
Ich hatte noch nie einen Orgasmus. Vorher. Und dann war da dieser Abend. Im Club. Ich dachte, es sei ein Spiel. Es war ein Spiel. Nur dass es danach nicht mehr aufhörte.

Ich wusste, wie es sich anfühlen konnte, wenn ich keine Kontrolle mehr hatte. Wenn jemand zusah. Wenn ich nicht mehr wusste, ob ich es selbst noch wollte oder nur glaubte, es zu müssen. Darum fehlte etwas.

Ich trug Röcke, Kleider, manchmal auch Jeans. Aber nie mehr etwas darunter. Und ja, sie prüften es. Nicht immer. Aber oft genug, dass ich nie wusste, wann. Ich hatte es vorgeschlagen. Ich konnte es jetzt nicht zurücknehmen.

Kein Spiel. Nur zwei Körper, die versuchten, sich gegenseitig nicht zu verletzen. Es fühlte sich nicht falsch an. Aber auch nicht wie etwas, das wusste, was es eigentlich wollte. Ich hätte gern gesagt: Langsamer. Oder: Frag mich wenigstens. Aber ich blieb stumm.

Vielleicht hätte ich es sagen können. Dass ich Nähe vermisse. Dass ich mich selbst vermisse. Aber ich schwieg – und spürte genau in diesem Moment, wie etwas in mir leiser wurde. Als hätte ich eine letzte Gelegenheit einfach vorübergehen lassen.

Louisas Aufgabe (Teil 6)
Mein Körper fühlte sich noch immer benutzt an, wund auf eine stille, nicht sichtbare Weise. Doch der Schmerz war nicht das Problem. Es war die Stille nach dem Gehorchen, die mir näher kam als jede Berührung.

Ich wusste, wie sie wollten, wie ich atmen musste, wie ich knien sollte, und wie ich zu kommen hatte. Ich tat es. Ohne nachzudenken. Nicht, weil ich musste. Sondern weil es einfacher war, wenn ich nichts mehr verhandeln musste. Wenn ich mich nur an meine Regeln halten musste.

Ich wollte nicht, dass sie es forderten. Ich wollte es tun, bevor es verlangt wurde. Damit es mein Moment blieb, auch wenn er ihnen gehörte. Ich stellte mich in die Mitte. Sie kamen. Einer nach dem anderen. Und alle sahen.

Es war das Schönste daran, dass ich bei ihm liegen durfte, ohne zu dienen. Dass ich atmen durfte, ohne bewertet zu werden. Etwas war in mir gewachsen. Keine Erkenntnis. Kein Entschluss. Nur ein Gefühl. Es war zart. Und gefährlich. Als würde etwas entstehen, das ich nicht mehr kontrollieren konnte.

Ich dachte, ich hätte Kontrolle. Dass ich entscheide, wie weit ich gehe. Aber es war nie meine Entscheidung. Ich habe nur funktioniert. Und sie waren stolz auf mich. Stolz, dass ich alles mit mir machen lasse – als wäre das eine verfickte Leistung!

Ich scrollte. Wort für Wort. Lächelnde Gewalt in Textform. Ich las nicht alles. Aber genug. Genug, um zu spüren, dass etwas in mir zurückwich. Nicht zerbrach. Nicht wütete. Ich schrie nicht. Ich weinte nicht. Ich war nur still. Wie etwas, das plötzlich keinen Platz mehr hat.

Helena war neben mir. Kein Schatten. Keine Stütze. Nur: da. Als sie mich fragte, ob sie mich begleiten soll, schüttelte ich den Kopf. Da war etwas, das ich jetzt allein machen musste.
09.07.2026 um 00:42 Uhr
Puh, was geht hier ab?
Jule scheint auf der einen Seite einfühlsam zu sein, fragt nach, wie es Louisa geht - aber weiß sie auf der anderen Seite nicht ganz genau, dass sie Lou längst an dem Punkt hat, wo diese nicht mehr "nein" sagen kann. Jule hat in diesem "Spiel" eindeutig die Führung übernommen, und sie unterwirft sich Louisa in einer sehr subtilen Art und Weise, die Louisa nichts entgegenzusetzen hat. Sie lässt sich als Objekt beschriften, nennt sich selber Drecksstück, lässt sich das erste Mal schlagen und genießt die Geborgenheit, die sie anschließend bei Jule empfindet. Da ist ganz sicher mehr als nur eine seelische Abhängigkeit entstanden - ich denke, Lou ist Jule absolut hörig, und Jule weiß das ganz genau.
Die Frage ist immer: ist das verurteilenswert, einen Menschen so zu manipulieren? Oder ist es erst dann verurteilenswert, wenn der/diejenige sich dabei nicht gut fühlt?
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