Registrieren Login

Schattenzeilen

BDSM-Geschichten lesen und schreiben

Social Bondage: Textnummer 2065 | Facebook | Twitter

Urheberrecht: Eine Veröffentlichung, Vervielfältigung oder Verwendung darf nur nach Zustimmung durch Campanula erfolgen! Mehr dazu ...

Namen, Orte, Handlungen: Im Text erwähnte Namen, Orte und Begebenheiten sind, soweit nicht anders angegeben, fiktiv. Handlungen und Techniken sind nicht vollständig beschrieben, es fehlen Sicherheitshinweise. Mehr dazu ...

 

Am Ende des Tages

Eine BDSM-Geschichte von Campanula

Eine persönliche Anmerkung vorweg: In seiner Urfassung enthielt diese Geschichte Textzeilen aus dem Lied "No More Tears (Enough is enough)" von Barbra Streisand und Donna Summer. Diese konnte ich allerdings aus urheberrechtlichen Gründen nicht im Text belassen und beschränke mich daher darauf, den Titel des Liedes aufzugreifen. Wer es genau wissen will, findet das Lied natürlich im Netz.

 

***

 

Genug ist genug.

 

Bettina rührte sich nicht. Wie in Trance starrte sie aus dem Fenster auf das schmutzige Grau der Betonwände, das im Licht der vorüberfliegenden Neonleuchten sekundenlang aufflackerte und wieder verlöschte. Die Kopfhörer ihres MP3-Players und der Sitzplatz, den sie ergattert hatte, isolierten sie vollständig von den übrigen Fahrgästen, die im Feierabendverkehr dicht gedrängt in den Gängen der U-Bahn standen.

 

Genug ist genug.

Der Disco-Beat des alten Donna-Summer-Songs grub sich mit jeder Wiederholung tiefer in ihr Hirn, mischte sich mit den gleichmäßigen Erschütterungen der Räder auf den Schienenschwellen. Ihre Finger krampften sich um die Tasche, in der sie ihre monatliche Gehaltsabrechnung trug. Diesmal würde der Betrag nicht mehr ausreichen, ihr Konto auszugleichen.

 

Genug ist genug.

Ihre Hände ballten sich zu Fäusten.

Es war genug, in der Tat.

 

Seit fast zwei Jahren hatte Michael keine Arbeit mehr und in den letzten Monaten hatte er nicht einmal mehr Anstalten gemacht, sich eine zu suchen. Angesichts seines abgebrochenen Studiums und seines haarsträubenden Lebenslaufes standen seine Chancen, einen Job zu finden, der seinen überzogenen Ansprüchen genügte, tatsächlich schlecht. Die wenigen halbherzigen Bewerbungen, die er auf den Weg gebracht hatte, hatte man ihm postwendend wieder zurückgeschickt. Es hätte einer besonderen Findigkeit und beharrlicher Willenskraft bedurft, um trotz dieser widrigen Umstände beruflich wieder Fuß zu fassen, und mit beidem hatte das Schicksal ihn nicht gerade großzügig ausgestattet.

Er schätzte es nicht, sich anstrengen zu müssen. Rückschlägen, Hindernissen und Frustrationen ging er am liebsten weiträumig aus dem Weg. Sollten doch andere nach ehrgeizigen Zielen streben und dabei ihre kostbare Lebenszeit opfern! Er war für diese Art von Eifer nicht geschaffen. Viel lieber machte er es sich nett. Er genoss es, in den Tag hinein zu leben, sich an den kleinen Dingen zu freuen und den lieben Gott einen guten Mann sein zu lassen. Und ganz besonders liebte er es, Geld auszugeben - jenes Geld, das sie mit ständig steigenden Überstunden und nächtlichen Bereitschaftsdiensten verdiente.

Sein Konsum war nun freilich kein Ausdruck selbstsüchtiger Gier, sondern diente in erster Linie ihrem gemeinsamen Vergnügen. Er buchte Ausflüge in luxuriöse Wellness-Tempel, schenkte ihr sündhaft teure Spitzenunterwäsche oder erstand handgefertigte Lederpeitschen und antik anmutende Eisenfesseln, um sie leiden zu lassen wie eine Königin. Das Dumme war nur, dass sie sich diesen Luxus auf Dauer nicht leisten konnten. Ihn allerdings schien das nicht weiter zu bekümmern.

Du möchtest diese BDSM-Geschichte weiterlesen?

Melde Dich in Deiner BDSM-Community an

Name:

Passwort:

Wenn Du bereits einen Nutzernamen hast, melde Dich bitte vor dem Lesen am System an. Andernfalls kannst Du Dich kostenlos registrieren oder Dir zunächst weitere Vorzüge von angemeldeten Nutzern ansehen.

Du möchtest Dich nicht anmelden? Dann stehen Dir nur die ohne Anmeldung lesbaren BDSM-Geschichten zur Verfügung.

 

Deine Meinung

Du kannst Texte nur dann bewerten, wenn Du sie voll einsehen kannst.

 

Kommentare von Leserinnen und Lesern

22.07.2021 um 18:03 Uhr

Was soll ich da noch ergänzen?

Das Ende ist abseh,bar, wie unzen schon festgestellt,  ich habe Bettina auch die Dajmen gedrückt, wohl wissend, dass es nix wird...

Spannend bis zum Schluss

Schattenwölfin

Autorin. Lektorin. Förderer.

19.07.2021 um 20:40 Uhr

Campanula

Schattenwölfin Ich glaube, den erotischen Sechser im Lotto zu verlassen ist immer ein enormer Kraftakt, ganz egal, ob es sich um einen BDSM- oder einen Vanilla-Hauptgewinn handelt.

Da stimme ich Dir zu, könnte mir aber gut vorstellen, ihn überhaupt zu treffen ist im BDSM-Kontext mit  seinen zahlreichen Ausprägungen deutlich schwieriger. Zuverlässig belegen lässt sich das aber sicher ebenso wenig wie sich die Lottozahlen vorhersagen lassen …

Wölfin

Campanula

Autorin.

19.07.2021 um 20:18 Uhr

poet Du magst recht haben, dass meine Geschichte auf den SM-Hintergrund nicht zwingend angewiesen ist. Aber ist eine BDSM-Geschichte nur eine, die ohne BDSM nicht mehr funktionieren würde? Ist nicht die Neigung letztlich immer zweitrangig? Am Ende sind es doch vor allem die allgemeinmenschlichen Motive, die eine Geschichte tragen und sie spannend oder interessant machen. Und dürfen Menschen, die BDSM praktizieren, nicht auch ganz normale Probleme haben - Probleme, die auch Vanillas umtreiben könnten?

Ich muss tatsächlich gestehen, dass die Festlegung, es müsse sich um eine "BDSM-Geschichte" handeln, mir bei den Veröffentlichungskriterien auf dieser Plattform am meisten Kopfzerbrechen bereitet hat. Denn wenngleich die Motive fast aller meiner Geschichten in irgendeiner Weise aus dem BDSM-Universum - oder dessen dunklem Zwilling, der Non-Con-Fantasie - stammen, so sind die Texte, die mir meiner Ansicht nach am besten gelungen sind, doch eben gerade keine "klassischen" BDSM-Geschichten. Vielleicht bin ich gar nicht sonderlich gut darin, BDSM-Geschichten im eigentlichen Sinne zu schreiben, und es werden am Ende immer irgendwelche anderen Geschichten daraus. Das kann durchaus sein.

Dennoch erscheint mir die Tatsache, dass die beiden eine DS-Beziehung haben, in dieser Geschichte nicht unerheblich, denn diese Rollenverteilung macht es ihr einerseits umso schwerer, ihm die Stirn zu bieten, und hebt andererseits die Diskrepanz zwischen seiner Rolle in der Erotik und seiner Rolle im Alltag umso stärker hervor. Wäre sie die Dominante, dann hätte sie vielleicht nicht solche Probleme damit, ihm das Haushaltsgeld in die Hand zu zählen, meinst du nicht?

Schattenwölfin Ich glaube, den erotischen Sechser im Lotto zu verlassen ist immer ein enormer Kraftakt, ganz egal, ob es sich um einen BDSM- oder einen Vanilla-Hauptgewinn handelt.

poet

Autor.

19.07.2021 um 15:03 Uhr

Liebe Schattenwölfin, da gebe ich dir Recht - aber genau das wird hier nicht thematisiert: Die Trennung fällt ihr nicht gerade wegen der lustvollen SM-Beziehung schwer, die wird als Grund gar nicht erwähnt.

Ansonsten sind wir uns einig, die Story ist lesenswert. Aber dies ist nicht der Ort, unsere Meinungen zu diskutieren.

Schattenwölfin

Autorin. Lektorin. Förderer.

19.07.2021 um 14:35 Uhr

Geschätzter poet, überflüssig finde ich den tatsächlich geringen BDSM-Anteil in der Geschichte nicht. Es ist schon im Allgemeinen schwierig genug, einen Partner zu finden, von dem man sagt: „Wow, der Sex ist überirdisch, hier passt wirklich alles!“. Je spezieller die Vorlieben, desto eher gleicht das sechs Richtigen im Lotto. Und desto schwerer dürfte das Loslassen sein.

Wölfin

poet

Autor.

19.07.2021 um 13:49 Uhr

“Eine BDSM -Geschichte”? Verlöre die Story, wenn man die wenigen Farbtupfer aus diesem Malkasten weglassen würde? Ich finde nicht, denn sie scheinen mir irrelevant für das eigentliche Geschehen. Das ist gut aufgebaut und erzählt, aber, wie schon jemand schrieb, das allgemein bekannte Drama des Nicht-Loslassen-Könnens, dessen Kern nichts mit BDSM zu tun hat. Es sei denn, man nimmt die durch falsch verstandene Liebe erzeugten Leiden der Protagonistin als masochistisch an, was aber sicher nicht beabsichtigt ist. Mein Fazit: eine lesenswerte Erzählung psychischer Probleme, der überflüssiger Weise ein paar SM-Gewürzkörner beigemischt wurden.

Campanula

Autorin.

18.07.2021 um 23:09 Uhr

Free Dom Bitte entschuldige, mir ist oben leider dein Nickname missglückt! Ich hoffe, du siehst es mir nach.

Campanula

Autorin.

18.07.2021 um 22:27 Uhr

Tek Wolf Hab vielen herzlichen Dank für deinen Kommentar, der mich als allererster schon früh am Morgen aus meiner nervösen Anspannung angesichts meiner ersten hier veröffentlichten Geschichte erlöst hat. Traurig ist die Geschichte in der Tat. Dramen fand ich literarisch schon immer interessanter als beseligend-glückliche Liebeskonstellationen (auch wenn ich mich hie und da schon an diesen versucht habe).

Gregor Dein Nickname lässt mich lächeln, hieß doch der Protagonist meines allerersten Romans genau wie du, die Hauptfigur meines Erstlings oder soll ich sagen: meines Erweckungserlebnisses? Jedenfalls war es jene Geschichte, die mir den Raum des Schreibens völlig neu eröffnet hat, und dieser Zauber hat mich seither nie wieder ganz los gelassen. Umso mehr freut es mich, dass ich dich mit dieser kleinen Erzählung berühren konnte.

Der Liedtext war für mich bislang immer untrennbar mit dieser Geschichte verbunden, er bildete den Rahmen des erzählten Geschehens. Vielleicht war es mir deshalb wichtig, ihn noch einmal explizit zu erwähnen. Aber du magst recht haben, dass ihn die Geschichte vielleicht gar nicht unbedingt benötigt.

Schattenwölfin Auch dir ein herzliches Dankeschön für deine lieben Zeilen und dein freundliches Willkommen! Wirklich interessant, dass der Liedtext denen, die die Originalversion nicht kennen, gar nicht fehlt. Vielleicht habe ich ihn wirklich zu wichtig genommen. Über dein wunderbares Lob habe ich mich wirklich riesig gefreut.

Free Wolf Oh ja, solche Beziehungen sind sicherlich kräftezehrend ohne Ende! Diese ewige Ambivalenz, dieses ständige "Ja, aber ...", das sich nie zu einem klaren "Ja" oder "Nein" durchringen kann, frisst dich von innen heraus auf. Wenn es mir gelungen ist, das so darzustellen, dass du sogar drangeblieben bist, obwohl du schon wusstest, wie es ausgeht, dann freut mich das ganz besonders. Danke für deinen lieben Kommentar!

Free Dom

Autor.

18.07.2021 um 17:51 Uhr

Obwohl nach wenigen Sätzen eigentlich schon klar war wie die Geschichte ausgehen würde, wurde die Spannung bis zum Schluss gehalten … wunderschön geschrieben.

Ich habe, wider besseren Wissens, Bettina bis zum Ende die Daumen gedrückt dass ihr Vorhaben gelingen möge.

Ist die Sache nun gut oder schlecht ausgegangen?

Einerseits liegen sich zwei Menschen wohlig geborgen, befriedigt und gesättigt in den Armen, andererseits aber wie soll es weitergehen?

Ein gutes Ende für eine Story, aber im wirklichen Leben kann ich jedem Menschen der sich in einer solchen Situation befindet nur einen  baldige Ausweg aus so einer Zwickmühle wünschen.

Meiner Meinung nach fressen solche Beziehungen Geist, Seele und Körper auf.

Schattenwölfin

Autorin. Lektorin. Förderer.

18.07.2021 um 12:25 Uhr

„Tomorrow is another day“, zitiere ich mal Scarlett O‘Hara und hoffe, dass das keine Urheberrechte verletzt …

Im Grunde keine neue Geschichte. Wer kennt nicht wen, der sich solchen Widrigkeiten zum Trotz nicht lösen kann, weil er immer wieder geködert und eingefangen wird … und wenn nicht, kennt er wenigstens wen, der jemanden kennt …

Geschichten müssen nicht neu sein, wenn sie neu erzählt werden. Und das ist hier sehr gelungen, da schließe ich mich Gregor gerne an. Insbesondere auch bezüglich des Liedtextes; ohne die Originalversion zu kennen, denke ich, dass er mich eher aus dem Lesefluss gerissen hätte, dem ich so sehr gerne gefolgt bin.

Mein persönliches Highlight als SprachFetischistin ist übrigens:

„Wie oft hatte sie sich in seinen Armen verloren, hatten ihre Brüste, ihr Herz, ihr Mund und ihr Schoß in seinen Befehlen und Liebkosungen eine Heimat gefunden!“

Dieser Satz ist so stark, dass er des Ausrufezeichens nicht bedurft hätte.

Willkommen im Kreis der Autorinnen, toller Einstand,

Wölfin

Berücksichtigt wurden nur die letzten Kommentare.

Zu allen Beiträgen im Forum zu dieser Veröffentlichung.