Das Böse ist erotisch. Das Gute nicht.
Zur Form:
Mir kam der Text beim ersten Lesen bekannt vor, und war mir doch sicher, ihn nicht zu kennen. Es ist eine Moritat.
Das war früher eine Darbietung, die schaurig-schöne Nachrichten brachte, im Sinne von: Ich habe gehört, dass …
Zu deren Verbreitung jedenfalls trägt bei, dass sie Erwartungen bedient.
Dein Text kommt dokumentarisch daher, wie ein Brief an jemanden, den es tatsächlich gibt, und ist doch Fiktion, mit pädagogischem Anspruch.
Der Fall Höxter stand auf etlichen Portalen an prominenter Stelle. Warum wohl: Zu warnen? Aufzuklären? Um Erwartungen zu bedienen. Selbst Trockenpflaumen pinkeln sich dann vor als Mitleid getarnter Erregung (endlich mal) wieder ins Höschen.
Indizierte Bücher mit delikatem Inhalt waren schon immer eine Empfehlung an sich. Und die geilsten Dinger wurden als Aufklärung verpackt.
Nichts von alledem will Dein Text sein, nehme ich an. Aber er bedient sich dieser Form.
Zum Inhalt:
Wen möchtest Du denn warnen? Oder: Wer wird sich wirklich angesprochen fühlen? E bestimmt nicht; E hat in ihrem Drang zur Selbstentwertung wahrscheinlich keine Wahlfreiheit.
Man mag E sogar einen Dom wünschen, nötigenfalls sogar einen der ebenfalls legendären Dumm-Doms, und keinen Realsadisten von nebenan, der sich einen Ehevertrag unterschreiben ließe.
Bdsm wäre noch ein Hort, wo sie überhaupt Grenzen vorfindet auf ihrem Trip zur lebenslangen Selbstsabotage.
Allen Nicht-E´s verschafft Dein Text das Gefühl „richtig“ zu sein, und zudem noch einen wohligen Schauer beim nächsten Date.
100% zustimmen würde ich Deinem Kriterium: Augen auf bei sozialem Abschotten und Isolieren. Aber das gilt für Sekten, Ideologien und Ehen auch. Das weiß jeder. Und die es nicht wissen wollen, suchen genau das.
Bdsm als Maske für brave Jungs riecht nicht nach bösem Testosteron sondern nur nach Lösungsmitteln; aus der Sicht von E.

("Das gefällt mir" klang mir zu facebooklastig.)
24.05.2016 um 15:29 Uhr
Liebe Wölfin, liebe Mai,
egal, wie sehr euch der moralisch-dommige Zeigefinger nun aufstößt oder nicht (das kann jeder anders empfinden), in einem Punkt muss ich euch ganz entschieden widersprechen.
Aus euren Beiträgen geht kurz gesagt hervor, dass jeder eben seine eigenen Erfahrungen machen muss, schließlich sind alle Beteiligten erwachsen.
Ich bin ja nun auch schon seit 15 Jahren in der BDSM-Welt unterwegs. Immer wieder sind mir Subs über den Weg gelaufen, die mit einer völliger Unwissenheit oder mit tausend Klischees beladen auf der Suche nach einem Dom sind. Wo man nur die Hände über den Kopf schlägt und genau weiß, dass sie, wenn sie an den Falschen geraten, da mit einer ziemlich kaputten Seele wieder rauskommen. Und ja, solche Fälle sind mir wirklich schon begegnet - bis zum Selbstmord.
Soll man nun also trotzdem schweigen, damit man nur ja nicht seine Moral jemanden anderen überstülpt? Soll man nicht wenigstens versuchen, solche Neulinge zum Nachdenken zu bringen?
Denn das hatte ich auch schon einige Male: Eine Mail, ein Gespräch im Chat und dann einige Wochen später die dankbare Meldung, dass man dadurch die Schmetterlinge im Bauch beruhigen konnte und zu einer vernünftigen Handlung fähig war.
Jedem kann man freilich nicht helfen. Zu einigen kommt man nicht durch, andere reagieren trotzig. Aber ich werde nicht aufhören, Subs, die sich meiner Meinung(!) auf dem falschen Weg befinden, wieder zum Gehirn einschalten zu bewegen.
Subs sind in der Tat keine Kinder. Aber seien wir ehrlich: Frischgebackene Subs, die gerade erst die weite Welt des BDSM für sich entdeckt haben, rennen oft mit Scheuklappen durch die Gegend und sind gerne mal Opfer von den nicht immer so netten Doms, die das bereitwillig ausnutzen. Das meine ich jetzt keinesfalls abwertend, sondern das ist ganz normal.
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