BDSM-Geschichten und andere erotische Texte und Literatur

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Gehöre ich einer aussterbenden Gattung an?

Text von Devana

Leselupe

Ich liebe es, zu schreiben, genauer gesagt liebe ich es, am Computer zu schreiben. Noch genauer gesagt liebe ich es, mit meiner Tastatur, die in einem harten Auswahlverfahren als Siegerin hervorging, zu schreiben. Sie entspricht genau meinen Tippbedürfnissen. Leichtgängig ist sie, mit flachen Tasten. Ich weiß, jeder hat da eigene Vorlieben, aber meine Finger müssen über sie fliegen können. Dann sehe ich erstaunt zu, wie meine Gedanken zu Worten und Sätzen auf dem Monitor werden. Sie werden zur Sprache, für Jedermann lesbar, dem ich das Geschriebene zeige.

Sprache! Welch herrliche Errungenschaft der Menschheit. Sich mitteilen zu können in allen Facetten. Manchmal ist es dennoch schwer, sich auszudrücken, dem Anderen verständlich zu machen, wie man fühlt und denkt. Mir fällt es leichter, meine Gedanken niederzuschreiben, als sie auszusprechen. Beim Sprechen bleibe ich manchmal stumm, beim Schreiben fließen die Worte aus mir heraus. Ich bin ein Schriftmensch.

Schrift. Schreiben. Weitere bedeutende Errungenschaften der Menschheit, die uns noch heute lesen lassen, was Menschen vor Jahrhunderten aufgeschrieben haben. Auch das gesprochene Wort lässt sich von Generation zu Generation weitervermitteln. Doch niemals so genau und unverfälscht, wie das bei der geschriebenen Sprache der Fall sein kann. In einem Text klingt immer die Persönlichkeit des Autors mit. Wird sie aber mündlich weitergeben, wird jeder Erzähler etwas weglassen, anderes hinzufügen und seinen eigenen Stil einfließen lassen. Der Ursprungstext geht auf diese Weise verloren, es bleiben nur noch die Kernelemente.

Ein Schriftmensch bin ich. Immer wieder stelle ich das fest. Andere Menschen sind das nicht. Sie können den Inhalt eines längeren Textes nur schwer erfassen. Sie begreifen ihn nicht, können nicht zwischen den Zeilen lesen, können die Stimmung nicht erfassen. Ich behaupte von mir selbst, empathisch zu sein, aber bin ich es am Ende nur, wenn ich lesen darf? Manchmal glaube ich das. Andere Menschen können hingegen mehr aus dem gesprochenen Wort lesen. Aus dem gesprochenen Wort lesen... welch ein Satz und doch stimmt er.

Ich lese und schreibe. Gerne. Gerne viel. Leider viel zu wenig.

Gehöre ich einer aussterbenden Gattung an? Das geschriebene Wort erlebt derzeit durchaus eine Renaissance, finde ich. Spätestens seit Erfindung der SMS kommunizieren die Menschen wieder in Schriftform. Noch viel mehr, seitdem man nicht mehr für die Übermittlung weniger Worte 19 Cent bezahlen muss. Aber was schreibt man dort? Kurzmitteilungen. Kurze Sprache, oft schmerzhaft verstümmelt. Bewegt sich der Austausch mit anderen Menschen in diese Richtung? Gedanken dazu erscheinen müßig, betrachtet man die aktuellen Entwicklungen. Kommunikation erfolgt vermehrt über Bildsprache. Selfies zeigen, wo man ist, was man tut, wie man sich fühlt und wie man aussieht. Schrift ist überflüssig. Webseiten werden zunehmend bildlastiger, seitdem das Internet immer schneller wird. Texte werden dagegen kürzer, denn sie liest kaum jemand. Bilder sprechen mit den Besuchern.

Ist also das geschriebene Wort vom Aussterben bedroht? Lesen wir bald nur noch Bilderbücher? Sehen wir uns im Internet nur noch Bilderseiten an?

Nein. Glücklicherweise nicht. Deutschland hat den weltweit zweitgrößten Buchmarkt. Obwohl wir nicht die zweitgrößte Nation sind. Darauf kann man, so finde ich, durchaus stolz sein. Es mag vieles im Wandel sein und einiges davon gefällt mir nicht. Aber so lange es Menschen gibt, die gerne schreiben und es andere Menschen gibt, die gerne lesen, wird das geschriebene Wort nicht aussterben.

 

 

 

Kommentare von Leserinnen und Lesern

14.06.2017 um 14:01 Uhr

geändert am 14.06.2017 um 17:34 Uhr

xxx

Signatur

"Light the lamp of devotion, with the oil of me." (Zitat von Haviz)

Jona Mondlicht

Autor. Teammitglied. Vereinsmitglied.

14.06.2017 um 14:01 Uhr

geändert am 14.06.2017 um 17:34 Uhr

Vorigen Beitrag bearbeitet:

Verstoß gegen die Forenregeln (Link).

Nachtasou

Autor.

13.06.2017 um 00:37 Uhr

Ich bin dem Link gefolgt und stoße auch auf ein Bild.

Darauf hat Erasmus eingefallene Wangen und eine spitze Nase, ist Rechtshänder und trägt den Ring am Zeigefinger. Ist das üblich gewesen, den Ring am Zeigefinger zu tragen? Bedeutet das etwas?

Kann jemand etwas dazu sagen?

Er schaut recht zufrieden und scheint genau zu wissen, warum er was schreibt. Im Kopf ist alles schon fertig, das Schreiben ist dann nur noch das Zupapierbringen. So scheint es mir auf dem Bild. Im Regal liegt ein Buch von Hieronymus.

Bei Wikipedia stoße ich auf den Kirchengelehrten Hieronymos; und auch auf ein Bild in einer Schreibstube. Der schaut jedoch ganz verzweifelt und tippt mit dem  linken Zeigefinger (schon wieder ein Zeigefinger im Bild) auf einen Totenschädel. Und bei ihm liegt auch ein Buch auf dem Schreibtisch: Bibla Graeca. Aha, er schreibt gerade an seiner Vulgata-Übersetzung. Er wird als radikaler Asket beschrieben. Der Legende nach soll er einem Löwen einen Dorn aus der Pranke (schon wieder eine "Hand") gezogen haben, der ihm daraufhin auf Schritt und Tritt folgte. Außerdem ist er mit einer Schülerin durchgebrannt und hat von ihrem Vermögen Klöster für Jungfrauen und Witwen gegründet. Aha *g.

Kann jemand erkennen, was Erasmus vorn auf der Brust für ein Metall-Dingens trägt? Als Gürtelschnalle scheint es mir zu groß.

Ja, und die Mützen damals zogen sich über die Ohren. Als wär´s zu laut oder zu kalt gewesen. Wahrscheinlich eher zu kalt. Oder ließen sich die Humanisten gern mit abgedichteten Ohren malen, um sich als Leser besser in Szene zu setzen?

Sö schön Schrift sein mag: Die Stimme, das Hören geht verloren. Die Erzählstimme, das Hören.

Oder auch nicht, denn ein guter Autor hat auch eine Erzählstimme. Aber nicht im akustischen Sinne. Eher im "inneren Klang". Und was ist das für eine Stimme, die man da hört beim Lesen?

Hoffentlich sind das keine akustischen Halluzinationen. Ihr wisst doch, höre ich Stimmen, die anderen aber nicht, ist es psychische Erkrankung; hören alle anderen Stimmen, nur ich nicht, ist es Schwerhörigkeit. Das lässt sich sauber unterscheiden.

Danke Captain O. für den Link. Ich habe mich gerade eingesehen, anstatt eingelesen.

Ein "Einsehen" haben, sagt man, sogar eine Einsicht. Im Akustischen gibt es dieses Sprachbild nicht, oder? Wäre das "in Einklang kommen"?

Und wie ist es mit den anderen Sinneskanälen? Im Schmecken: Einschmack. Nee. Eher im negativen Sinn von Geschmacklos.

Und im Haptischen? Ein "Eindruck".

Schwups bin ich wieder beim Thema. Dem Buchdruck. *g

So ganz ist das Thema dann nicht verfehlt.

Signatur

Die Zunge hat keine Knochen

12.06.2017 um 21:51 Uhr

geändert am 12.06.2017 um 23:07 Uhr

Wenn ich ein wenig Geld bekomme, kaufe ich mir davon Bücher.

Wenn dann noch etwas übrig ist, kaufe ich Essen und Kleidung.

Erasmus von Rotterdam

Signatur

"Wir stellen die Normalität augenblicklich wieder her, sobald wir wissen, was eigentlich normal ist" Douglas Adams - Per Anhalter durch die Galaxis

Jona Mondlicht

Autor. Teammitglied. Vereinsmitglied.

12.06.2017 um 21:51 Uhr

geändert am 12.06.2017 um 23:07 Uhr

Vorigen Beitrag  bearbeitet. Bitte Links künftig maskieren. Danke!

hanne lotte

Autorin. Fördermitglied.

07.06.2017 um 22:52 Uhr

Sprache ist Erkenntnis, Erkenntnis ist Sprache. Was ich erklären kann, habe ich verstanden; nur was ich benennen kann, kann ich auch erklären.

Die Schrift wiederum versetzt uns in die Lage, unsere Gedanken weiterzugeben, Wissen beständig zu erhalten.

Schrift ermöglicht Kommunikation über größere Entfernungen und ist daher in einer globalisierten Welt nicht mehr wegzudenken.

Dank moderner Technik lässt sich freilich inzwischen auch das gesprochene Wort aufzeichnen und erhalten. Auch gesprochene Texte haben Vorzüge, aber eben auch Nachteile. Sie lassen mir bei Geschichten weniger Interpretationsspielraum als ein geschriebener Text, und bei Sachtexten erlaubt mir die Schriftform, das Lesen auf mir wesentliche Details zu beschränken, während ich einen Vortrag schlecht überfliegen kann.

Es gibt somit für beides Bedarf und daher wird es auch immer Menschen geben, die geschriebene Texte produzieren.

Ich glaub also nicht, dass wir Schreiberlinge ernsthaft in Gefahr sind.

Signatur

Tue was du willst, aber schade keinem dabei.

05.06.2017 um 01:43 Uhr

Gut auf den Punkt gebracht. Lesen ist mir ebenfalls wichtig, aber auch Schreiben. Und ja, Worte können ganze Welten erschaffen, sie können vernichten, sie können berühren, und sie können absoluten Schrecken hervorrufen.. 

Worte können aber auch Reisen bewirken, berühren, Tore zu Welten öffnen, die nur der Schreiber - und auch der Leser sieht - denn Worte sind Türenöffner wie kein anderer.

Ebenso können sie aber auch Türen schliessen, welche offen waren.

Sie können die Herzen berühren, und dies noch lange, nachdem ihre Erschaffer nicht mehr leben.Jeder hat seine eigenen Bilder, und das ist gut so.

01.01.2017 um 20:01 Uhr

In diesem Text finde ich mich wieder. Zumindest teilweise, denn ich habe keine exquisite Tastatur.

Beim Schreiben habe ich Zeit zum Nachdenken und korrigieren.

Das gesprochene Wort ist oftmals leichtfüssig und zu schnell, dafür durchaus mit weiteren Informationen versehen.

Die Schrift bedarf einer größeren Sorgfalt, um unmissverständlich zu sein.

Daher ist gut Schreiben eine große Kunst.

Signatur

Viele Grüße, Subsi

Profil unsichtbar.

Gelöscht.

16.11.2016 um 20:02 Uhr

Hallo Gregor,

Mir gefällt Deine geäußerte Meinung zu Literatur und Büchern sehr. Man merkt schnell, dass Du ein begeisterter Leser bist. Und natürlich schätze ich auch Deine Hingabe selbst etwas niederzuschreiben, zu verfassen und damit für andere erfahrbar zu machen. Jedoch einem Aspekt von Dir kann ich nicht ganz zustimmen:

Gregor

So etwas ist eine Möglichkeit Gott zu sein, ohne Schaden anzurichten.

Ich bin der Auffassung, dass man mit allen Mitteilungen (ganz egal ob bildlich, mündlich oder schriftlich) Schäden anrichten könnte. Wie Du trefflich anfangs dargelegt hast, male ich Bilder in den Köpfen der Leser, lasse Welten und Dimensionen erschaffen und mache mein Innerstes anderen sichtbar. Je nachdem, was ich "mitteile", hat dies laut meiner Auffassung auch immer Auswirkung auf andere, insbesondere auf den Leser. Somit ist es schon möglich diesen auch mit dem geschriebenen Wort zu verletzen, zu erschrecken, negativ zu beeinflussen, etc., meist noch viel mehr als mündlich.

Aber ich verstehe durchaus, was Du mit dieser Aussage unterstreichen wolltest.

Liebe Grüße

Doro

Gregor

Autor.

15.11.2016 um 22:40 Uhr

Wenn ich ein Buch öffne, begebe ich mich in einen unbekannten Raum. Ich betrete eine andere Welt und darf dort mitleben. Das ist eindeutig eine Droge, oder? Sonst würde niemand lesen.

Wenn ich schreibe gehe ich noch viel weiter. Ich baue mir eine Welt. Sie zu gestalten, darin zu leben wirkt stärker als alle bewusstseinserweiternden Mittel. Und der Hammer kommt erst noch --- es kostet nichts.

So etwas ist eine Möglichkeit Gott zu sein, ohne Schaden anzurichten.

Das geschriebene Wort ist Trip im ersten Niederschreiben und böser Kater in den ständigen Überarbeitungen.

Aber wer achtet bei der Freude auf die Ernüchterung?

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