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Forum - Schreiben - Übungen

Mit allen Sinnen beschreiben

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ungewiss

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19.07.2015 um 13:13 Uhr

@Angelo Gioioso: Schön, dass du dich hier einklinkst. Die Geschichte ist dir gut gelungen. Aber, und das meint Kaoru, glaube ich, um eine Geschichte geht es hier eben gar nicht. Wenn die Schreibüungen euch zu Geschichten inspirieren, hüpfe ich vor Freude im Dreieck, aber die Geschichten möchte ich dann bitte im Geschichten-Upload sehen. Hier geht es ausschließlich um eine Fingerübung, die da lautet: Beschreibe eine Szene, wie sie sich anfühlt, wie sie riecht, wie sie schmeckt, wie sie sich anhört, wie sie aussieht. Nicht mehr! Wäre ich streng, würde ich schon (innere) Mono- oder Dialoge nicht zulassen, weil das mit der Aufgabe streng genommen nichts mehr zu tun hat.

Natürlich würde ich das in einer Geschichte auch langsam entwickeln und Dialogo, Gedanken, Hintergründe und die Sinneseindrücke abwechseln. Hier möchte ich das aber in komprimierter Form lesen. Das ist im eigentlichen Sinne eine Sensibilisierungsübung. Ihr sollt euch bewusst machen, welche Sinneseindrücke in der Situation auftauchen - und im zweiten Schritt sollt ihr versuchen, dafür so eindrückliche Beschreibungen zu finden, dass der Leser sich mitten in der Situation wiederfindet. Und glaubt mir, wenn man sich drauf einlässt, ist das nicht so einfach, wie es klingt, weil wir für alltägliche Situationen automatisch einen alltäglichen Beschreibungskanon abrufen, der aber bereits so bekannt ist, dass er im Leser nichts mehr auslöst.

Ein Beispiel aus einem Seminar. Die Aufgabe war eine Szene in einem Schweinestall zu beschreiben, in dem Schweine verendet waren. Viele schrieben: "Im Stall stank es nach verwesendem Fleisch." Ein starkes, weil ekliges Bild. Aber einer schrieb: "Die Luft schmeckte nach Blut und verwesendem Fleisch." Für mich ein noch viel eindrücklicheres Bild, weil es einen Sinn mit den Eindrücken verknüpft, den wir damit zunächst nicht assoziieren, der aber, denkt ma kurz darüber nach, doch stimmt. Weil Geruchs- und Geschmackssinn mit einander verbunden sind, kann man starke Gerüche "schmecken". Zu solchen besonderen Formulierungen soll euch diese Übung anregen. Das geht aber nur, wenn ihr euch auch wirklich nur auf die Sinnesbeschreibungen konzentriert und nicht gleich in einer ganzen Geschichte denkt

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ungewiss

Profil unsichtbar.

19.07.2015 um 13:24 Uhr

@Kaoru: Schöner Text, weil mehrere unerwartete Wendungen, aber auch bei dir ist das schon eine ganze Geschichte. Für die Übung hätte es gereicht, sich entweder auf den Moment des Wartens oder den Moment des Posens zu konzentrieren - die Wendungen hätte ich dann gern in einer eingereichten Geschichte gelesen.

Zu den Details: Schau dir vor allem das "Riechen" noch mal an. Während ich beim "Fühlen" ganz in deiner Szene bin, lässt mich das "Riechen" ziemlich kalt. Zum einen liegt das daran, dass es unkonkret wird, wenn du ihren Duft als Mischung aus Weiblichkeit und fruchtigem Duschgel beschreibst. Wie riecht denn Weiblichkeit? Dazu hat garantiert jeder eine andere Idee, aber keiner eine konkrete. Ohne konkreten Eindruck gibt es aber auch kein Mitfühlen. Schau mal, ob du den Duft der Weiblichkeit mit etwas beschreiben kann, dass die Leser abholt, dass ihnen also einen Sinneseindruck gibt, den sie kennen und im Kopf rekapitulieren können.

Kurz vorher schreibst du: "Genug um den Geruch nach einem Dutzend anwesender Menschen, stechenden Lösungsmitteln und getrockneten Ölfarben mit dem Duft von Blumen und kühler Natur aufzulockern." Da ist es ganz ähnlich. Erstens würde ich den Satz teilen. Hier sind zu viele Gerüche vereint, der Leser ist überfordert, sich die alle zusammen vorzustellen. Lass sie ihn lieber einzeln wahrnehmen. Und dann werd konkreter: Wonach riechen ein Dutzend anwesender Menschen, welche Blumen kann er riechen,...?

Und zu guter Letzt hätte ich gern mehr gehört. Das Hören ist dein vernachlässigter Sinn, glaube ich. Kann das sein? Du schreibst, wie er das Tappen ihrer Füße, das Rascheln des Stoffs und ihre Stimme hört. Aber wenn da ein Dutzend Menschen sitzen, die zudem warten müssen, und dann auch noch ein Fenster gekippt ist, können das nicht die einzigen Geräusche sein, die er wahrnimmt. Erst Recht nicht, wenn er da ewig steht, ohne sehen zu können...

@all: Wollt ihr es noch mal versuchen oder braucht ihr eine neue Szene?

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Knurrwolf

Autor.

19.07.2015 um 18:04 Uhr

@Ungewiss: Danke für das Kommentar. Ja, da bin ich wohl auch ein wenig über das Ziel hinausgeschossen, was die Situation angeht. Was die Beschreibung der Sinne angeht, muss ich mich wohl wirklich noch mehr anstrengen, was die passende Formulierung angeht.

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22.07.2015 um 10:12 Uhr

ungewiss:

Ich beuge ja nicht so gerne meine Knie - aber Du hast natürlich absolut recht. Wie ich schon zu Kaoru sagte: Da sind die Gäule mit mir durchgegangen. Klassischer Fall von »Setzen, Sechs. Themaverfehlung!« Wäre ich Sub, würde ich dringend eine Bestrafung einfordern. Bin ich leider nicht.

Mach‘ weiter mit Deiner Mission hier, Deine Themenstellung ist gut und richtig. Sollte ich mich demnächst einmal wieder dazu einbringen, werde ich genau darauf achten, was eigentlich gefordert ist, nicht meiner Eitelkeit frönen, keine Geschichte am falschen Platz loslassen.

Kaoru:

Deine Kritik war natürlich berechtigt. In Deiner Geschichte haben mich ein paar Sinnesbilder sehr berührt. Zum Beispiel wenn Du den direkten Vergleich zwischen Geruch und Erinnerung ziehst oder mich beim Lesen spüren lässt, wie Kälte in den Muskeln die Beweglichkeit behindert. Da bist Du genau bei ungewiss‘ Anforderungen, die Bilder machen den Text reicher und lassen mich schnell in die Situation finden.

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ungewiss

Profil unsichtbar.

22.07.2015 um 21:55 Uhr

@Angelo Gioioso: Ich setze diese Übung gelegentlich in Schreibseminaren und bisher hatte damit noch fast jeder seine Probleme am Anfang. Wobei die meisten sich bisher eher schwer taten, genug zu schreiben, also wirklich alle Sinne einzubinden. Dass die Übungsteilnehmer viel mehr als gefordert liefern, ist mir so noch nicht passiert .

Ich freue mich jedenfalls auf einen neuen Versuch und werfe deshalb mal eine neue Szene in den Raum: In der Kältekammer. Wer nicht weiß, was das ist, möge hier oder hier nachsehen.

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Knurrwolf

Autor.

24.07.2015 um 21:44 Uhr

Es zeigt sich, dass es diese Übung wirklich in sich hat... trotzdem versuche ich weiterhin mein Glück

Mit einem dumpfen Klacken schloss sich die Türe zum ersten Bereich und ließen William bei minus Zehn Grad zurück. Was an sich kein Problem gewesen wäre, doch im Moment trug er nur Shorts, eine Atemmaske sowie Schuhe und Handschuhe. Was den anwesenden Schwestern einen freien Blick auf das Spinnennetz aus Narben auf Brust und Rücken ermöglicht hatte. Auch das störte ihn nicht, sonst hätte er sich niemals für diese Therapie gemeldet. Als er in die zweite Kammer weiter ging – in der die Temperatur bei minus Sechzig Grad lag – atmete William durch die Nase ein und unterdrückte ein Grollen.

Er mochte den Winter, er mochte es wie die kühle Luft durch Mund und Nase drang und kitzelte. Doch das hier war eine trockene Kälte, ohne Feuchtigkeit und ohne die Natur. Frisch gefallener Schnee säuberte die Luft und es war als ob jeder Atemzug den Duft einer reinen Gebirgsquelle bis tief in die Lungen brachte. Wenn sich der Geschmack nach Eis, reinem gefrorenen Wasser, auf den Gaumen legte und die Zunge überzog.

Doch die Kälte ließ jeden Atemzug wie scharf geschliffenes Glas durch seinen Hals gleiten. Und als wäre das noch nicht schlimm genug, war nur das Geräusch der Kältekammer zu hören. Das sanfte Brummen der Generatoren, als ob jemand eine zu laut schnurrende Katze unter dem Boden vergessen hätte. Das leise Zischen, mit dem die kalte Luft eingeblasen wurde und das kaum laut genug war, um gehört zu werden. Eine viel zu regelmäßige Kopie des Geräusches, mit dem der Wind über schneebedeckte Ebenen strich.

Schließlich betrat William die finale Kammer, in der die Kälte über hundert Grad im Minusbereich gehalten wurde. Wie auch bei den vorherigen gab es nicht viel mehr zu sehen als kahle, weiße Wände. Ein schaler Ersatz für die schier endlosen Ebenen seiner Heimat. Seine beanspruchten Muskeln signalisierten ihm sogleich die Kälte, doch durch die Vorbereitungen und seine Bewegungen blieb das Zittern aus. Wenn er zu lange hier blieb, würde es zweifellos einsetzen, doch bislang spürte er nur, wie seine Haut abkühlte. Selbst dieses Gefühl schien falsch zu sein, denn es verursachte keine Schmerzen oder vermittelte einem das Gefühl, als würde die eigene Körperwärme langsam wie eine schlecht gehütete Kerzenflamme verlöschen.

Seine Bewegungen waren langsam, vorsichtig und doch schien mit jeder Sekunde die Anspannung in seinem Körper zu weichen. Die Schmerzen, ein stetiger Begleiter in den letzten Monaten, wurden schwächer und er fühlte sich… gut.

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Knurrwolf

Autor.

10.09.2015 um 18:52 Uhr

Ich weiß ich bin etwas nervig. Aber könnten wir vielleicht eine neue Situation bekommen ?

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ungewiss

Profil unsichtbar.

12.09.2015 um 19:58 Uhr

Tut mir leid, bin momentan gesundheitlich etwas angeschlagen und beruflich im Super-Stress, deshalb nur so selten hier. Natürlich könnt ihr eine neue Situation bekommen. Deine Kältekammer-Beschreibung hat mir übrigens gut gefallen, Kaoru. Vor allem das Hören (das Zischen das Brummen der Generatoren mit dem Katzenvergleich) hast du in diesem Beispiel sehr gut hinbekommen.

Also, eine neue Szene: Nachts an der Frittenbude

Ich bin gespannt!

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Knurrwolf

Autor.

12.09.2015 um 21:14 Uhr

@Ungewiss: Ach quatsch, jeder von uns hat solche Phasen. Vor allem kommt dann immer alles zusammen und schafft einen.

Danke für das Kommentar und die neue Situation. Auch wenn ich im ersten Moment ziemlich blank bin ... tja typisch Österreischer halt. Hättest du Würstelstand geschrieben, wäre mir wahrscheinlich sofort was eingefallen ;-P

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Jona Mondlicht

Autor. Lektor. Teammitglied.

12.09.2015 um 21:18 Uhr

Kaoru

Hättest du Würstelstand geschrieben, wäre mir wahrscheinlich sofort was eingefallen ;-P

Wie (ausgerechnet) sie auf (ausgerechnet) Frittenbude kommt, habe ich mich allerdings auch gefragt. Brätlstand hätte völlig gereicht, liebe ungewiss.

Viele Grüße

Jona

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