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Wo ist die Grenze zwischen erotischer und pornographischer Literatur?

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29.08.2010 um 11:35 Uhr

Als Neuer weiß ich nicht, inwiefern diese Frage hier als uralt, naiv oder unwichtig betrachtet wird. Mich beschäftigt sie, und mich würde interessieren, was ihre dazu meint und wo ihr SZ seht.

Hier mal meinige Vorschläge (PL/EL = pornographische/erotische Literatur):

1. PL betrachtet Menschen als Objekte, reduziert sie auf sexuelle Funktionen und Handlungen ohne Interesse für das innere Erleben. EL gestaltet Figuren und legt den Fokus auf deren Bewusstsein im Zusammenhang mit sexuellen Erlebnissen.

2. PL verwendet vulgäre Worte für gewisse Handlungen und Körperteile, EL umschreibt das mehr oder weniger blumig, fantasievoll und poetisch.

3. PL hat die direkte Absicht den/die Leser/in zu erregen. EL geht es primär um ein Thema im sexuellen Kontext, und dass die Lektüre erregen kann, wird billigend in Kauf genommen.

4. Die Definition von PL folgt dem Gesetzgeber (FSK18).

Ich meine:

Punkt 1. trifft am besten, und damit wäre in SZ wohl kaum etwas PL.

Die Wortwahl (Punkt 2) spielt eine Rolle, aber nicht die entscheidende: Auch EL kann derbe Worte in wörtlicher Rede oder zur Dramatisierung des Geschehens verwenden.

Punkt 3 könnte sogar umgekehrt stimmen, da EL viel raffinierter vorgeht und eine erheblich erregendere Lektüre bietet als PL, die schnell langweilig und widerlich wird. Die Absicht selbst ist wohl bei EL und PL gegeben - oder etwa nicht?

Und Punkt 4 führt auf die anderen Punkte zurück, beantwortet die Frage also nicht.

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Profil unsichtbar.

Gelöscht.

29.08.2010 um 12:43 Uhr

Für mich persönlich, beginnt Pornographie dort, wo der Gesetzgeber seine Hand drauf hat, also bei eindeutig "ordinärer" Wortwahl und entsprechenden Szenen. Oft sind die Grenzen fliessend und auch ein wenig vom Auge des Betrachters her zu berücksichtigen. Wenn man es von rein juristischer Warte aus betrachtet, gibt es natürlich relativ klare Rahmenbedingungen, wo Erotik aufhört und Porno beginnt. Man kann auch beides vermischen und bekommt trotzdem einen FSK-18-Text dabei heraus. Ich denke aber, was die Details betrifft, können dich hierbei die Mods besser aufklären. Dies hier ist nur die Warte einer Hobbyautorin

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Jona Mondlicht

Autor. Teammitglied. Vereinsmitglied.

29.08.2010 um 14:06 Uhr

Hallo Nachtschatten,

ich persönlich empfinde den von Dir formulierten Punkt Eins als treffendste Beschreibung. Literarische Pornografie ist das, was sich auf handlungs- und umfeldfreie Texte beschränkt. Wie Du es schreibst: Die Reduzierung handelnder Personen auf bloße Objekte.

Nun ist es aber entscheidend, in welchem Kontext Du die Frage stellst: Als Autor, der seinen Text entsprechend plant oder einordnen will? Dann ist viel Spielraum für Dein eigenes Empfinden. Wenn Du allerdings die Frage darauf beziehst, ab welchem Punkt Texte auf den Schattenzeilen hinter den Jugendschutz gestellt werden müssen, dann ist insbesondere der von Dir genannte Punkt Vier ausschlaggebend.

Liebe Grüße

Jona

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10.09.2010 um 00:12 Uhr

Die Position des Gesetzgebers finde ich, da deutlich über 18, persönlich irrelevant, die muss auf einer Seite wie SZ nur aus praktischen Gründen in Betracht gezogen werden, der Gesetzgeber hat aber durchaus nicht die Weisheit mit Löffeln gefressen. Bei Filmen ist offensichtlich das Kriterium, dass keine Vagina und kein steifer Penis gezeigt werden darf. (Auf arte nach 23 Uhr gab es gelegentlich löbliche Ausnahmen, wo so was im Kontext der Handlung auch gezeigt wurde und Sinn ergab ohne pornographisch zu wirken, z.B. in den Filmen "Romance" oder "Das Mädchen Grete Tippels")

Hier bei SZ empfinde ich kaum einen Text als pornographisch selbst wenn er sich einer direkten Ausdrucksweise bedient, weil doch meistens das innere Erleben, die Ängste, Sehnsüchte, Frechheiten im Vordergrund stehen und das rein körperliche Geschehen dem nachgeordnet ist. Dass viele der Texte Lust ausdrücken und Lust machen oder das zumindest versuchen, empfinde ich nicht als "verwerflich", denn das ist ja - das Leben, die Lebensenergie und was SZ beflügelt

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Wiking

Autor.

26.09.2010 um 09:22 Uhr

Hallo, Bittersüßer-Nachtschatten!

die Grenzen sind natürlich fliessend - aber entscheidend sind für mich die Wortwahl und der Blickwinkel des Erzählers:

Pornografie zeichnet sich für mich dadurch aus, die schönsten Spielzeuge der Welt mit Vulgärausdrücken zu belegen, die agierenden Personen auf ihre rein körperlichen Handlungen zu reduzieren und den Geschlechtsakt genau zu beschreiben. Oft nach dem Motto - je vulgärer und je brutaler, umso besser. Meine eigene Fantasie bekommt dabei nicht gerade Flügel.

Erotische Literatur hingegen beschreibt den Geschlechtsakt nur so weit, wie es für das Verständnis der Geschichte nötig ist und fokussiert vor allem auf die Gefühle und die Gedanken der handelnden Personen. Man kann sich in die handelnden Personen hineinversetzen. Es wird nicht der Geschlechtsakt, sondern eine erotische Situation beschrieben und eine Stimmung geschaffen, die Raum lässt,sich seine eigenen Bilder dazu zu denken. Durch diese Bilder kann man dann mit seiner eigenen sexuellen Fantasie auf Gedankenreisen gehen. Und deswegen beschreibt erotische Literatur die Dinge auch nicht vulgär, sondern so, wie der Leser sie auch selbst im Alltag bezeichnen würde.

Und mit dieser Sicht der Dinge bin ich froh, dass bei den Schattenzeilen pornografische Literatur so weit wie möglich ausgeblendet wird und dass ich hier stattdessen (überwiegend) erotische Literatur finde als Benzin für meine Fantasie, als Anregungen für das Kopfkino und vielleicht auch mal als alltagstaugliche Idee.

Auf weiteren erotischen und nicht pornografischen Lesegenuss!

CCAR

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16.07.2011 um 20:15 Uhr

Moin

Für mich eine schwere Frage. Zuviele individuelle Ansichten spielen da mit hinein. Ist plump sofort Pornographie ? Nur weil die "richtigen" Worte fehlen? Ist deutlich sofort Porno?

Ist Porno nicht auch Erotik - nur mit der Tendenz , die Masse zu bedienen? Nur - warum ist dies so? Will die Masse dies oder wird es einfach behauptet?

Viele definieren Bdsm/Fetisch auch als Porno und sind der Ansicht , es müsste verboten werden. Wie will man das nun festlegen?

LG H-l

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" Freiheit liegt jenseits der Mauern, die wir uns selbst errichten . Nichts ist so wie es scheint und doch ist alles so wie es ist. "

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donna

Autorin. Vereinsmitglied.

17.07.2011 um 23:42 Uhr

Für mich stellt es sich wie in der Malerei dar.

Plump, offen, provokant, aufgerissen, alles gezeigt und vorgeführt ist für mich pornographisch.

Angehaucht, selbsthinein träumend, interpretierend, andeutend, verhaltend zeigend, das Umfeld, das Ambiente zurückhaltend angepasst.

Das ist für Mich! erotisch.

Aber, es ist wohl wie in allen Geschmacksfragen......

Jeder schmeckt anders scharf

donna

Signatur

Man muss erleben, was falsch war, um zu wissen, was das Richtige ist!

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lucyinthesky

Autorin.

06.10.2011 um 10:00 Uhr

Für mich stimmt 1.) am besten. Wobei ich mir bewusst bin, dass meine Geschichten irgendwo dazwischen oszillieren, zumindest im Normalfall. Ich interessiere mich einerseits für das Gefühlsleben und die Motivation der ProtagonistInnen, andererseits schreibe ich auch gerne 'grafische' Szenen.

Wie's beim Leser/der Leserin ankommt, interessiert mich während des Schreibens eher weniger. Wem's gefällt, soll's lesen, die anderen können es gerne sein lassen.

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If it makes me happy, it can't be that bad.

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Delphyn

Autor.

21.10.2011 um 15:56 Uhr

Mich fasziniert gerade das Wort 'oszillieren', das Lucy verwendet hat, weil ich denke, daß es genau darum geht. Was osziliiert, ist in Bewegung. Hat Variationsmöglichkeiten. Ist nicht nur x oder y, sondern vielleicht auch irgendwas dazwischen oder was ganz anderes. Und das wäre für mich eher ein Indiz für erotische Literatur, während ein Porno sich 'auf das Wesentliche' reduziert und alles andere wegläßt.

Was ja auch nicht schlimm ist. Also wenn ich mir einen Porno angucke, dann mag ich da keine Stadtführung o.ä. sehen, sondern eben Porno pur. Wenn ich ne Stadtführung sehen will, dann schau ich mir die an. Und in pornographischer (!) Literatur... suche ich ehrlich gesagt die einschlägigen Szenen. Vielleicht auch, weil der Rest gelegentlich absolut uninteressant ist, bloße Seitenschinderei. Im Gegensatz zur erotischen (!) Literatur, wo dieser 'Rest' mindestens genauso interessant sein kann wie die beschriebene Erotik --- oder: aus der Atmosphäre dieses 'Restes' ERGIBT sich die Stimmigkeit des ganzen Textes --- und ob auch die Erotik wirklich paßt oder vielleicht nur zur Auflagensteigerung reingewürgt wurde.

In dem Zusammenhang aber ein forum-orts-unpassender Tipp: 'A room in Rome' (Ein Zimmer in Rom) --- der mit Abstand beste erotische Film (! erotische, nicht Porno), den ich bisher gesehen habe, lief im Sommer im ZDF-Nachtprogramm. Da kommen auch sexuelle Szenen vor, und es geht eigentlich in dem ganzen Film darum, daß zwei Frauen miteinander schlafen --- und doch geht es auch um viel, viel, viel mehr. Unbedingt anschauen!!

meint

Delphyn

Signatur

Aus Glasperlen ein Fenster bauen, so groß wie dein Lächeln. So reich wie deine Lust.

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Möhrchen

Autorin.

24.10.2011 um 13:12 Uhr

Ich zitiere hier einfach mal einen Satz von Ken Follett (dem ich mich voll anschließe):

Eine Sexszene ohne Gefühlsaufruhr ist Pornografie.

Und übrigens - obwohl ich so gar keine Freundin von erotischen oder eher pornografischen Filmen bin, in denen es um zwei Frauen geht - kann ich die Empfehlung von "Room in Rom" sehr bestätigen. Gefühlskino plus!

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