Danke für deine ausführlichen und gut begründeten Ansichten. Das hilft einem Schreibenden wie mir sehr 
Forum - Schreiben - Schreibtisch
Ich und du, Müllers Kuh … Welche Erzählperspektive ist eure liebste?
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Autor. Förderer.
Autorin. Teammitglied.
11.01.2026 um 10:07 Uhr
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Auch wenn es nicht die Perspektive ist, die ich oft benutze, ist die Du-Perspektive mein kleiner Liebling. Gerade in den Momenten, in denen ich mir noch nicht in der Erzählperspektive sicher bin, oder erst einmal darauf los schreiben möchte, greife ich gerne auf die 2.Person zurück.
Ich finde, dass ein "Du" mich teilweise als Autor zum Leser macht und ein Platzhalter dafür sein kann, wie innig die Beziehung zu der Protagonist*in sein soll oder auch sein kann. Damit meine ich, dass "Du" in gewisser Form ein allgemeines "man" ersetzen kann, aber auch die persönlichere Version vom "Ich" sein kann, denn ich als Leser nehme aktiv an der Geschichte teil und muss mich nicht in die Figur hineinversetzen.
Wenn es sich bei dem "Du" um den Leser handelt muss man ganz explizit darauf aufpassen, dass der Leser mit seinen Persönlichkeitsmerkmalen nicht kollidiert und diese innige Nähe nicht zerbricht, an sich ist das die gleiche Gefahr wie bei einem Ich-Erzähler. Die Gefahr, dass sich der Leser nicht in die Erzählperspektive hineinversetzen kann, weil sie zu genau oder zu allgemein erzählt. Wenn ich dieses Problem bereits in meinen Schreibideen und Schreibschnipseln in der Du-Perspektive löse, ist die Ich-Perspektive auf einmal viel leichter.
Wenn es sich bei dem "Du" um ein allgemeines "man" handelt, kann ich die Persönlichkeitsentwicklung in meiner Geschichten-findungsphase sich selbst entwickeln lassen, das "Du" hat noch kein Gesicht, ich kann die Geschichte laufen lassen, bevor ich mich endgültig entscheiden muss.
Aber abgesehen von meinen Schreibübungen und Schreibschnipseln ist die Du-Perspektive gerade in Kurzgeschichten, Gedichten oder Dialogen auch in fertigen Geschichten unglaublich spannend. Hier bekommt das "Du" nochmal eine ganz neue Perspektive. Es kann die 4-Wand durchbrechen, in einem Gedicht musikalisch verschiedene Stimmen einnehmen oder in einem Dialog zu verschiedenen Figuren gleichzeitig sprechen, zu der Figur in der Szene, zu dem Leser und reflektiv über die Person, die spricht.
Es ist nicht die leichteste, oder oft auch nicht die perfekt geeignete Perspektive, aber es loht sich für mich immer, sie nicht zu vergessen und zumindest einmal zu probieren.
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11.01.2026 um 02:39 Uhr
Beim Erzählstil in Ich-Form sehe ich mich eher genötigt, mich mit dem Protagonisten zu identifizieren – auch dann, wenn ich dessen Innenwelt z.B. als unsympathisch oder unlogisch wahrnehmen muss. Lieber bin ich bei mir selbst und lasse mich über einen personalen Erzähler zu meinen eigenen Gefühlen lenken. Das betrifft ganz besonders Erotikgeschichten, wegen abweichender Neigungen und Bedürfnisse. Ganz grundsätzlich dringe ich ungern in die Intimsphäre anderer ein, und nichts ist intimer als Gedanken und Gefühle. Wenn sich die Innenwelt zu sehr mit meiner deckt, dann fühle ich mich vielleicht auch auf abstruse Weise vereinnahmt und vorgeführt. (Ich kann es gerade wieder einmal nicht besser erklären. ;)
Deshalb bevorzuge ich die auktoriale oder personale Erzählperspektive, weil ich eher den distanzierteren und voyeuristischen Standpunkt einnehmen möchte. Es lässt mich mehr bei mir selbst sein, bei meinen Empfindungen, deren Reflektieren und bei meinen Wertungen. Die Gesamtheit der Geschichte lässt sich bei diesen Formen umfassender verstehen, und mich auch die Perspektive derjenigen einnehmen, welche nicht die Hauptfigur darstellen.
Aber keine Regel ohne Ausnahme, jedenfalls in diesem Zusammenhang
Gruß
Salimera
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