
Ich hatte noch nie einen Orgasmus. Vorher. Und dann war da dieser Abend. Im Club. Ich dachte, es sei ein Spiel. Es war ein Spiel. Nur dass es danach nicht mehr aufhörte.

Ich wusste, wie es sich anfühlen konnte, wenn ich keine Kontrolle mehr hatte. Wenn jemand zusah. Wenn ich nicht mehr wusste, ob ich es selbst noch wollte oder nur glaubte, es zu müssen. Darum fehlte etwas.

Ich trug Röcke, Kleider, manchmal auch Jeans. Aber nie mehr etwas darunter. Und ja, sie prüften es. Nicht immer. Aber oft genug, dass ich nie wusste, wann. Ich hatte es vorgeschlagen. Ich konnte es jetzt nicht zurücknehmen.

Kein Spiel. Nur zwei Körper, die versuchten, sich gegenseitig nicht zu verletzen. Es fühlte sich nicht falsch an. Aber auch nicht wie etwas, das wusste, was es eigentlich wollte. Ich hätte gern gesagt: Langsamer. Oder: Frag mich wenigstens. Aber ich blieb stumm.

Vielleicht hätte ich es sagen können. Dass ich Nähe vermisse. Dass ich mich selbst vermisse. Aber ich schwieg – und spürte genau in diesem Moment, wie etwas in mir leiser wurde. Als hätte ich eine letzte Gelegenheit einfach vorübergehen lassen.

Mein Körper fühlte sich noch immer benutzt an, wund auf eine stille, nicht sichtbare Weise. Doch der Schmerz war nicht das Problem. Es war die Stille nach dem Gehorchen, die mir näher kam als jede Berührung.

Ich wusste, wie sie wollten, wie ich atmen musste, wie ich knien sollte, und wie ich zu kommen hatte. Ich tat es. Ohne nachzudenken. Nicht, weil ich musste. Sondern weil es einfacher war, wenn ich nichts mehr verhandeln musste. Wenn ich mich nur an meine Regeln halten musste.

Ich wollte nicht, dass sie es forderten. Ich wollte es tun, bevor es verlangt wurde. Damit es mein Moment blieb, auch wenn er ihnen gehörte. Ich stellte mich in die Mitte. Sie kamen. Einer nach dem anderen. Und alle sahen.

Es war das Schönste daran, dass ich bei ihm liegen durfte, ohne zu dienen. Dass ich atmen durfte, ohne bewertet zu werden. Etwas war in mir gewachsen. Keine Erkenntnis. Kein Entschluss. Nur ein Gefühl. Es war zart. Und gefährlich. Als würde etwas entstehen, das ich nicht mehr kontrollieren konnte.

Louisas Aufgabe (Teil 10)
Ich dachte, ich hätte Kontrolle. Dass ich entscheide, wie weit ich gehe. Aber es war nie meine Entscheidung. Ich habe nur funktioniert. Und sie waren stolz auf mich. Stolz, dass ich alles mit mir machen lasse – als wäre das eine verfickte Leistung!

Ich scrollte. Wort für Wort. Lächelnde Gewalt in Textform. Ich las nicht alles. Aber genug. Genug, um zu spüren, dass etwas in mir zurückwich. Nicht zerbrach. Nicht wütete. Ich schrie nicht. Ich weinte nicht. Ich war nur still. Wie etwas, das plötzlich keinen Platz mehr hat.

Helena war neben mir. Kein Schatten. Keine Stütze. Nur: da. Als sie mich fragte, ob sie mich begleiten soll, schüttelte ich den Kopf. Da war etwas, das ich jetzt allein machen musste.
09.07.2026 um 23:57 Uhr
Irgendwie hat sich dieser Gau in den letzten Teilen etwas angedeutet. Pauls anfängliche Vorsicht und Zuneigung schlugen zuerst in Eifersucht um und verwandelten sich dann immer mehr in Hass - Hass gegenüber Lou und wohl auch Jule und Ben, dass er sie nicht für sich alleine beanspruchen konnte. Auf der anderen Seite: nach Lous Bestrafung durch Paul in Teil 9 wirkt Jules Ausrede nicht glaubwürdig (ich dachte, er wolle etwas für Lou vorbereiten, ein Geschenk oder so). Das war mindestens naiv und fahrlässig, und deswegen hat Jule eine gewaltige Mitschuld an dem Drama.
Dann folgt der letzte Satz: "Und das Gefühl: Jetzt war es vorbei.". Eigentlich denkt man: hier hört die Geschichte auf, Lou hat ihre Lektion gelernt und zieht einen Schlussstrich. Aber es gibt noch Teil 11 und Teil 12. Was kann da jetzt noch kommen?
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