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Schattenzeilen

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Inhalt: Blogbeiträge bilden die Meinung der Autorin / des Autors ab. Wir machen uns diese nicht zueigen.

 

Die Dominanz Sozialer Medien

Ein Blogbeitrag von Hans Bergmann

Das Telefon klingelt.

"Sorry, ganz kurz."

Ich telefoniere. Ein Pling ertönt. Ah, eine WhatsApp Nachricht. Während ich telefoniere, muss ich schauen, wer was schreibt. Da, ein Plang. Jemand hat einen Kommentar zu einem Kommentar von mir in einem Blog geschrieben. Worum geht es? Ich beende das Telefonat. Tülü. Neue Bilder wurden hochgeladen. Pöck. Jemand hat mein Profil in der SZ besucht. Ganz kurz schauen. Tock. Info über ein Zitat von mir im SM-Chat. Wer schreibt da was? Ging. Eine neue Nachricht im Mailprogramm. Ganz kurz noch, bitte. Bölöng. Tröck, Piep, Alarm, Akku alle. Mist.

 

Ich schaue auf. Wo ist Carmen? Die Sache hatte so verlockend begonnen. Wir haben auf den Schattenzeilen gechattet, uns über eine private Nachricht verabredet. Einfach mal treffen, ganz locker kennenlernen, ein wenig Befehl und Gehorsam üben.

Ich hatte ihr vor meinem Telefonat befohlen, still zu sitzen. Wo ist sie jetzt? Was soll das? Warum ist mein Kaffee kalt? Ein Zettel liegt auf dem Tisch.

„War nett, unser Date!“

Und so eine Frau nennt sich Sub.

Ich sehe mich um. Keiner im Café hat etwas bemerkt. Alle schauen auf ihre Handys. 

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Kommentare von Leserinnen und Lesern

Chezjulia

Autorin.

17.09.2021 um 03:07 Uhr

Vielen lieben Dank Hans Bergmann für Ihren Blogbeitrag zu einem brandaktuellen Thema: Der Umgang mit der persönlichen Verfügbarkeit durch das Handy.  

Ich für mich habe es so geregelt, dass ich feste Handy- und Arbeitszeiten festgelegt habe, die ich so in meinem Alltag integriere.

Ein toller Denkanstoß Ihr Blogbeitrag, vielen lieben Dank dafür!

Curiousity

Förderer.

14.09.2021 um 14:29 Uhr

Offenbar ist das ein wichtiges Problem unserer Gesellschaft / Mitmenschen.

Aus der Unart (oder soll ich schreiben Dummheit?) sich mehr mit irgend welchen 'Sozialen Medien' zu beschäftigen statt mit den Menschen mit denen man gerade zusammen ist, folgt wohl auch oft eine erbärmlich kurze Aufmerksamkeitsspanne.

Wer sich alle paar Minuten aus seiner Tätigkeit reißen lässt, kann sich nicht eine Stunde lang auf eine Aufgabe konzentrieren.

Ob diese Aufgabe zur Arbeit gehört oder eine schöne, lange Geschichte zu lesen ist, macht keinen großen Unterschied.

Solche Menschen werden nie erfahren, was ihnen entgeht und werden für eine Reihe von Aufgaben einfach nicht geeignet sein.

Letztlich wäre es so einfach, sich nicht die Aufmerksamkeit zerfleddern zu lassen, aber dafür braucht es Selbstbeherrschung.

Fällt mir das leichter, weil ich älter / vor dem Internet aufgewachsen bin?

Oder liegt es daran, dass ich dominant (oder stur?) sein kann, auch mir selbst gegenüber?

Andererseits empfinde ich zum Beispiel die Schattenzeilen als Bereicherung, wenn ich mir für sie Zeit nehme.

Danke für diesen Beitrag, Hans.

14.09.2021 um 14:11 Uhr

Das Handy plagt mich nicht wie Dich, Hans Bergmann.

Es kling selten. Und nicht viele haben meine Nummer. Das ist keine Absicht, eher Folge meines Alters. Wie ich gehören die meisten meiner Freundinnen und Freunde der Festnetzgeneration an, und bin ich nicht da, höre ich sie auf dem Anrufbeantworter oder sehe, daß sie angerufen haben. Geschäfte, Restaus, Hotels, Handwerker (Handwerkende ? ) haben sie und vergessen sie. Klingelt es, wird das oft zu einer sportlichen Veranstaltung: Liegt es oben, unten?

Also, es ist nicht sehr bedrängend für mich. Eher finde ich es praktisch.

11.09.2021 um 16:19 Uhr

Danke für den Beitrag, der leider die traurige Realität momentan zeigt.

Hoffe nur die Menschen kommen wieder zu sich und zusammen und versinken nicht endgültig in der Mediensucht.

08.09.2021 um 08:54 Uhr

Hallo Hans,

du beschreibst leider sehr treffend die traurige Realität. Ich erwische mich selbst immer wieder dabei, dass ich mein Schlaufon viel zu oft und lange in den Händen halte. Daher habe ich für mich einige Regeln festgelegt: Das Handy ist nur Vibration eingestellt. Nachrichten beantworte ich nur, wenn ich dafür die Zeit habe. Anrufe nehme ich natürlich entgegen, wenn es möglich ist. Ich rufe nur zurück, falls jemand eine Nachricht auf meiner Mailbox oder Anrufbeantworter hinterlassen hat. Ein paar wenige Ausnahmen zu dieser Regel gibt es natürlich im ganz engen Familien- und Freundeskreis. Die rufe ich gerne zurück, die kommen auch durch meine Filter...

Luna Ery

Förderer.

02.09.2021 um 11:30 Uhr

geändert am 03.09.2021 um 06:54 Uhr

Hallo Hans Bergmann,

du beschreibst unsere Gesellschaft sehr treffend. Leider ist dies die traurige Wahrheit.

Ich streite nicht ab, dass es bei mir nicht auch schon so gewesen ist. Als ich mein erstes Smartphone gekauft habe, war ich durchaus "süchtig" nach der Aufmerksamkeit.

Mit der Zeit hat jedoch alles seinen Reiz verloren, ich habe gemerkt, dass mir ein persönliches Gespräch viel mehr bedeutet. Warum? Ganz einfach, in einem persönlichen Gespräch werden Emotionen sichtbar, man entwickelt Empathie und "urteilt" oder "bewertet" Situationen ganz anders, als durch die anonyme Mauer der Technik. Auch ein ganz wichtiger Faktor man nimmt sich Zeit, lässt sich nicht ablenken und konzentriert sich wirklich auf den Gegenüber (sofern das Handy in der Tasche bleibt)

Beim Essen wird das Smartphone grundsätzlich ignoriert. Wenn ein Gespräch begonnen wird --> Smartphone stumm/ignoriert, wenn wir unterwegs sind kommt es nur sporadisch für Fotos und für die Suche nach der passenden Route zum Einsatz.

Das Leben ist zu schön um es aufgrund sozialer Medien zu verpassen, das Original ist viel schöner und vielseitiger als ein Bild!

Natürlich ist das Internet nicht nur schlecht. Würde ich dieses Medium nicht nutzen, hätte ich nicht hierher gefunden. Ich wäre nicht in den Genuss gekommen, mich mit tollen Menschen auszutauschen die ich ohne dem nicht kennengelernt hätte.

Man muss für sich entscheiden, "Was suche ich" und wer bei seiner Suche fokussiert bleibt, findet auch nicht so schnell Zerstreuung und hat nachher schon wieder vergessen, warum er überhaupt das Internet bemüht hat.

Meine persönliche Meinung, das Internet/Smartphone/soziale Medien sind Segen und Fluch zugleich. Wichtig und wahrscheinlich auch der schwierigste Part ist, sich darin nicht zu verlieren.

Danke für diesen Blogbeitrag, der mit Sicherheit noch die ein oder andere Diskussionsrunde auslösen wird und ich bin gespannt welche Meinung andere Mitglieder haben.

Luna=)

Ambiente

Autorin. Förderer.

01.09.2021 um 11:58 Uhr

Hallo Hans Bergmann,

Du sprichst mir ja sowas von aus der Seele: Ich denke immer noch an unseren letzten Cuba-Urlaub. Wir hatten Beide unsere Handys im Zimmersafe. Wir konnten es kaum erwarten an die 

Clubbar zu kommen, zwei Mojitos zu genießen und der Life-Music zu lauschen.

Als ich etwas später aufschaue, sitzt uns ein Pärchen gegenüber, die gestern am Stand geheiratet haben. aber war das denn? Anstelle zu turteln, sich zu küssen oder was es sonst noch für schöne Dinge in trauter Zweisamkeit zu verbringen, saß jeder von den Beiden in eine Sofaecke geknauscht und beharkten ihre Handytastaturen im Stakkatotakt. Schrecklich.

Ich habe mein Handy oft dabei. Aber im Restaurant  oder bei den Orchesterproben ist es stummgeschaltet. Beim Essen zu Hause oder bei einer tieferen Diskussion bleibt es unbeachtet.

Danke, für diesen interessanten Blogebeitrag.

Wir lesen uns

Ambi

Berücksichtigt wurden nur die letzten Kommentare.

Zu allen Beiträgen im Forum zu dieser Veröffentlichung.