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Forum - Schreiben - Übungen

Blitzlicht (Staffel 6, Teil 1): Bunte Blätter im Wind

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hanne lotte

Autorin. Lektorin.

08.11.2023 um 22:28 Uhr

Ihr Lieben,

erinnert ihr euch noch an die Blitzlichter? Ich möchte die Idee wieder aufleben lassen, denn in dieser Zeit sind viele spannende Geschichtenschnipsel und Geschichten entstanden. Zu finden sind sie hier im Bereich „Übungen“.

 

Für alle, die damals (November 2018 – April 2020) noch nicht dabei waren, eine kleine Anleitung:

 Es gibt zu Beginn jeder Woche ein Stichwort oder einen kurzen Spruch als Anregung.

 Die Aufgabe besteht darin, zu dieser Anregung einen kurzen Text, eine Szene, eine Momentaufnahme zu schreiben. Keine Geschichte!

 Jeder Text darf maximal 300 Wörter haben.

 Nach 5 solchen Runden soll/kann sich jeder Teilnehmer eins oder mehrere seiner Schnipsel noch einmal vornehmen und eine Fortsetzung dazu schreiben

 In Woche 7 besteht die Herausforderung darin, zu den Textschnipseln mit Fortsetzung ein Geschichtenende zu finden.

 

Danach bleibt es euch überlassen, aus den so entstandenen Fragmenten eine vollständige Geschichte zu machen, wobei die Lücke zwischen Fortsetzung und Ende sicher unterschiedlich groß sein wird.

 

Mehr gibt es nicht zu beachten. Ganz einfach, oder?  Eure Texte schreibt ihr hier in diesem Thread. Es geht auch nicht um Perfektion, eher um Ausprobieren und Warmschreiben. Eine Fingerübung zur Kreativitätsförderung.

 

Ich erhoffe mir neben dem Spaß davon auch, dass wir über die Texte ins Gespräch kommen und uns gegenseitig weiterhelfen.

 

Das erste Thema der neuen Runde: Bunte Blätter im Wind

 

Ich freue mich auf eure Ideen.

hanne

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Meister Y

Autor. Förderer.

09.11.2023 um 10:15 Uhr

Liebe hanne lotte, ich freue mich ganz besonders darüber, dass es hier wieder Blitzlichter gibt!

Ich gestehe, dass ich sie wirklich vermisst habe und bin auf alle Fälle wieder dabei.

Ich gehe davon aus, dass wir, wie zuletzt auch, ohne Überschriften arbeiten?

 

Ich werfe mal einen ersten Beitrag in den Ring:

 

„Karla, Karla, sag mal, hörst Du das auch?“, rief Ina, die neue Nachbarin aus dem Nachbargarten herüber. „Habt Ihr jetzt ein Schaf, oder stehen da irgendwo Kühe?“

 

Karla wollte am liebsten im Boden versinken und griff sich instinktiv an den Hals. Glücklicherweise stand sie mit dem Rücken zum Zaun und war dabei, mit einem großen Rechen das bunte Laub der alten Eiche im Garten zusammen zu rechen. Immer wieder fuhr der Wind in den Garten, wirbelte die Blätter auf. Oskar, der noch junge Jagdhundrüde, hatte seine helle Freude daran. Oft versuchte er Blätter in der Luft zu erhaschen, stob durch die Haufen, die schon zusammengerecht waren.

 

Uwe indes, stand auf der Terrasse und legte ein Buchenscheit in das prasselnde Feuer unter der Kesselgulaschpfanne. Er rührte kurz und sah auf die Uhr. Fünfzehn Minuten noch, dann würde er seine Frau erlösen, die eigentlich versprochen hatte, das Laub schon am Vortag zusammen zu rechen. Als er dann aber am späten Nachmittag nach Hause gekommen war, musste er feststellen, dass Karla im Garten nichts gemacht hatte. Britta sei unangemeldet vorbeigekommen, habe frischen Apfelkuchen mitgebracht. Man hätte sich dann beim Kaffee verquatscht und die Zeit vergessen, hatte Karla erzählt, Uwe, ihren Mann um Entschuldigung gebeten. Er sei sich sicher, dass sie das Laubrechen nicht noch einmal vergessen würde, hatte Uwe geantwortet, ehe er mit Oskar aufgebrochen war um einen Jagdkollegen bei einer Nachsuche zu unterstützen.

 

Obwohl es Uwe ausdrücklich untersagt hatte, zog Karla den Reißverschluss ihrer Jacke bis zum Hals zu, ehe sie sich zu Ina umdrehte. Niemand sollte die Glocke sehen, die Uwe am Ring an ihrem Halsband befestigt hatte. „Ich weiß gar nicht was Du meinst!“ rief sie zurück. „Komisch“ antwortete Ina „jetzt ist es still.“

 

Uwe schmunzelte und schaute auf die Uhr. Die Sache mit der Jacke würde er Karla verzeihen.

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Nora

Profil unsichtbar.

09.11.2023 um 11:31 Uhr

Meister Y, ehrlich jetzt!

Du könntest deine Einkaufszettel hier reinstellen und es wäre noch immer großartige Literatur!

Wie soll ich da mithalten, wenn du die Latte so hochsteckst?

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Nora

Profil unsichtbar.

09.11.2023 um 12:17 Uhr

geändert am 09.11.2023 um 12:43 Uhr

Aber ich versuch es mal: 

Ich saß in Nolis Gastgarten bei einem Bier und blickte in die Kastanienbäume. Es war bereits Mitte September und das Laub der Bäume sollte sich schon lange verfärbt haben. Aber es war nichts Buntes an den Blättern. Nur dieses schmutzige Braun an den Rändern, das bereits seit Juni an ihnen haftete.

„Das ist die Miniermotte“, hatte mir Papa erklärt. „Die nimmt überhand, seit die Sommer immer heißer werden. Genauso wie der Borkenkäfer bei den Nadelbäumen. Die Wälder sterben. Wir hinterlassen euch keine gute Welt, Nora. Wir haben sie kaputt gemacht.“

Er war traurig gewesen an diesem Tag. Nicht weil es der dritte Todestag von Mama war, nein, es war eher wegen der Blätter in den Bäumen, die sich nicht mehr bunt verfärben wollten. Zu Mamas Begräbnis taten sie das noch und trösteten uns an ihrem Grab.

Und jetzt gab er sich und seiner Generation die Schuld am Klimawandel? Ach Papa, dachte ich, Schuld sprechen die Richter, nicht die Angeklagten, auch wenn sie sich selbst für schuldig halten. „Das denkst ausgerechnet du, Nora?“, sagte die andere Nora in mir, „Du, die sich jahrelang selbst die Schuld am Tode ihrer Mutter gab?

Marie kam um die Ecke und die Sonne ging in meinem Herzen auf. Sie trug eines ihrer dünnen Sommerkleidchen und wahrscheinlich nichts darunter, so warm war es, setzte sich auf meinen Schoss und küsste mich, duftete nach Sport und frischem Schweiß.

„Ist meine Herrin traurig?“, fragte sie

„Nein, nur etwas nachdenklich.“

„Weswegen?"

„Wegen der bunten Blätter.“

„Welche bunten Blätter denn?“

Eben, dachte ich, welche bunten Blätter.

Meine Hand strich über ihren Po. Sie trug tatsächlich kein Höschen unter dem Kleid. Noli brachte eine große Apfelschorle für sie.

„Trinken ist wichtig bei dieser Hitze“, sagte er und lächelte sie freundlich an.

Marie trank das Glas in einem Zug aus. Der Ring auf ihrem Halsband brachte mich auf andere Gedanken.

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Meister Y

Autor. Förderer.

09.11.2023 um 13:04 Uhr

geändert am 09.11.2023 um 17:08 Uhr

Geschätzte Nora, wie war das gleich noch mal mit der Latte?

 

Klimawandel mit einem Hauch BDSM verwoben, ganz ehrlich, das gefällt mir ausgesprochen gut!

Das einzige, was mich persönlich immer stört (Achtung meckern auf hohem Niveau...) sind "...war...gewesen..." - Sätze.

 

Also, toller Einstieg, allerdings hast Du, wenn ich mich nicht verzählt habe, acht Worte zu viel geschrieben .

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Diedie Nerin

Autorin.

09.11.2023 um 17:19 Uhr

Sie war so glücklich.  Sie hatte den richtigen Mann und die richtige Entscheidung getroffen. Er war genauso, wie sie es sich gewünscht und wie sie ihn sich vorgestellt hatte. Deutlich älter und ein Gentleman alter Schule. Kaum größer als sie selbst, aber von unglaublicher Präsenz. Mit welcher Selbstsicherheit er vor allen Augen und vor allen Ohren im Café das einigermaßen heikle  Thema  mit ihr besprochen hatte und ihm keine ihrer Fragen zu intim oder zu naiv waren, um sie ausführlich zu beantworten. Und das alles, ohne seine schöne dunkle Stimme zu senken. Sie konnte gar nicht anders, als ihm von Anfang an gewogen zu sein und ihrem ersten Eindruck zu vertrauen: Das war ihr Mann für die so lang ersehnten Stunden. 

 

Seine eingeforderte Bedenkzeit würde sie nicht benötigen. Als sie sich verabschiedeten, überreichter er ihr trotzdem einen Umschlag mit dem, wie er es nannte, Vertrag. Sie solle sich Zeit nehmen und zuhause alles noch einmal durchgehen, um dann in Ruhe zu entscheiden. Ein Erscheinen zu ihrem ersten geheimen Treffen würde als Zustimmung zu allen Punkten gewertet. 

 

Sie verließen zusammen das Café und verabschiedeten sich draußen. Sie wartete noch, bis er hinter der vom Wind zerzausten Hecke am Parkplatz verschwand, dann riss sie mit zitternden Fingern den versiegelten Umschlag auf. Drei säuberlich beschriftete Blätter, jedes in einer anderen Farbe. Sie überflog die erste Seite und sie musste grinsen. Ihre Augen folgten dem Text bis zum Ende der zweiten Seite und Ihr stockte der Atem. Der Paragraph endete mit: „ … ebenso wie die Entscheidung, was M. in dieser Zeit mit L. macht. Es gibt ein Safeword, es lautet …“. Exakt in dem Moment, in dem sie umblättern wollte, riss ihr der Wind das letzte der bunten Blätter aus den Händen und nahm es mit in die heraufziehende  Abenddämmerung.

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Jona Mondlicht

Autor. Lektor. Teammitglied.

09.11.2023 um 17:51 Uhr

Ihr Lieben,

 

schön, dass Eure Kreativität angestoßen ist.

 

Auf eine Sache möchte ich hinweisen:

Die Übung gilt zunächst lediglich Blitzlichtern, nicht fertigen Kurz- bzw. Minigeschichten.

 

hanne lotte

Die Aufgabe besteht darin, zu dieser Anregung einen kurzen Text, eine Szene, eine Momentaufnahme zu schreiben. Keine Geschichte!

 

Kontrolliert Eure Texte nocheinmal darauf, ob sie tatsächlich nur eine Szene beschreiben, nicht mehr. Denn Spannungsbogen oder gar Twist gehören hier noch gar nicht her. 

 

Viele Grüße und weiterhin viel Spaß

Jona

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hanne lotte

Autorin. Lektorin.

09.11.2023 um 20:07 Uhr

geändert am 09.11.2023 um 20:08 Uhr

Wow, ich bin ja ganz hin und weg. Schon drei Texte.

Ich freue mich riesig, dass das Blitzlicht so gut angenommen wird.

 

@Meister Y:

Richtig, ohne Überschrift, soll ja genau genommen noch wachsen.

 

Bis später

hanne

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Nora

Profil unsichtbar.

10.11.2023 um 08:49 Uhr

geändert am 10.11.2023 um 08:52 Uhr

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Noras Marie

Profil unsichtbar.

12.11.2023 um 10:34 Uhr

geändert am 12.11.2023 um 10:54 Uhr

Ich will da mal nicht hinten anstehen. Hier mein Beitrag (sicher auch komplett daneben, aber egal. Es will geschrieben werden):

Meine Donna blickte auf die Frau, die eben zu unseren Tisch gekommen war, dann auf mich, dann wieder auf sie. Binnen einer Sekunde hatte sie sie gemessen, gewogen und für gut genug befunden, mit mir zu tanzen und gab mit einem kurzen Nicken ihr Einverständnis. Ich stand auf und folgte der Fremden auf die Tanzfläche.

Sie war mir schon zuvor aufgefallen. Kaum älter als Nora, aber etwas grösser als sie, lange Beine, kurzes Haar, spanische Hosen, ein Top mit einer eng anliegenden durchsichtigen Bluse, auf deren Ärmel bunte Blätter dargestellt waren. Sie tanzte den Tango, als hätte sie ihn erfunden.

Jede ihrer Bewegungen knapp bemessen, wie die Schnitte eines Chirurgen und dennoch fließend wie der Rio de la Plata, beherrschte sie den Tanz, wie der Tanz sie beherrschte.  Ein pures Vergnügen alleine ihr zuzusehen, welche Ehre von ihr über das Parkett geführt zu werden.

Wir gingen in die Grundstellung, ihre Linke nahm die meine, als sei es ihre eigene, das Handgelenk ihrer Rechten fand die Stelle zwischen meinen Schulterblättern, drückte mich an sie und ihr rechter Oberschenkel schob sich zwischen meine Beine. So würde sie mich führen, wohin sie wollte. Und ich mich führen lassen.

Ich sah ihr in die Augen, wissend, dass meine rechte Hand in ihrer linken gefangen war und gefangen bleiben wollte, sah in ihre grünen Augen – ihr Blick war streng und zärtlich zugleich – und legte meine rechte Hand auf ihren Oberarm. Dann zuckte ich zurück, als hätte ich in einen Stromkreis gegriffen.

Sie trug keine Bluse. Es war ein kunstvolles Tattoo, schön wie ein Gemälde von Botticelli. Von den Handgelenken bis zu den Schultern grüne Ranken, mit bunten Blättern. Auf beiden Armen. Aber darunter, unter dem Tattoo spürte ich tiefes Narbengewebe, beide Arme entlang.

Dann begann die Musik und ihr Blick fiel tief in mein Herz.

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