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Forum - Schwatz: BDSMler unter sich - BDSM in den Medien

Radikalfeministische Sicht auf BDSM

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Devana

Autorin. Teammitglied.

13.09.2018 um 11:34 Uhr

Heute ist mir zufällig ein Artikel aus dem letzten Jahr über den Weg gelaufen, bei dem ich nicht weiß, ob ich darüber lachen oder weinen soll. Hätte ich Zeit und Lust, könnte man den Artikel so richtig schön zerpflücken.

Aber lest selbst:

Die Störenfriedas

Es ist aber immer wieder erstaunlich bis erschreckend, dass Feministinnen so große Probleme mit BDSM haben. Ich selbst empfinde es als höchst feministisch, mich ganz bewusst für meine Sexualität entscheiden zu können - abseits aller gesellschaftlichen Normen und Erwartungen.

Würde man hingegen von mir verlangen, meine Sexualität nicht mehr auszuleben, da sie nicht feministisch oder gar krank ist, dann wäre es in etwa so, als würde man einen homosexuellen Menschen raten, doch bitte hetero zu werden.

Natürlich gibt es schwarze Schafe in der BDSM-Männerwelt. Wahrscheinlich sogar mehr als uns allen lieb ist. Natürlich gibt es einige (pseudo-)dominante Männer, die ihr patriarchalisches Weltbild hinter dem Deckmantel BDSM verstecken (oder sogar offen dazu stehen). Aber das kann man doch bitte nicht verallgemeinern.

Aber auch hier muss man sagen: Diese Männer sind nicht nur in der BDSM-Welt zu finden.

Deshalb kann ich nur sagen: Augen auf und Gehirn an bei der Partnerwahl. Egal ob man nun BDSMler oder Stino ist. 

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Mai

Autorin.

14.09.2018 um 15:11 Uhr

geändert am 14.09.2018 um 15:11 Uhr

Natürlich gibt es einige (pseudo-)dominante Männer, die ihr patriarchalisches Weltbild hinter dem Deckmantel BDSM verstecken (oder sogar offen dazu stehen).

Jo. Mein erster dömmelcher Mann war so. Das ging  6 Wochen gut, als er dann das erste Mal zu mir sagte: „Spül mein Geschirr“, welches ich nicht mit verursacht hatte, nein, ich war eben erst gekommen, da antwortete ich nur „Ich geh jetzt eine rauchen. Wenn ich zurückkomme und du bist immer noch auf so einem seltsamen Film, dann fahre ich direkt wieder heim.“

Das war unser letztes Treffen, ich bin ja nicht meschugge.

Ein gewisses Grundgerüst des Feminismus tut allen Frauen gut. Submissiven ganz besonders, denn wir sind die Golden Retriever unter den Hunden mit unserer Gefallsucht.

Ansonsten, was Feministinnen über BDSM denken ist geschenkt. Ich verlange nicht, dass sie das verstehen können. Ich kann es ja selber manchmal kaum verstehen, warum mich so Schweinkram hot macht.

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hanne lotte

Autorin.

14.09.2018 um 21:12 Uhr

Ich kann verstehen, dass die radikalen Mädels mich nicht verstehen. Verstehe ich ja selber manchmal nicht.

BDSM ist immer eine Gratwanderung und nie verallgemeinerbar. Und es ist auch ein Widerspruch in sich, denn einerseits will ich die Kontrolle abgeben, andererseits habe ich im Hinterkopf immer die Option, dass ich den Spaß jederzeit abbrechen kann, wenn der Rahmen nicht mehr stimmt. Mich kostet es im Moment noch viel Kraft, diesen rationalen Teil außer Kraft zu setzen, wenn wir spielen.

In einem Punkt gebe ich den Radikalis recht - die wachsende Öffentlichkeit von BDSM ist tatsächlich ein Nährboden für ausufernde Prostitution mit SM Praktiken. Schon deswegen bin ich grundsätzlich gegen ein öffentliches Ausleben. Ich will mit meinem Spaß nicht die Ausrede für Missbrauch liefern.

Letzten Endes veht es in dem Artikel um nichts anderes als um Missbrauch. Dass das nicht für alle gilt, lässt sich nicht erklären. Isso.

Liebe Grüße

hanne

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12.10.2018 um 18:08 Uhr

Ich finde das schon konsequent, denn der aktuelle Feminismus der dritten Welle argumentiert eigentlich immer, dass Frauen nicht dazu in der Lage sind, eigene Entscheidungen zu fällen. Sie sind immer vom allmächtigen Patriarchat bzw. von den (weißen, heterosexuellen) Männern dazu gezwungen, bestimmte Entscheidungen zu treffen. Dazu gehören die Berufswahl, wer der Familie mehr Zeit widmet, wer sich um eine Beförderung bemüht. Eigentlich sprechen die aktuellen Feministen den Frauen pauschal die Zurechnungsfähigkeit ab. Gerade BDSM, wo es um ein Machtgefälle geht (wobei Feministinnen sicher wenig das Machtgefälle zwischen Domina und devotem Mann stören wird), stößt den Thirdwavers natürlich auf. Es gab auch schon Feministinnen in der zweiten Welle, die Sex-Negativ waren (Sex ist böse) und es gibt aktuelle Feministinnen, die sagen, dass jeder Geschlechtsakt zwischen einem Mann und einer Frau ein Missbrauch ist, so lange der Mann einen erregierten Penis hat (kein Witz).

Ein ganz wichtiger Punkt ist außerdem: Radikale Ideologien mit dem Anspruch auf absolute Wahrheit haben schon immer auf die Sexualität der Menschen gezielt. Am bekanntesten ist das Beispiel der Religion. Wem Sex durch eine Ideologie, an die er glaubt, verboten ist, der unterwirft sich. Denn man hat zwei Möglichkeiten damit umzugehen: 1. Man gehorcht den Geboten und wird auf das Gehorchen konditioniert. 2. Man verstößt gegen das Gebot und verspürt Scham und Schuld. Eine Person, die sich schämt und schuldig fühlt, wird versuchen, diese Schuld zu begleichen (Hundert Rosenkränze, zwanzig Ave Maria, beichten, fünf mal gen Mekka beten). Durch die Scham und die Schuld wird der oder die gesündigt hat ein eifrigerer Anhänger der Ideologie.

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Nachtasou

Autor.

03.02.2019 um 14:17 Uhr

Die von Manu Schon gesammelten und vorgebrachten Argumente sind verdammt stark. Und den möchte ich sehen, der sie mal eben zerpfllückt.

Die strukturalistische Vorgehensweise wappnet sich gegen den Vorwurf der "Einmischung". Die Methode, Umstände genau zu beschreiben, bevor man in ideologisches Handeln übergeht, kann sehr nützlich sein.

Was mich gerade dabei sehr wundert, ist, wie ´einfach´ übersehen wird, dass im BDSM das Unten-Oben gar nicht an Geschlechter gebunden auftritt. Das ist ein Umstand, zu dem ich nie etwas aus feministischer Ecke beantwortet gefunden habe. Daraus kann ich nur schließen, dass masochistische oder devote Männer als verirrt ausgeschlossen werden.

Das Begradigen der Wirklichkeit zur Reinhaltung einer Lehre ist mir im Ansatz schon unangenehm. Das heißt aber nicht, dass sie deswegen schon "falsch" sein muss.

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04.02.2019 um 14:28 Uhr

Für mich ist das alles Quatsch. 

Für mich ist es nicht wichtig, als Frau gleich behandelt zu werden, sondern als Mensch gerecht behandelt zu werden. 

Es geht nicht darum, ob jemand Frau oder Mann oder "Divers", ob jemand schwarz oder weiß, jemand "normal" oder "behindert" ist. 

Jeder Mensch sollte gerecht behandelt werden. 

Deshalb ist Feminismus für mich in der heutigen Zeit der falsche Ansatz. Vor hundert Jahren war das gut und richtig und hat etwas angeschoben. Heute sollten wir aber doch endlich mal drüber hinweg kommen, immer neue Fronten zu schaffen... immer neue Wir gegen Die. Teile und herrsche. So können die Feministinnen lange darüber reden, die Herrschaft des Patriarchats beenden zu wollen, wenn sie sich (möglicherweise) unbewusst instrumentalisieren lassen.

Meiner Meinung nach, geht es in dem Artikel auch vielmehr Missbrauch. 

Außerdem komme ich mir schon wieder geschulmeistert vor: Frau tut so etwas nicht, schäm dich!! Das ist nur vom Patriarchat eingeflüstert!

Das hat für mich nichts mit Feminismus zu tun.

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04.02.2019 um 19:55 Uhr

Die feministische Bewegung war insofern gut, weil sie viele positive Gesetzesänderungen auf den Weg gebracht hat.

Allerdings habe ich den Eindruck gewonnen das es ihnen nicht nur  um Gleichberechtigung geht, sondern eher um eine Art Umkehr der Machtverhältnisse. Damit verhalten sie sich nicht anders als ihre patriarchalischen Gegenspieler.

Ein Miteinander in Harmonie leben, gleich welcher Neigung man nachgeht sollte das eigentliche Ziel sein. 

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12.02.2019 um 01:43 Uhr

Mir ist wohl bewusst, dass unsere Welt alles andere als gerecht ist ... ob es nun gegen Frauen oder Asylbewerber oder den lokalen Kaninchenzüchter-Verband "wilder Rammler" geht. Es ist ein Muster, dass sich durchzieht: Immer wird eine Gruppe gebildet und übrig bleibt eine kleinere / schwächere Gruppe Außenstehender, gegen die man dann sein kann, was wiederum den Zusammenhalt der eigenen Gruppe stärkt und zu einer Art Burgfrieden im Inneren führt. Ein Trump baut lieber eine Mauer gegen Mexikaner, als eine vernünftige Krankenversicherung ... wer hätte gedacht, dass das so kompliziert ist.

Lustigerweise funktioniert die Gruppe der Feministinnen genauso, nach den gleichen archaischen Urtrieben: Andere runterzubuttern ist gut für meine Gruppe und hilft mir im Ansehen meiner Gruppe gut dazustehen. Gleichzeitig besänftigt es innere Streitigkeiten und Widersprüche, mit denen man sich beschäftigen müsste, wenn man nicht mehr gegen die da Außen wettern kann.

Jetzt weiß ich nicht, ob ich lachen oder weinen soll. Hey, BDSM ist inzwischen mehr als eine Marginalie, wenn sich sogar Feministinnen damit befassen! Andererseits ist es schade, dass sie ausgerechnet diesen Baum anbellen, wenn es doch meines Erachtens viel drängendere Windmühlen oder gar echte Probleme zu bekämpfen gäbe. Die Gehaltslücke, Prostitution, Unterrepräsentation in praktisch allen Schaltpositionen wirtschaftlicher und politischer Macht, ... da gibts sicher noch einiges, was wirklich messbar im Argen liegt, nicht zuletzt auch Gewalt gegen Frauen, die ich ausdrücklich verurteile von BDSM trennen möchte.

Noch dazu ist es so fruchtlos, denn die BDSMler sind ja alles andere als organisiert. Da kann man nicht medienwirksam "den" BDSM-Papst hinrichten und damit löst sich die ganze Bewegung auf. Offensichtlich ist der Dame vollkommen entgangen, dass BDSM wie eine Graswurzel-Bewegung von unten nachwächst, weil Menschen beiderlei Geschlechts an sich komplementäre Bedürfnisse entdecken und diese dann beginnen auszuleben. Es fühlt sich gut an, also macht man weiter, selbst wenn man durch allerlei verquere Vorstellungen von Normalität verschreckt ist und sich als pervers in Grund und Boden schämt.

Ja, es gab gewisse Fortschritte in der gesellschaftlichen Akzeptanz ... Aber die kritisierte Erotik-Industrie, die jetzt als Hype BDSM-Spielzeug verkauft, weil man an den BDSMlern sittenwidrige Perversenzuschläge verdienen kann, hat es eigentlich nie wirklich gebraucht. Schon immer wussten Menschen sich mit Spielzeug zu versorgen. Interessanterweise hat sie gar nicht das Internet verurteilt, weil es BDSM so leichtfertig unters Volk verteilt und diese "gefährlichen" Ideen ja immer nur einen Mausklick entfernt sind.

Am Ende bleibt der Eindruck, es redet eine Blinde von der Farbe. Wenn es sie nicht geil macht, ist das ja nicht schlimm. Aber dass sie es ausschlachtet, weil "sex-sells" ... selbst die abstrusesten Begründungen kann man scheinbar mit Sex verbreiten. OK, dann lese ich doch lieber Schlagworte auf Femen-Brüsten ... die einzigen Brüste, die mann absolut ohne schlechtes Gewissen anstarren darf, oder?

LG private_lock

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