Liebe Leser dieser Geschichte: Seit wann müssen Geschichten „Wohlfühlgeschichten“ sein? Wir sind doch kein Forum für Stories der Art „Arztroman“ oder „Liebesroman“? Ich finde, diese Geschichte passt sehr wohl zum Thema Obsession, denn der Antiheld hat eine solche, nämlich Sex gepaart mit Machtfantasien. Dass er Alkoholiker ist, ist dabei eher eine Zugabe. Natürlich ist dieser Mensch ein kaputter Mann, zerstört von seiner Hilflosigkeit und seiner Sucht nach Sex und Alkohol, sprich: Seiner Besessenheit. Ich bin erstaunt, wie viele von euch diesen Text verstörend empfinden. Wir leben nun mal nicht in einer heilen Welt voll Schönheit. Und wie im Leben um uns herum, so hat das Hässliche eben auch seinen wichtigen Platz in der Literatur, auch wenn sie amateurhaft ist.
Forum - Veröffentlichungen auf den Schattenzeilen - Geschichten
»Gespiegelt« von poet
Bezieht sich auf die BDSM-Geschichte »Gespiegelt«.
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Autorin. Förderer.
Förderer.
Hallo Thorsten,
wir verstehen uns schon richtig; ich weiß, was Du hier mit 'Kunst' meinst. Ich kenne Dich zwar nur von deinem Profil her und Deinen Kommentaren bezüglich der Geschichten, aber ich traue Dir nicht zu, über diesen Mann oder auch andere Dinge überhaupt abwertend zu reagieren. Ich schätze Dich sehr tolerant ein, und nach dem Motto 'Leben und Leben lassen' tolerierst Du sicher auch Ansichten oder Neigungen, die Du selbst vielleicht nicht hast - so lange sie natürlich ethisch, moralisch und juristisch vertretbar sind.
Ich habe mich halt nur an der Begrifflichkeit 'Lachen' gestört.
Über 'echte Gewalt' oder 'Sklaverei' brauchen wir nicht zu reden; es versteht sich doch von selbst, dass sowas tabu ist, unter welchem Namen es auch immer bemäntelt wird.
Gruß vom Bär. 🙂
Förderer.
Hallo Natty,
du hast schon Recht, die meisten Menschen, von ihren Süchten gesteuert werden, wollen tatsächlich keine Hilfe. Da gibt es einen jungen Mann, der schon mehrmals zum Crystal-Entzug war. Auf meine Frage, warum er dann immer wieder damit anfängt, kam von ihm: "Crystal macht einen glücklich". Solchen Leuten ist dann wirklich nicht mehr zu helfen...
Lieben Gruß vom Bär.
Hallo Bär !
Ich wollte dir nicht zu nahe kommen mit meiner Nachricht.
Nein das wirklich nicht.
Auch ich kenne Dich nur von hier und schätze Dich als ruhigen und nachdenklichen Menschen ein. Der auch gefühlvoll ist.
Ich verstehe das auch, dass Du mein Lachen als unpassend empfunden hast aus der Situation heraus.
Weil dich diese Geschichte getriggert hat.
Das lässt mich nicht kalt und macht mich nachdenkliche .
Aber ist es nicht so mit solchen Geschichten wie diese oder auch einigen mehr, das diese so hart an die Grenzen geht, Grenzen überschreiten und dadurch polarisiert.
Wie sagte es poet selber? Eine hässliche Geschichte oder so ähnlich.
Aber so nah am Leben dran wie keine andere.
Liebe Grüße Thorsten
Förderer.
Lieber Poet,
jetzt bist Du meinem Kommentar zu vor gekommen.
Auch für mich war Deine Geschichte schwer zu verdauende Kost, auch wenn menschliches Elend und Leid Dinge sind, die mir durchaus schon des Öfteren begegnet sind, sowohl im beruflichen, als auch privaten Kontext.
Sicherlich hast Du die Situation dieses am Leben gescheiterten Mannes, der säuft und nebenher von einer Sklavin träumt, gut beschrieben. Ja so etwas zu lesen stimmt auch mich traurig, aber diese frauenverachtende Haltung, die dieser Mann einnimmt, macht mich auch wütend. Gerade diese Haltung das alle anderen an seinem Leid Schuld sind, und Frauen eh nur verachtenswerte Schlampen sind, macht ihn ja, zumindest für mich, so unsympathisch. Da er selbst sich nur noch in seinem eigenen Elend „ suhlt“ und die Frauen ihn höchstens noch mit einem mitleidigen Seitenblick ansehen, passen seine Träumereien nach Sex mit Machtfantasien auch bestens in seine Charakterbeschreibung. Nur konnte ich dies nicht als seine Obsession im
BDSM Kontext betrachten, da der Bezug zum BDSM für mich hier wirkte wie ein Abziehbild ohne Inhalt, er will Frauen einfach tatsächlich nur benutzen, Respekt anderen gegenüber, der Aspekt der Augenhöhe und der Einvernehmlichkeit sind wohl eher Fremdwörter für ihn. Und dies ist leider traurige Realität in unserer Welt.
Zur Bewertung als Mitglied der Jury habe ich wirklich einige Male darüber nachgedacht, bin aber letztendlich zu dem Schluss gekommen, dass ich den Bezug zum Thema der Obsession nicht in seinem Sehnen nach einer “ willigen” Frau sehen konnte, sondern, so wie Natty, eher in seiner Alkoholsucht.
Der Protagonist belügt sich ja im
Grunde selbst, dass er seine Alkoholsucht nur als Betäubung der ewigen Beschränkung auf autoerotischen Sex herunterspielt, falls Du das anders gemeint haben solltest, kam es für mich als Leserin nicht überzeugend genug rüber.
Daher empfinde ich diese Geschichte von Dir zwar als gut und treffend geschrieben, nur für mich hatte sie das Wettbewerbsthema „Obsession“ im Kontext einer BDSM- Geschichte hier, nicht erfüllt, auch wenn mir das leid tut es so zu sagen, und es wurde ja durchaus auch anders betrachtet.
In letzter Zeit wurden hier einige Fragen der Art aufgeworfen, was sind eigentlich „ BDSM Geschichten“ ? Müssen sie nur romantische Liebe beinhalten oder wie Du fragst nur Wohlfühlcharakter haben? Wieviel Einvernehmlichkeit braucht so eine BDSM Geschichte? Aus meiner Sicht: Sehr viel, zumindest als Basis zwischen den Beteiligten, ansonsten wäre es ja kein BDSM mehr ( so wie ich es kennen und lieben gelernt habe)? Dazu gibt es ja auch Richtlinien hier. Aber manchmal sind die Grenzen fließend, und es gibt nicht nur schwarz und weiß, und ja, Kunst und Literatur werden langweilig und inhaltslos, wenn sie nur banale Wohlfühloberflächlichkeiten beschreiben, wobei ich es auch toll finde, wenn es gelingt schönen Dingen Tiefe zu geben, und nicht nur dem Leid.
Die Schattenzeilen leben von den vielen so unterschiedlichen Geschichten und ich habe den größten Respekt vor der Arbeit, Phantasie und dem Mut die dahinter stecken und die ihr Autor*innen mit uns „ nur Lesenden“ und bewertenden teilt, und auch wenn es keinen „ Wohlfühleffekt“ hat, so regt es doch zumindest zum Nachdenken und zu Diskussionen an.
Schöne Grüße, Rote Blume
Autorin. Teammitglied.
10.08.2026 um 18:36 Uhr
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Autor. Förderer.
Hallo Bär,
jetzt muss ich mich leider einklinken, da mich dieses »Schwarz-Weiß« denken bei Süchtigen etwas triggert.
Ich habe schon viel mit solchen Menschen zu tun gehabt, habe welche gesehen, die ihre Abhängigkeit überwunden haben und auch andere, die daran gnadenlos eingegangen sind.
Entzug nutzt gar nichts, wenn sich die Lebenssituation der Betroffenen nicht ändert. Denk mal über die Aussage des dir bekannten Crystal Abhängigen nach. Was steckt da wohl dahinter? Oder warum, denkst du, greifen Menschen zu solch drastischen Suchtmitteln? Weil sie ein schönes, tolles Leben haben und alles bunt und großartig ist?
Drogen betäuben Schmerzen, die von der Seele aus gehen. Und manchmal können verletzte Seelen stumm so unfassbar laut schreien, dass den meisten Menschen die Ohren abfallen würden.
Wir sollten alle mal weniger urteilen und viel mehr hinterfragen.
Viele Grüße,
V.
Förderer.
Hallo Thorsten,
Du bist mir nicht zu nahe gekommen, alles gut. Ich habe lediglich meine Ansicht geteilt und dafür ist das Forum doch letztendlich, neben einigen anderen Dingen natürlich, auch da.
Ich finde es aber sehr schön, dass sich hier ein kontroverser Dialog entwickelt hat. Schon das allein zeigt doch, dass man sich mit dem Schicksal dieses Protagonisten auseinandersetzt und nicht einfach darüber hinwegsieht. Was machen denn die meisten Leute draußen..? Die gucken einfach weg, wenn eine solche 'Randerscheinung' der Gesellschaft ins Blickfeld gerät. Und manch einer, der früher auch weggeschaut hat, sucht heute selbst Pfandflaschen im Papierkorb. Gerade in Bezug auf Alkohol kenne ich keinen, der einfach so aus einer Laune heraus mit dem Trinken angefangen hat. Ich meine jetzt nicht den 'partybedingten' Alkoholabusus, den wir im Kreise der damaligen Kumpel in der fernen Jugendzeit an manchem Wochenende betrieben haben. Solange man zwischen 'Dienst' und 'Schnaps' unterscheiden kann und mit dem Erwachsenwerden auch vernünftiger wird, ist meiner Ansicht nach alles im grünen, oder strenger betrachtet, im gelben Bereich.
Gruß vom Bär.
Förderer.
Hallo Valérian,
Dein 'Einklinken' musst Du nicht mit 'leider' bezeichnen, wie schon geschrieben finde ich diesen kontroversen Dialog hier sehr gut. Und auch ein Hinterfragen erkenne ich in diesem Dialog definitiv, wenn er nicht sogar durch das Hinterfragen der einzelnen Leser überhaupt am Leben gehalten wird.
Aber nichtsdestotrotz muss ich anmerken, dass ich bei Süchtigen nicht nur schwarz-weiß denke. Schwarz-weiß nur bei dem Punkt: Süchtig ja oder nein. Diese Unterscheidung hat absolut nichts mit den Gründen der Sucht zu tun oder wie diese entstanden sind. Da gibt es zum Beispiel schon mal die durch genetische Faktoren begünstigte Alkoholkrankheit, wodurch der Betroffene natürlich leichter in den Strudel der Sucht geraten kann.
Mancher will seinen grauen Alltag vergessen, mancher will seinen 'Kick' und wieder ein anderer will seinen Schmerz betäuben, und sei es auch 'nur' Liebeskummer. Ich weiß, dass Liebeskummer keine Einbildung ist, wie man es uns früher einzureden versucht hat. Die Quintessenz daraus ist für mich eine Zusammenfassung von nahezu unzähligen Grautönen bezüglich der Gründe, die eine wie auch immer geartete Sucht nach sich ziehen können.
Das jegliche Entzugs- oder Entgiftungstherapien nur dann Erfolg haben, wenn es der Süchtige auch wirklich aus seinem Innersten heraus will, ist mir schon klar.
Gruß vom Bär.
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10.08.2026 um 08:44 Uhr
Sorry liebe Schattengemeinde, aber nach Lachen oder Satire ist es mir da wahrlich nicht zu Mute..
Lieber Bär,daß muss es auch nicht, es geht für dich, wenn du eine Geschichte liest, um dein Gefühl, nicht um unseres
Für mich ist eine Sartire eine scharf überzogene Beschreibung der Wirklichkeit, in der oftmals Missstände angeprangert werden. Unter diesem Gesichtspunkt passt sie für mich nunmal in diese Kategorie.
Und dadurch, dass er am Ende hinter den Spiegel rutscht, kommt auch noch eine phantastische Komponente dazu.
Ich kann dein Gefühl nachvollziehen, auch ich kenne solche Lebensgeschichten aus dem Privaten und vor allen Dingen aus dem Beruflichen. Und viele davon haben harte Schicksalschläge hinter sich, keine Frage. Aber dennoch wollen viele keine Hilfe annehmen. Würden sie die Geschichte lesen, würden sie sich angesprochen fühlen?
Hilfsangebote greifen nur, wenn der Betroffene dies will und der Wille wird leider allzu oft vom Alkohol betäubt.
VG Natty
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