BDSM-Geschichten, erotische Texte und Literatur

Autorin der Woche vom 22.01.2018 bis zum 28.01.2018

Wenn schon die Geschichten, Gedichte und anderen Texte der Autorinnen und Autoren der Schattenzeilen interessant sind, um wie viel mehr müssen dann die Menschen faszinieren, die ihre Fantasien, Träume und Erlebnisse - ihr BDSM - so lebendig zu Papier bringen?

cassy

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Wir möchten Dir in dieser Woche cassy vorstellen. Mit cassy haben wir ein Interview geführt, welches Dich sicher nicht langweilen wird. Im Anschluss findest Du alle Veröffentlichungen von cassy auf den Schattenzeilen und kannst Dich in das Gästebuch von cassy eintragen.

Devana führte dieses Interview am 19.03.2007 mit cassy.

 

Wo lebst Du, cassy? Was gefällt Dir besonders an Deinem Wohnort?

 

Ich lebe in einem kleinen(!) Dorf zwischen Köln und Koblenz. Und was mir hier besonders gefällt? Hm... schwierige Frage, zumindest momentan. Am besten finde ich, dass meine Kinder hier in Ruhe aufwachsen können, mitten in der Natur. Ansonsten bin ich zur Zeit ziemlich hin und her gerissen, ob ich weiterhin hier wohnen bleiben möchte.

 

Wo würdest Du denn gerne hinziehen und weshalb?

 

So genau weiß ich das gar nicht. Ich habe im Moment einfach nur das Gefühl, weg zu wollen. In so einem kleinen Dorf wie bei uns kennt jeder jeden und es ist oft schwierig, seine Privatsphäre zu behalten. Das macht es manchmal ganz schön schwer. Zudem gibt es in so kleinen Dörfern oft eine gewisse Art von Zwang. Man soll Mitglied in den Vereinen werden, soll hier mitmachen und dort dabei sein. Manchmal ist mir das einfach zu viel. Und außerdem suche ich mir meinen Zwang lieber selbst aus oder zumindest denjenigen, der den Zwang ausübt.

 

Seit wann weißt Du von Deiner Neigung?

 

Ich weiß seit ich zehn bin, dass mich Burgen und Verliese faszinieren. Damals wusste ich allerdings noch nicht, was dahinter steckt. Ich kann mich noch gut an ein Bild in meinem Sachkundebuch erinnern, das ich mir immer und immer wieder angeschaut habe. Erkannt habe ich meine Neigung eigentlich erst so mit vierzehn oder fünfzehn, nachdem mir verschiedene „Erwachsenen-Literatur“ in die Hände gefallen war. Da wollte ich dann aber erst mal nichts mehr damit zu tun haben, ich fand es peinlich, unangenehm und abartig. Und trotzdem konnte ich es nicht lassen, immer wieder in den entsprechenden Heften zu lesen. Ich hab mich zwar hinterher immer furchtbar geschämt, aber trotzdem. Wenn sich die Gelegenheit bot, habe ich sie ausgenutzt.

 

Allerdings hatte ich dann irgendwann eine Phase, in der ich tatsächlich nichts mehr damit zu tun haben wollte und habe mir alle Gedanken, die mit SM zu tun haben, strikt verboten. Das habe ich fast zehn Jahre durchgehalten. Heute weiß ich, dass es ein bisschen eine Kastration meiner Gefühle war. Ich hätte mir viele Tränen ersparen können, wenn ich nicht vor mir selbst und meinen Gefühlen davongelaufen wäre. Aber ich wollte lieber „normal“ sein.

 

Weißt Du zufällig noch, welche Erwachsenen-Literatur das gewesen ist?

 

Klar weiß ich das noch. Das war die „Wochenend“. Und ab und zu noch die „Coupé“. Das ging über viele Jahre und war meine „eigentliche“ Aufklärung. Über die „Bravo“ hab' ich nur gelacht. Ich gebe aber zu, dass ich die „Wochenend“ nur heimlich gelesen habe, zumindest, bis ich so fünfzehn oder sechzehn war.

 

„Wochenend“ und „Praline“ sind mir auch aus meiner Teenagerzeit bekannt, die immer bei meinem Onkel herum lagen. Aber wie kann man sich in diesen Heftchen seiner Neigungen bewusst werden?

 

Na ja, die hatten da eine zeitlang so eine Aufklärungs-Kampagne oder so was. Und da war dann auch mal S/M dabei. Da hab' ich dann festgestellt, dass da vieles auf mich zutrifft. Außerdem gab’s da auch noch eine Rubrik mit Geschichten und Fantasien, da standen halt auch hin und wieder S/M-lastige Stories drin und auch dabei stellte ich dann fest, dass das irgendwie ähnlich war wie meine eigenen Fantasien.

 

Mit neunzehn habe ich dann von einer Freundin das Buch „Lust an der Unterwerfung“ von Sina Alina Geißler geliehen bekommen. Das habe ich verschlungen, wieder und wieder. Das war wohl eher die Entdeckung meiner Neigungen. Aber auch danach hab ich immer wieder versucht zu verdrängen, dass es diese „dunkle“ Seite in mir gibt. Mit fünfundzwanzig habe ich mir dann das zweite Buch von Sina Alina Geißler „Mut zur Demut“ gekauft, kurz danach das Erste bestellt, das gab’s damals nicht mehr so einfach im Handel.

 

Kannst Du Deine Neigung jetzt ausleben?

 

Ja, ich habe das Glück, meine Neigungen - denn eigentlich sind es zwei: ich bin sowohl devot veranlagt als auch masochistisch - ausleben zu können. Ich hatte wirklich Glück. Denn als sich vor fast fünf Jahren meine Neigungen absolut nicht mehr unterdrücken ließen, bin ich auf den Schattenzeilen gelandet und hier super-gut aufgenommen worden. Anfangs habe ich nur die - damals noch frei zugänglichen - Geschichten gelesen und mir ist klar geworden, dass vieles aus den Geschichten auch auf mich zutrifft. Irgendwann hatte ich dann den Mut und habe zum allerersten Mal in meinem Leben einen Chat-Room betreten. Und habe dort gleich meinen heutigen Herrn getroffen. Es hat viele Höhen, aber noch viel mehr Tiefen in unserer Beziehung gegeben, zumal ich wirklich eine richtige Kratzbürste sein kann. Oder stur wie ein Maultier. Das hat vieles unnötig erschwert. Aber jetzt, ja jetzt kann ich meine Neigungen richtig ausleben.

 

Wenn ich das richtig verstehe, ist Dein Herr also nicht Dein Ehemann. Wie lassen sich diese beiden Beziehungen vereinbaren?

 

Ja, das hast Du richtig verstanden. Mein Problem war das vieler Menschen, dass sie sich, wenn sie heiraten, ihrer Neigungen nicht bewusst sind. Ich wusste zwar, dass ich „komische Fantasien“ habe, dachte aber, ich könnte sie unterdrücken und im Griff behalten bzw. verdrängen. Da hab ich mich jedoch ganz schön geirrt.

 

Die beiden Beziehungen nebeneinander haben sich so ergeben. Anfangs war das nicht so, ich konnte das gut trennen, hatte auch kein schlechtes Gewissen meinem Mann gegenüber. Da war aber auch alles noch „virtuell“ und nichts real und somit keine „Beziehung“ in dem Sinn. Dann habe ich meinen Herrn zum ersten Mal gesehen und da war’s eigentlich direkt um mich geschehen. Ich habe mich direkt in ihn verguckt und wollte nur noch ihm gehören. Es ging so verdammt schnell, dauerte aber dann doch ziemlich lange, bis ich es verstanden habe. Aber es ist eine ganz andere Liebe als die zu meinem Mann. Ich kann Dir den Unterschied nicht erklären, aber für mich ist er deutlich spürbar.

 

Ich habe dann die Heimlichkeit nicht sehr lange durchgehalten und meinem Mann alles erzählt. Das war eine sehr schwierige Zeit für uns beide, nein – für uns drei. Ich hatte ziemliche Angst, alles zu verlieren. Aber es ist zum Glück gut gegangen.

 

Auch heute ist es manchmal noch schwierig. Ich hätte gerne mehr Zeit für und mit meinem Herrn, aber die Kinder fordern ihre Zeit und es fällt mir schwer, sie meinem Mann „aufs Auge zu drücken“, damit ich ein paar schöne Stunden haben kann. Da fehlt mir der nötige Egoismus.

 

Aber im Großen und Ganzen geht es ganz gut. Meine „beiden Männer“ kennen sich und kommen gut miteinander klar, was absolut nicht selbstverständlich ist. Und für mich ist es so, dass ich beide Männer brauche. Nicht, was die sexuelle Befriedigung angeht. Aber was meine Gefühle angeht. Durch beide Männer bin ich, ich möchte mal sagen, „in der Balance“. Ich merke das sehr deutlich, wenn ich länger keine Gelegenheit hatte, mit meinem Herrn allein zusammen zu sein. Dann werde ich unruhig, gereizt. Wenn ich dann bei meinem Herrn war, bin ich wieder viel ausgeglichener. Hab' mich abreagiert bzw. „wurde abreagiert“. Sorry, aber hier kann ich mir ein Grinsen wirklich nicht verkneifen. Ich meine damit natürlich, dass mein Herr dafür sorgt, dass ich mich abreagiere. Und da hat er wirklich ein Händchen für.

 

An dieser Stelle möchte ich Deinem Mann ein großes Kompliment aussprechen, dass er Dir diese Konstellation ermöglicht.

 

Ich werde es ihm ausrichten. Du hast Recht, es ist wirklich nicht selbstverständlich. Aber es kommen dabei Faktoren ins Spiel, die ebenfalls nicht selbstverständlich sind und berücksichtigt werden müssen.

 

Ist die Scham, die Du früher für Deine Neigungen empfunden hast, mittlerweile verschwunden?

 

Nein, nicht ganz. Es gibt immer noch Momente, in denen die Scham hochkommt. Obwohl – das Wort „Scham“ ist mir zu stark. Peinlich ist auch noch zu stark. Gibt’s ein Wort, das dieses leichte Unbehagen beschreibt? Wenn’s das gibt, wäre es in meinen Augen das. Ja, es gibt Momente, da frage ich mich auch heute noch manchmal, ob ich in meinen Neigungen nicht ganz normal bin und wünsche mir, „normal“ zu sein. Aber was ist schon normal? Ist es normal, wenn eine verheiratete Frau von einem anderen Mann schwanger wird, sich deshalb scheiden lässt und den anderen Mann heiratet? Es wird bei uns im Dorf aber akzeptiert. Wenn aber meine Neigungen bekannt würden... Ich möchte nicht drüber nachdenken, was dann passieren würde.

 

Aber die Momente des Unbehagens vergehen zum Glück immer ganz schnell wieder und wenn sie vorbei sind, dann hab' ich keine Probleme damit. Dann stehe ich vor mir selbst dazu und weiß auch, dass ich es im Grunde gar nicht anders will.

 

In Deinen Geschichten spielt das Element „Scham“ dennoch oft eine Rolle. Dann aber meist in einem anderen Zusammenhang. Deine Hauptakteurin muss darin oft ihre Scham gegenüber Dritten überwinden, auch wenn diese Dritte selbst BDSMler sind. Hat dies seine Gründe?

 

Da muss ich jetzt erst mal drüber nachdenken. Ja, ich denke, es hat seine Gründe. Meiner Meinung nach ist Scham eines der ureigensten Gefühle, die der Mensch kennt, ein elementares Gefühl, welches auch davor schützt, Dinge unüberlegt zu tun, um nicht ausgeschlossen oder sogar ausgestoßen zu werden. Scham und Angst sind daher sehr eng miteinander verbunden. Gesichtsverlust, Ausgrenzung, Ausgestoßen-werden, all dies sind Möglichkeiten, die - vor allem früher - passierten und auch noch passieren, wenn man sich etwas zuschulden kommen ließ bzw. lässt, dessen man sich schämen musste oder muss. Mit dem Überwinden der Scham erweitert man daher in mancher Hinsicht auch seine Grenzen. Man ist gezwungen, Haltung zu bewahren und stark zu sein. Man muss absolutes Vertrauen in den Partner haben, von diesem nicht allein gelassen, sondern aufgefangen zu werden. Und das spielt in meinen Geschichten, aber auch real, eine starke Rolle. Die Abhängigkeit, Verbundenheit und das Vertrauen aufzuzeigen. Abhängigkeit zuzulassen in einer Zeit, in der wir Menschen, besonders wir Frauen, ja so stolz sind auf unsere Emanzipation.

 

Ich stehe dazu, dass ich es manchmal hasse, immer stark sein zu müssen. Auch deshalb spielt BDSM in meinem Leben so eine wichtige Rolle: Ich darf schwach sein. Ich soll mich ergeben in die Rolle, die mir zugewiesen wird. Und aus dieser Rolle heraus soll ich eine neue Kraft entwickeln, die nichts mit meinem Leben als Hausfrau und Mutter zu tun hat. Aber das geht nur, wenn man immer wieder an Grenzen geführt wird und diese überwinden muss. Und das Schamgefühl ist eine der stärksten Grenzen, die es für uns Menschen zu überwinden gibt.

 

Was bedeutet Emanzipation für Dich und lässt sie sich Deiner Meinung nach mit BDSM vereinbaren?

 

Für mich persönlich bedeutet Emanzipation in erster Linie die Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau. Und eigentlich sehe ich da keine Schwierigkeiten, dass es sich nicht mit BDSM vereinbaren ließe. Der devote Partner in einer Beziehung, egal, ob er jetzt männlich oder weiblich ist, wird ja nicht dazu gezwungen, sich zu unterwerfen, sondern ist frei in seiner Entscheidung und tut dies freiwillig und aus eigenem Willen. Damit wird die Emanzipation nicht eingeschränkt.

 

Vielleicht gibt es im BDSM-Bereich sogar eine besondere Form der Emanzipation: In der „Szene“ wird anerkannt, wenn eine Frau den Willen dazu hat, sich zu unterwerfen - oder auch zu dominieren. Es erfolgt kein Aufschrei, dass die Frau sich unterwirft, wenn es ihr gefällt und Spaß macht. So wie auch kein Aufschrei erfolgt, wenn der Mann sich unterwirft, wenn es ihm gefällt und Spaß macht. Eine Gleichberechtigung also zwischen Frau und Mann.

 

In unserer Gesellschaft ist es – zumindest in den Städten – längst kein so großes Problem mehr, wenn ein Mann in ein Domina-Studio geht und er sich dort der Domina unterwirft oder einfach seine masochistischen Leidenschaften ausleben möchte. Darüber gibt es inzwischen ja sogar Kinofilme, die ziemlich erfolgreich sind. Aber wehe, eine Frau möchte sich unterwerfen. Gibt es da ein Dominus-Studio, wo frau hingehen kann? Wo sie sicher sein könnte, dass sie nicht zu Schaden kommt, wenn sie nach ersten Erfahrungen sucht oder vielleicht auch nur ihre masochistische Neigungen ausleben möchte? Da ginge ein Aufschrei durch die Bevölkerung! Nein, in der „normalen“ Gesellschaft ist die Emanzipation noch nicht soweit fortgeschritten, als dass man einer Frau dort zugestehen würde, devot oder masochistisch sein zu dürfen, wenn sie es will. Im BDSM jedoch schon.

 

Ich möchte hier noch kurz anmerken, dass es sicherlich die Möglichkeit auch für Frauen gibt, sich in einem großen Domina-Studio einem Mann zu unterwerfen, wenn sich dort einer zu einer Zusammenarbeit bereit erklärt hat. Und ich habe jetzt gelesen, dass es auch ein Dominus-Studio gibt. Aber das ist eine Minderheit und die Frauen tun es meist heimlich, da die „Gesellschaft“ mit so was nicht umgehen kann. Es würde sofort Geschrei von „gestandenen“ Feministinnen laut. Vermutlich würde den Frauen unterstellt, sie wüssten ja gar nicht, was sie dort tun und dass sie das Ziel der Frauenbewegung boykottieren, nämlich die Emanzipation. Aber dabei wäre es doch gerade emanzipatorisch, wenn frau ohne Heimlichkeit in ein solches Studio gehen könnte, oder?

 

Im Übrigen denke ich, dass die Emanzipation durchaus vorhanden ist, auch in einer D/s-Beziehung. Frauen, die zu hause Sklavin sind, gehen arbeiten und sind den Männern damit gleichgestellt. Viele Doms helfen bei der Erziehung der Kinder, der Hausarbeit und im Garten. Und selbst wenn Frauen sich am Arbeitsplatz, zu hause oder wo auch immer als Sklavin ihres Herrn fühlen (wollen), tun sie es doch aus freien Stücken. Denn sie haben sich gleichberechtigt mit ihrem Herrn für eine solche Beziehung entschlossen. Und sie haben auch jederzeit die Möglichkeit, sie wieder zu beenden, so sie denn wollen. So sehe ich das zumindest.

 

Wie ist Deine erste BDSM-Geschichte entstanden?

 

Puh, das ist schon so lange her. Meine erste BDSM-Geschichte habe ich für meinen Herrn geschrieben und diese ist auch nicht auf den Schattenzeilen veröffentlicht.

 

Und meine erste, auf den Schattenzeilen veröffentlichte Geschichte? Das war „Zeit zum Aufgeben“. Sie ist eine Mischung aus Realität und Fantasie, aus tatsächlich Passiertem und Wunsch. Und sie ist auch heute noch gültig. Sie ist nach einer meiner ersten „Sessions“ entstanden, wobei ich das Wort Session nicht besonders mag, genau so wenig wie „Spielen“. Manche mögen das vielleicht als Spiel empfinden, aber für mich ist es viel mehr.

 

Da schließt sich nun natürlich die Frage nach diesem „viel mehr“ an. Welche Bedeutung hat BDSM für Dein Leben?

 

Nicht die Wichtigste, aber eine sehr, sehr wichtige. Ich möchte auf keinen Fall darauf verzichten und ich weiß auch nicht, ob ich es noch mal könnte. Die Jahre, in der ich meine Neigungen und Gefühle unterdrückt habe und die Jahre danach, haben mir gezeigt, dass ich das brauche. Es hat keinen Sinn, es zu unterdrücken, denn es sucht sich seinen Weg an die Oberfläche. Irgendwann. Bei dem einen früher, bei dem anderen später. Bei mir hat es sich den Weg gesucht, als ich sehr krank wurde und mir darüber klar werden musste, was in meinem Leben nicht stimmt. Als ich darüber nachdachte, bahnten sich meine Fantasien langsam ihren Weg zurück in meine Gedanken. Seitdem versuche ich, BDSM den Platz in meinem Leben zu geben, den es braucht.

 

Für mich käme allerdings nicht in Frage, mich mit wechselnden Partnern einzulassen. Das ist für mich ein Beispiel für „spielen“. Das musste ich meinem Mann auch versprechen und das konnte ich guten Gewissens tun. Mein BDSM ist extrem personenbezogen und ich kann mir nicht vorstellen, das mit einem anderen Partner zu (er)leben. Außerdem ist es etwas, was ich sehr ernst nehme.

 

Mit dem Begriff „Spielen“ kannst Du Dich im Zusammenhang mit BDSM also nicht anfreunden?

 

Wenn ich das Wort „Spielen“ höre, denke ich immer, dass zwei Menschen sich angucken und fragen: „Hast du Lust?“ und dann loslegen. Das ist wahrscheinlich nur eine beschränkte Assoziation von mir, aber das geht mit bei dem Wort immer durch den Kopf. Bei mir ist BDSM einfach da und es gehört zu meinem Leben dazu, lässt sich nicht abschalten. Wenn mein Herr zu Besuch ist, reicht ein Blick von ihm und ich bin von jetzt auf gleich Sklavin, selbst wenn wir das dann nicht ausleben können. Aber er hat mich dann an meinen Platz verwiesen, ohne das irgendjemand etwas davon merkt.

 

„Spiel“ hört sich für mich an, als wäre es nur ein Spaß, als würde es nicht ernst genommen. Es erinnert mich immer so an Gesellschaftsspiele und Geplänkel. Aber wie gesagt, das ist meine Assoziation, da denkt sicher jeder anders drüber. Ich muss vielleicht einschränkend dazu sagen, dass ich dazu neige, vieles zu ernst zu nehmen und zum Beispiel nur schlecht verlieren kann.

 

Wenn Du Realität und Fantasie vergleichst, gibt es da für Dich Unterschiede? Sind Deine Geschichten immer eine Mischung aus beidem?

 

Ja, da gibt es durchaus Unterschiede. Es gibt einige Dinge in meiner Fantasie, die ich nicht unbedingt real erleben möchte. Das würde meine (momentanen) Grenzen überschreiten.

 

Und ja, meine Geschichten sind, zumindest momentan, eine Mischung aus beidem. Wobei ich dazu sagen muss, da wären einige Fantasien, die ich durchaus mal gerne erleben würde.

 

Gibt es auch Fantasien von Dir, die lieber eine Fantasie bleiben sollten?

 

Ja, doch, die gibt es. Entführungsfantasien zum Beispiel. Allerdings habe ich die heute nur noch extrem selten. Die hatte ich früher, als ich noch nicht so um meine Neigung wusste, sehr häufig und die waren zum Teil echt krass. Nein, die sollten tatsächlich lieber Fantasie bleiben!

 

Tja, und dann gibt es noch ein paar Fantasien, die vielleicht im Moment noch Fantasie bleiben sollten, bei denen ich mir aber nicht sicher bin, ob sie nicht vielleicht doch mal irgendwann, wenn ich erfahrener bin, nicht doch mal Realität werden könnten. Aber dazu möchte ich hier nicht mehr sagen. (cassy lächelt an dieser Stelle still vor sich hin)

 

Was machst Du am liebsten in Deiner Freizeit?

 

Welche Freizeit? Tagsüber bin ich Alleinunterhalterin für zwei kleine Kinder, da bleibt kaum Zeit für Freizeit. Aber wenn ich mir welche abzwacken kann, dann bin ich häufig auf den Schattenzeilen unterwegs.

 

Abends, wenn die Kinder dann im Bett sind und ich nicht zu geschafft bin, nähe ich viel. Für die Kinder, aber hauptsächlich für mich selbst. Es gibt ein paar Kleidungsstücke, die ich mir wünsche, die man so nicht kaufen kann. Also muss ich sie selbst nähen. Zur Zeit sitze ich an einem Korsett nach original englischem Schnitt aus der Victoria-Zeit. Ziemlich anstrengend und es dauert auch schon recht lange, denn um daran zu arbeiten, braucht man Zeit und Muse. Und an beidem fehlt es mir leider gerade. Ich hoffe, dass ich zwischen den Jahren ein bisschen Gelegenheit dazu bekomme, wenn mein Mann zu hause ist, um die Kinder mal für ein paar Stunden zu übernehmen.

 

Bin ich zu müde zum Nähen, dann lese ich viel oder bin im Internet unterwegs. Außerdem mache ich nebenbei auch noch ein Fernstudium, mit dem ich inzwischen fast fertig bin.

 

Selbst ein Korsett zu nähen klingt sehr spannend und Du hast meine vollste Bewunderung, dass Du Dir das zutraust. Hoffentlich gelingt Dein erster Versuch! Ich hoffe, Du berichtest dann auf den Schattenzeilen über Deine Erfahrungen, vielleicht gibt es hier ja noch andere nähwütige Leute.

 

Ich hoffe auch, dass es klappt. Es ist ein bisschen verzwickt und da ich nur relativ wenig Zeit hatte in letzter Zeit, bin ich noch nicht so weit gekommen, wie ich gehofft hatte. Wenn es dann so klappt, berichte ich gerne auf den Schattenzeilen und gebe meine Erfahrungen wieder. Vielleicht schaffe ich es ja sogar, eine deutsche Anleitung zu schreiben.

 

Ansonsten nähe ich halt noch ein paar andere Dinge, die man im BDSM-Bereich vielleicht mal brauchen könnte. Ein langes Cape, das verdeckt, dass man gefesselt ist. An einem Fesselrock habe ich mich versucht und der ist auch gar nicht so schlecht geworden. Man kann die Hände sowohl an den Seiten, als auch auf dem Rücken an dafür vorgesehenen Ösen mit einem Karabiner fixieren. Mein Herr fand ihn jedenfalls ziemlich praktisch. Ich habe noch Überlegungen für einen zweiten Fesselrock, aber da muss ich erst mal noch nach einem passenden Schnitt schauen, den ich dafür umarbeiten könnte.

 

Wenn Du Dir Zeit zum Lesen nimmst, was liest Du dann am liebsten?

 

Hm, alles kreuz und quer durch den Garten. Am liebsten lese ich historische Romane. Daher kommt wohl auch meine Vorliebe für historische Kleidungsstücke, denn ich mag nicht nur Korsetts, sondern liebe auch lange Röcke, Reifröcke, Capes und Mieder. Es gibt Momente, da frage ich mich, ob ich nicht einfach zweihundert Jahre zu spät zur Welt gekommen bin.

 

Außerdem lese ich sehr gerne Krimis. Ich habe Regale voll Bücher und muss immer mal wieder welche aussortieren, weil ich sonst nicht weiß, wohin damit. Ich habe mir auch schon mal überlegt, ob es nicht sinnvoll ist, mir wieder einen Bibliotheks-Ausweis zu besorgen. Allerdings war da früher die Lektüre so eingeschränkt, dass ich nicht sicher bin, ob es lohnt.

 

Schreibst Du auch Literatur, deren Handlung keine BDSM-Inhalte beherbergt?

 

Nein, und momentan kann ich mir auch nicht vorstellen, das zu tun. Dazu habe ich momentan einfach den Kopf nicht frei. Ich hab' mal zwei oder drei Gedichte für Geburtstage geschrieben, aber das ist nicht so wirklich meins.

 

Wenn Du an den Schattenzeilen etwas ändern könntest, dann würdest Du...?

 

... nichts ändern. Die Schattenzeilen sind so, wie sie sind, wunderbar und Jona Mondlicht hat meine vollste Bewunderung für das, was er da geschaffen hat und weiterhin schafft!

 

Ich würde mir nur wünschen, dass mehr Menschen dies auch anerkennen und ihm mal sagen oder zeigen, indem sie sich zum Beispiel mehr einbringen. Im Forum zum Beispiel. Aber das geschieht ja zur Zeit deutlich mehr, seit Jona Mondlicht das neue Forum eingebaut hat.

 

Und ich fände es schön, wenn wieder eine Gemeinschaft zusammenwachsen würde, so wie es war, als ich begann, die Schattenzeilen zu besuchen. Das fehlt mir wirklich sehr.

 

Ein letztes Wort...?

 

Ich haben den Schattenzeilen sehr viel zu verdanken, viel mehr, als die meisten es sich vorstellen können. Sie haben mein Leben sehr positiv beeinflusst und bereichern es. Dafür bin ich sehr dankbar.

 

Vielen Dank für dieses interessante Interview.

Die Urheberrechte dieses Interviews liegen bei cassy. Eine weitere Veröffentlichung oder Verwendung darf nur nach persönlicher Zustimmung und unter Nennung der Veröffentlichung des Interviews auf den Schattenzeilen erfolgen.

 

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