Profil erstellen Login

BDSM als Therapie?

Angesichts der tiefgehenden Wirkungen und psychisch oft spektakulären Effekte der BDSM-Praxis taucht immer wieder die Frage auf, ob BDSM Therapie sein kann. Die Frage spaltet dann regelmäßig die Geister.

Ein Blogbeitrag von Clu.

Gespannt auf den Beitrag im BDSM-Blog?

Werde Teil unserer BDSM-Community. Kostenlos!

Du erhältst Zugriff auf kostenlose BDSM-Geschichten, Hörtexte und Podcasts. Du kannst im Forum und im Chat andere Mitglieder kennenlernen. Und wir bieten dir viele weitere Vorteile.

Du möchtest erst wissen, wer wir sind? Gern stellen wir uns vor.

Das überzeugt dich nicht? Dann stehen dir nur die öffentlich lesbaren BDSM-Geschichten zur Verfügung.

Deine Meinung

Du kannst Texte nur dann bewerten, wenn du sie vollständig lesen konntest.

Kommentare von Leserinnen und Lesern

08.06.2026 um 16:56 Uhr

Ich kann Dir da nur zustimmen (meine Frau hatte eine schwere Psychische Störung, die bis in der vollständige Erwerbsunfähigkeit geführt hat).

Es war für Sie zwar wichtig, das Leben in eine Struktur zu kriegen und bestimmte Situationen zu erkennen und dann zu meiden bzw. rauszukommen. Aber das hatte nichts mit BDSM zu tun.

Es wäre nach Aussage der Therapeutin sogar Kontraproduktiv gewesen, wenn sie die Kontrolle vollständig abgegeben hätte.

Sie hat einen liebevollen Mann gebraucht, der mit ihren Stimmungsumschwungen umgehen kann und diese kamen von jetzt auf gleich. Der sie auffängt, wenn sie fällt, ihr aber auch die Möglichkeit gibt, sich im Bad einzuschliessen.

Von daher kann BDSM vielleicht für einen schwachen Menschen eine Stütze sein, bei einer ernsthaften Erkrankung kann es aber nicht die Therapie sein.

Zu diesem Beitrag im Forum.

04.06.2026 um 12:10 Uhr

Liebe community, hier also  TEIL 2 meiner Texttapete, der in der Warteschlange geparkt war - falls das Thema euch interessieren sollte.

 

BDSM als Erkenntnisweg mit negativer Konnotation und somit als „Therapie“?:

 

Therapeutische Intentionen und Ziele halte ich bei bdsm-Interaktionen für eben sowenig angebracht, wie in einem Vanilla-Sex-Kontext.  Sexualität und erotische Praktiken sind keine Werkzeuge, die zweckentfremdet benutzt werden sollten.

Außerdem impliziert eine therapeutische Absicht im bdsm, dass Neigungen Problem bedingt wären, und diese sich durch das Wirken mit gezielten Aktionen auflösen könnten und sollten.

Negativ konnotierte Intention, mit mehr oder weniger bewusster Retraumatisierung, mag bei einem eher geringen Anteil von Kinkstern vorhanden sein, die Regel sind solche Motive sicher nicht.

Meiner Beobachtung nach ist es einfach eine Art der Sexualität, die durch vielerlei Einflüsse geprägt wurde – und meist positiv lustvoll orientiert ist, und nicht negative Erlebnisse fokussiert.

Die von Clu beschriebene Aufstellung, wie ich sie verstanden habe (Knoten – Kink – Jagd – Entschleunigung – Auflösung Knoten), vermute ich nicht bei der Mehrzahl der Kinkster.

 

Alles was mich an persönliche negative Erlebnisse und Erfahrungen erinnern könnte und dem zu ähnlich wäre, könnte ich nicht lustvoll im bdsm ausleben und würde entsprechende Inhalte im bdsm ablehnen.

 

Wenn die Sexualität bzw. Sexual-Identity stark mit bdsm-Neigungen vernetzt und verwoben ist, kann aufgrund intensiver und vielfacher negativer Erfahrungen im bdsm oder im Alltag späterer Lebensphasen, die ebenso prägend und nicht auslöschbar sind, die Neigung belastet werden. Wodurch ein Ausleben eigener (bdsm-)Sexualität verunmöglicht – oder zumindest sehr erschwert werden kann.

Überspitzt betrachtet, könnte außerdem beispielsweise die Erkenntnis der Gründe für eine homosexuelle Orientierung dazu führen, dass die Freude und Akzeptanz eigener Sexualität geschwächt oder beseitigt wird; ohne dass dadurch aus einer Homosexualität eine Heterosexualität werden könnte.

In beiden Fällen könnte dies zu einer Art unerwünschter Asexualität und Verlust der sexual Identity führen, die psychotherapeutisch auch nicht wieder „geheilt“ werden könnte.

Allgemeine Alltagsbelastungen, nachhaltige Negativerfahrungen und auch Ursachen-Erkenntnisse einer Neigung können auf die zuvor befriedigende Sexualität  destruktiv wirken. 

Weniger zu hinterfragen und zu analysieren, statt dessen mehr zu genießen, sehe ich eher als glückbringenden Weg.

 

BDSM mit therapeutischer Absicht wäre unwirksam – und zudem ungeil!

 

Solch Ansinnen eines Tops fände ich anmaßend, übergriffig und ungeil. Einen Consens könnte es von mir hierfür niemals geben, und auf keiner Seite des Spiels würde ich daran mitwirken wollen.

 

Der Begriff „Therapie“ sollte dem medizinischen Bereich zugeordnet sein und vorbehalten bleiben, und alles was einem gut tut und befriedigt sollte nicht damit verknüpft werden - insbesondere nicht die eigene Art und das Ausleben von Sexualität. Gerade weil Therapiemaßnahmen immer auch der Anspruch einer  „Normalisierung“ innewohnt. Das Andichten therapeutischer Effekte und die inflationäre Nutzung des Begriffs „Therapie“ finde ich abstrus.

 

Sicher gibt es bei manchen eine Prägung oder ein Sein, durch welches vor allem eine D/s-Neigung nicht nur der Lust, sondern auch der Psychohygiene, Kompensation, Substitution oder Beziehungsfähigkeit im Paarkontext dienen kann. Würde man diese Nebeneffekte allein durch Erkenntniswege beseitigen, dann wäre das eher kontraproduktiv. Denn Altlasten, Defizite oder charakterliche Prägungen würden ja bestehen bleiben, wodurch man vielleicht professionelle Psychotherapeuten als dauerhafte Auffangstation bräuchte; während man zuvor im bdsm das Nützliche mit dem Angenehmen verbinden konnte.

Durch neuronale Verknüpfungen manches im D/s erotisieren zu können, was in der Alltagsrealität oder biografisch eher negativ zu bewerten wäre, schätze ich eher als positive Fähigkeiten mancher Kinkster.

Im Übrigen stehen masochistische Bedürfnisse und Befriedigungen

- sofern nicht psychologischer Natur -

im Zusammenhang mit rein physiologischen Funktionalitäten und anatomischen Gegebenheiten. 

 

Grüße

Salimera

Zu diesem Beitrag im Forum.

03.06.2026 um 20:26 Uhr

Obscurius Optissimus

Da geht es eben um die Definition des Wortes "Therapie". Es gibt doch viele Dinge, die postiven Einfluss auf das Wohlbefinden haben. Gesunde Ernährung, Sport, Freundeskreis usw. Sexualität ist ein Faktor von vielen. Wenn du den Begriff "Therapie" als medizinische Intervention mit klarem Ziel, die "Gesundheit" wieder herzustellen definierst, gebe ich dir natürlich recht. 

Dann sind wir uns in der Intention und Abzielung auf medizinische Gesundheit anscheinend einig. 

Ansonsten wäre es auch Therapie, wenn Privatpersonen oder der Staat wohlwollend meine permanente finanzielle Ausstattung deutlich verbessern würden, indem sie mein Konto langfristig auffüllen; was meiner Gesundheit indirekt auch dienen könnte. ^^

 

Grüße

Salimera

Zu diesem Beitrag im Forum.

03.06.2026 um 20:10 Uhr

G Schichtenrausch

Wenn ich das Thema weiter fasse, steht es auch immer im Kontext zu Liebe (der allerbesten Therapie von allen Therapien bei allen Themen, im gesamten Leben), ...

Liebe ist immer ein großes Wort, und deren Art und Ausprägung können beim Gegenüber sowohl positive wie destruktive Wirkungen haben. Beispielhaft nenne ich als Stichwort "besitzergreifende Eifersucht".

Als Therapie würde ich glückbringende Liebeserfahrungen auch nicht bezeichnen. Das Beste was einem passieren kann, ist sowieso eine gesunde Art der Selbstliebe, dieser gerecht zu werden, und die Bedingungen zu haben, um achtsam mit sich umgehen zu können. 

 

Weiteres zu meinem Verständnis des Therapie-Begriffs in einem folgenden Beitrag.

 

Grüße

Salimera

Zu diesem Beitrag im Forum.

G Schichtenrausch

Autor. Korrektor. Förderer.

03.06.2026 um 17:52 Uhr

Salimera

deinem Beitrag stimme ich überwiegend zu, möchte aber dem Zitierten anmerken:

Dann müsste auch das Ausleben einer erfüllenden Vanilla-Sexualität oder Homosexualität bei entsprechenden Neigungen als Therapie gewertet werden.  Ob das sinnig ist?

Ja, ich denke, das widerspricht sich nicht. Ein Mensch, der mit BDSM nichts anfangen kann, wird auch keinen Rausch bei Fesseln und Schmerz erleben, der erlebt sein Orchester und seinen Nachklang vielleicht in anderer sexueller Form.

Sexualität entzieht sich jeder Wertung. BDSM ist nicht besser oder schlechter, jeder Mensch hat seine individuellen sexuellen Präferenzen, das sind so viele Varianten.

Wenn ich das Thema weiter fasse, steht es auch immer im Kontext zu Liebe (der allerbesten Therapie von allen Therapien bei allen Themen, im gesamten Leben), zu Partnerschaft und alles steht im Strudel der Zeit, der Entwicklung, der Veränderung. Das sind Fragen, die jeder Mensch, unabhängig von äußeren Anstößen, nur für sich allein beantworten kann. Ich mach das mal, ohne das Thema weiter zu fassen:

Weil dieses BDSM-Dings in meiner Seele steckt, empfinde ich BDSM als stärkeren Rausch im Vergleich zu anderen Varianten der Sexualität.

Zu diesem Beitrag im Forum.

03.06.2026 um 17:35 Uhr

Ausleben von Sexualität und Sehnsüchten dient doch nicht der Bearbeitung sexueller Themen, sondern der Befriedigung von naturgemäßen Bedürfnissen - für deren mehr oder weniger notwendige Erfüllung keine Krankenkasse wegen therapeutischer Ziele zahlen würde.^^

Das wäre es doch. BDSM als Kassenleistung! Die sind bei vielen anderen Therapieformen ja leider auch oft so knickrig :D 

 

Positiven Effekten auf andere Lebensbereiche, durch eine befriedigende Sexualität welcher Art auch immer, würde ich keine therapeutische Bedeutung beimessen.

Da geht es eben um die Definition des Wortes "Therapie". Es gibt doch viele Dinge, die postiven Einfluss auf das Wohlbefinden haben. Gesunde Ernährung, Sport, Freundeskreis usw. Sexualität ist ein Faktor von vielen. Wenn du den Begriff "Therapie" als medizinische Intervention mit klarem Ziel, die "Gesundheit" wieder herzustellen definierst, gebe ich dir natürlich recht. 

 

Es ist vielleicht nicht das Ziel sexuelle Themen zu bearbeiten, wenn man seine Sexualität auslebt. Es ist aber ein Nebeneffekt. Das ist mein Punkt.  

 

Ich finde interessant, dass du in deinem Kommentar sehr Psychotherapie-kritisch argumentiest. Ich glaube nämlich auch, dass ein 50 minutiges Gespräch einmal in der Woche nicht das ganze Leben rumreißen kann. Umso mehr bin ich von der Wichtigkeit der Lebenführung allgemein überzeugt. Ob du es nun Therapie nennen willst, oder nicht.

Zu diesem Beitrag im Forum.

03.06.2026 um 17:00 Uhr

G Schichtenrausch

Die Frage war, BDSM als Therapie?

Ja, geht, begrenzt, Voraussetzung ist der passende Partner bzw. die Partnerin.

 

Hallo G Schichtenrausch,

 

deinem Beitrag stimme ich überwiegend zu, möchte aber dem Zitierten anmerken:

Dann müsste auch das Ausleben einer erfüllenden Vanilla-Sexualität oder Homosexualität bei entsprechenden Neigungen als Therapie gewertet werden.  Ob das sinnig ist?

 

Grüße

Salimera

Zu diesem Beitrag im Forum.

03.06.2026 um 16:48 Uhr

Obscurius Optissimus

Vielleicht ist es mit tatsächlich praktiziertem BDSM ganz ähnlich. Überspitzt formuliert: Man tut es, damit man merkt, dass man es gar nicht braucht. Oder vielleicht, damit man merkt, was man tatsächlich braucht. 

Ob ich das Therapie nennen würde? Vielleicht wenn der Effekt sich auf andere Lebensbereiche überträgt. Wenn man durch die Bearbeitung seiner sexuellen Themen auch in anderen Bereichen des Lebens glücklicher wird. 

Die Frage ist, ob das tatsächlich passiert. Ich denke, das hängt davon ab, wie groß der Leidensdruck von Anfang an war.

 

Positiven Effekten auf andere Lebensbereiche, durch eine befriedigende Sexualität welcher Art auch immer, würde ich keine therapeutische Bedeutung beimessen. Ausleben von Sexualität und Sehnsüchten dient doch nicht der Bearbeitung sexueller Themen, sondern der Befriedigung von naturgemäßen Bedürfnissen - für deren mehr oder weniger notwendige Erfüllung keine Krankenkasse wegen therapeutischer Ziele zahlen würde.^^

 

Grüße

Salimera

Zu diesem Beitrag im Forum.

03.06.2026 um 15:50 Uhr

geändert: 03.06.2026 um 16:15 Uhr

Auch wenn mein Beitrag Verallgemeinerungen enthalten sollte, so stellen diese nur meine rein persönlichen Meinungen und Wahrnehmungen dar.

Hier TEIL 1 meiner Texttapete

 

Liebe Community,

liebe Clu, 

 

Manchem in deinem Beitrag kann ich zustimmen, einiges will ich ergänzen und aus meiner Perspektive heraus zurechtrücken, denn dein Weg, ist nicht aller Weg.

 

BDSM als Erkenntnisweg, Lustweg oder Holzweg?

 

In deinem Beitrag verwendest du hinsichtlich der bdsm-Neigung wiederholt die Begriffe „Heilung“ und „Verschwinden“ auf synonyme Weise, womit du auch durch Schilderung deiner persönlichen Entwicklung deine ursprüngliche Neigung eher pathologisiert hast. Gleichzeitig erweckt dein Beitrag den Eindruck, dass deine Erfahrung und Einschätzung vielleicht als repräsentativ für andere Kinkster zu sehen wären. Doch nicht bei allen anderen Kinkstern existieren irgendwelche  Knoten, deren Auflösung nötig, erwünscht oder heilbringend wären.

Nicht von positiven Triggern und lustvollen Kicks schreibst du bei deinem Weg ins bdsm-Erleben, sondern von einem motiviert sein; was sprachlich im Zusammenhang mit deinen (vermeintlichen) psychischen Knoten dann sicher angemessener formuliert ist.

Das erweckt den Eindruck, als wäre deine Motivation vielmehr ein Weg der Erkenntnissuche gewesen, und vielleicht erst rückblickend als solcher erkannt (oder deklariert) worden.

Für die meisten Kinkster ist und bleibt es wohl eher ein Weg der Lust und Befriedigung, und nicht der für einen Erkenntnisgewinn, durch den befriedigende Neigungen verloren gehen könnten/würden.

 

Sicher ist bei vielen die Faszination für bdsm in den Anfängen am stärksten und am aufregendsten. Man experimentiert, man tobt sich aus, und vieles nutzt sich nach einer Weile mehr oder weniger ab, wird vielleicht langweiliger, Grenzen werden erweitert oder Abneigungen können entstehen.

Im Alter werden wir dann sowieso alle ruhiger, weniger triebhaft, oder es finden sich andere Präferenzen oder Notwendigkeiten in der Lebensgestaltung. Solche Entwicklungen, oder Neigungsänderungen wie z.B. Rollenänderung,  haben aber nichts mit einer „Heilung“ im Sinne eines Auflösungsprozesses zu tun.

 

Psychotherapien:

 

Ganz allgemein bezweifle ich die psychotherapeutischen Möglichkeiten für „Heilungen“ der Psyche oder zur Veränderung der Art der Sexualität, die dann ja mit Persönlichkeitsveränderungen, mit einer Andersprägung, oder Verdrängung etc. verbunden sein müssten. Deshalb halte ich die Nutzung von Therapeuten ganz allgemein nur in wenigen Fällen für sinnvoll.

Für Menschen,

- die immer wieder jemandem das gleiche Jammerlied vorsingen wollen, um Freunde/Partner damit nicht zu belasten oder zu nerven

- als Begleitung und Unterstützung bei destruktiver Verhaltens- oder Suchtproblematik

- deren negative FlashBacks, entstanden aus bekannt intensivem Trauma, mit bestimmten Techniken evtl. zu reduzieren oder aufzulösen zu sind;  das Trauma selbst ist ja nicht zu beseitigen

- die nicht fähig sind, sich und aktuell belastende Bedingungen zu erkennen und richtig einzuordnen. Sicher könnten hierbei auch emphatische intelligente Menschen aus dem persönlichen bzw. Kinkster Umfeld mittels Gespräche hilfreich sein.

 

(Fortsetzung folgt)

 

Grüße

Salimera

Zu diesem Beitrag im Forum.

03.06.2026 um 15:39 Uhr

Toller Beitrag und spannende Diskussion. 

Meine Meinung dazu ist zwiegespalten. Bei einer Therapie denke ich immer an etwas, dem man sich zuwendet, wenn man einen Leidensdruck verspürt. Man erhofft sich durch die Therapie eine Besserung.

 

Bei BDSM ist ja sehr oft genau andersherum. Man hat eine nahzu unbeschreibliche Sehnsucht. Wenn es schön ist, wünscht man sich ja gar nicht, dass es weg geht. 

 

Der Leidensdruck könnte sein, dass man etwas verlangt, was man eigentlich gar nicht will. Vielleicht aus moralischen Gründen, oder weil es andere Lebensbereiche negativ beeinflusst. Oder, dass man es zwar will, aber nicht bekommt. Oder, dass man es unbedingt will und auch bekommt, aber dann totzdem unzufrieden ist. Vermutlich gibt es noch viele weitere Variationen. 

 

Vielleicht besteht die Genesung darin, dass man seine Sehnsüchte erfüllt um dann festzustellen, dass man es doch gar nicht so dringend gebraucht hat? Oder dass man sich selbst besser versteht und sich folglich das geben kann, was man braucht. 

Ich denke, dass ist generell ein Teil unseres Lebens. Wir haben Wünsche und Hoffnungen, machen dann Erfahrungen die sich vielleicht nicht mit unseren Erwartungen decken und müssen daraufhin unsere Vorstellungen überarbeiten oder anpassen. 

 

Ein witziger Fun-Fact, den ich erst neulich in einem Buch gelesen habe der das ganz gut illustriert: Es wurden Menschen zu ihren besten sexuellen Erfahrungen und zu ihren liebsten sexuellen Fantasien befragt. Eine sehr weit verbreitete Fantasie ist Sex mit mehreren Partnern gleichzeitig. 

Wenn man diese Fantasien aber dem Geschlecht und der sexueller Orientierung der Befragten gegenüberstellt, stellt man fest, dass es vor allem Heterosexuelle sind, die diese Fantasie haben. 

Wenn man konkret schwule Männer fragt, dann ist diese Fantasie deutlich weniger verbreitet. Wieso?

Die Erklärung, aus dem Buch war, dass schwule Männer es vermutlich am einfachsten haben, tatsächlich sexuelle Erfahrungen mit mehreren Leuten gleichzeitig zu machen. Und vermutlich sorgt diese Erfahrung in dieser Kohorte dafür, dass die Fantasie entzaubert wird. Es ist eben nicht so gut, wie man es sich vorstellt.

 

Vielleicht ist es mit tatsächlich praktiziertem BDSM ganz ähnlich. Überspitzt formuliert: Man tut es, damit man merkt, dass man es gar nicht braucht. Oder vielleicht, damit man merkt, was man tatsächlich braucht. 

Ob ich das Therapie nennen würde? Vielleicht wenn der Effekt sich auf andere Lebensbereiche überträgt. Wenn man durch die Bearbeitung seiner sexuellen Themen auch in anderen Bereichen des Lebens glücklicher wird. 

Die Frage ist, ob das tatsächlich passiert. Ich denke, das hängt davon ab, wie groß der Leidensdruck von Anfang an war.

Zu diesem Beitrag im Forum.

Alle Kommentare zu dieser Veröffentlichung.