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Schattenzeilen

BDSM-Geschichten lesen und schreiben

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Namen, Orte, Handlungen: Im Text erwähnte Namen, Orte und Begebenheiten sind, soweit nicht anders angegeben, fiktiv. Handlungen und Techniken sind nicht vollständig beschrieben, es fehlen Sicherheitshinweise. Mehr dazu ...

 

Trinkhalle

Eine BDSM-Geschichte von Hans Bergmann.

Der Weihnachtsmann greift zum Salzstreuer. „Maik“, rufe ich rüber. „Das ist ein Kasslereisbein. Adventsessen für gute Kunden. Lecker, aber Salz würde ich lassen. Ist genug dran. Außerdem ist Salz schädlich. Da schrumpfen die Genitalien. Zieht Wasser, verstehst du? Und nimm deine Maske ab vor dem Essen.“

Maik schiebt den Salzstreuer weit von sich. Er zieht seine Fäustlinge aus. Den Mantel lässt er an. Der wird sich erkälten, denke ich. Wenn er nachher rausgeht, haut es ihn weg. Ich habe immer die Heizung am Laufen. Gäste wollen nicht in der Kälte essen. Die Welt draußen ist kalt genug. Da braucht man eine warme Insel. Ich schaue zur Uhr. In zwei Stunden ist es zehn. Dann ist Feierabend. Im Topf liegen noch zwölf Kasslereisbeine. Vielleicht gehen heute noch fünf über die Theke. Dann brauche ich nur sechs einfrieren. Warte mal, ne, sieben. Männer nehmen gern ein Eisbein. Kommen sie mit Frauen, gibts Currywurst, frischen Salat. Dazu einen kleinen Sekt oder Weinchen. Ehrliches Zeug verkaufe ich. Keine Sportgetränke, kein modernes Essen, keinen Zeitgeist. Brötchen werden frisch geschmiert. Kaffee gibts in Tassen. Oft kommen die Mädels aus den Erdgeschosswohnungen. Die holen sich gern einen Salat. Oder Käsebrötchen, nehmen Kaffee. Müssen öfter mal raus aus ihren Buden. Frische Luft, was Anderes sehen. Ist auch öde auf die Dauer. Wie Akkord mit Pausen, ewige Wiederholungen. Man sagt, wir sind hier Szeneviertel. Ja, einige Besonderheiten haben wir. Alle Mieter der Parterrewohnungen führen Jahreszeitennamen. Ich erkläre das oft fremden Gästen. Frühling, Sommer, Herbst und Winter. Fällt der Groschen? Steht alles im Internet. Kurvige Tamara, neu in der Stadt. Berliner Straße siebzehn bei Herbst. Rubensfrau Katja, neunzig Kilogramm. Dominante Variationen für den gepflegten Herrn. Berliner Straße zweiundzwanzig bei Winter. Für Maik gibt es auch was. Naturveranlagte Sklavin Lina. Vierundzwanzig Jahre, Berliner Straße acht. Bitte bei Sommer klingeln. Vielleicht sollte Maik für seine Neigung bezahlen. Dann bekommt er ein kurzes Glück. Aber er hat abgewunken, will was auf Dauer.

Jetzt sitzt er neben der Tür, am Fenster. Er schaut gern raus. Vielleicht geht sie ja beim Essen vorbei. Seine Sub, die Traumfrau. Ein Blick und Knall. Herz und Heiterkeit. „Wie sieht es aus, Maik?“, frage ich. „Hat sich was angebahnt? Erfolg gehabt?“

„Noch nicht“, sagt er, schaut zu mir. „Aber ab morgen wird es was. Meine Idee ist der Kracher. Ich erzähle es dir nach dem Essen. Gib mir fünf Minuten.“

Meine vier Tische sind belegt. Ich bin zufrieden. Im Advent kochen die Leute nicht gern. Da ist Einkaufsstress. Bei mir sind die Töpfe heiß. Das teuerste Gericht kostet sechs Euro. Da kann keiner was sagen.

Die Berater schauen zu mir. „Mach mal drei Bier, drei Bockwurst, Hans!“

„Geht klar, die Herren Bankiers“, brumme ich. Drei Junggesellen von der Sparkasse. Schwarze Anzüge, sehen aus wie Raben. Treue Kunden. Jeden Abend, immer der Ecktisch. Stets zwei Bier und zwei Essen. Und das, obwohl Bier teuer ist. Kostet mehr als Bockwurst. Musste ich so machen. Am Anfang hatte ich zu viele Brenner hier. Ich bin keine Trinkhalle. Auch wenn es über dem Laden steht. Der Name ist reine Tradition, kommt von früher. Da war noch Bergbau im Pott. Kumpels, viel Bier, etliche Kurze. Vor vielen Jahren war Schluss damit. Keine Kumpels mehr. Trinkhallen und Kioske schlossen. Mein Laden stand zehn Jahre leer. Nur Gerümpel drin. Stark war diese herrliche Reklame über der Tür. TRINKHALLE. Wie gemacht für mich. Ich war frisch raus, wollte selbstständig arbeiten. Die Gegend schien mir gut für einen Imbiss. Saubere Werbung, dachte ich. TRINKHALLE, rote Buchstaben auf weißem Grund. Fünf Glühlampen, nicht mal Neonlicht. Abseitig wie alles hier, aber Kult.

„Gibts auch Pizza?“ Ich sehe über meine Theke. Zwei Steppkes, vielleicht neun Jahre.

„Bockwurst, Bulette, Currywurst“, sage ich. „Bauernfrühstück, Schnitzel, Kohlroulade, Kasslereisbein, bunter Salat. Pizza zwei Läden weiter bei Sergio. Döner nebenan, andere Seite der Chinamann. Darf es was Handfestes sein? Jeder zwei Wiener mit Kartoffelsalat? Kleine Limo dazu? Einsteigerangebot, drei Euro fünfzig pro Gast? Was ist, Männer?“

„Nehmen wir.“ Die Jungs klimpern ihr Geld auf die Ablage.

„Enorme Konkurrenz hier, was?“ Der Dicke vom zweiten Tisch steht auf. Er zieht seine Jacke aus. Klarer Typ Kunde.

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Kommentare von Leserinnen und Lesern

Carmantus

Förderer.

04.04.2021 um 14:25 Uhr

Interessanter Einblick in eine typische Ruhrpottszene, in der auch BDSM-Inhalte thematisiert werden. Die an und für sich ehrenwerten Suchintentionen des als Weihnachtsmann verkleideten Möchtegern-Doms ("ne sub für eine Stunde? Bringts nicht!") sind jedoch dermaßen klischee behaftet, dass die Erfolgsaussichten dieser Strategie verschwindend gering sind.

Der Autor setzt das Stilmittel des Dialogs geschickt ein und erzeugt damit ein Stimmungsbild, das es dem geneigten Leser erlaubt, sich die diversen Szenen bildhaft vorzustellen!

19.03.2021 um 13:09 Uhr

Sehr schön! Wird immer besser, je weiter ich mich hier vorarbeite (oder zurück?) Trifft mich genau ins Scherzhirn. Bin zum Anfang gescrollt: Aha, der Bergmann, Hans! Muß ich mir merken, ist, glaube ich schon die 2. oder 3. Geschichte von dem, die gelesen habe. Habe sie "positiv" in Erinnerung. Danke, jetzt habe ich ein Suchkriterium.

Schattenwölfin

Autorin. Lektorin. Förderer.

30.12.2020 um 16:13 Uhr

Es gibt ein paar Filme, in denen das Ruhrpottgefühl gut rüberkommt; böse Kritiker schreiben: das Klischee bedient wird.

Die Trinkhalle ist ein beliebtes Accessoire. Hier ist eine im Strukturwandel untergegangen und taucht wieder auf, ein bisschen wie Phönix aus der Asche. Der Laden brummt.

Wo die Leute so findig sind wie im Pott, sollte doch auch der Weihnachtsmann eine Chance haben ... 

Schmunzelnd gelesen.

Wölfin

Robert S

Autor.

28.12.2020 um 17:59 Uhr

Maik gibt nicht auf. Das ist gut. Man soll nie aufgeben. Aber ich bin nicht sicher, ob Maik was erreicht. Eher nicht.

Maik wurde dargestellt, nicht vorgeführt. Das finde ich gut. Szenestraße, Ruhrpott, Abstieg und Aufstieg, Prostitution, Einsamkeit und Suche, Alkohol. Charakterfiguren, kurz ins Licht der Straßenlaterne gezogen. Das war nur scheinbar eine lustige Geschichte. Über der Trinkhalle schwebt Melancholie.

hanne lotte

Autorin. Lektorin. Förderer.

27.12.2020 um 20:51 Uhr

Ich gebe zu, ich kenne mich mit Trinkhallen nicht aus. Ich kenne nur unsere Dorfkneipe, vielleicht ist das ja so ähnlich. 

Aber das Bild erscheint mir glaubwürdig.

Der Maik gefällt mir. Hat Stehvermögen und gibt nicht auf. Immer wieder eine neue Idee. Trotz Eisbein - damit könntste mich jagen.

Da ist alles drin in der Geschichte, Bockwurst und Currywurst, die Sparkassenraben und die internatinale Konkurrent über die Straße. Der Korn ist bestimmt gut.

Ich musste an Graubrot mit Guterbutter und Zervelat denken. Der Hans versteht sein Geschäft und bleibt auf dem Boden. Der gehört dahin.

Ich stelle mir vor, dass er ganz oft Geschichten von Kunden hört und dass ihm nix fremd ist. Deswegen kann Maik auch locker seine Strategie erläutern und kann mit echtem Interesse rechnen. Das tut  gut, ist wie ein zweites Zuhause.

Danke für den perfekten Plan

hanne

Meister Y

Autor. Förderer.

27.12.2020 um 08:59 Uhr

Lieber Hans Bergmann guten Morgen.

Ich mag solche Geschichten sehr. Geschichten, die Atmosphäre einfangen, Zustände widerspiegeln, die auch mal zeigen, wie sich eine Gegend verändert, wenn es plötzlich den Hauptbeschäftigungszweig der Menschen nicht mehr gibt. Du schaffst es mit klarer Sprache, mit ehrlichen, schnörkellosen Beschreibungen uns dieses einmalige Ambiente der Trinkhalle vor Augen zu führen. Lässt uns an den Menschen teilhaben, die dort, unabhängig von Stand und Schicht den Abend verbringen. An denen man erleben kann, wie Wandel aussieht.

Hier ist vor 31 Jahren der letzte Hunt aus dem Berg gefördert worden. Nach 722 Jahren Erzbergbau. Das hat tiefe Spuren in den Menschen, in der Region hinterlassen...

Vier Tage noch, da kann man dem Maik nur die Daumen drücken. Vielleicht wird es ja was, wenn er die Maske fallen lässt.

Danke für Lesevergnügen am Sonntagmorgen.

Berücksichtigt wurden nur die letzten Kommentare.

Zu allen Beiträgen im Forum zu dieser Veröffentlichung.