BDSM-Geschichten, erotische Texte und Literatur

Autorin der Woche vom 15.04.2019 bis zum 21.04.2019

Wenn schon die Geschichten, Gedichte und anderen Texte der Autorinnen und Autoren der Schattenzeilen interessant sind, um wie viel mehr müssen dann die Menschen faszinieren, die ihre Fantasien, Träume und Erlebnisse - ihr BDSM - so lebendig zu Papier bringen?

Biene

Biene

Wir möchten Dir in dieser Woche Biene vorstellen. Mit Biene haben wir ein Interview geführt. Im Anschluss findest Du alle Veröffentlichungen von Biene auf den Schattenzeilen.

Jona Mondlicht führte dieses Interview am 03.10.2004 mit Biene.

 

Biene, wie kamst Du zu Deinem Nicknamen?

 

Das ist mein Spitzname

 

In welcher Stadt wohnst Du? Was gefällt Dir dort besonders?

 

Ich lebe in Hamburg, finde es zwar nicht besonders toll da, bin eher ein Fan von Kleinstädten - ist persönlicher -, aber da ich jetzt anfange zu studieren, ist das sehr praktisch. Auch die SM-Szene in Hamburg ist halt schon klasse....

 

Hast Du Kontakt zur BDSM-Szene in Hamburg?

 

Ich war mal auf ein paar Parties, mein Freund mag die jedoch nicht so gern, deshalb sind wir kaum mehr da...

 

Würdest Du auch alleine auf BDSM-Parties gehen?

 

Nein, wenn ich auf Parties gehe, möchte ich dort auch ein bißchen spielen. Ich würde aber nicht mit Leuten spielen wollen, die mir völlig fremd sind.

 

Was muss der BDSM-Tourist in Hamburg gesehen oder erlebt haben, was nicht?

 

Ein Patyliebhaber sollte schon mindestens die fast schon legendäre "Heaven und Hell"-Party besucht haben, ausserdem vielleicht die Boutique bizarr, ein sehr großes SM-Kaufhaus, und vielleicht den SM-Club "club de sade"

 

Sind das Deine Favoriten?

 

Nicht unbedingt, aber es sind extrem bekannte Adressen... Ich selbst mag kleinere Veranstaltungen lieber, denn auch wenn ich sicher eine exhibitionistische Ader habe, finde ich einen kleinen überschaubaren Rahmen doch schöner...

 

Eine exhibitionistische Ader? Wie äussert sie sich?

 

Das ist eine etwas zwiespältige Angelegenheit... Im "normalen Leben" bin ich eher bieder, mag es nicht, wenn andere meine Reize zu sehen bekommen. Wenn ich aber auf einer Party bin, dann finde ich es auch schön, wenn Fremde mich beim Spiel - ich weiß, ein furchtbares Wort, aber im Rahmen einer Party kann man meiner Meinung nach davon sprechen - beobachten, es spornt mich an, ich möchte mir keine Blösse geben, ertrage mehr als üblich, finde es erregend, wenn Andere mich eventuell bewundern oder einfach nur über mich sprechen. Es ist unheimlich schwer, das Gefühl, das dabei entsteht, wirklich zu beschreiben.

 

Wann hast Du Deine Neigung zu BDSM entdeckt? Lebst Du sie aus?

 

Ich war ungefähr sechzehn Jahre alt, als ich meine Neigung entdeckt habe, das erste Mal ausprobieren konnte ich sie mit achtzehn. Seit nunmehr vier Jahren lebe ich in einer Beziehung mit meinem Dom, der mein Freund ist, wir leben zusammen.

 

Wie hast Du Deine Neigung entdeckt? Gab es ein schleichendes Vorher oder ein Aha-Erlebnis?

 

Ich habe schon als Kind erste Anzeichen gehabt, die ich damals nicht deuten konnte, beispielsweise wollte ich bei "Mutter-Vater-Kind-Spielen" als Kind immer böse Eltern haben... Später faszinierten mich Zeitungsartikel, in denen es um Folter oder sexuelle Gewalt gegen Frauen ging. Als wir dann endlich einen Computer mit Internetanschluss bekamen, fing ich recht bald an, SM-Geschichten zu lesen und mir so wirklich über meine Gefühle klar zu werden.

 

Was denkst Du über die Bedeutung des Internets und die Bedeutung guter BDSM-Seiten im Netz in für Neueinsteiger und Neugierige oder für solche Menschen, die wie Du auf der Suche waren?

 

Ich denke, das Internet kann eine Menge Hilfestellung leisten, wenn die Seiten gut gemacht sind. Allerdings liegt genau da auch ein Problem, ein Anfänger kann nicht unbedingt unterscheiden, ob die Seite gut oder schlecht ist, und muss somit den Informationen glauben, die dort gedruckt sind. Es besteht also auch die Gefahr, ein völlig falsches Bild der Szene zu entwickeln.

Ich selbst hatte, denke ich, viel Glück, habe eine Menge "echter" SMler kennen gelernt, und darüber auch schnell zwischen "echten" und Fakes zu unterscheiden gelernt.

 

Hättest Du einen grundsätzlich Rat für Neueinsteiger?

 

Das ist sehr schwer, ich denke, es gibt kein Patentrezept, jeder Einsteiger ist anders, aber ich denke, bevor man wirklich real etwas macht, sollte an sich seiner Gefühle sicher sein, und man sollte sich einen Partner suchen, dem man vertraut.

 

Habt Ihr Euch real oder virtuell kennen gelernt?

 

Virtuell

 

Wie lange blieb Eure Beziehung rein virtuell?

 

Nur sehr kurz, wir haben uns sehr schnell getroffen, und nach dem ersten Treffen war zumindest für mich schon eine Menge klar, auch wenn ich damals noch davon überzeugt war, dass es nur eine Spielbeziehung werden würde. Mein Partner dachte genauso, aber nach und nach schlich sich Liebe ein, und heute leben wir zusammen...

 

Ist das der bessere Weg? Viele andere Paare leben und lieben zusammen, bevor sich einer der Beiden zu seinen Leidenschaften bekennt - und damit mehr oder weniger auf Interesse stösst.

 

Ich denke, es ist der einfachere Weg. Ob er besser ist, kann und will ich nicht entscheiden. In einer lange bestehenden Partnerschaft ist das Vertrauen natürlich größer, man ist sicherer, aber es besteht eben auch das Risiko, dass man den Partner mit seinen neuen Wünschen vor den Kopf stösst und die gesamte Beziehung damit gefährdet. Andererseits kann der Weg, den ich gegangen bin, ebenfalls schief gehen, zwar hatte ich das Gefühl, vertrauen zu können, aber sicher konnte ich mir nach der kurzen Zeit nicht sein.

 

Was denkst Du über 24/7? Wie lebt Ihr zusammen?

 

Komplett 24/7 ist in meinen Augen unmöglich, niemand kann immer nur bestimmen oder sich immer nur unterordnen. Aber einen starken Leitfaden, den kann es zu jeder Zeit geben, und das ist in meinen Augen bei uns so...

 

Wenn der Leitfaden zu jeder Zeit gilt, ist es dann nicht auch eine Art 24/7?

 

Für mich ja, aber es gibt eine Menge leute, die der Meinung sind, ein Leitfaden müsste zumindest immer da sein, bei uns ist er aber häufig gar nicht zu sehen, nur wir wissen, dass er noch da ist. Ich glaube, 24/7 ist insgesamt ein Thema, zu dem jeder anders denkt und das sehr schwer ist, allgemein definiert zu werden...

 

Das stimmt. Ich denke, es ist auch eine Frage dessen, auf was man 24/7 letztendlich projiziert. Auf lediglich die leidenschaftliche Komponente, auf bestimmte Verhaltensweisen wie den von Dir angesprochenen Leitfaden oder auf die Gemeinsamkeit in der Beziehung.

 

Ich denke, das kann man so strikt nicht trennen.

 

Was fasziniert Dich an BDSM besonders?

 

Keine Ahnung, ich merke nur, dass es irgendwie prickelt, und das ohne SM irgend etwas fehlt...

 

Wie entstehen Deine Geschichten? Schreibst Du eher spontan oder planst Du jeden Geschichtenverlauf im Voraus?

 

Ich schreibe eher spontan, meist habe ich das Gefühl, irgendwem etwas erzählen zu müssen, und wenn dann gerade keiner da ist, dann schreibe ich es eben als Geschichte oder Gedicht auf.

 

Gehen dann viele ungeschriebene, weil erzählte Geschichten verloren?

 

Vielleicht.

 

Das stört Dich nicht?

 

Nein, es stört mich nicht unbedingt, denn für mich gehen sie nicht verloren. Sie werden lediglich nicht zu Papier gebracht. Sie gehen Anderen verloren, aber ich werde sie nicht vergessen...

 

Schreibst Du auch Literatur ohne BDSM-Inhalte?

 

Im Moment nicht, früher sehr viel.

 

Was hast Du für Literatur geschrieben? Und warum tust Du es nicht mehr?

 

In meiner Schulzeit gab es bei uns regelrechte "Schreibwerkstätten", in denen wir zu einem Oberthema, jedes Mal ein anderes, Geschichten geschrieben haben. Es hat eine Menge Spass gemacht, ich habe es zu Hause zum Teil fortgesetzt und sogar an Schreibwettbewerben teilgenommen. Leider aber nicht was gewonnen...

Heute, denke ich, fehlt mir oft vor allem die Zeit und die Ruhe, mich hinzusetzen und den Alltag auszublenden, um in eine andere, eine eben nur noch vituelle Welt abzutauchen.

 

Aber Du würdest es schon gerne tun?

 

Schreiben ist ein Ventil, ich würde gern wieder mehr schreiben, statt mir einige Dingeimer wieder durch den Kopf gehen zu lassen. Verpackt man seine Gedanken und vielleicht auch Probleme in Geschichten, dann sind sie oft nur noch halb so schwer. Dies war zum Beispiel der Grund, warum damals das Gedicht "Anders" entstanden ist...

 

Wenn es wieder eine Schreibwerkstatt gäbe, würdest Du daran teilnehmen wollen?

 

Ja!

 

Kannst Du Dich noch an Deine schönste Nicht-BDSM-Geschichte erinnern?

 

Es ging um einen kleinen Jungen, der ein Buch uber "Atlantis" las, Parallelen zu seinem Leben entdeckte und sich schliesslich als ein Nachfahr der Bewohner von "Atlantis" herausstellte... Eine rührende, sagenhafte Geschichte. Leider habe ich sie nicht mehr. Das ist sehr schade, aber als Teenie habe ich nicht darüber nachgedacht, das es sinnvoll sein könnte, solche Dokumente aufzuheben. Heute trauere ich ihnen hinterher...

 

Gab es Meinungen von Lesern zu Deinen auf den Schattenzeilen veröffentlichten Geschichten?

 

Ich erinnere mich an kaum eine...

 

Würdest Du Dir mehr Feedback wünschen?

 

Ja!

 

Was könnte Deiner Meinung nach der Grund sein, aus dem Leser nicht zu Feedback bereit sind?

 

Ich glaube, das hat einen ähnlichen Grund, warum auch die Menge der Autoren im Vergleich zu den Lesern eher begrenzt ist... Die Leute haben zum einen Angst, etwas falsch zu machen, zum anderen glauben sie vielleicht, zu viel über sich selbst preiszugeben und darüber hinaus kostet es Arbeit... Die Gesellschaft heute zeichnet sich in meinen Augen sehr stark als Konsumgesellschaft aus, nicht sehend, das ein Feedback auch wieder eine Gegenreaktion auslösen könnte, die neue interessante Dinge zu Tage fördern könnten.

 

In diesem Zusammenhang fällt mir eine BDSM-Beziehung ein... Ich überlege, zu wie vielen Teilen sie eine Konsumbeziehung ist, wer gibt wie viel, wer nimmt, und in welchem Verhältnis? Was meinst Du?

 

Wenn die Beziehung perfekt ist, gibt jeder so viel wie der Andere, und Beide nehemn auch gleich viel. Aber das ist, denke ich, ein Wunschtraum, der nie ereichbar sein wird. Bei uns denke ich manchmal, dass ich mehr nehme als ich gebe, aber es gibt auch Zeiten, wo es genau andersherum ist.

 

Wenn Du an den Schattenzeilen etwas ändern könntest, würdest Du...

 

Gar nichts tun.

 

Ein letztes Wort...

 

Die Schattenzeilen sind ein Ort, an dem ich mich, seit ich sie entdeckt habe, immer sehr wohl gefühlt habe. Zwar war ich in der letzten Zeit eher selten auf der Seite, aber ich weiß, dass ich dort immer willkommen bin, dass ich, egal ob es mir gerade gut oder schlecht geht, dort immer Leute finden werde, die mich auffangen, mit denen ich tolle Gespräche führen kann und die meine Phatasien mit Ihren Geschichten beflügeln.

Mond, ich finde es eine grossartige Leistung, was Du mit dieser Seite geschaffen hast, und ich wünsche mir, dass sie immer leben wird!

 

Ich finde, es ist eine noch viel beachtenswertere Leistung, was die Autorinnen und Autoren - darunter auch Du - auf diesen Seiten in leidenschaftliche Worte verpackt haben. Ich selbst wünsche mir, dass es solche niedergeschriebenen Phantasien und Erlebnisse immer wieder geben wird.

Für das Interview danke ich Dir ganz herzlich, es hat Spass gemacht und war sehr interessant.

Die Urheberrechte dieses Interviews liegen bei Biene. Eine weitere Veröffentlichung oder Verwendung darf nur nach persönlicher Zustimmung und unter Nennung der Veröffentlichung des Interviews auf den Schattenzeilen erfolgen.

 

Veröffentlichungen

Alle Veröffentlichungen von Biene:

Autoreninterview

von Biene

Jona Mondlicht interviewte Biene am 03.10.2004.

Veröffentlicht am 03.10.2004 in der Rubrik Gefragt.

2646 Leser, 6 Bewertungen.

Durchschnitt: 1.333

Anders

von Biene

Du liest in meinen Augen, wusstest danach immer, was ich fühle. Heute fällt es Dir zunehmend schwerer, haben wir uns so entfremdet?

Veröffentlicht am 04.12.2002 in der Rubrik Gedicht.

1316 Leser, 29 Bewertungen.

Durchschnitt: 1.793

Er

von Biene

Auf einer Flirtline lernt Sie Ihn kennen, und seine bestimmenden Worte graben sich in ihr Gedächtnis, rauben ihr den Verstand und führen sie hin zu der Tür, an deren Klinke eine Augenbinde hängt.

Veröffentlicht am 19.08.2001 in der Rubrik BDSM.

1386 Leser, 55 Bewertungen.

Durchschnitt: 1.618

geschützter Text
 

Die Schattenzeilen bedanken sich bei Biene für 3 Veröffentlichungen!

Weitere Informationen und die Autorenseite von Biene.

 

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