ambiente fand ich toll und glaubhaft dargestellt. Die Messehalle, der schmierige Koch ohne den all dies nicht zu Stande käme.

Danke für bildhaft schöne Unterhaltung an einem Sonntagmorgen. Danke für eine Geschichte, die Lust auf mehr macht.

Signatur

Niemand ist gut genug, einen anderen ohne dessen Zustimmung zu regieren (Abraham Lincoln).

Profil unsichtbar.

Gelöscht.

21.12.2014 um 19:35 Uhr

Sehr spannende und geile Geschichte.

21.12.2014 um 01:24 Uhr

super Geschichte.

sehr erregend und spannend

Profil unsichtbar.

Gelöscht.

25.09.2014 um 19:02 Uhr

sehr schön geschrieben!!

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Gelöscht.

01.09.2014 um 23:08 Uhr

Toller Text, da läuft das Kopfkino

Profil unsichtbar.

Gelöscht.

16.08.2014 um 08:48 Uhr

Sehr nett geschriebene Geschichte die zum Nachmachen animieren könnte.

Obwohl im wahren Leben so etwas selten vorkommt.

Danke

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Gelöscht.

15.08.2014 um 00:48 Uhr

Ausgesprochen gut! Und weit davon entfernt laienhaft zu wirken!

Ich mag es, wie du die Szenerien beschreibst, man hat das Gefühl da zu sein!

Und das Lesen fällt unglaublich leicht, ohne störende Momente!

Außerdem finde ich, dass du die beiden Charaktere sehr glaubhaft und realistisch darstellst.

Das macht wirklich Lust auf mehr. ;)

06.08.2014 um 22:53 Uhr

in einem guten Stil geschrieben, macht Lust auf mehr.

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Gelöscht.

03.07.2014 um 23:27 Uhr

Toll geschrieben! 

Bin gespannt auf Teil 2!

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Lämmchen und Arschloch (Teil 1)

Sie schaute ihm direkt in die Augen und er hielt ihrem Blick stand. Sie war wirklich sehr attraktiv, obwohl sie viele Jahre älter war als er. Nach einem kurzen Moment wandte sie sich unsicher ab und hob irgendeinen Karton vom Boden auf. Jetzt hast du verloren, dachte er und musste innerlich grinsen.

Lämmchen und Arschloch (Teil 2)

Sie sagte nichts und schaute ihn nur an, als wolle sie fragen, na Kleiner, was nun? Augenblicklich war ihm klar, dass sie ohne Umschweife das tun würde, was er wollte, wenn er jetzt das Richtige tat und nicht lange nachdachte.

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