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Schattenzeilen

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Der Mann im Kleid

Eine Fetisch-Geschichte von T Lagemann.

Der Mann im Kleid sitzt auf einer Bettkante und ist nicht glücklich. Ist es vielleicht nie gewesen. Er weiß das nicht so genau. Er weiß nur, dass es sich früher gut angefühlt hat, ein Kleid zu tragen. Kurze Momente des Glücks sind das gewesen. Deswegen hat er es doch gemacht. Wegen dieser Momente. Und deswegen macht er es auch heute. Obwohl sich das Gefühl gewandelt hat. Jetzt scheint es ihm nur eine Erinnerung zu sein. Aber auch als Erinnerung fühlt es sich gut an, ein Kleid zu tragen. Wie Glück ist dieses Gefühl, denkt er, das Glück der ersten Male, nachdem die Angst gewichen war. Denn die ist da gewesen, Angst. Beim Zuziehen der Reißverschlüsse haben seine Hände gezittert. Auf Schritte im Treppenhaus hat er gelauscht. Am Fenster gestanden, auf die Straße geschaut. Denn er hat gewusst, was er da macht, das würde niemand verstehen. Nicht sein Vater, nicht sein Bruder. Die auf keinen Fall. Und auch seine Mutter nicht. Die aber vielleicht gelacht hätte, weil sie es für eine Vorführung gehalten hätte. Ein kleines Schauspiel. Wie damals, als er Werbung gespielt hat. Zauberkreuz hebt den Busen. Er die Betonung der Stimme nachahmend, die er aus dem Fernsehen kannte. Mit seinen kleinen Fäusten den BH von sich weg und nach oben drückend. Zauberkreuz. Und noch ein Stück nach oben. Hebt. Noch höher. Den Busen. 

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Kommentare von Leserinnen und Lesern

Mississippi

Förderer.

30.09.2020 um 19:30 Uhr

Sehr gut geschrieben und sehr traurig...

† emanuel j

Gelöscht.

11.04.2019 um 21:42 Uhr

Die Wünsche außerhalb der Normen können eine wirkliche Belastung sein. Das ist hier sehr einfühlsam und nachvollziehbar beschrieben. Ein sehr guter Text.

10.10.2018 um 14:23 Uhr

Traurig...   

06.10.2018 um 22:49 Uhr

Beschreibt Sehnsüchte die von den meisten Menschen verteufelt werden , weil sie ihre eigenen Sehnsüchte sich nicht eingestehen wollen.

† Saentispur

Gelöscht.

26.08.2018 um 23:23 Uhr

Dem Mann im Kleid wünsche ich alles Gute für die Zukunft und eine verständnisvolle Umgebung

hanne lotte

Autorin. Lektorin.

05.05.2017 um 22:54 Uhr

Hätte ich als Mutter Verständnis? Aber natürlich. Sage ich, weil ich weiß, dass ich den sicheren Hafen des Konjunktiv nicht verlassen muss.

Hätte ich Verständnis, wäre ich an Agnes' Stelle? Ich wäre auf jeden Fall guten Willens. Nach außen hin würden wir natürlich den Schein wahren und die Kinder dürften es auch nicht erfahren.

Wie viel Anderssein verträgt eine Gesellschaft, die schon bei einem Zuzug von Flüchlingen im unteren einstelligen Prozentbereich die eigene Kultur in Gefahr sieht.

Danke

hanne

Gelöscht.

26.04.2017 um 23:43 Uhr

wieviele Menschen stecken in Solchen Situationen... Gute Geschichte.

Gelöscht.

17.06.2014 um 14:27 Uhr

Sehr einfühlsam geschrieben.

Er hat es wohl selbst erlebt. Es kann nicht anders sein. Es sind genau die Gefühle und Gedanken die man dabei hat.

Rote Sonne

Profil unsichtbar.

10.05.2014 um 00:00 Uhr

Traurig berührt von Deiner sehr greifbaren Erzählung und ich kann seine Heimlichkeiten verstehen, weil dass eine Vorliebe ist, die wahrscheinlich die Wenigsten verstehen würden. Ich könnte nicht sagen, wie ich reagieren würde, wenn ein Mann aus meinem Umfeld mir im Kleid begegnen würde. Vielleicht würde ich mich an ihn dann genauso gewöhnen wie an dem Mann im rosa Tütü aus der Werbung. Keine Ahnung, aber darüber denke ich erst nach, wenn es passieren sollte.

Ich wünsche ihm noch mehr Mut, ganz viel Ausdauer und vor allem die richtigen Worte um es seiner Agnes zu erklären.

Danke für diese großartige Erzählung, die mich unheimlich nachdenklich machte.

Gelöscht.

29.03.2013 um 09:50 Uhr

so berührend und so unendlich zerissen

Berücksichtigt wurden nur die letzten Kommentare.

Zu allen Beiträgen im Forum zu dieser Veröffentlichung.