BDSM-Geschichten und andere erotische Texte und Literatur

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Überraschung

BDSM-Geschichte von Margaux Navara

Leselupe

„Oh Gott, schau mal hier!“

Barbaras Stimme ist ein helles Quieken, ganz fremd. So kenne ich meine beste Freundin nur, wenn sie um 80 % reduzierte Designerklamotten findet.

„Was hast du?“

„Das wäre doch was für Uwe.“ Sie schaut mich mit weit aufgerissenen Augen an, in denen es glitzert vor Freude. Zugleich presst sie die Beine zusammen, als müsse sie dringend aufs Klo. Nach meiner Interpretation heißt das, dass sie sich beinahe in die Hose macht vor Aufregung. Ich streife die rosa Plüschhandschellen mit einem geringschätzigen Blick.

„Glaub ich nicht.“ Uwe, Barbaras Ehemann, ist ein kräftiger Kerl. Rosa passt nicht zu ihm und die kleinen Dinger würden seine Handgelenke niemals umschließen.

„Ach ja, ich weiß. Das geht zu weit, oder?“ Das Feuer in ihren Augen erlischt, als hätte jemand einen Eimer Wasser über ein winziges Teelicht geschüttet.

„Quatsch. Rosa steht ihm nicht. Schwarz wäre besser.“

Sie kichert. „Er soll die doch nicht anziehen. Er könnte sie mir anlegen.“ 

Ich gebe vor, den Plüsch und die Stabilität zu begutachten, und überlege, was ich darauf antworten soll und kann.

„Ich bin nicht sicher, ob die mehr als einmal Anlegen aushalten.“

„Und ich dachte schon, du verurteilst mich, weil ich von Plüschhandschellen fantasiere.“

Das hätte mich nun beinahe laut auflachen lassen. Ich kann mich gerade noch beherrschen. „Warum sollte ich dich deswegen verurteilen? Jeder darf tun, was er mag, ist mein Motto. Ich finde nur, die sind zu dünn und zu kitschig. Wenn du sowas willst, sollten wir dahin gehen, wo man sich damit auskennt.“

Barbara kichert wieder, diesmal leiser und verschämt.

„Nein, nein. Schon gut. War ja nur eine dumme Idee. Ich wollte ihn halt überraschen.“

Ich sehe den Blick, mit dem sie die Schrottdinger zurücklegt. Oh nein, keine dumme Idee.

„Du möchtest also ein besonderes Geschenk für Weihnachten. Eines, das euch beiden Spaß bringt, ja?“

Sie nickt, während sie erst eine Tasse, dann einen Bilderrahmen und zuletzt einen Straußenfedernstaubwischer in die Hand nimmt. „Du weißt doch, wie schwierig das ist mit Männern. Was schenkst du Simon?“

Oh, Liebes, das werde ich dir nicht erzählen, nicht in einem Geschäft und vermutlich überhaupt nirgendwo. Obwohl, wenn sie Handschellen kauft, sollte ich vielleicht doch mal mir ihr über dieses Thema reden.

„Na? Verrätst du es mir?“ Barbara zerrt eine Lichterkette aus einer Packung, die mit äußerst widerspenstigen und stacheligen Sternen besetzt ist. Ich nehme einen in die Hand und drücke zu. Er hinterlässt viele kleine Dellen. Nein, ich muss Simon nicht noch mehr Spielsachen mitbringen.

Ach ja, Barbara wartet auf Antwort. „Karten für eine Veranstaltung.“ Simon teilt mir zwar auch keine Wünsche mit, aber ich kenne ihn gut genug.

„Ja klar, ihr geht so oft aus, das ist bestimmt was für euch. Komm weiter. Hier finde ich nichts.“

Ja, wir gehen oft aus. Zuhause haben wir zu wenig Platz und die Wände sind sehr hellhörig, weswegen wir mindestens zweimal in der Woche `ausgehen´, meist donnerstags und am Wochenende. Und zu dieser besonderen Party mit vielen öffentlichen Szenen hat Simon mich bisher noch nicht überreden können. Er wird sehr überrascht sein über meinen Sinneswandel.

Meine Freundin seufzt. „Ich möchte einfach etwas Pep in unsere Beziehung bringen, weißt du. Ihr beiden hängt ständig aneinander, aber Uwe ist ... Na ja, wir lieben uns, aber es fehlt irgendwie die Leidenschaft. Alles so gleichförmig, keinerlei Überraschungen mehr.“

Ich weiß nicht, ob Uwe sich jemals zu einem leidenschaftlichen Mann entwickelt, aber Barbara hat sicher recht, es ist einen Versuch wert, seinen Enthusiasmus anzukurbeln.

„Denkst du denn, dass du ihn zu solchen Spielchen überreden könntest? Hat er schon mal Interesse gezeigt?“

Barbara zerrt mich am Arm aus dem Laden und in Richtung des Cafés in der Galerie, wo wir uns häufig treffen. „Ich erzähl es dir, aber nicht hier.“ Ihre Stimme wird leise, verschwörerisch.

Ah. Geheimnisse. Ich liebe Geheimnisse.

Bei einem Cappuccino und einer Latte Macchiato rückt sie näher. „Ich hab was bei ihm gefunden. Er hat eines meiner Bücher in seinem Nachttisch.“ Ihr Blick sagt, dass sie hofft, ich wüsste, worum es geht.

Ich verlagere mein Gewicht von einer auf die andere Hinterbacke. Auf keiner sitze ich bequem. „Welches Buch?“

„Na ja“, jetzt rutscht sie mit dem Hintern auf der Holzbank herum, „das mit den Handschellen vorne drauf.“

Mir fallen ungefähr ein Dutzend ein, auf denen irgendwer Handschellen trägt. „Ich wusste gar nicht, dass du so etwas liest.“ Barbara versteckt sie vermutlich unter ihrer Wäsche.

„Na ja, manchmal halt. Man hört ja so viel, weißt du, da wollte ich auch mal lesen, um was es da geht.“

„Ich bin nicht sicher, ob Bücher die Realität darstellen oder diese Art von Liebe nicht eher idealisieren.“

„Ach Lisa, du immer! Natürlich ist das reine Fiktion. Ist doch klar. Aber über die Autorin steht da, dass sie so lebt. Also ist es nicht nur erfunden. Ist ja auch egal. Jedenfalls hat Uwe das Buch schon fast ausgelesen. Da dachte ich, wir könnten das auch mal ausprobieren. Ich sagte ja, ich wollte ihn überraschen. Mal was ganz anderes machen.“

Manchmal geht mir diese Art zu reden fürchterlich auf den Geist. „Das“, „so etwas“, ständig redet man drum herum. Kein Mensch nimmt in der Öffentlichkeit die richtigen Worte in den Mund.

„Was genau möchtest du denn ausprobieren? Handschellen? Was noch? Soll er dich nur fesseln oder auch schlagen?“

Barbara zischt. „Pscht!“, und es hört sich an, als würde eine Lokomotive Dampf ablassen.

„Was? Ich schreie nicht und ich habe nichts Unanständiges gesagt. Außerdem kennt uns hier niemand. Pass auf. Ich mache dir einen Vorschlag: Wir trinken unseren Kaffee und reden über unsere Pläne für Weihnachten. Danach fahren wir zusammen zu einem Geschäft, wo es alles zu kaufen gibt, was dein Herz begehrt und dort unterhalten wir uns in normaler Lautstärke über deine Ideen.“

Sie grummelt und brummt noch eine Weile, aber sie sagt zu.

Auf der Fahrt erklärt sie mir wiederholt, dass sie nur deshalb reingeht, weil ich dabei bin und sie beschütze. Niemals würde sie alleine so etwas tun, außerdem braucht sie eigentlich gar nichts, und überhaupt kann sie sich nicht vorstellen, was sie dort soll.

Ich nicke der Frau hinter der Kasse zu und versuche, ihr mit einer unauffälligen Geste klarzumachen, dass sie uns nicht stören soll.

„So Barbara, was machen die denn in deinem Buch so alles?“

Sie flüstert immer noch, immerhin zischt sie nicht mehr. „Er fesselt sie. Mit Handschellen. Ans Bett.“

„Schlägt er sie auch?“

„Ja, aber ...“

„Okay, lassen wir das mit dem Schlagen. Benutzt er einen Vibrator oder etwas zum Kitzeln oder Kerzenwachs?“

„Mh.“

„Könntest du etwas genauer werden? Sag einfach, was dir gut gefallen hat.“

„Aber das nutzt doch nichts. Wenn es Uwe nicht gefällt ...“

„Meine liebe Freundin. Du bist hier in diesem Shop. Nicht Uwe. Du willst ihm etwas schenken. Nicht er dir. Oder soll ich ihm sagen, was du dir wünschst? Willst du das von mir?“

Handtellergroße Panikaugen. „Nein! Niemals! Das habe ich nicht gemeint!“

„Wir suchen jetzt aus, was dir gefällt. Nur so funktioniert das. Du wirst dir aussuchen, was du magst, dann schenkst du es ihm und sagst, er darf alles an dir anwenden. Das ist die einzige Möglichkeit, es anzugehen, die mir einfällt.“

„Hm.“

„Hör auf mit dem Gebrummel, rede mit mir!“

Es dauert eine ganze Weile, viel länger als in dem Laden mit den Plüschhandschellen. Ich dirigiere sie zu der Seite, auf der Spielzeuge ausgestellt sind, die vorzugsweise an Frauen angewendet werden. Mit der anderen Seite kenne ich mich nicht aus.

Die Ausbeute umfasst richtige Fesseln aus Leder, die nicht so einschneiden wie Handschellen, eine Augenbinde, einen Vibrator und einen Flogger mit ganz weichen Schnüren.

„Ich verpacke das zu Hause“, meint Barbara. Ich bezweifle, dass Uwe die Spielsachen in unbenutztem Zustand geschenkt bekommt, aber das ist ihr Problem.

Mein Problem sieht ganz anders aus. Soll ich hier noch eine Toilette aufsuchen, um die Teile, die in mir drinstecken, herauszunehmen, oder soll ich warten, bis ich zuhause bin? Noch zehn Minuten bis zu dem Zeitpunkt, den mein Mann mir genannt hat. Dann wird er anrufen und ich muss ihm berichten, wie es mir bisher damit ergangen ist.

Wird er mich loben, weil ich es trotz des Gesprächs über Handschellen und Vibratoren geschafft habe, nicht Hand an mich zu legen? Oder wird er mich bestrafen, weil ich ohne ihn in unseren Shop gegangen bin?

Mein Mann ist schwer einzuschätzen. Er liebt Überraschungen, vor allem diejenigen, die für mich eine Strafe bedeuten und für ihn eine gute Geschichte bringen.

Wir trödeln bei den Gleitmitteln und Partyspielen noch ein wenig herum, dann verabschiede ich mich auf die Toilette, den Blick schon auf dem Handy. Bloß nicht verspäten!

Simon lobt mich, weil ich so gut durchgehalten habe. "Wo bist du jetzt?"

"Noch in der Kabine." Und zum Glück allein. "Barbara wartet draußen. Sie hat für sich Handschellen gekauft und ein paar Spielsachen, die sie Uwe an Weihnachten schenken will. Sie möchte mehr Leidenschaft. Er soll sie fesseln."

Es ist einen langen Moment still auf seiner Seite.

"Sollte ich Uwe vorwarnen?"

"Warum? Er wird bestimmt große Augen machen, aber das ist doch nicht schlimm."

"Weißt du eigentlich, weshalb wir nie Dienstag oder Freitag in den Club gehen?"

"Was hat das mit Barbara und Uwe zu tun?"

"Mit Barbara nichts, aber Uwe ist dann immer dort. Ich mag nicht zuschauen, wie der Mann deiner besten Freundin nackt über den Knien einer Frau liegt und sich den Hintern versohlen lässt, deshalb haben wir uns auf diese Verteilung geeinigt."

Okay. Jetzt bin ich sprachlos.

Ich fürchte, die Überraschung wird doch sehr groß. Vor allem für Barbara.

Vielleicht sollte ich ihr noch mehr Spielsachen im Laden zeigen.

Die auf der anderen Seite.

 

 

 

Kommentare von Leserinnen und Lesern

hanne lotte

Autorin. Fördermitglied.

10.01.2017 um 22:25 Uhr

Es ist ein Genuss, dem Gespräch der beiden Frauen zu lauschen und dabei zu erleben, wie die Geschichte immer mehr an Geschwindigkeit aufnimmt bis hin zur letzten überraschenden Wendung. Sehr gefallen hat mir auch der WEchsel zwischen Dialog und innerem Monolog, der das besondere Verhältnis von besten Freundinnen gut einfängt.

Danke für diese Geschichte.

hanne

Signatur

Tue was du willst, aber schade keinem dabei.

02.01.2017 um 17:48 Uhr

Klasse geschrieben, und die Pointe ist auch super!

28.12.2015 um 08:47 Uhr

*lacht*

Wunderbare Frauengespräche und was für ein Ende... Klasse geschrieben, dieses Wollen und doch nicht Wollen, die Unsicherheit, die Scham. Die ständigen Bemühungen sich nicht zu verraten, sozusagen diplomatisch zu helfen. Einfach toll, wobei ich mich schon beim lesen gefragt habe, ob es tatsächlich eine Geschichte ist.

Danke für Zeilen mit unheimlich viel Augenzwinkern.

Signatur

Niemand ist gut genug, einen anderen ohne dessen Zustimmung zu regieren (Abraham Lincoln).

Söldner

Autor. Fördermitglied.

27.12.2015 um 13:23 Uhr

Die Darstellung der Barbara gefiel mir sehr. Mit wenigen Worten skizziert ist sie lebendig mit umfassend dargestelltem Charakter förmlich aus der Geschichte gesprungen. Bunt und gefüllt mit feinem Humor empfand ich die Dialoge der Freundinnen. Orte, Gespräch und Handlung mischten sich zu einem gelungenen Stück, das ich sehr gern gelesen habe.

eileen

Autorin.

24.12.2015 um 01:37 Uhr

Ich habe die Geschichte gerne und mit einem Schmunzeln gelesen. Die Dialoge und das Miteinander der Freundinnen ist dir gut gelungen. Bei dem Ende hätte ich bei der Bescherung zu gerne Mäuschen gespielt und hoffe, die beiden werden sich noch einig. Danke für diesen amüsanten Text.

Signatur

Das Leben ist viel lustiger, wenn man sich selbst nicht so ernst nimmt.

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