Dominanz erlernen?
Ist Dominanz naturgegeben oder erlernbar? Wirkt eine bloß erotische Dominanz ernsthaft und echt, wenn Dom im Alltag kein Alpha-Tier ist? Und ist dominantes Verhalten glaubhaft, wenn man nur im BDSM-Kontext den aktiven Part spielen will?
Ein Blogbeitrag von Clu.
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12.10.2025 um 16:33 Uhr
Ein sehr schöner Artikel, der mich, diskutiert im "realen Leben", an einigen Stellen zum "weiterdenken", bzw. zum lange weiter diskutieren anregen würde.
(Das mit dem Zitieren übe ich noch)
Clu
Niemand ist dauernd dominant oder submissiv, und jedes ›andere Verhalten‹ muss erstmal erprobt werden. Schließlich haben viele eine ›Vanilla-Sozialisation‹ hinter sich, die aus historisch berechtigten Gründen (Frauenemanzipation) männliche Dominanz im Raum der Erotik nicht gerade befördert hat – ohne deshalb eine explizite(!) weibliche Dominanz beim Sex einfacher zu machen.
Besonders der Absatz hat mich an mich selbst erinnert. Bei einer allein erziehenden Mutter mit FlowerPower Hintergund ging es stets darum mich "stark&selbstbewußt&emanzipiert" fürs Leben zu machen, um niemals auf einen Mann angewiesen zu sein, um nie die gleichen (Zitat Mutter) Enttäuschungen wie sie erleben zu müssen. Im Grunde genommen ja gut, auch ich möchte das meine Tochter selbstbewußt durchs Leben geht. Was mir aber damals noch gefehlt hat, war die Freiheit und der Mut zu sagen, dass ich beim Sex garnicht so "stark&selbstbewußt&emanzipiert" sein möchte, wie ich es im realen Leben war, bin und wohl weiterhin sein werde, aus Angst davor, dann im "realen" Leben schwach zu wirken. Also eben doch nicht selbstbewußt, da ich mir meiner Selbst nie bewußt geworden bin.
So kann gesellschaftlich betrachtet "Dominanz lernen" vielleicht auch heißen, sich der eigenen Einflussnahme und der eigenen Kontrolle über Wünsche und Bedürfnisse bewußt zu werden um von Anfang an heraus zu finden, was für einen Selbst Erfüllung in der Sexualität bedeutet.
So wie G Schichtenrausch bereits erwähnte, fände ich solch eine Diskussion für ein breiteres Publikum ebenfalls erstrebenswert, damit die nächsten Generationen begreifen können, das Emanzipation nicht bedeutet, das nun die Rollen vertauscht werden sollten, sondern das es zu Augenhöhe zwischen den Geschlechtern kommen muß, damit jeder sich trauen kann, seine Wünsche zu formulieren und das alles, was in gegeseitigem Einvernehmen geschieht, erlaubt ist, ohne das gesellschaftlich gewertet wird.
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