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22.08.2026 um 15:23 Uhr
Beste Natty,
Deine frische und impulsive Art zu schreiben gönne ich mir hin und wieder. In dem hier vorliegenden Text bleibst Du hinter Deinem schon bewiesenen Können zurück.
Ich begründe mal meinen Eindruck. Wobei ich mir gar nicht sicher bin, ob ich Dir damit gerecht werde, weil es vielleicht nur Geschmacksfragen sind, die eigentlich kein Kriterium für Beurteilung sein sein sollten. (Naja, ich beurteile ja nicht).
1.) Rollenspiele zu beschreiben ist sauschwierig. Genauso rutschig wie Bettgeflüster. Das geht in fast allen Fällen daneben und scheitert schon an den Dialogen.
Das gilt auch für Filme; nichts ist ´fremdschämiger´ als das Geschwätz eines Doms zu hören oder zu lesen, der in eine historische Rolle schlüpft. Weswegen man es nach meiner Meinung besser weder filmt noch aufschreibt. Es funktioniert, wenn überhaupt, nur für die, die selbst IN der Session sind.
Vielleicht liegt es aber an meinem Problem mit „gespielten Gefühlen.“ Denn entweder es ist Ernst, oder es ist Ulk, dazwischen gibt es keine Grauzone. Es wäre interessant gewesen, sie aufzumachen und zu beleuchten. Die Personen in der Geschichte haben jedoch von Dir überhaupt keine Individualität erhalten, womit dieser Weg verschlossen blieb.
2.) Dein Szenarium hätte einen besseren Einstieg verdient. Dein Einstieg steht leider bis zu den Knien im Klischee. So, „wie man“ sich halt ein 16. Jahrhundert vorstellt. Das geht bei viel Fantasie vielleicht im Schlafzimmer, nicht aber in einer Geschichte durch, die gut werden will.
3.) Die Pointe funktioniert nicht. Als Leser weiß ich von Beginn an, dass es laut den SZ-Regeln nur gespielt, und nicht authentisch sein kann. Wer ist da am Ende überrascht, dass es ein Rollenspiel ist? Viel besser wäre z.B. gewesen, das Rollenspiel als solches iwi zum Thema zu machen.
4.) Deinen Schreibstil habe ich als flott bezeichnet und wirkt authentisch. Die vielen kleinen Ein- und Nachschübe (Bsp. „Ein Mann kam herein, in Leder gekleidet, der Oberkörper nackt.“ erinnert an eine am Lagerfeuer erzählte Gruselgeschichte, wo der Erzähler immer erst die Reaktionen der Hörer abwartet, um dann nachzulegen. Das passt zur Story. Dieses Mittel ist zu oft angewendet nach meinem Geschmack, und wirkte auf mich sowieso nicht, weil kein Grusel aufkommt (weil, s.o.).
5.) Das Gespielte, das Szenische in Deinem Text kommt nah ans Darstellende (Dramatische) heran. Find ich sehr interessant. Dann solltest Du aber auch die Mittel der Bühnendarstellung nutzen, und dann werden Pausen mit das Wichtigste. Das Nichtgesagte. Das Aneinandervorbei. Dazu passt die Geschwindigkeit Deines Stils aber nicht mehr und das spielerische Gerede der Personen schon gar nicht. Ist´n Dilemma. Und da fiele mir auch keine Lösung ein.
Dass ich so kritisch heute bin im Umgang mit einem Text, liegt vielleicht daran, dass ich den Inhalt der Geschichte interessant finde und vielleicht dann besonders viel erwartete. Unterhalten hat sie auf jeden Fall. Zur vollen Zufriedenheit fehlte mir also entweder der Ernst (hier Härte), oder das Gebrochene (Rollenspiel selbst als Thema).
Damit streife ich das von einigen anderen erwähnte ethische Problem. Dazu sage ich: Alle BDSM-er zehren irgendwie vom Leiden anderer (oder ihrem eigenen). Daran ändert auch die Einvernehmlichkeit grundsätzlich nichts, die nur eine Tarnkappe der Zulässigkeit darüber schmeißt.
Vielen Dank, Natty, für Deinen Geschichtenbeitrag,
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