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Schattenzeilen

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Forum - BDSMler unter sich - Ledersofa

Traum und Wirklichkeit

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Gregor

Autor.

13.08.2020 um 11:44 Uhr

Wie ist das mit dem Leben und den Träumen?

Was setzen wir um? Was bleibt besser im Kopf?

Ich fange mal locker an.

Beginnen wir beim Schreiben.

Schreiben wir nicht, weil ein Leben in unserem Leben nicht genug ist? Durch Geschichten, so geht es mir, erweitere ich meine Existenz um eine weitere Ebene. Ich lebe das in meinem Kopf, was ich schreibe. Es ist doch so, zum Beispiel mit diesem 24/7. Klingt gut, sagenhaft aufregend, die Krönung der Submission. Aber gelebt? Das ist eine satte Kraftanstrengung, ich denke, nach drei Stunden Käfig wird es langweilig und dann schrumpft die Überzeugung zum umfassend befriedigenden, komplett ausfüllenden 24/7.

Und nicht nur Schreiben, auch Kunde sein, auch so eine Wohnungsgeschichte sind Erweiterungen des Lebens. Es geht doch schon als Kind los. Feuerwehrmann. Lokomotivführer, Indianerhäuptling, etwas später die sexuell motivierten Träumereien, Gefangener, Frauensklave sein, oder selbst eine Frau dominieren. Ich breche es mal auf etwas Einfaches runter. Schon die Urlaubsreise, diese Sehnsucht nach gutem, ausfüllendem Leben ohne Alltagspflicht ist Ausdruck, dass ein Leben nicht genug ist.

Ist das richtig?

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† Folgsame O

Gelöscht.

13.08.2020 um 16:23 Uhr

Hallo Gregor,

aber wer sagt denn, dass 24/7 bedeutet, den ganzen Tag im Käfig zu stecken? Vielleicht ist 24/7 genau das, was mich ausbrechen lässt, eben wie der Urlaub oder das Schreiben bei dir.

Ich glaube, jeder hat Träume, die nicht umsetzbar sind oder mangels Gelegenheit ewig unerfüllt bleiben, vom klassischen Lottogewinn bis zum eigenen Pferd, zum ersten fehlt mir das Glück, zum zweiten das Geld und die Zeit. Das macht das Leben aber doch nicht unerfüllt. Das wäre es erst dann, wenn ich so gar keine Träume mehr hätte neben der Wirklichkeit.

Viele Grüße

Folgsame

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Devana

Autorin. Lektorin. Teammitglied.

13.08.2020 um 23:03 Uhr

Hallo Gregor,

es ist doch eine wunderbare menschliche Fähigkeit, sich in andere Welten träumen zu können. Sei es in Gedanken, beim Schreiben, beim Lesen, beim Erzählen, beim Zuhören.

Für kurze Zeit kann man in andere Welten abtauchen, gedanklich in andere Rollen schlüpfen oder auch in Rollen, die man sich in der realen Welt vorstellen könnte. Sozusagen ein Austesten, wie sich das anfühlt. Man kann auch andere Helden anfühlen lassen.

Ohne die menschliche Fähigkeit gäbe es keine Fantasie. Eine recht traurige Vorstellung, wie ich finde.

Insofern genieße ich es lieber, dass mir ein Leben nicht genug ist.

Devana

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Nachtasou

Autor.

14.08.2020 um 00:00 Uhr

Zur schönen, heilen Welt des BDSM gehört auch die Rückseite des Mondes.

Da nun jeder von sich selbst ausgeht, würde man gerne Träume in die Nähe von deren Erfüllung rücken. Der eine gewinnt im Lotto, die andere sitzt zwei Stunden im Käfig … wer würde es ihnen verdenken und versagen wollen.

Der Dritte unterwirft sich ganze Landschaften, der vierte träumt von Sex ohne Einvernehmen oder hat Albträume. Auch mit positivem Menschenbild ist anzuerkennen, dass eine ´Firewall´ zwischen Wunsch und Wirklichkeit existieren m_u_s_s. Und wer möchte den Richter spielen, zu unterscheiden, was zulässig ist und was nicht. Die Kulturen einigen sich halt irgendwie auf Bedürfnis-Unterdrückung. Unter dieser leiden dann alle, aber alle profitieren davon auch.

Solang es im Kopf des Einzelnen bleibt und nicht ausgelebt wird, kann jemand sein wie und was er will. Da gibt es keine Kontrolle außer der eigenen.

Kunst ist so eine Art ´Scheinblüte´ auch für alles mögliche, was in der Realität nicht existieren muss, darf oder kann. So wird im Krimi nebenbei die Neugier, das Mitwissertum und Sensationslust, durchaus ´auf Kosten (eben illusionierter) anderer´ gestellt.

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hanne lotte

Autorin. Lektorin. Förderer.

14.08.2020 um 23:13 Uhr

Gregor

Das sind gleich zwei Fragen auf einmal. Die eine nach dem versteckten Zweck des Schreibens und die andere nach der Büchse der Pandora ... die Geister, die ich rief ...

Die erste ist einfacher zu beantworten.

Ja, Schreiben gibt mir die Möglichkeit, andere Dimensionen zu erschließen. Mich zu verkleiden irgendwie oder in eine Rolle zu schlüpfen. Das hat auch was von Ausprobieren, Devana hat von Austesten geschrieben und dem stimme ich zu. Manchmal ist es auch ein bisschen Flucht.

Für mich bedeutet Schreiben auch, Fragen zu Ende denken zu können, indem ich die verschiedenen Facetten betrachte und teste. Hilft damit auch bei Meinungsbildung. Kennst du das? Du gerätst fast im Vorbeigehen in eine bestimmte Situation oder musst dich entscheiden und dann spielt sich der abgewählte Weg in deinen Kopf und entwickelt sich weiter?

Oder irgend ein Bild oder ein Geräusch lassen Empfindungen oder weitere Bilder entstehen, die auf eine Erklärung und eine Geschichte drängen?

Manchmal denke ich, ich sollte Thriller schreiben, aber dann bekomme ich Albträume von meinen eigenen Bildern.

Die andere Frage nach dem „Überlege dir gut, was du dir wünschst“ ist schwerer zu beantworten, das wird heute nix mehr.

hanne

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Gregor

Autor.

15.08.2020 um 14:49 Uhr

Ja, hanne lotte, schreib Thriller, Albträume von eigenen Bildern bekommst du, denke ich, nicht. Im Gegenteil, du wirst Herrin Deiner Bilder, beherrschst sie, indem du sie in deinen Focus holst. Und Thriller sind noch nicht die Grenze des im Kopf Erreichbaren. Nachtasou hat mal irgendwo geraten, ohne Grenzen zu schreiben, nur für einen selbst, und ich denke, das befreit, ganz ohne Schere im Kopf, denn damit kommst du in Ebenen, die Devana vielleicht mit ‚Austesten‘ meint.

Ein bisschen Flucht durch Schreiben? Klar, aber mehr Erweiterung der begrenzten Dimension des Alltäglichen.

Abgewählte Wege im Kopf weiterentwickeln? Ja, noch mehr aber nicht erkannte Gelegenheiten weiterdenken, Situationen wie einen Film abspielen und dabei die Dinge laufen lassen, Bilder, Geräusche, Empfindungen einbeziehen, sie werden ganz selbstverständlich Teil der Geschichte.

Kann man Fragen durch Schreiben zu Ende denken? Du sagst ja. Da geht noch viel mehr. Schreiben ist ein Geschenk, denn du hast immer wieder Möglichkeiten. Das unterscheidet ja Schreiben vom Leben. Machst du etwas im Leben, ist es da, wirkt konsequent, ist in der Welt und getan. Du kannst nicht korrigieren. Im Schreiben bist du Gott deiner Möglichkeiten.

An „Überleg dir gut, was du dir wünschst“, traue ich mich im Moment nicht ran. Später.

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