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Schattenzeilen

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Ehrlich währt am längsten! Oder?

Ein Blogbeitrag von Chezjulia

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Platz 6 im Schreibwettbewerb "Missverständnis" (Link).

 

Mein Herr und ich kannten uns noch nicht lange, dennoch fühlte sich unsere Verbindung sehr tief und vertraut an. Wir redeten über so manches große und kleine Geheimnis, über verborgene Fantasien und tiefsitzende Sehnsüchte. Dabei nahm sich mein Herr immer ausreichend Zeit und erklärte mir viele Sachverhalte. Jede meiner Fragen war willkommen und Anlass für allerlei spannende Gespräche. Auch an seinen persönlichen Sichtweisen und Standpunkten ließ er mich uneingeschränkt und vertrauensvoll teilhaben. Die Welt der Submission hatte ich erst durch ihn intensiv erfahren. Er war mein Seelenpartner, Mentor und Geliebter. Da ich noch unerfahren war, freute ich mich sehr darüber, in ihm einen reifen Menschen als auch einen versierten Dom gefunden zu haben.

 

Eines Tages erwies er mir einen großen Vertrauensbeweis. So sehe ich es zumindest heute, erfahrener an Lebensjahren. Zum Zeitpunkt des Geständnisses jedoch tat sich der Boden unter meinen Füßen auf. Mein Herr erzählte mir von seiner Vorliebe für blonde Frauen.

Ich dachte, ich hatte mich verhört und musste weinen. Er hätte mich in diesem Moment genauso gut schlagen können, ich wäre nicht minder geschockt gewesen. „Der Herr steht auf blonde Frauen?“, spukte es mir unaufhörlich im Kopf herum, gleich einer grausamen Gedankenschleife. Denn das Pikante daran war, dass meine Haarfarbe brünett ist.

Warum tat er mir das an?

Warum sagte er mir das nicht gleich zu Beginn?

Warum kamen wir dann überhaupt zusammen?

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Kommentare von Leserinnen und Lesern

Campanula

Autorin.

13.11.2021 um 01:06 Uhr

Tatsächlich empfinde ich diesen Text eher als autobiografischen Bericht oder tagebuchähnliche Selbstreflexion und weniger als Geschichte. Dennoch ist er interessant, denn er rührt an ein Grunddilemma erotischer Beziehungen: die Tatsache, dass die erotischen Bedürfnisse nie deckungsgleich sind, es also immer eine Form von Differenz zwischen den beiden gibt, auch in Bezug auf das Begehren. Die Frage ist nun: Was macht man mit dieser Differenz? Klammert man sie aus dem Liebesleben aus und einigt sich auf den kleinsten gemeinsamen Nenner? Oder findet man den Mut, bislang verborgen gebliebene Geheimnisse auszusprechen und damit die Chance zu eröffnen, den gemeinsamen erotischen Erfahrungsraum zu erweitern?

Du erzählst nicht, wie genau der Dom von seiner Vorliebe für blonde Frauen gesprochen hat. Doch darin läge für mich der Schlüssel für das Verständnis der weiteren Handlung. Denn natürlich macht es einen Unterschied, ob er gegenüber seiner brünetten Freundin lang und breit davon schwärmt, wie sexy er blonde Frauen findet und wie sehr er auf blonde Haare steht und wie ihm nur schon der Gedanke an eine Blondine das Blut zwischen die Beine treibt (der Paartherapeut Arnold Retzer würde an dieser Stelle wahrscheinlich sagen: "Klappe halten und aufs Meer schauen - das hat schon so manche Beziehung gerettet!") - oder ob er die später beschriebene Fantasie schildert, dass seine geliebte Sub eine Blondine züchtigt, dominiert oder Sex mit ihr hat, eine Fantasie also, in der sie im Zentrum steht und die blonde Frau nur schmückendes Beiwerk ist.

Und ja, es ist eine Form von Reife, die erotischen Fantasien des Partners, die nicht uns selbst zum Ziel haben, mit Gelassenheit aufzunehmen. Es ist aber auch weise, dem anderen diese Fantasien nicht einfach um die Ohren zu schlagen. Wie gesagt: Du erzählst nicht, wie das Gespräch genau abgelaufen ist, von daher kann ich mir als Leserin dazu gar kein Urteil bilden. Doch so, wie du das Geschehen geschildert hast, wäre ich mir keinesfalls sicher, dass der Fehler allein bei ihr lag.

07.11.2021 um 15:27 Uhr

Eine schöne Erzählung wo Gefühle und Zweifel schön wiedergibt . Solche Zweifel und innere Unruhe habe ich auch schon öfters bei Menschen festgestellt und auch erlebt .

habitus

Förderer.

07.11.2021 um 11:01 Uhr

Eine sehr schöner und nachdenklich machender Bericht. 

Bericht. So möchte ich den Text eher nennen. Denn diesen Charakter trägt er in sich.

Er kann lehrreich sein und macht an manchen Stellen sehr nachdenklich. Selbst wenn man sich für seine Lust und Leidenschaft hinzugeben bereit ist. In wie weit möchte man sich mit dem identifizieren? Und wie erkennt man seinen Partner oder seine Partnerin darin. Gerade wenn Lebensphasen solch intensive Lernprozesse beinhalten, kommen solche Missverständnisse vor., und Unsicherheit mündet oft in Verletztheit. 

Sehr schön erzählt.

Luna Ery

Förderer.

06.11.2021 um 18:10 Uhr

Eine traurige Geschichte. Die eigene Unsicherheit und das stetige, sich selbst infrage zu stellen kommt mir sehr bekannt vor. Liebe Julia, Du hast mit Deiner Geschichte einen Nerv getroffen, den wahrscheinlich viele Menschen im Leben schon einmal erlebt haben. Den Nerv der eigenen Unsicherheit.

Diesen zu überwinden und sich selbst zu finden, Dinge aus mehr als nur einem Blickwinkel zu betrachten ist schwer und sich zu akzeptieren ist schwer.

Wer von uns denkt nicht oft "Situationen von damals, mit dem Wissen von heute" begegnen zu wollen.

Sophie Amalia

Autorin.

06.11.2021 um 17:32 Uhr

Wir wollen perfekt sein für den Menschen, den wir lieben und merken manchmal nicht, dass wir es längst für diese Person sind, sonst gäbe es ja dessen Liebe nicht.

Bereits beim Lesen dachte ich, eine Geschichte wie sie das Leben schreiben könnte. Ein Missverständnis aus einer unbedachten, aber ehrlichen Aussage heraus. Nach dem Lesen Deiner Antwort dazu, liebe Chezjulia, wünsche ich Dir von Herzen, dass die neu erbaute Brücke eine Fortsetzung Deiner Geschichte geschaffen hat.

Queeny

Förderer.

03.11.2021 um 16:28 Uhr

geändert am 03.11.2021 um 16:31 Uhr

Hallo Chezjulia! 

Ich drücke dich im Gedanken!

Liebe Grüße Queeny

Chezjulia

Autorin. Förderer.

03.11.2021 um 12:56 Uhr

Ich danke dir, :Queeny. Als ich den Artikel schrieb, durchlebte ich das Missverständnis wieder. Nach Fertigstellung entschied ich mich dazu, den Text meinem ehemaligen Herrn zur Einsicht zu schicken. Er weiß um meine Teilnahme am Wettbewerb. Es war mir ein persönliches Anliegen, dass er im Vorfeld die Möglichkeit zum Einlesen des Beitrags hat, denn es geht dabei auch um ihn und geteilte Zeiten. Ohne seine Kenntnisnahme hätte ich den Artikel nicht veröffentlichen wollen, denn ich hätte sonst kein gutes und aufrichtiges Gefühl gehabt. So wurde der Text zu einer Art Brückenbauer zwischen uns, deren Verlauf ich niemals vermutete... Erst nach seinem Einlesen reichte ich die Geschichte zum Wettbewerb ein. Das ist die Vorgeschichte zu meinem Wettbewerbsbeitrag.

Liebe Grüße 

Julia

Queeny

Förderer.

02.11.2021 um 14:02 Uhr

Eine schöne, wenn auch traurige Geschichte, die sehr viel Gefühl frei gibt! 

Dankeschön Queeny!

01.11.2021 um 22:57 Uhr

Kann ich so nicht nachvollziehen! Da muß man wohl bestimmte Gene haben.

Sonnensternchen

Gelöscht.

01.11.2021 um 18:45 Uhr

Warum muss man eigentlich eine Lebenskrise daraus machen, wenn ein Mann etwas mag...? Wenn er morgen sagt, dass er Frauen mit blauen Augen oder rot lackierten Fingernägeln mag, bekommt man doch auch nicht gleich Minderwertigkeitskomplexe... Da hätte ich es als Mann auch bereut, überhaupt was gesagt zu haben, wenn meine Partnerin so überreagiert. Schließe mich dem MeisterY an... miteinander reden hilft.

Berücksichtigt wurden nur die letzten Kommentare.

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