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D/s und gleichberechtigte Beziehung - kann das funktionieren?

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Wodin

Autor. Förderer.

18.11.2021 um 01:43 Uhr

Hallo Campanula!

Klar, das kann sehr gut zusammen passen.

Ich unterstelle dem Paartherapeuten jetzt mal, daß er selber kein BDSM lebt und letztlich in seiner Praxis nur die Paare vorstellig werden, die eben Probleme mit sich haben und dann klappt es vermutlich auch nicht mit dem gemeinsamen BDSM.

Doch wenn es eine erfüllende Beziehung ist, dann würde ich erwarten, daß beide respektvoll miteinander umgehen. Völlig egal, wie intensiv sie ihre Form des BDSM leben. Hier setze ich den Begriff „Augenhöhe“ gleich mit dem gegenseitigen Einlassen auf den Partner, dem Respektieren der Tabus und dem vereinbarten Konsens.

Und dieser Konsens beschreibt auch, wo und wann ein Machtgefälle existiert und wo und wann eben nicht.

Für mich bedeutet „nicht auf Augenhöhe zu sein“, wenn zum Beispiel der Macho seine Frau in abfälliger Weise behandelt. Anders gesagt, wenn echte Unterdrückung stattfindet oder diese im BDSM-Kontext nicht einvernehmlich wäre.

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Campanula

Autorin.

22.11.2021 um 23:50 Uhr

Vielen herzlichen Dank, ihr Lieben, für eure zahlreichen Antworten!

Ich habe mich in meinem Eröffnungsbeitrag bewusst mit persönlichen Erfahrungen und Einlassungen zurückgehalten, weil ich den Antworten nicht zu früh eine Richtung vorgeben wollte. Und tatsächlich waren eure Beiträge so vielfältig und individuell wie die Menschen, die diese Seite hier mit Leben füllen. Das ist schon einmal eine wichtige Erkenntnis: Pauschale Wahrheiten funktionieren nun mal nicht, wenn es um konkrete Personen geht. Und doch will ich einmal versuchen, eine Art Quintessenz des Gesagten herauszudestillieren. (Ich beziehe mich dabei auch auf die eine oder andere private Nachricht, die mich erreicht hat.)

So hat es für mich den Anschein, dass es für D/s hilfreich ist, wenn es irgendeine Form der Verankerung im Alltag gibt. Das kann ein ganz zarter Faden sein, der sich durch das Miteinander zieht, so etwas wie ein Schmuckstück als Symbol des Machtverhältnisses oder auch eine Form von 24/7 „light“. Jedenfalls lese ich, dass kleine, feine Signale, hin und wieder im Alltag eingestreut, den Schritt über die Schwelle im entscheidenden Moment erleichtern - irgendetwas, das beiden von Zeit zu Zeit die erotische Rollenverteilung in Erinnerung ruft und womöglich auch die beiderseitige Wertschätzung dieser Rollenverteilung zum Ausdruck bringt. Zumindest scheint es so, als funktioniere D/s als reine „Session“ nicht so gut - oder falls doch, braucht es klare Übergangsrituale, Gesten, Berührungen, Symbole und ggf. ausreichend Zeit und Geduld, die es dem devoten Part ermöglichen, in den Hingabemodus hinüberzuwechseln. Womöglich liegt das daran, dass D/s stärker mit der Beziehungsdynamik als solcher verwoben ist, stärker auf Bindung, Emotionen und – ja, auch das! – romantischen Sehnsüchten beruht als SM. Wie gesagt: Das sind im Augenblick alles nur Hypothesen. Ich versuche so etwas wie ein Muster zu erkennen.

Das, was ich mit „Augenhöhe“ meinte, war tatsächlich eine völlig gleichberechtigte Beziehung: zwei weitgehend unabhängige, selbstständige Menschen mit eigenen Bedürfnissen, Vorlieben und Interessen, die sich im Alltag miteinander abstimmen, Konflikte austragen und Kompromisse schließen. Ein Alltag ohne Machtgefälle also, in dem nicht einer von beiden – und sei es auch noch so subtil – grundsätzlich den Ton angibt. (Dass es immer Teilbereiche geben mag, in denen einer von beiden kompetenter ist und somit die Führung übernimmt, sei unbestritten, in diesem Fall würde die Führung aber wechseln und sich nicht an den erotischen Rollen orientieren.)

Ich muss gestehen, dass die Vorstellung, D/s-Erotik könne mit einer solchen Art von Beziehung womöglich nicht vereinbar sein, mir zutiefst widerstrebt, denn wenn ich ehrlich bin, möchte ich weder auf das eine, noch auf das andere verzichten. „Alles mit einem für immer geht halt nicht!“, höre ich den Therapeuten schon sagen. Tja ...

Ich bin Feministin. Ich möchte mit dem Mann an meiner Seite Auge in Auge debattieren können, möchte meinem ureigenen Rhythmus und meinen Bedürfnissen folgen und mir ein selbstständiges, unabhängiges Leben bewahren. Und dann, in ganz besonderen Momenten möchte ich all das hinter mir lassen, weich werden, meinen Nacken vor ihm beugen und ihm die Zügel übergeben. Ich muss aber gestehen, dass dieser Übergang mir in letzter Zeit weit weniger gut gelingt als in den Anfangsjahren unserer Beziehung. „Stolpern auf der Schwelle“ habe ich es mal genannt. Es wird vor allem da schwierig, wo es um unterschiedliche erotische Bedürfnisse geht. Die selbstbestimmte Seite in mir möchte auch für diese Bedürfnisse eintreten, womöglich sogar für sie streiten und nicht so schnell klein beigeben. Das aber gestaltet sich im Rahmen einer D/s-Erotik dann doch eher schwierig, wenn es nicht zum „Topping from the Bottom“ degenerieren soll. Insofern bin ich euch sehr dankbar für eure Erfahrungen.

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Die Gebende

Gelöscht.

23.01.2022 um 14:41 Uhr

Dieses Thema treibt mich um.

Die Zusammenfassung von Campanula sagt mir schon sehr zu. Auch, was andere geschrieben haben. Vielleicht noch ein paar Gedanken von mir ...

Ich möchte keine Augenhöhe im Sinne gleichberechtigter Entscheidungen. Ich bin devot und ich fühle mich in einem Machtgefälle wohl. Ich möchte das auch nicht ein und ausschalten, ich will keine Signale oder Kennwörter für Anfang oder Ende. Mir würde ein Hin und Her zwischen Devot sein und nicht Devot sein vorkommen, als wäre alles nur zeitweiliges Spiel.

Aber! Ich möchte in der Beziehung absolut ernst genommen werden. Wenn ich Anliegen habe, wenn es mir nicht gut geht oder wenn ich etwas brauche, will ich ernsthaft Gehör finden. Wie dann entschieden wird, darf gern nicht in meinen Händen liegen. Hätte ich damit ein Problem und kein Vertrauen, dass meine Belange berücksichtigt werden, hätte ich den falschen Partner. Er soll das schon entscheiden, aber ich vertraue darauf, dass er das richtig tut. Gemeinsames Diskutieren und das Bewahren eigener Interessen schließt das nicht aus. Ich möchte mich in einer D/s-Beziehung wohl fühlen und nicht eingeengt oder fremdgesteuert.

Wohlfühlen würde ich mich aber nicht mehr, wenn ich das Gefühl habe, mein Partner ist zeitweise nicht mehr über mir. Oder lässt mir zu viel Spielraum.

Marisa

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Nachtasou

Autor. Lektor.

24.01.2022 um 16:09 Uhr

Das hieß doch Patriarch, oder?

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Die Gebende

Gelöscht.

24.01.2022 um 16:21 Uhr

Nachtasou

Das hieß doch Patriarch, oder?

Ja, klar. So wie Spanking auch Körperverletzung heißt.

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Onmymind

Autorin.

26.01.2022 um 22:45 Uhr

Nachtasou

Das hieß doch Patriarch, oder?

"Patrimatriarch"

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14.04.2022 um 21:48 Uhr

geändert am 14.04.2022 um 21:50 Uhr

Ich habe eben sehr aufmerksam Eure Beiträge gelesen und Danke Campanula für die Eröffnung des Threads. 

Was mich immer wieder erschrickt - auch aufgrund eigener Therapieerfahrungen - wie sehr Therapeuten etwas "behaupten" und damit auch bewerten. 

Es ist für mich immer schwierig mit Therapeuten über mein Sexualleben zu sprechen. Meist kommt dann die (negative) Wertung und dann ist es bei mir vorbei. Es wird verglichen mit dem was "normal" ist. Ich fühle mich schlecht. 

Vielleicht bin ich ja auch ein wenig nicht-normal aber ich schade niemanden und gehe achtsam mit den Bedürfnissen und Gefühlen anderer und meiner um. 

Die Kernaufgabe eines Therapeuten liegt für mich darin, die entstehenden Konflikte zu beleuchten und dem Klienten dabei zu helfen selber eine Lösung zu finden die es ihm leichter macht. 

Eine gute Bekannte von mir - ehem. Domina aus dem Hamburger Kiez - hat mir erzählt dass sie eine Therapeutin gefunden hatte, von der sie sich wirklich ernst genommen gefühlt hat. Die Psychologin hatte keinerlei Berührung mit BDSM und dennoch zeigte sie ein aufrichtiges Interesse und hat sie dazu ermutigt mehr in ihrer Rolle als Domina zu agieren, da sie erkannt hat dass das ihr Leben ist und sie sich damit wohl fühlt. Sie ist seitdem beratend unterwegs, inzwischen nur in kleinen Kreisen. Sie fühlt sich seither mehr im seelischen Gleichgewicht. 

Ich will nur damit sagen, dass es schwer ist Therapeuten zu finden, die mit dem Thema gut umgehen können z.B. personenzentriert arbeiten. Dass ist so meine Erfahrung.

... ach und ja ich denke schon dass es gleichberechtigt funktionieren kann.... diese These kann ich nur bestätigen. Gründe wurden schon genannt und sehe ich ähnlich.

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19.04.2022 um 15:34 Uhr

Wenn ich aus eigener Erfahrung sprechen darf, es funktioniert beides. Wie bei jeder Art von Beziehung allerdings mal mehr, mal weniger und manchmal eben gar nicht. Liegt immer an den Beteiligten selbst. Also persönlich betrachtet, in erster Linie an mir.

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high time

Autor.

14.06.2022 um 15:15 Uhr

Liebe Campanula, es ist nicht leicht, etws substantielles zu finden, wenn so viel schon gesagt ist. Ich möchte mich mal in der Kürze versuchen.

Zwischen Don und sub gibt es ja den Konsens, dass beide nichts mehr als diesen Moment lieben, wenn die Augenhöhe verschwinden muss.

Und es gibt den Konsens, dass on die Fäden dazu in der Hand hat.

Meist sind sie lose, kaum spürbar. Das ist die Augenhöhe. Aber damit sub auf das Straffen der Fäden reagieren kann, müssen sie stets um ihren Hals sein. Und manchmal fühlt sie ein leisen Zupfen und lächelt....

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