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Forum - BDSMler unter sich - BDSM in den Medien

Scheiß auf die öffentliche Akzeptanz!

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Nachtasou

Autor.

13.04.2019 um 15:24 Uhr

geändert am 13.04.2019 um 15:55 Uhr

Subkulturen werden ans Licht gezerrt, verhökert, trivialisiert und zum Modeartikel. Fetisch auf dem Catwalk der Modedesigner? Das mag auf den ersten Blick wie Normalisierung ausschauen. Ein Danaer-Geschenk ist das, ein Sargnagel. Im Wort Normalisierung steckt auch die Normierung.

Ich finde mich in der öffentlichen Akzeptanz, die eine Ikea-Schublade zum Zusammenschrauben herstellt und alle Aussichten zustellt, nicht mehr wieder. Die Perspektiven, die BDSM ausmach(t)en, gehen verloren. Erschien mir Outing früher schon unnötig, ist das inzwischen völlig unmöglich, weil ich damit in einer vorsortierten Schublade öffentlicher Meinung lande.

BDSM ist keine Lebensweise oder Lifestyle, sondern eine Seinsweise, und keine frei wählbare. Jahrzehntelanges Ringen um eine gemeinsame Ausdrucksweise des Allerprivatesten sind für die Katz, weil nur sichtbare, plakative, augenfällige Zeichen übrig bleiben. Die vielfältigen, auch theoretischen, Bemühungen von Szenen (Schwule/Lesben, Leder, Fetisch, SM …) zusammenzufinden, eine interne Toleranz zu entwickeln, lösen sich in einer Spaßkultur auf, die mehr Mitleid als Freude erregt. Allein das Akronym BDSM ist Ergebnis solcher Auseinandersetzungen gewesen. Bei SoG z.B. gewinnen wieder die Trauma- und Retro-Klischees. Ein Schritt zurück ist das.

Ich meide inzwischen Artikel in der Boulevard-Presse über BDSM, worin „Erkennungszeichen“ und „Rituale“ und „SSC“ als Schnellbackmischung für die Sexkonditorei beschrieben werden. Raumfahrt für 12-jährige erklärt.

Zufall ist es nicht, dass sich Ehemalige in Szenen zunehmend in private Kreise zurückziehen, leider wieder zerstreuen, und das öffentliche Feld als verloren aufgeben. Kultur ist Ausdruck, eigener Ausdruck, und dieser gerät zum Konsum, was das glatte Gegenteil davon ist. Die öffentliche Meinung ist amorph, gesichtslos und vor allem unzuverlässig und ohne eigenen Antrieb, mehr Eindruck als Ausdruck. Was sie akzeptiert, ist schon verloren.

Sei´s drum. Jede Revolution frisst ihre Kinder. Der sexuelle Umbruch der 70´er Jahre, nach jahrzehntelanger politischer und soziologischer Vorarbeit  musste auch Filme wie "Es jodelt in der Lederhose" aushalten.  

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15.04.2019 um 02:21 Uhr

Sonntag. Tatort. Ein Mord steht an. Familienunterhaltung. Könnte auch an Feiertagen Rambo Teil X sein.

Diskussionen über Sexualität, überhaupt dann, wenn es keine Mainstreamformen sind, werden nicht vor 23 Uhr ausgestrahlt - praktisch so gehandhabt wie die Freigabe der Texte hier auf Schattenzeilen. Tötungsrituale würde vor 23 Uhr keinen besonderen Auflagen unterliegen.

Kurzum: Die Tötung von Menschen zur Schau zu stellen hat eine öffentliche Akzeptanz, Sexualität hingegen nicht ohne weiteres. Das sagt schon viel über die Struktur unserer „Werte“. 

Ich habe kein Interesse daran, meine Neigungen öffentlich zu machen. Es geht auch nur wenige Menschen wirklich etwas an. 

Aber etwas nicht öffentlich machen zu wollen oder es nicht zu veröffentlichen, weil ansonsten der berufliche Absturz zu erwarten ist, sind Gründe, die unterschiedlicher nicht sein könnten.

Da hat sich trotz aller sexuellen Revolutionen kaum was verändert. 

Unerwähnt darf man aber nicht lassen: Es ist nicht strafbar, schwul, lesbisch oder eine BDSM-Neigung zu haben. Verachtung kann einem aber sehr wohl begegnen.

Ein HOCH auf alle, die sich unter schwierigen Bedingungen geoutet haben (auch um die öffentliche Akzeptanz zu verändern)!

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Hekate

Autorin.

01.05.2019 um 19:56 Uhr

Das klingt gut hier, ist aber nicht so. Weshalb heißen die Schreibenden in diesem Thema Nachtasou, handverlesen und Hekate? Weshalb stehen Sie nicht mit ihren korrekten Namen hier, wenn öffentliche Akzeptanz egal, oder, bleiben wir im Thema, kaviarbedeckt ist.

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hanne lotte

Autorin. Lektorin.

01.05.2019 um 21:13 Uhr

Hekate

Das klingt gut hier, ist aber nicht so. Weshalb heißen die Schreibenden in diesem Thema Nachtasou, handverlesen und Hekate? Weshalb stehen Sie nicht mit ihren korrekten Namen hier, wenn öffentliche Akzeptanz egal, oder, bleiben wir im Thema, kaviarbedeckt ist.

Weil das zwei Seiten einer Medaille sind.

Es ist mir egal, was andere von BDSM an sich halten, ich glaube sowieso nicht, dass es irgendwann in irgendeiner Form tatsächlich Akzeptanz für nicht normgerechte Lebensweisen gegeben hat. Da hat Euphorie vieles beschönigt.

Sich zu outen ist ein ganz ander Ding. Ich bin Teil einer Gemeinschaft und das mit den vielen anderen Attributen - Mutter, Kollegin, Freundin, Nachbarin, ... - und ich werde den Teufel tun, mich auf meine sexuelle Neigung zu reduzieren, was zwangsläufig die Folge wäre.

Gruß

hanne

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Söldner

Autor. Lektor. Förderer.

02.05.2019 um 07:05 Uhr

geändert am 02.05.2019 um 07:06 Uhr

Weshalb, Hekate: sollten private Dinge öffentlich vollzogen werden? Auch in harmlosen Literaturforen diskutieren die Menschen nicht mit ihren richtigen Namen. Austausch findet anonym statt. Es gibt keinen Grund, sich zu outen. Die Öffentlichkeit hat keinen Einfluss auf mein Privatleben. Es gibt keinen Grund, Privates öffentlich zu machen.  

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† Don Jon Charles

Gelöscht.

02.05.2019 um 15:44 Uhr

Ich bin ein Freund des Skurrilen oder wenigstens der Provokation. Bewegung ist gut, Reibung erzeugt Wärme. Aufregung und Erregung gehen manchmal ein Bündnis ein. Ich betrachte also ein Foto eines DamenWäscheTrägers, ein kräftigerer Mann, jenseits der 40, behaart, das für mich jeder Ästhetik entbehrt dafür aber im Grunde brutal ehrlich ist.

Ob nun Profilbild oder Kontaktanzeigenfoto ist ja egal, nur ich kenne die oft sehr oberflächliche Schwule Community, da es der Mehrheit der Jungs um Männlichkeit geht, kann das eigentlich nicht seine Zielgruppe sein. So lieb und nett der Profilinhaber oder Anzeigenersteller sein mag, ich bin mir nicht sicher ob mich das als Frau optisch ansprechen würde. Son kuschelig, entspannter, sanfter Bär kann sexy sein.

Die Kleidung scheint nicht an den Mann zu gehören aber warum eigentlich nicht?

Läuft man so durch eine größere Innenstadt und achtet auf das Verhältnis von Kleidungsangeboten für Frauen und Männer gibts da eine krasse Angebotsdisbalance. Gefühlt kommt auf Drei Etagen Frauenkleidung eine für uns Männer. Ganze Produktgruppen im DM sind ausschließlich an die Zielgruppe der Frauen gerichtet.

Die TV- und Werbebilder, die optische Ideale transportieren, teile ich nicht unbedingt ich finde das eine Frau mit etwas mehr auf den Rippen sich viel besser anfühlt.

Ein Fuß kann sexy sein auch ohne, Körper aufrichtenden, Stöckelschuh.

Nur würde man nie von einem Brustfetisch sprechen, wohl aber von einem Fußfetisch. Brüste gut finden ist kein Fetisch.

Okay also, dass dir figurbetonende oder auch kaschierende Frauenkleidung an Frauen gefällt ist gewollt aber nicht das du die selbst trägst.

In Bezug auf Reizwäsche ist sie also eine Mischung aus für die kaufende Kundin gemacht und dem Mann gefallend. Jetzt ist es schon ein wenig unfair, dass bestimmte weiche Stoffe bei dem Kleidungsangebot für Männer gar nicht vorkommen. Noch bemerkenswerter wird es, wenn man feststellt das relativ viele Designer der größeren Mode bzw. Kleidungshersteller schwul sind.

Wenn ich mich richtig erinnere dann ist ein Fetisch doch die Verknüpfung des sexuellen Triggers an ein Objekt. So kann theoretisch jedes Objekt sexuell aufgeladen werden und sei es ein Parfüm, Latex oder Leder.

Ich manipulativer Romantiker greife dann nicht auf den Ehering zurück sondern auf das Halsband um die Augenhöhe zu beenden.

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Mai

Autorin.

03.05.2019 um 15:30 Uhr

Letztlich ist es mir schlicht egal. Öffentliche Akzeptanz oder nicht spielt für mich einfach überhaupt keine Rolle. Ich verstehe dass man sich für seine Rechte stark macht, wenn es um die sexuelle Ausrichtung geht. Sprich darum „wen“ man liebt. Sei es ein Mann, eine Frau, einen Luftballon oder eine Gummipuppe. Die Neigung, also das „Wie“ spielt für die Öffentlichkeit keine Rolle.

Denn das spielt sich bei mir in den eigenen vier Wänden ab. Ich finde es gut, dass es heute sehr komfortabel ist, sich über das Internet zu informieren und endsprechende Partner zu finden. Das hat einen echten Vorschritt gebracht. Ansonsten sind mir entsprechende Treffen ziemlich gleichgültig, für mich ist es ausschließlich entscheidend, dass mein Partner auch drauf steht, darüber hinaus hab ich ja mit niemandem Sex, brauche keine Zuschauer, oder Freundeskreise, mit denen ich mich zusammen  elitär fühlen kann.

Anders sieht es aus, wenn man sich gewerblich damit beschäftigt. Sei es, dass man Partyveranstalter ist, ein entsprechendes Forum betreibt oder sonst etwas. Dann ist man auf eine Akzeptanz angewiesen. Und die ist noch absolut nicht gegeben.

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16.05.2019 um 17:46 Uhr

geändert am 16.05.2019 um 18:42 Uhr

Nachtasou: Für den Text kann ich Dich gar nicht genug "herzen" !!

Beim Lesen dachte ich nur "Danke, Danke, Danke!" das es noch andere gibt, die genauso denken!

Und leider hat das von Dir so richtig beschriebene zurückziehen der alten Hasen hier in Berlin tatsächlich zum schließen fast aller (BD)SM-Clubs geführt. Was jetzt noch übrig ist sind in erster Linie Swinger- , Sex- oder Nachtclubs.

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Jona Mondlicht

Autor. Lektor. Teammitglied. Förderer.

16.05.2019 um 17:46 Uhr

geändert am 16.05.2019 um 18:42 Uhr

Vorigen Beitrag bearbeitet.

Bitte, bitte(!) schaut doch alle noch einmal nach, wie man Links richtig setzt. Darum erneut der Verweis: Link - und dort der Absatz "Verweise (Links) innerhalb der Schattenzeilen".

Danke,

Jona

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18.05.2019 um 22:03 Uhr

Ein klitzekleines Bisschen bin ich aber auch über diese "mediale Zurschaustellung" und Kultifizierung (gibt es so ein Wort?) ganz froh... immerhin, macht sie mir es viel einfacher, in einer so grandiosen Gemeinschaft wie den  zu landen. 

Was hätt ich z.B.ohne Netzsuche vor 25 Jahren gemacht... winselnd den Schwanz eingezogen und ab in's Körbchen – mangels Mumm, sich durch Kleinanziegen oder ähnliches durchzukämpfen und frustriert die Fahne zu streichen... 

 (Im Grunde seines Seins ist Rene doch ein rechtes Weichei, wuahahaha!... )

Aber so – an dieser Stelle noch mal: 

MANN! BIN ICH FROH, EUCH GEFUNDEN ZU HABEN!

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