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Schattenzeilen

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Forum - Schreiben - Übungen

Mit allen Sinnen beschreiben

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ungewiss

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09.10.2017 um 01:01 Uhr

Stimmt, die Übung ist ein bisschen eingeschlafen. Aber es gibt hier auf den Schattenzeilen einfach auch immer jede Menge anderes zu entdecken . Wir können die Übung aber gern wieder beleben. Schau doch einfach mal, was dir zum Thema "Sauna" einfällt. Aber bitte immer daran denken: Hier soll Handwerk ausprobiert werden. Für ganze Geschichten ist dieser Thread der falsche Ort. Also bitte wirklich einfach nur eine Fingerübung machen und erzählen, wie die einzelnen Sinne eines Menschen in der Sauna angesprochen werden. Es geht darum, dass der Leser die Situation erlebt ("Beschreiben, nicht erklären"), um eine fertige Handlung geht es nicht. Ich bin gespannt!

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Gelöscht.

09.10.2017 um 19:27 Uhr

geändert am 09.10.2017 um 19:31 Uhr

Huhu!

Ich möchte mich gern beteiligen und habe zu Sauna spontan etwas getextet.

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Sauna

Es war warm, zu warm für ihren Geschmack.

Alles in ihr riet ihr zur Flucht, trieb sie hinaus in die kühle Luft oder vielleicht in das kalte Wasser des Sees, doch sie verharrte – ihm zuliebe.

Mit geschlossenen Augen saß sie neben ihm auf der Bank. Unter ihren Schenkeln und ihrem Po konnte sie das weiche Frottee des Handtuchs fühlen, aber auch die Härte der hölzernen Sitzmöglichkeit.

Sie spürte die feinen Tröpfchen des Schweißes auf ihrem Rücken, ihren Armen, unter ihren Achseln und besonders zwischen ihren Brüsten und auch dort wo deren schwere Fülle die Haut ihres Oberbauches berührten. Es kitzelte, als vereinzelte Tropfen sich zu einem hauchdünnen Rinnsal vereinigten und den Weg der Schwerkraft folgten.

Da sie saß, wurden die Tropfen zielstrebig in ihren Schoß und rücklings zwischen ihre Pobacken gelenkt.

Nur mit Mühe gelang es ihr nicht zu zappeln. Es hätte ihn gestört und stören wollte sie ihn nicht.

Der Schweiß auf ihrer Nase perlte sich und sie wischte ihn wiederholt mit dem Handrücken fort. Es wurde nicht besser und sie wurde innerlich immer unruhiger.

Tief atmete sie ein und aus, ließ den Atem bewusst fließen, konzentrierte sich auf seine entspannende Wirkung in ihrem Bauch, bis tief hinab in ihren Schoß. Langsam ließ sie den Atem wieder entweichen und holte erneut tief Luft, stellte sich vor wie sie Kraft durch ihre bloßen Sohlen aus dem Boden in ihren Leib sog. Verteilte diese Kraft in ihrer Vorstellung in ihre Gliedmaßen und fühlte sich schwer und leicht zugleich. Der würzige Geruch des Holzes, aus dem diese Hütte gebaut worden war, gepaart mit dem Duft der Kiefernzweige auf der Glut, halfen ihr dabei ihren Kopf zu klären. Es waren angenehme Düfte und lenkten sie für den Moment von ihrem Unwohlsein ab. Der Geruch erinnerte sie an den Wald, an Lagerfeuer und an den klaren Sternenhimmel, den sie gestern beobachtet hatte.

Für einen Moment glaubte sie, die Hitze nicht mehr zu spüren, dem unangenehmen Gefühl des Schweißes auf ihrer Haut zu entfliehen. Doch dann machte sie den Fehler und leckte sich mit der Zungenspitze über die Lippen und der plötzliche Salzgeschmack auf ihrer Zunge erinnerte sie wieder daran, wo sie war.

Ihr Herzschlag dröhnte ihr in den Ohren, das laute und schwere Pochen machte ihr deutlich, dass sie nahe daran war ihre Belastungsgrenze zu erreichen. In ihrem Kopf begann es sich zu drehen und schlagartig schlug sie die Augen auf, in der Hoffnung, sich das Schwanken nur einzubilden. Nebelschwaden waberten träge in der Hütte, sodass sie die gegenüberliegende Wand gerade eben erahnen konnte. Wenn sie nicht wüsste, dass sich dort die Tür befand, hätte sie sie nicht gesehen.

Halt suchend stützte sie ihre Hände links und rechts von sich ab und versuchte dem Schwanken Einhalt zu gebieten.

Konzentriert richtete sie ihren Blick auf den kleinen Fleck geradeaus, jener Fleck, der Licht in die Hütte ließ, jener Fleck, der ein Fenster bedeutete hinter dem sie die dunklen Wipfel des Waldes sehen konnte.

Die Wipfel schienen sie dazu verführen zu wollen, die Hütte zu verlassen, der Hitze zu entfliehen. Sie spannte bereits ihre Muskeln an, um der Versuchung nachzugeben, doch dann spürte sie seine Hand auf ihrem Arm und den mahnenden Druck seiner Finger, die ihr stumm bedeuteten, auszuharren und nicht zu fliehen.

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Liebe Grüße, Kim.

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Gelöscht.

10.10.2017 um 00:58 Uhr

geändert am 10.10.2017 um 16:16 Uhr

Sauna

Nach gefühlt zehn Minuten spüre ich zum ersten Mal einen kleinen Windzug. Die dicke Eichentür zur Außenwelt öffnet sich kurz und die eindringende Luft kribbelt kalt auf meiner Haut. Als würde jede einzelne heiße Schweißperle kurzfristig vereist, zieht der Hauch von Luft über mich hinweg, ehe die kleinen Perlen erneut zu glühen beginnen.

Meine Augen bleiben geschlossen und die entspannende, aufrechte Haltung ähnlich eines Buddhas halte ich ein, ohne meinen neuen Sauna-Partner eines Blickes zu würdigen. Nur das leise Schnauben, eine unwillkürliche Reaktion auf die hohen Temperaturen, verraten mir, dass es ein Er sein könnte.

Aber ich konzentriere mich lieber auf die Hitze. Die Luft scheint dick wie Brei und mit dem Duft von Ahorn, wäre der Vergleich mit einem köstlichen Laib Brot nicht undenkbar. Man könnte den dicken Nebel mit einem Messer zerschneiden und ich lecke zur Geschmacksprobe eine der herben Perlen von meiner Oberlippe. Mein Mund verzieht sich zu einem Lächeln - der Teig ist versalzen.

Dann werde ich mir, der Zweisamkeit plötzlich bewusster, mein Sauna-Kamerad klappert laut mit dem Holzlöffel, dann zischt der neue Aufgusses durch den kleinen Raum, als wäre ein Geysir neben uns ausgebrochen. Und genauso einnehmend wie eine zischende Wasserfontäne, verändert sich auch das Raumklima.

Tief einatmend, sauge ich das heiße Meer aus nebeliger Luft ein, spüre wie sich die Mischung aus Wasser und Gas in meinen Lungen niederschlägt und sich ein wohltuenden Schleier auf meiner Haut ausbreitet.

Neue Schweißperlen sprudeln aus allen erdenklichen Poren, sammeln sich blitzartig zu kleinen Rinnsalen und fließe unerbittlich über mein Dekolleté, ehe sie hinter meinem Schutzschild, dem großen Handtuch, verschwinden. Kurz verlasse ich meine starre Haltung, sauge, mit einer Handbewegung zwischen meinen Brüsten, den Strom aus Stress und Alltag mit dem Frottee auf und spüre deutlich wie mich die Ruhe, die mir das wöchentliche Schwitzen schenkt, ergreift.

: Deine Lösung der Übung gefällt mir, an statt alles rosarot darzustellen, kann ich das unangenehme Gefühl nachempfinden. Ob nun zu viel Story dabei ist? Keine Ahnung, glaube nicht. Auf jeden Fall werde ich meinen Erfahrungsschatz nicht mit einem Saunabesuch erweitern.

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Knurrwolf

Autor.

10.10.2017 um 21:27 Uhr

geändert am 10.10.2017 um 21:31 Uhr

 So ich versuche mich auch mal wieder an einem Beitrag. Auch wenn mir das Thema irgendwie bekannt vorkommt ?

: Ein sehr schöner Text, in dem du deinem Drang zur Dramatik nachgibst. Hat mir sehr gut gefallen und erinnert mich daran, warum ich einer Sauna auch eher fernbleibe.

Jeanette Bauer: Auch ein sehr sanfter Text, man könnte fast sagen eine Perle der Erzählung. Entschuldige, das Wort sticht bei dir einfach heraus. Mir hat vor allem die Stelle mit dem Brot und Teig bildlich sehr gut gefallen.

******

Sauna

Schwer lag der Geruch von Kräutern in der Luft, schwängerte diese mit seiner intensiven Schärfe, bis er jeden anderen Duft unter sich begrub. Ob es wirklich einen anderen Nutzen hatte, als nur den sauren Nachhall von Schweiß zu überdecken, wusste er nicht und es war ihm auch egal. Denn mit jedem Atemzug sog er das Aroma zusammen mit der Hitze tief in seinen Körper, bis sich seine Kehle rau und kratzig anfühlte. Doch unterdrückte er den unbewussten Drang, sich zu räuspern, mit purer Willensanstrengung. Es wäre ihm nur als Schwäche ausgelegt worden und so lehnte er bewegungslos an der gefliesten Wand.

Hart fühlte sich der Stein unter der bloßen Haut seines Rückens an. Hart und nur ein wenig kühler als die glühenden Kohlen, die für den Aufguss verwendet wurden. Immer wieder bahnten sich Tropfen seines eigenen Schweißes einen Weg über seine gezeichnete Haut. Kribbelten dabei wie eine träge Armee aus Ameisen, die zwischen den schwarzen Zeichnungen marschierte, bevor sie sich in den weinroten Fluss warfen und mit diesem zu Boden stürzten, um dort ihr Leben auszuhauchen.

Das Zischen, wenn die Flüssigkeit verdampfte, konnte er nicht hören. Ganz im Gegenteil zum schnellen Pochen seines eigenen Herzens. Dem leisen Tappen nackter Füße auf dem steinigen Boden, welches nur von gelegentlichem Schnauben unterbrochen wurde. Und einem leisen, schmerzerfüllten Stöhnen, das im regelemäßigen Fauchen des Aufgusses fast unterging. Doch noch konnte man es vernehmen und langsam wandte er seinen Blick dessen Quelle zu.

Dichte Dampfschwaden erfüllten den Raum und verwandelten nahe Gestalten in geisterhafte Schatten. Ein Umstand, der durch die hellen Fliesen nicht wirklich verbessert wurde, sodass es einer bewussten Anstrengung bedurfte, um jemanden zu erkennen. Trotzdem fand er den am Boden liegenden Körper ohne große Probleme. Vielleicht auch, weil sie durch eine besondere Spur aus roten Flecken verbunden waren, die sich über den Boden zog.

Dass auch er selbst seinen Beitrag dazu geleistet hatte, konnte er an dem metallischen Geschmack erkennen, der sich langsam in seinem Mund ausbreitete. Zumindest erlöste es ihn von den Resten des Kräuterduftes, der sich wie ein übler Nachhall an seinen Gaumen angelegt hatte, auch wenn es nicht wirklich angenehmer war. Langsam wandte er daher den Kopf und spuckte aus, ignorierte den scharfen Schmerz des gesplitterten Zahnes ebenso wie das Brennen seiner gespaltenen Lippe. Waren dies doch kleine Opfer für das Erreichen seines Ziels.  

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Gelöscht.

11.10.2017 um 01:18 Uhr

Knurrwolf: Das blutige Ziel deines Sauna-Besuchers wird glaubhaft vermittelt und fast kann ich mir den Kampf davor vorstellen, zu mindestens sind die Folgen gut nachfühlbar und herrlich mit der Armeisen-Armee oder den rote Flecken am Boden beschrieben. Deine Sauna gefällt mir wirklich gut.

Und ich musste bei dieser Übung feststellen, dass beschreiben so viel schwerer ist, als nur zu erklären. Wenn es meine Zeit zu lässt, starte ich noch einen Versuch.

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ungewiss

Profil unsichtbar.

11.10.2017 um 12:49 Uhr

: Sehr schöne Umsetzung! Und schön auch, dass du an dieser Stelle abgebrochen hast, denn hättest du weitergeschrieben, wäre es eine Geschichte geworden. Vielen Dank dafür! Besonders gut gefällt mir, dass du wirklich alle Sinne ausführlich beschreibst - auch die, die wir im Alltag weniger (bewusst) einsetzen und deshalb auch bei solchen Übungen oft vernachlässigen (zum Beispiel das Hören und Riechen, das meist im Vergleich zu Sehen und Tasten deutlich unterrepräsentiert ist).

: Schöner Einstieg in unsere Übung. Danke auch dir, dass du dich an die Regeln hältst und keine Geschichten daraus machst. Auch mir gefällt die Analogie mit dem Brot gut - vor allem in der Weiterführug mit dem Salzgeschmack. Vielleicht versuchst du beim nächsten Mal noch die ein oder andere Metapher präziser zu bauen (Schweiß "sprudelt" aus allen Poren empfinde ich als unfreiwillig komisches, weil schiefes Bild) oder eine zu suchen, die den Leser mehr überrascht, weil er an sie noch nicht so gewöhnt ist (Schweiß wird sehr oft mit Perlen verglichen, das weckt beim Leser weniger starke Assoziationen und zieht ihn damit nicht so stark in die Handlung wie etwas, womit er so nicht rechnet).

Knurrwolf: Meine Güte, bist du heute blutrünstig. In meinem Kopf entsteht eine dieser einfach Saunahütten tief im finnischen Wald, wo irgendwelche Söldner trainieren und dabei nicht eben schonend vorgehen, aber warum die Opfer in der Sauna liegen, erschließt sich mir nicht: Den Kampf hätte ich vor der Sauna logischer gefunden und der, der noch aufrecht gehen kann, erholt sich dann in der Sauna... Anyway, diese Kritik bezieht sich eh auf die Handlung und um die soll es ja gar nicht gehen. Was die Sinne angeht, gefallen mir Sehen und Fühlen sehr gut. Auch Hören finde ich prima. Aber dem Riechen hättest du gern etwas mehr Aufmerksamkeit spendieren können. "Das Aroma der Hitze" ist für mich ein sehr schwaches Bild, weil Hitze je nach Leser kein oder ganz viele Aromen haben kann (Regenwaldhitze riecht anders als Wüstenhitze). Da freue ich mich auf konkretere Bilder beim nächsten Szenario.

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ungewiss

Profil unsichtbar.

11.10.2017 um 12:52 Uhr

Und weil ihr gerade alle so im Flow seid, spendiere ich euch gern ein neues Szenario:

"Im Winterwunderland" - ob das ein Wald, ein winterlicher Jahrmarkt, die Werkstatt vom Weihnachtsmann oder sonstwas ist, überlasse ich euch. Aber auch hier gilt: Beschreiben statt erklären und zwar nur, was die Sinne wahrnehmen, nicht, was euer Kopfkino gern daraus weiterspinnen möchte!

Zur Erinnerung, es geht um:

sehen

hören

riechen

fühlen/tasten (nicht das emotionale fühlen)

schmecken

Legt los! Ich bin gespannt

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Gelöscht.

12.10.2017 um 22:05 Uhr

Winterwunderland

Das stetige Knirschen unter meinen Stiefel glich einem Flüstern, das geheimnisvoll von den kleinen abertausend Eiskristallen unter meinen Füßen erzählten wollte, aber es wurde genauso, wie auch das leise Pfeifen des Windes, von der immer grünen Armee verschluckt. Wie gut getarnte und in weiße Fellmäntel gehüllte Giganten säumten die Tannen die schmale Schneise durch den Wald. Sie schienen für Recht und Ordnung zu sorgen und ich sog den intensiven, klaren und leicht kieferhaltigen Duft der Natur ein.

Der wattige Schnee wurde plötzlich tiefer und ein herber, erdiger Gestank durch zog die Luft. Unter der intensiven, fast modrigen Strenge, zog sich mein Gaumen zusammen und der leise Frieden erstarb, bei dem Geräusch von brechenden Zweigen, die im Unterholz, wie kleine Knochen knackten.

Die letzten aber sehr intensiven Lichtstrahlen fielen durch die Wipfel der Tannen, bündelten sich zu harten Strahlen und ich sah direkt in ein Paar gelb glühende Augen. Ein Schauer der Angst rollte sich von meinen Nacken abwärts, während ich mich mit diesem Ding per Blick duellierte. Wie sehr wünschte ich mir jetzt das Lichtschwert in die Hand nehmen zu können und mich zu verteidigen.

Lange spitze Hauer ragten aus einem breiten Unterkiefer, die dicke Nase war mit einem dicken Ring gepierct und der nackte Oberkörper wurde mit einer schwarzen Schlange aus Schriftzeichen verziert. Dazu schlugen mir die roten Flecken auf Wange und Unterarme aufs Gemüt.

Wo waren jetzt die Giganten?

Mit einer schnellen Drehung trat ich zurück auf den Weg und das eben noch geflüsterte Knirschen, wandelte sich unter meinen rennenden Schritten, zu einem lauten Krachen, bei dem unzählige Eis-Sternchen ihren letzten Lebenszug, unter meinem Gewicht aushauchten und zerbersten.

Erst als ich die kleine Lichtung erreichte und die wabernde Regenbogenwolke um die alte Kirche im Schnee sah, die wie üblich eine befreienden, strahlenden Gemütszustand auslöste, warf ich einen Blick zurück. Der dunkle Weg schien nicht mehr zu existieren, Tannenzweige beugten sich über die weiße Pracht und hüllten alles in Dunkelheit.

Hielten die Giganten ES auf?

Lautes Knurren, Tannenzweige wackelten und Schnee schwirrte durch die Luft. Mein Atem ging stoßweise, hektisch umrundete ich das alte Gemäuer, aus dem nicht nur Licht, sondern auch tiefes Grollen drang. Ich spürte deutlich das verheißungsvolle vibrieren der Bässe, während ich nach der eiskalten Klinke griff. Ich wollte nur noch ins Innere, mit meinen Freunden feiern, als sich etwas warmes pelziges über meine Hand legte und ich dich an meinem Ohr eine dunkle Stimme und diesen modrigen Geruch vernahm.

„Warum rennst du weg?“

Mein Blick fiel in bernsteinfarbene Augen, dann auf ein junges männliches Gesicht, die Nase und die Unterlippe gepierct, dazu ein freundliches Lächeln.

„Warst du das? Im Wald?“

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Knurrwolf

Autor.

13.10.2017 um 15:24 Uhr

Ich versuch mich mal an einem gemischten Doppel

Winterwunderland 1

 

Langsam und bedächtig glitten seine Augen über den nächtlichen Wald. Auch wenn die einzige Beleuchtung vom fahlen Licht des vollen Mondes stammte, konnte er doch alles deutlich erkennen. Von den dunklen Stämmen der Bäume, die ihre Äste stolz in den Himmel reckten, bis zu der unberührten Decke aus hellem Schnee, die sich über alles gelegt hatte. Von den weit ausladenden Ästen über das Unterholz bis hin zum Boden. Auch entdeckte er die schmale Spur, die sich hauchzart auf dem umgebenden Weiß abzeichnete.

Aufmerksam legte er den Kopf zur Seite und lauschte. Doch vernahm er nur das leise Rauschen der Blätter, die im sanften Wind wogten. Oder den entfernten Ruf eines Kauzes, der seinerseits einsam die Nacht durchstreifte. Selbst sein eigener Atem schien in der Ruhe des Waldes ungewohnt laut zu klingen. Ihm blieb wohl keine andere Wahl, wollte er Gewissheit haben, also senkte er den Kopf.

Tief sog er die Luft durch die Nase ein, konzentrierte sich auf jede noch so feine Note, die ihm zugetragen wurde. So klar wie ein kalter Gebirgsfluss kam die Reinheit des Schnees über ihn und bildete den Hintergrund für ein Bankett aus Düften. Das herbe, nussige Aroma des Holzes kitzelte ihn ebenso tief in der Kehle, wie der saure Beweis für einen versteckt verrottenden Laubhaufen. Doch ignorierte er beide gekonnt, bis sich der Wohlgeruch einer süßen Apfelnote seiner Sinne bemächtigte.

Ein wahrlich raubtierhaftes Lächeln offenbarte seine Fänge, als er sich wieder aufrichtete und einen Moment verharrte. Genoss dabei die sanfte Berührung des Windes, der einer Liebkosung seiner Gefährtin gleich seine Schnauze umspielte und durch das graue Fell zwischen seinen Ohren strich. Erst als die Kälte des Schnees sich unter seinen Pfoten bemerkbar machte, kam Bewegung in ihn.

 

Winterwunderland 2

 

Langsam und bedächtig glitten seine Augen über die karge Landschaft vor ihm. Ein ferner Sturm verhüllte den Horizont und verschmolz den fahlblauen Himmel mit dem grellen Weiß des Schnees. Selbst nahe Konturen schienen zu verschwimmen und machten es schwer, etwas zu erkennen. Doch gab es auch nicht wirklich etwas in dieser eisigen Wüste zu sehen.

Aber fühlen konnte er dafür umso besser, wie die Kälte schon nach der ersten Stunde selbst die dickste Kleidung durchdrang. Seine Glieder wurden bereits schwer, die Gelenke bewegten sich nicht mehr mit der üblichen Leichtigkeit und mit der Wärme wich auch das Gefühl. Außer wenn er die Schutzbrille hochschob, um das Fernglas anzusetzen und die eisige Luft wie mit tausend kleinen Feuerzungen über seine Haut leckte. Selbst unter dem Schutz des Schals fühlten sich seine Lippen bald trocken und spröde an, so rau wie die Stoppel seines unrasierten Kinns.

Bewusst versuchte er, sich davon abzulenken, und lauschte seiner Umgebung. Das leise Wimmern erkalteter Servos erklang von dem kleinen Turm neben ihm, als sich dessen geschützbewehrter Kopf drehte. Beim Klang des knirschenden Schnees erkannte er, dass einige Kameraden hinter ihm vorbei gingen und schließlich vernahm er sogar die steten Hintergrundgeräusche des Hangars, vor dem er stand.

Bis ein Schwall warmer Luft aus diesem herauswehte und die frische Kälte der Natur vertrieb, um sie mit einer Mischung künstlicher Gerüche zu ersetzen. Das ölige Aroma von Treibstoff, das schon nach einem Atemzug den Gaumen überzog, und bei jedem Schlucken einen herben Geschmack hinterließ. Die chemische Schärfe der Schmiermittel und schließlich der fast wohnliche Duft von Dutzenden Lebewesen, die sich ein und denselben Lebensraum teilten.

Doch der Wunsch nach Wärme wurde unterdrückt, als er zum Funkgerät griff: “Echo Basis, hier Posten Elf. Keine Kontakte, aber wir bekommen wohl bald einen Sturm.”

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Gelöscht.

14.10.2017 um 12:04 Uhr

Beide Lösungen gefallen mir sehr sehr gut, beide sind so schön flüssig lesbar, stimmig und vermittel was und wie es ist. Ich bin ganz neidisch Dies gefällt mir ganz besonders gut

Kaoru

So klar wie ein kalter Gebirgsfluss kam die Reinheit des Schnees über ihn und bildete den Hintergrund für ein Bankett aus Düften. Das herbe, nussige Aroma des Holzes kitzelte ihn ebenso tief in der Kehle, wie der saure Beweis für einen versteckt verrottenden Laubhaufen.

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