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Ursachen unterschiedlicher Sexualpräferenz

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16.05.2019 um 10:43 Uhr

Danke Mai.... Sehr interessant. 

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Mai

Autorin.

16.05.2019 um 14:47 Uhr

@Moonbeast,

„Im D/s Bereich habe ich dann eher gesehen, daß sehr viele (und ich nehme mich da nicht aus) D/s-ler Probleme mit Nähe/Distanz haben. Im allgemeinen waren die Doms eher distanziert und hatten Probleme mit (emotionaler) nähe. Während submissive Menschen eher Probleme mit Distanz hatten. Eine durchaus explosive Mischung“

 

Das sind genau die Allgemeinschauplätze von denen ich oben schrieb. Man denkt immer, man hätte jetzt die allgemeingültige Formel gefunden, was aber in meinen Augen Quatsch ist. Genauso gut könnte man das schlüssig andersrum erzählen, Doms hätten  generell ein Problem mit Distanz, deshalb müssten sie Sub ständig kontrollieren und beherrschen, weil sie unter Verlustangst litten. Es gibt keine Formel. Es gibt so viele Wege, Gründe und Arten, wie es Menschen gibt.

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16.05.2019 um 18:08 Uhr

Schattenwölfin

griche

Nach euren doch auch längeren Texten, Einschätzungen, komme ich ins Grübeln. Sollte ich mir doch Gedanken machen um das Warum? 

Spontan möchte ich laut rufen: „Bloß nicht!!“

... und dem schließe ich mich aus ganzem Herzen an!

Es hilft Dir überhaupt nichts, wenn Du aus "reiner Neugier" anfängst irgendwas zu suchen, was da passen könnte. Oder notfalls auch was unpassendes passend machst. Diese Fragen zu stellen sind vorwiegend dann sinnvoll, wenn man etwas ändern möchte und einen Ansatzpunkt sucht, aber auch das am besten mit erfahrener oder professioneller Hilfe. Aber auch das hat Schattenwölfin ja zum Ausdruck gebracht.

Mai: erstmal meinen Respekt, daß Du Deine Vorgeschichte hier darlegst. Mir selber ging es ähnlich: starker emotionaler Mißbrauch durch die Mutter ist da das Thema. Und das Abgrenzen zur Selbstverteidigung hat mich dann zum D/s geführt.

Und wie ich es schon in meinem ersten Text zu vermitteln suchte: Das sind beileibe keine "Krankheiten" - ich kann verstehen, daß sich Mai da vehement gegen wehrt. Aber es sind genau die Eigenschaften die uns Charakter geben. Die uns - jeden einzelnen - zu dem machen was wir sind.

Und, Mai, fallst Du meinen Text nochmal lesen magst: ich habe die meisten Aussagen quantifiziert : "viele" , "oft" , etc. Um eben klar zu machen, daß es nicht für alle zutrifft. Eine - wie von Dir anscheinend so verstanden - Generalisierung ist bei einer Gruppenbeschreibung auch gar nicht möglich. Allerdings ist , meiner Ansicht nach, das Statement, es gäbe so viele Gründe wie Menschen auch eine naive Vereinfachung. Dann würden Soziologie, Statistische Psychologie und die Werbebranche nämlich so einige Probleme mehr bekommen

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Gregor

Autor.

19.01.2020 um 11:13 Uhr

Alles auf unserer Welt ist irgendwie eine Folge, hat eine Ursache. Das Thema ist schon interessant, wenn ich den Ansatz Hekates nehme. Du willst Ableitungen, Stoff für literarische Figuren.

Die Erde ist rund. Warum?

Hilbert Hillmann ist submissiv. Warum?

Es gibt Vermutungen, Thesen, Meinungen, Tendenzen.

Zum Geschichtenschreiben ist es ausreichend, sich eine eigene Ursache auszudenken. Eine gesetzte Wahrheit, denke ich, gibt es nicht.

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Nachtasou

Autor.

19.01.2020 um 15:28 Uhr

Moonbeast

Schattenwölfin

griche

Nach euren doch auch längeren Texten, Einschätzungen, komme ich ins Grübeln. Sollte ich mir doch Gedanken machen um das Warum? 

Spontan möchte ich laut rufen: „Bloß nicht!!“

... und dem schließe ich mich aus ganzem Herzen an!

Es hilft Dir überhaupt nichts, wenn Du aus "reiner Neugier" anfängst irgendwas zu suchen, ...

Schattenwölfins "spontaner" Antwort folgt zwingend noch ein Aber ...

Das liefere ich ansatzweise mal nach.

1.) Genuss

Ich kann viel besser genießen, wenn ich etwas genauer kenne. Das gilt für Musik- und Kunstliebhaber, Gärtner, Sportler, Gourmets, ... eigentlich für alles. Genuss setzt sogar voraus, dass man sich tief mit einer Materie beschäftigt. Wer nichts weiß, bleibt dumm. Und versagt sich auch Genussfähigkeiten.

Wieso sollte das für Liebhaberei im wörtlichen Sinn nicht auch gelten?

2.) Neugier ist kein Selbstzweck

Auch wenn sie Selbstzweck wäre, wäre sie schon wertvoll genug und braucht keine Rechtfertigung. Schon gar nicht muss man vor der "reinen Neugier" warnen.

Kinder stellen nicht ohne Grund laufend Warum-Fragen. Das ist wichtig, um sich in der Welt und mit anderen Menschen zurecht zu finden. 

Aber klar, mit 18 ist man erwachsen genug *g

3.) BDSM

Wenn ich "toppe", will ich mich nicht darauf beschränken, was "ihr" gefällt. Wie bei der Tomatensoße. Sonst müsste ich mich auf Wunschlisten und No-Gos beschränken oder immer fragen.

Meiner Sichtweise nach kann ich sinnvoll (!) nur wohin kommen, wenn ich weiß, woher jemand kommt. Das gilt auch für mich. Wenn ich mir Antworten auf Warum-Fragen gebe, kann ich z.B. Ziele stecken, die meiner Gegenüber nicht einmal selbst in den Sinn kämen. Das gilt auch für "Praktiken". Gerade bei Demütigendem oder Beschämendem käme ich mir vor wie blind Autofahren ohne Wissen über meine Partnerin zu haben. Und dies setzt Antworten auf Warum-Fragen voraus. Die muss ich ja nicht ihr stellen, aber mir.

Das erspart auch dauerndes Gerede. Manchmal denk ich, dass dieses dauernde Reden Ausdruck dafür ist, dass Top sich nachträglich sicher machen will, weil er vorher einfach drauflos probiert.

Gerade im Rahmen von "Erziehung" (was gar nicht so meins ist), kommt man ohne Warum-Fragen überhaupt nicht aus, find ich. Aber da lasse ich mich gern belehren.

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Nachtasou

Autor.

19.01.2020 um 15:35 Uhr

Moonbeast

Diese Fragen zu stellen sind vorwiegend dann sinnvoll, wenn man etwas ändern möchte und einen Ansatzpunkt sucht, aber auch das am besten mit erfahrener oder professioneller Hilfe. Aber auch das hat Schattenwölfin ja zum Ausdruck gebracht.

 4.) Angst

Wer Angst vor den Antworten auf Warum-Fragen hat, hat einen Grund mehr sie zu stellen.

Die meisten bdsm-Verläufe dürften harmlos sein. Aber wer schon ahnt, dass er mit Fragen schlafende Hunde weckt, den würden die Tierchen sowieso irgendwann einholend beißen, ... warum warten damit?

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12.11.2021 um 12:08 Uhr

geändert am 12.11.2021 um 13:16 Uhr

Hmm, also ehrlich gesagt denke ich das es irgendwie eine Mischung aus verschiedenen Umständen und genetischer Veranlagung ist.

Das jedem Menschen seine ureigene Sexualität mit in die Wiege gelegt wird, dürfte mal klar sein. Meiner Meinung nach spielen aber auch verschiedene äußere Umstände eine Rolle dabei.

Eine Person die in einem konservativen und streng Gläubigen Umfeld aufwächst wird mit sich zu kämpfen haben, wenn sie feststellt das sie auf gleichgeschlechtlichen Sex steht, bzw. gleichgeschlechtlich ist.

Meine Eltern waren gläubige Christen, jedoch keine Kirchgänger. Allerdings wurde bei uns auch nicht gebetet, oder sowas. Über Sex, bzw. Sexualität wurde in meinem Elternhaus nicht geredet und eine sexuelle Aufklärung durch meine Eltern fand auch nicht statt. Daher war ich diesbezüglich völlig unvoreingenommen. Mit 13 hab ich meine ersten sexuellen Erfahrungen gesammelt, als ich was mit einem gleichaltrigen Nachbarsjungen hatte und ihm öfters einen geblasen hab. Für uns beide war das völlig normal und okay.

Mit Ende 13, Anfang 14 hat mich eine flotte Mitdreißigerin verführt und mir eine völlig neue Welt gezeigt.

Allerdings hatte sie auch eine dominante Ader, sie hat mich auch in die BDSM Welt eingeführt und eine ganze Zeit lang war ich ihr devoter Sissyboy.

Wie gesagt, rein sexuell war ich ganz unvoreingenommen, nicht negativ belastet, aber neugierig auf Neues.

Hier und da hat sie mich zu was gedrängt und mich erstmal überzeugt, doch alles in allem hat mir die Zeit mit ihr sehr gut gefallen. Hab da auch sehr viel gelernt.

Ob ich heutzutage auf BDSM stehen würde, wenn sie nicht gewesen wäre, kann ich nicht sagen.

Will mit all dem sagen, das es auch eine Rolle spielt, ob man für alles mögliche offen ist und eine passende Person findet, die einem auch was zeigt und einen an seine Grenzen heran führt.

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Campanula

Autorin.

13.11.2021 um 00:41 Uhr

Es ist wahrscheinlich - wie immer - eine Mischung aus Anlage, Umwelt und der Interaktion zwischen Anlage und Umwelt. Bei mir zum Beispiel war das Interesse schon früh vorhanden, wurde aber definitiv durch Motive aus Filmen und Literatur genährt, für die ich wiederum in besonderem Maße empfänglich war.

Eine interessante Interpretation für das wachsende Interesse an BDSM-Erotik habe ich aber mal bei der Soziologin Eva Illouz gelesen. Die meinte, dass in einer Welt, in der Beziehungen zunehmend auf der Basis von Gleichheit und politischer Korrektheit verhandelt würden ("Nein heißt nein!"), die Erotik sich zunehmend schwierig gestalte, da sie in der uns vertrauten Form vorwiegend auf der Erfahrung von Asymmetrie und der Inszenierung von Geschlechterdifferenzen beruhe. Außerdem litten moderne Liebesbeziehungen an dem Dilemma, dass die Beteiligten einerseits beide frei bleiben und andererseits beide den anderen ihrem Willen und ihrer Begierde unterwerfen wollten. Die BDSM-Erotik biete hier einen willkommenen Ausweg.

In einem Spiegel-Artikel, einer Analyse zum Erfolg von "Shades of Grey", führt sie das mal genauer aus:

"1. Die BDSM-Beziehung vereint per definitionem Schmerz und Genuss, weshalb sich in ihr die Widersprüche herkömmlicher Beziehungen, die beständig zwischen Schmerz und Genuss schwanken, auflösen.

2. Eine der größten Herausforderungen, die moderne Beziehungen heute darstellen, ist die Aufgabe von Autonomie, weil dabei unser Selbstwertgefühl auf dem Spiel steht. Der Sadomaso-Vertrag ermöglicht das logisch und psychologisch eigentlich Unmögliche: Durch ihn gibt man freiwillig seinen freien Willen auf und ordnet sich jemand anderem unter.

3. Das Gebot der Gleichheit, für das der Feminismus seit mehr als 40 Jahren eintritt, verlangt ständiges Aushandeln. Der SM-Vertrag zieht einen Strich unter den Dauerhandel, indem er karikaturenhaft überzogene Rollen und Verhältnisse in Kraft setzt. Tatsächlich macht BDSM Ungleichheit akzeptabel, weil sie einvernehmlich, vertraglich abgesichert und auf Genuss abzielend zustande gekommen ist.

4. Nicht zuletzt ist eine Sadomaso-Beziehung nur zwischen zwei Menschen, die sich vollständig vertrauen, möglich. (Der Dominante hört sofort auf, dem Devoten Schmerz zuzufügen, wenn der oder die das Codewort sagt.) So gesehen ist BDSM die Ausformung des seltensten aller Güter - Vertrauen."

Was mir an diesem Ansatz gefällt, ist, dass er von den individuellen, psychologischen Ansätzen wegführt, hin zu einem eher kommunikativen und systemischen Ansatz. (Und mir ist gerade eingefallen, dass ich ihr Buch "Die neue Liebesordnung. Frauen, Männer und Shades of Grey" eigentlich mal lesen wollte.)

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