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Schattenzeilen

BDSM-Geschichten lesen und schreiben

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Ehrlich währt am längsten! Oder?

Ein Blogbeitrag von Chezjulia

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Platz 6 im Schreibwettbewerb "Missverständnis" (Link).

 

Mein Herr und ich kannten uns noch nicht lange, dennoch fühlte sich unsere Verbindung sehr tief und vertraut an. Wir redeten über so manches große und kleine Geheimnis, über verborgene Fantasien und tiefsitzende Sehnsüchte. Dabei nahm sich mein Herr immer ausreichend Zeit und erklärte mir viele Sachverhalte. Jede meiner Fragen war willkommen und Anlass für allerlei spannende Gespräche. Auch an seinen persönlichen Sichtweisen und Standpunkten ließ er mich uneingeschränkt und vertrauensvoll teilhaben. Die Welt der Submission hatte ich erst durch ihn intensiv erfahren. Er war mein Seelenpartner, Mentor und Geliebter. Da ich noch unerfahren war, freute ich mich sehr darüber, in ihm einen reifen Menschen als auch einen versierten Dom gefunden zu haben.

 

Eines Tages erwies er mir einen großen Vertrauensbeweis. So sehe ich es zumindest heute, erfahrener an Lebensjahren. Zum Zeitpunkt des Geständnisses jedoch tat sich der Boden unter meinen Füßen auf. Mein Herr erzählte mir von seiner Vorliebe für blonde Frauen.

Ich dachte, ich hatte mich verhört und musste weinen. Er hätte mich in diesem Moment genauso gut schlagen können, ich wäre nicht minder geschockt gewesen. „Der Herr steht auf blonde Frauen?“, spukte es mir unaufhörlich im Kopf herum, gleich einer grausamen Gedankenschleife. Denn das Pikante daran war, dass meine Haarfarbe brünett ist.

Warum tat er mir das an?

Warum sagte er mir das nicht gleich zu Beginn?

Warum kamen wir dann überhaupt zusammen?

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Kommentare von Leserinnen und Lesern

Söldner

Autor. Lektor.

13.02.2022 um 13:21 Uhr

Nachtasou

Dummerweise ist Sexualität und speziell Neigung darin alles andere als vernünftig, sondern im Gegenteil so leicht angreifbar, und so leicht abstoßend, und so leicht auch kränkend. Im BDSM kann es um Rollen gehen, die das Selbst erweitern. Ein schwaches Selbst kann dabei auch verunsichert werden, wenn die Dosis nicht stimmt oder jeweilig heiße Themen angefasst werden. Das Du-Deins und Ich-Meins geht halt nicht mit Sexualität zusammen. Vielleicht ist ein Ansatz von Vernunft doch möglich, wenn nicht alles persönlich genommen wird, auch wenn es unvermeidlich sehr persönlich ist.

Lieber Nachtasou, Du hast, gewollt oder ungewollt, eine Definition zur Schwierigkeit des Schreibens, Lesens, Kommentierens (und in unserem Fall auch Lektorierens) von BDSM-Geschichten hingelegt. Auf den Punkt!

Nachtasou

Autor. Lektor.

12.02.2022 um 23:15 Uhr

Der Volksmund spricht: Ehrlich währt am längsten. Aber es gibt auch die Wortkombination „schonungslose Ehrlichkeit“. Ich denke, gerade im Intimen sind die Verletzlichkeiten und daraus folgend die Verletzbarkeiten am größten. Nicht alles, was sagbar ist, muss deshalb gesagt werden.

Damit, dass bereits die Haarfarbe und eine voyeuristische Phantasie solch ein Karussell im Selbstwert in Bewegung setzt, war nicht abzusehen. Dass sich der Partner nachträglich erst über sich selbst ärgert, sich dann aber aus der Beziehung zurückzieht, ist dann schon nachvollziehbar. Denn nicht ehrlich sein zu dürfen, (und  die Gefahr dauernder Beziehungsdramen kommt einem Verbot nahe) ist eine Beschränkung, die auf Dauer schlecht auszuhalten ist.

Dem erwähnten Retzel schwebt die Vernunft-Beziehung vor. Dummerweise ist Sexualität und speziell Neigung darin alles andere als vernünftig, sondern im Gegenteil so leicht angreifbar, und so leicht abstoßend, und so leicht auch kränkend. Im BDSM kann es um Rollen gehen, die das Selbst erweitern. Ein schwaches Selbst kann dabei auch verunsichert werden, wenn die Dosis nicht stimmt oder jeweilig heiße Themen angefasst werden. Das Du-Deins und Ich-Meins geht halt nicht mit Sexualität zusammen. Vielleicht ist ein Ansatz von Vernunft doch möglich, wenn nicht alles persönlich genommen wird, auch wenn es unvermeidlich sehr persönlich ist.

In der Geschichte hätte sie sich auch die Haare färben können, oder?

16.01.2022 um 23:02 Uhr

Ich fühle mit dir, habe ich doch schon beide Seiten erlebt.

Die der unüberlegten und ungewollten Verletzung, die wie schleichendes Gift in mir nagte und mich gedanklich den Weg der Trennung einschlagen ließ

und die der unbegründeten Eifersucht und ständigen Forderung nach Bestätigung, die sehr anstrengend war und deswegen letztendlich auch zur Trennung geführt hat.

Manchmal soll es eben nicht sein, dass wertvolle Menschen für immer an unserer Seite bleiben, sie begleiten uns lediglich ein Stück unseres Weges.

06.01.2022 um 10:18 Uhr

Da mir diese Geschichte ständig wieder vor´s Leserauge gelangt,  muss ich meine Meinung, welche ich nach dem ersten Lesen verfasst hatte, etwas revidieren. Natürlich kenne ich diesen "Effekt". Am "Stammtisch" würde er als typisch `Frau`benannt werden. Ich will jetzt hier nicht einen "Geschlechterkrieg" vom Zaune brechen. Nur noch soviel: Schaut Euch doch mal ein paar Loriot-Clips wie: "Feierabend" oder "Das 4,5 Minuten-Ei" an. Satire überspitzt, zeigt aber ein weit verbreitetes Kommunikationsproblem.

high time

Autor.

05.01.2022 um 20:35 Uhr

Liebe Julia, ich habe grad dran gedacht, dir einen großen großen Sack Knete zu geben und die Aufgabe, den Mann deiner Träume zu schaffen. Du könntest gar nicht vermeiden, dich immer wieder zu entscheiden. Schultern braucht er. Also...Gibst du ihm schmale oder breite? Magst du ein gemütliches Bäuchlein? Dann gib ihm eins! Hmmm.jetzt wird's ernst. Einen Penis braucht er auch. Groß, klein, dick, dünn, cut oder uncut? Entscheide dich! Du wirst ihn doch nicht ohne lassen? Kleine oder große Füße und Hände. Und jetzt kommen die Haare. Ich weiß, Julia. Du bist schon immer auf Löwen mit Mähne gestanden. Die langen Locken als Kontrapunkt zu der maskulinen Aura.

Und weißt du was? Du könntest dich problemlos und sogar Hals über Kopf in einen Mann mit Bürstenhaarschnitt verlieben. Hab ich Recht? Und das ist gut so, weil der von dir geknetete Mann wahrscheinlich nirgendwo rumläuft.

Und glaubst du wirklich, dass es da deinem Herrn anders geht? Dass die Haarfarbe der Frau für ihn ein solch grandioser Fetisch ist, dass er ohne nicht kann und will? Vielleicht hättest du diese Geschichte früher schreiben und ihm zu lesen geben sollen. Oder eindach reden.

Aber jetzt ist eben eine feine ehrliche Geschichte für die Schattenzeilenleser draus geworden.

03.01.2022 um 05:25 Uhr

Nachdem ich die beeindruckende Antwort von campanula gelesen hatte, habe ich meine Antwort revidiert und aufs Meer geschaut

Campanula

Autorin.

13.11.2021 um 01:06 Uhr

Tatsächlich empfinde ich diesen Text eher als autobiografischen Bericht oder tagebuchähnliche Selbstreflexion und weniger als Geschichte. Dennoch ist er interessant, denn er rührt an ein Grunddilemma erotischer Beziehungen: die Tatsache, dass die erotischen Bedürfnisse nie deckungsgleich sind, es also immer eine Form von Differenz zwischen den beiden gibt, auch in Bezug auf das Begehren. Die Frage ist nun: Was macht man mit dieser Differenz? Klammert man sie aus dem Liebesleben aus und einigt sich auf den kleinsten gemeinsamen Nenner? Oder findet man den Mut, bislang verborgen gebliebene Geheimnisse auszusprechen und damit die Chance zu eröffnen, den gemeinsamen erotischen Erfahrungsraum zu erweitern?

Du erzählst nicht, wie genau der Dom von seiner Vorliebe für blonde Frauen gesprochen hat. Doch darin läge für mich der Schlüssel für das Verständnis der weiteren Handlung. Denn natürlich macht es einen Unterschied, ob er gegenüber seiner brünetten Freundin lang und breit davon schwärmt, wie sexy er blonde Frauen findet und wie sehr er auf blonde Haare steht und wie ihm nur schon der Gedanke an eine Blondine das Blut zwischen die Beine treibt (der Paartherapeut Arnold Retzer würde an dieser Stelle wahrscheinlich sagen: "Klappe halten und aufs Meer schauen - das hat schon so manche Beziehung gerettet!") - oder ob er die später beschriebene Fantasie schildert, dass seine geliebte Sub eine Blondine züchtigt, dominiert oder Sex mit ihr hat, eine Fantasie also, in der sie im Zentrum steht und die blonde Frau nur schmückendes Beiwerk ist.

Und ja, es ist eine Form von Reife, die erotischen Fantasien des Partners, die nicht uns selbst zum Ziel haben, mit Gelassenheit aufzunehmen. Es ist aber auch weise, dem anderen diese Fantasien nicht einfach um die Ohren zu schlagen. Wie gesagt: Du erzählst nicht, wie das Gespräch genau abgelaufen ist, von daher kann ich mir als Leserin dazu gar kein Urteil bilden. Doch so, wie du das Geschehen geschildert hast, wäre ich mir keinesfalls sicher, dass der Fehler allein bei ihr lag.

07.11.2021 um 15:27 Uhr

Eine schöne Erzählung wo Gefühle und Zweifel schön wiedergibt . Solche Zweifel und innere Unruhe habe ich auch schon öfters bei Menschen festgestellt und auch erlebt .

habitus

Förderer.

07.11.2021 um 11:01 Uhr

Eine sehr schöner und nachdenklich machender Bericht. 

Bericht. So möchte ich den Text eher nennen. Denn diesen Charakter trägt er in sich.

Er kann lehrreich sein und macht an manchen Stellen sehr nachdenklich. Selbst wenn man sich für seine Lust und Leidenschaft hinzugeben bereit ist. In wie weit möchte man sich mit dem identifizieren? Und wie erkennt man seinen Partner oder seine Partnerin darin. Gerade wenn Lebensphasen solch intensive Lernprozesse beinhalten, kommen solche Missverständnisse vor., und Unsicherheit mündet oft in Verletztheit. 

Sehr schön erzählt.

Luna Ery

Förderer.

06.11.2021 um 18:10 Uhr

Eine traurige Geschichte. Die eigene Unsicherheit und das stetige, sich selbst infrage zu stellen kommt mir sehr bekannt vor. Liebe Julia, Du hast mit Deiner Geschichte einen Nerv getroffen, den wahrscheinlich viele Menschen im Leben schon einmal erlebt haben. Den Nerv der eigenen Unsicherheit.

Diesen zu überwinden und sich selbst zu finden, Dinge aus mehr als nur einem Blickwinkel zu betrachten ist schwer und sich zu akzeptieren ist schwer.

Wer von uns denkt nicht oft "Situationen von damals, mit dem Wissen von heute" begegnen zu wollen.

Berücksichtigt wurden nur die letzten Kommentare.

Zu allen Beiträgen im Forum zu dieser Veröffentlichung.