BDSM-Geschichten und andere erotische Texte und Literatur

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Das bin ich

von Schattenwölfin

Leselupe

Sonntag. Später Vormittag. Frühmorgens sind wir zusammen ausgeritten, lange bevor die Sommerhitze sich des Tages bemächtigt hat. Du bist im Stall geblieben, hast die Pferde versorgt und später bei der Heuernte geholfen.

Ich habe die Reitsachen gegen ein leichtes Sommerkleid getauscht und bin hierher gefahren, um mir diese Ausstellung anzusehen. Bei meinem letzten Besuch in der Stadt war ich in dem kleinen Laden mit der sündigen Mode, um mein neues Korsett abzuholen, und dabei fiel mir der Flyer in die Hände:

 

Das dunkle Auge - junge Fotokünstler interpretieren BDSM

14. bis 27. August in den Räumen der Villa Leonesse am Mainufer

 

Zwei Stunden bin ich geblieben, um mir Bilder der Fotografen aus Spanien, den Niederlanden und Deutschland anzusehen. Welch wunderbarer Kontrast: Sonnendurchflutete, große, helle Räume mit hohen Decken und knarzendem Parkett bilden einen perfekten Rahmen für die rahmenlos präsentierten Aufnahmen. Schatten im Licht. Bilder, die vermeintliche Abgründe der menschlichen Lust zum Teil nur andeuten, zum Teil eindeutig darstellen.

Ich hatte befürchtet, dass es voller sein würde. Soeben hatte „Shades of Grey“ sich rasend schnell auf Platz 1 der Bestsellerliste verkauft und das Thema BDSM so in die Öffentlichkeit katapultiert. Keine Spur von diesem Hype in den Räumen der ehrwürdigen Villa. Sie mag schon stürmischere Zeiten gesehen haben, und vielleicht gibt es ihn doch, den Unterschied zwischen dem Lifestyle-BDSM, wie ihn eine Freundin von mir dieser Tage nannte, und dem, was nun schon so lange Teil meines Lebens ist.

Jedenfalls ist es angenehm ruhig; solange ich durch die Ausstellungsräume gehe, befinden sich selten mehr als drei oder vier Personen darin.

 

Bondage ist das Thema im ersten Raum, den ich betrete: Einer der Fotografen arbeitet mit üppiger Kulisse. Entweder sind es opulent ausgestattete Räume oder Outdoor-Szenen, in denen die Natur durch sattes Grün und markige Baumrinden ins Auge des Betrachters sticht. Mich irritieren diese Kulissen, sie lenken meinen Blick zu sehr ab von den Modellen, die zugegebenermaßen gekonnt mit den Seilen gefesselt sind. Bei einer Künstlerin aus den Niederlanden scheinen die Frauen- und Männerkörper die Bühne für die abgelichteten Seile zu sein, das gefällt mir deutlich besser und ich nehme mir viel Zeit für das Betrachten jeder einzelnen Aufnahme.

Beim Verlassen des Raumes fällt mein Blick auf eine letzte Fotografie neben der Tür, die mir ein Lächeln ins Gesicht zaubert. Die Schwarzweiß-Aufnahme beeindruckt mich sehr. Keine Seile sind mehr zu sehen, sondern nur noch die Abdrücke, die Spuren einer Session auf nackter Haut - Grauschattierungen als Kunst, nichts für die Bestsellerlisten.

Thema im zweiten Raum ist das Kleid der O. Eine Serie präsentiert das Gewand mit dem literarischen Vorbild vor den unterschiedlichsten Kulissen: Der Hamburger Hafen ist dabei, eine Industriebrache mit Gasometer, der Goetheturm in Frankfurt sorgt für Lokalkolorit. Die Bilder sind technisch gut, sprechen mich aber nicht wirklich an. Auch ein Triptychon mit drei Popart-Versionen finde ich zwar witzig, aber mehr auch nicht.

Schnell betrete ich den nächsten Raum, die Bühne für Lack, Leder und Latex. Sexy.

 

Im vorletzten, innenliegenden und daher fensterlosen Raum hängen an einer Wand lediglich zwei Bilder nebeneinander. Ich tauche ein in die Dunkelheit, zwei Sonnen gleich sind die Fotos die einzigen Lichtquellen.

Wie angewurzelt bleibe ich stehen. Das ist es. Das bin ich, meine Foto gewordene dunkle Leidenschaft. Ich spüre, wie mein Puls und meine Atemfrequenz steigen.

Eine Frau, liegend von der Seite fotografiert, die Arme gestreckt. Man sieht ihr Gesicht, die vordere Brust ganz, von der hinteren nur den emporragenden Nippel. Der Bildausschnitt endet auf ihrer Stirn, in die ein paar blonde Haarsträhnen ragen. Die Haut ist leicht gebräunt. Die Augen der Frau sind verschlossen durch eine schwarze Maske aus Wildleder. Ihr Mund ist leicht geöffnet, weiße Zähne und natürlich glänzende Lippen.

 

Ich sehe nichts und doch sehe ich alles.

 

Das zweite Bild zeigt die Frau ganz, ihren Körper ausgestreckt auf einer schwarz gepolsterten Liege, beide Arme und Füße mit ledernen Manschetten fixiert, die Beine leicht gespreizt. Ihr Körper ist eine Komposition aus dezenten Muskelpartien und weiblichen Rundungen. Kein Tattoo, kein Piercing, an den Händen echte, kurze und klar lackierte Fingernägel. Das Bild ist nur Frau und Liege und deren Schatten. Nichts lenkt den Blick hiervon ab. Wand und Boden, so nackt wie die Frau, sind hell und gehen nahtlos über ineinander. Das Bild ist so reduziert und wirkt durch die Fülle der Eindrücke, die es bei mir hinterlässt. Erinnerungen, Gedankensplitter.

 

Ich liege vor Dir als unbeschriebenes Blatt

Das Du ausfüllen wirst

Oder auch nicht

Manchmal tust Du nichts

Tust so lange nichts

Bis allein der Gedanke an die Dinge

Die Du tun könntest

Mehr lustschmerzt

Als irgendein Hieb

Als Irgendeine Klammer es je könnte

 

Verfügbar

Benutzbar

Verwundbar

 

Du

Nimmst mich, verfügst über mich und benutzt mich

Ohne mich jemals zu verwunden

 

Dein Nehmen ist Geben

Erfüllen meiner Sehnsucht

 

Ich weiß nicht, wie lange ich hier stehen geblieben bin, bevor ich den Raum wieder verlasse, halb rückwärts, den Blick so lange wie möglich auf die Bilder und gleichzeitig in mich gerichtet, scheine ich innerlich zu taumeln. Den letzten Ausstellungsraum lasse ich aus und mache mich auf den Weg nach Hause.

Noch nie habe ich ein Buch gelesen, ein Bild betrachtet und dabei so sehr gefühlt: Das bin ich.

 

 

 

Kommentare von Leserinnen und Lesern

06.04.2016 um 12:01 Uhr

Was für ein Moment...

Es muss schon ein betörender Augenblick sein, wenn man sich in einer Ausstellung ein Bild betrachtet und sofort das Gefühl bekommt, in einen Spiegel zu schauen. Ein Bild zu sehen, das ein Anderer von einer Unbekannten gemacht hat und gleichzeitig zu wissen, genau das bin ich.

Sich selbst zu sehen. Nicht körperlich, nein, sich, das eigene Ich. Wenn man weiß, genau so, so schutzlos und dennoch behütet, so ausgeliefert und denoch geborgen, bin ich. Sehe ich mich, will ich sein. So, genau so, will es auch mein Parter, so wollen wir.

Genau diesen Augenblick hast Du auf emotionale Weise beschrieben. Ich glaube, ein aufmerksamer Austellungsbesucher hätte das innere Taumeln, die Ergriffenheit der Protagonistin spüren können.

Ergreifend schön geschrieben. Eine Momentaufnahme, die so auch das wahre Leben schreiben könnte. Vielen Dank dafür.

Signatur

Niemand ist gut genug, einen anderen ohne dessen Zustimmung zu regieren (Abraham Lincoln).

Nachtasou

Autor.

16.12.2015 um 00:19 Uhr

Es ist schon manches gesagt worden, dem ich mich gern anfüge.

Fasziniert hat mich die innere Bauweise der Geschichte:

Da ist ein Akt-Modell, das von einem Künstler fotografiert wird, also nicht direkt wahrgenommen, sondern über das Medium Kamera, dann wird das Bild gedruckt und ausgestellt, dann wird es von der Protagonistin wahrgenommen, und die Protagonistin ist eine Erfindung/Vorstellung - wie das ganze Vorangegangene auch - im Kopf der Wölfin. Und wir lesen es und die Szenerie steht noch einmal auf. Das ist mehrfach geschachtelt. Das reichte zum "gut" aus

Aber noch nicht genug:

Bei soviel Wandlungen würde ich doch meinen, dass zwischen Original und Abbild des Abbilds des Abbilds eine riesen Distanz entsteht, wie beim Spiel "Stille Post". Und vom Gegenteil handelt die Geschichte: der Titel heißt "Das bin ich".

Es ist, als würde man einen flachen Stein über´s Wasser hüpfen lassen, der wie ein Bumerang wieder zum Werfer zurückkehrt.

Zauberhaft geschrieben und geheimnisvoll in der Wirkung.

Signatur

Die Zunge hat keine Knochen

Profil unsichtbar.

Gelöscht.

01.08.2015 um 23:48 Uhr

sehr schön und spannend geschrieben, ich mag diesen Text

eileen

Autorin.

22.05.2015 um 21:36 Uhr

Du hast einen magischen Moment wunderschön beschrieben. Wenn ein anderer Mensch genau das beschreibt, was du fühlst, egal ob durch eine Fotografie,  einen Text oder ein Gedicht und du findest dich selbst darin. Danke für diese gefühlvolle und sensible Geschichte.

Signatur

Das Leben ist viel lustiger, wenn man sich selbst nicht so ernst nimmt.

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Gelöscht.

01.03.2015 um 21:16 Uhr

Wunderschön geschrieben, vielen Dank für deine Geschichte

rauenstein

Autor. Fördermitglied.

19.02.2015 um 19:02 Uhr

Einfach wunderbar, dass man mit wenigen Worten so viel sagen kann.

Vielen Dank dafür.

rauenstein

Signatur

Lustvoller Schmerz ist wie guter Whisky. Auch wenn er im ersten Moment brennt breitet sich danach ein unglaubliches Gefühl des Wohlbefindens aus.

Profil unsichtbar.

Gelöscht.

31.08.2014 um 14:21 Uhr

Einfach nur schön zu lesen.

Danke dafür.

Profil unsichtbar.

Gelöscht.

27.03.2014 um 19:06 Uhr

Danke schön!

Profil unsichtbar.

Gelöscht.

06.02.2014 um 22:35 Uhr

Ratlos! Narziss-Prosa, pur?

07.11.2013 um 23:02 Uhr

Deine  Geschichte klingt sehr vertraut in meinen Ohren.

Sie vermittelt mir, dem Suchenden, genau dieses langsam vertraute Gefühl, diese wunderschöne Erkenntnis, dass wirkliches BDSM keinesfalls lifestyle, sondern gelebtes Vertrauen und lebendige Liebe ist.

Signatur

Wer glaubt, alles zu wissen, hat nichts verstanden.

Berücksichtigt wurden nur die letzten Kommentare.

Zu allen Beiträgen im Forum zu dieser Veröffentlichung.

 

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