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Geschlechterrollen im BDSM

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oldwife

Gelöscht.

30.11.2021 um 15:54 Uhr

Liebe Mitlesende, ich möchte gerne von euch wissen, ob und wie bewußt ihr eure Geschlechtszugehörigkeit in euer BDSM mit einbezieht. 

Um zu verdeutlichen, was mich interessiert, erzähle ich etwas ausführlicher von mir: 

Ich habe zunächst als Lesbe bereits Kontakt zu BDSM gehabt, ohne mich damit besonders zu identifizieren. Wünsche von Geliebten, von mir Schmerzen zugefügt zu kriegen, konnte und wollte ich nicht erfüllen. Ich hielt mich auch nie für dominant, sehe aber im Rückblick, daß ich im sexuellen Kontext wie von selbst sehr oft die Führung übernommen habe, ich bin generell aktiv, mich passiv zu verhalten fällt mir schwer. 

Mittlerweile lebe ich in Heteroehe und betrachte mich als bisexuell. Meine ersten gezielten "Gehversuche" und damit auch konkreteren Auseinandersetzungen mit BDSM ging ich immer auf der submissiven Seite mit dominanten Männern. Zusammengefaßt: Frauen gegenüber bin ich "sanft dominant" und aktiv, Männern gegenüber (bin ich ziemlich unerfahren ) - bin ich zumindest vom Fühlen her submissiv.  

Es hat für mich ganz klar mit Rollenvorstellungen und "Mustern" zu tun, die bestimmte Verhaltensweisen eher "männlich" bzw. "weiblich" zuordnen. 

Ich möchte gleich deutlich sagen: ich bitte nicht um Rat oder Hilfe, mich interessiert lediglich, ob ihr "typische" Dominanz-/Unterwerfungsszenarien auch im Kontext mit eurem Mannsein bzw. Frausein verbindet und inwiefern diese Szenarien möglicherweise auch im Widerspruch stehen zu eurem gelebten Alltag. 

Neugierig auf eure Gedanken 

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Nachtasou

Autor.

01.12.2021 um 00:51 Uhr

oldwife

... mich interessiert lediglich, ob ihr "typische" Dominanz-/Unterwerfungsszenarien auch im Kontext mit eurem Mannsein bzw. Frausein verbindet und inwiefern diese Szenarien möglicherweise auch im Widerspruch stehen zu eurem gelebten Alltag. 

zu Frage 1.) Natürlich, ja.

Ich wüsste nicht, womit ich das »Typische« sonst verbinden sollte. Ich mag gern »typische« Frauen sehen und anfassen, da bleibt mir nur das, was sie nicht sind.

2.) Natürlich, ja.

Im Alltag bin ich nicht der typische Mann.

Das wären meine Antworten vor 20 Jahren gewesen.

---

Deine Fragen kann nur jemand stellen, die sich »oldwife« nennt *g kopfschütteln, sorry

Mich würden Antworten von Jüngeren interessieren, die Helmut Schmidt, §175 oder »ich habe abgetrieben« nur aus dem Geschichtsbuch kennen und bei denen sich nicht nur linke oder rechte Reflexe auslösen. Die ohne Verrenkung trivialemanzipiert und bdsm-er/innen sein können.

Mir fällt es schon schwer, überhaupt die Worte zu finden, ohne mich zu verhaspeln.

Bdsm ist ein kultureller Fortschritt, behaupte ich mal, weil er (aus überkommenem Blickwinkel betrachtet) zwei Momente in sich trägt, die sich auch noch miteinander vertragen: einerseits das restaurative Klischee (Mann dominant, Frau knieend), und das Gegenteil davon (Frau dominant, Mann knieend). Beides herrschaftlich. Und andere Momente, die oft vergessen werden: Fetischisten verschiedener Färbung, Bisexuelle und noch viel mehr. Die Betonung liegt auf: Sie vertragen und durchmischen sich seit Jahrzehnten und könnten verschiedener nicht sein. Das nenne ich Fortschritt.

Mit der heranwachsenden Generation löst sich die »binäre Geschlechts-Denke« auf, und auf einmal verpuffen auch innere Konflikte. Diese immer feiner werdenden Selbstwahrnehmungen und Außenbilder sind zwar noch keine Flut, aber schon kniehoch. Manche ältere werden deshalb ihre Feindbilder vermissen.

Wenn die Illouz soziologisch den BDSM noch als Versuch deutet, Rollenbilder spielerisch abzusichern, weil in Konfusion geraten, ist sie im Geiste traditionell und gestrig, denn psychisch betrachtet entschärfen sich mit dem Auffächern die binären Rollenklischees und müssen so gar nicht restauriert werden. Wo´s nicht juckt, entfällt auch das Kratzen.

Zu mir: War ich mir meist meiner in Deinen Fragen angedeuteten Zwiespalte nur unwillig und höchstens halb bewusst, mied ich die Antworten wie die Pest, weil sie Unwohlsein auslösen. Zum Beispiel "Kompensation" und all so ein Dreckszeug, weil in jungen Jahren nur Klischees im Kopf. Und manchmal dauern Pubertäten lange an oder enden nie. Da bleibt nur Akzeptieren von Versäumtem und von unnötig quadratischem Denken und Fühlen.

Entgegen meiner anfänglichen Befürchtung, in der aktiven Rolle des SM zu kompensieren, entpuppte ich mich in der Praxis dann eher als fürsorglich und sanft. Aber auch dies ist vielleicht ein »So-Sein-Dürfen« als Mann, nicht mit, sondern trotz SM. Die wirklich schädlichen Fantasien bleiben verbannt im Hinterstübchen oder in der Schublade, wo sie hingehören. Das lässt uneins fühlen mit sich, aber hey, wer sagt, dass im Innern alles ineinanderpassen muss. Ein Mensch ist keine Schweizer Uhr (nicht Swatch, sondern die mit Zahnrädern *g). Oder: Solang gegenseitige Zuneigung im Spiel ist und nicht nur Inszenierung, trägt auch dünnes Eis.

... war mal wieder weitschweifig, und so gibt es halt doch Unveränderliches im Leben.

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