BDSM-Geschichten und andere erotische Texte und Literatur

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Der Talisman

BDSM-Geschichte von emily

Der Tag ist noch jung, als ich aus dem Fenster des Wohnzimmers auf den großen Kirschbaum blicke. Dessen Blätter färben sich allmählich gelb, der Herbst hat den viel zu kurzen Sommer abgelöst. Ich lasse den Blick über das angrenzende Feld schweifen. Der Weizen ist längst abgeerntet, der Boden umgepflügt und winterbereit. In der Ferne sehe ich die Silhouette der Stadt. Um mich herum herrscht Stille, ich bin allein, sinniere. Wieder ist ein Jahr vergangen und liegt als dunkler Schatten hinter mir.

Träge löse ich mich aus meiner Starre und gehe zum Schrank. Eine schlichte rustikale Anrichte aus den Zwanziger Jahren, massive Eiche, dunkel gebeizt. Ich mag alte Möbel, sie haben gelebt, bergen unzählige Erinnerungen und Geheimnisse. Der Schlüssel steckt im Schloss, wie üblich. Außer, wenn Besuch kommt. Ich sinke auf die Knie, öffne die geschwungene Tür, rieche das alte Holz. Alles in diesem Schrank hat seinen Platz, seit Jahren, einiges ist unbenutzt. Obenauf liegt ein Halsband. Ich nehme es behutsam aus dem Schrank, betrachte es. Es ist mein Talisman.

Gedankenverloren streiche ich über das glatte Leder, zeichne sanft mit dem Finger die feinen Nähte nach, ertaste die kalte Schließe. Meine Augen geschlossen, frage ich mich immer wieder: „Wozu brauche ich Dich? Seit Jahren liegst Du in meinem Schrank und wartest auf den einen, dem ich Dich bedenkenlos überreichen kann. Der Dich eng um meinen Hals legt. Der Dich zum ersten Mal schließt. Der zum ersten Mal sanft an Deinem Ring zieht, um mich zu führen.“

Traurig gestehe ich mir mein Versagen ein. Nein, ich habe nicht versagt, ich bin nur nicht dem Richtigen begegnet. „Du hast keinen Einfluss, bist nur ein unbenutzter, ungetragener Gegenstand. Leer, ohne Erinnerung an Lust und Schmerz, ohne Seele“, korrigiere ich mich selbst.

Der Ring schlägt leise auf den Tisch, als ich das Halsband vor mir ablege und lange betrachte. Segen und Fluch der Selbstfindung. Ich erinnere mich an jene kalten und windigen Dezembertage, an denen ich zum Shoppen in London unterwegs war...

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Kommentare von Leserinnen und Lesern

26.07.2015 um 19:43 Uhr

geändert am 26.07.2015 um 19:47 Uhr

Ja, es ist wirklich schwer den/die Richtige(n) zu finden. Nicht nur, um Sehnsüchte ausleben zu können. Nein, auch im realen Leben. Gerade darum hat mir diese einfühlsame Geschichte sehr gefallen. Beschreibt sie doch detailverliebt genau diese Situation. Danke dafür.

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Niemand ist gut genug, einen anderen ohne dessen Zustimmung zu regieren (Abraham Lincoln).

14.04.2015 um 00:06 Uhr

Vielen Dank für diese wirklich gefühlvolle Geschichte.

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LG Bipa

Mirac

Autor.

13.04.2015 um 23:52 Uhr

Ein Traum von einer Meditation!

Sie liebt ihr Halsband und es spricht mit ihr. Es fordert, es fleht, dass sie es auswählt - und das letztendlich zu ihrem Glück.

Danke für diese leise und - ja, muss ich sagen - schon etwas bewegende Geschichte!

Liebe Grüße Mirac

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Genieße den Moment, bevor er zur Erinnerung wird !

Profil unsichtbar.

Gelöscht.

13.07.2014 um 20:22 Uhr

cool, richtig schöne geschichte :)

Profil unsichtbar.

Gelöscht.

04.12.2013 um 12:14 Uhr

Es sind die Kleinigkeiten, die einen manchmal ein ganzes Leben begleiten und es zu etwas Besonderem machen *lächel

26.10.2013 um 06:29 Uhr

Die Idee finde ich sehr schön.

poet

Autor.

24.10.2013 um 10:34 Uhr

Sprachlich sehr schön geschriebene Story mit Spannung. Die Handlung ganz im Inneren. Das Halsband als Alter Ego und Gesprächspartner. Der Schluss überrascht, nachdem im Text immer davon die Rede ist, dass sie keinen Richtigen gefunden hat, hat sie ihn dann so urplötzlich, das hätte es nicht gebraucht. Ansonsten ein sehr einfühlsamer Text!

Signatur

poet

Lucia

Autorin.

09.10.2013 um 15:59 Uhr

Liebe emily,

ich habe deine Geschichte heute früh noch schnell gelesen,

sie hat mich durch den Tag begleitet und mich nachdenklich gemacht.

Schön das dein Talisman und du ihre Bestimmung gefunden haben!

Der Weg dorthin ist gut beschrieben.

Gratuliere zu deinem Erstlingswerk!

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Erfülle deine Träume, damit du Platz für neue hast!

Quälgeist

Autor.

06.10.2013 um 20:53 Uhr

Schön, nur schön - und damit meine ich nicht nur das Ende, das ist besonders poetisch.

Signatur

Pure Vernunft darf niemals siegen! Quälgeist

ungewiss

Autorin. Teammitglied. Vereinsmitglied.

06.10.2013 um 19:58 Uhr

Oh, ich liebe dieses Ende! Ein wirklich schönes Erstlingswerk mit einer unglaublich detaillierten, konkreten Beobachtungsgabe. Auch wenn mir persönlich die Beschreibung des Einkaufs zu lang war, habe ich diese Geschichte sehr gern gelesen. Vielen Dank.

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Nur wer träumt, kann Großes erreichen.

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