Der lange Weg nach Hause
Wir treffen uns alle zwei Wochen. Alle 336 Stunden habe ich die Möglichkeit, jene Worte auszusprechen, die mir so sehr auf der Zunge brennen, doch ein ums andere Mal verschiebe ich es auf unsere nächste Begegnung.
Eine BDSM-Geschichte von Valérian Bourreau.
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Ab und an fühlt man sich sogar etwas aufgeräumter danach...
02.06.2026 um 12:31 Uhr
Lieber Valerian!
Mir hat deine Geschichte sehr gefallen. Dass die Wahl der Sprache so sehr kritisiert wurde, kann ich ehrlich gesagt nicht nachvollziehen. In deinem Protagonisten sehe ich einen vor allem verklemmten und mit Komplexen durchzogenen Neurotiker. Eigentlich feinfühlig, drückt er durch seine aufgesetzt grobe Art seine wahren Gefühle von sich weg. Ich fand das sehr authentisch. Für meinen Geschmack hätte die Sprache gerne auch noch vulgärer sein können. Wenn man nicht weiß, wer man ist, nimmt man eben das Verhalten seines Umfeldes an, auch wenn es nicht zu einem passt. Der Alkohol und der Säufer-Jargon sind dafür das perfekte Sinnbild.
In deiner Geschichte wird wieder die Jammerlappen-Sub-Thematik angerissen.
>>Schmeckt irgendwie schal, was wahrscheinlich an mir liegt.<<
Es gibt verschiedene Arten von Masochismus. Viele BDSMler, die ich kenne, hätten gerne, dass die einvernehmliche Vorliebe komplett losgelöst von sonstigen psychologischen Komplexen existiert. Dein Protagonist zeigt eben, wie es aussieht, wenn das nicht der Fall ist.
Dein Protagonist kriecht förmlich durch die Welt, beleidigt sich selbst, tritt sich selbst, sabotiert sich selbst. Er verlangt nach dem Leiden und der Bestrafung so sehr, dass er sich alles Gute und Glück, das sein Leben eigentlich zu bieten hätte, selbst verweigern muss.
Man hätte das Ende noch weiter treiben können: Jetzt hat er sich schon den Mut angesoffen, ihr zu schreiben. Er macht es aber am dümmsten nur denkbaren Moment auf die dümmste nur denkbare Weise, um sie garantiert zu vergraulen. Er nimmt sich selbst das Glück, das zum greifen Nahe ist. Fällt wieder zu Boden und leidet, alleine, zurückgewiesen und gedemütigt.
Das wäre konsequent.
Ich denke, was der Geschichte fehlt, ist die Alternative. Du beschreibst diesen Menschen sehr gut, aber ich persönlich wünsche mir eine Kritik an seinem Verhalten und seiner Neurose. Vielleicht ein Gegenspieler, der zwar ebenfalls diese Vorliebe hat, es aber geschafft hat, gut zu sich selbst zu sein und sich das zu geben, was er braucht.
Sabine kann deinen Protagonisten nicht retten. Das kann er nur selbst.
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