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Forum - Veröffentlichungen auf den Schattenzeilen - Geschichten

»Gespiegelt« von poet

Bezieht sich auf die BDSM-Geschichte »Gespiegelt«.

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Schattenzeilen

Autorin. Teammitglied.

»Gespiegelt«

von poet

 

Taumelnd stand er auf und wankte ins Badezimmer. Starrte in den Spiegel. Alkohol, Nikotin und Sex – das machte ihn fertig. Und dann war da plötzlich noch etwas Weibliches, Kurviges.

 

 

Die BDSM-Geschichte lesen: »Gespiegelt« von poet

08.08.2026 um 14:50 Uhr

Hallo poet,

 

herzlichen Glückwunsch zur Platzierung! 🙂

 

Ich merke immer wieder, dass ich mit Geschichten nicht klar komme, wenn die Protagonisten niveaulos, unreif oder so runtergekommen wirken. Mir versaut das jeden anregenden Gedanken. Klar, es mag ja sowohl die pubertierenden Jugendlichen als auch die alten schmuddeligen Säcke geben, aber wtf, warum in Geschichten, die beim Lesen Spaß machen sollen...

 

Ist nun die Frau im Spiegel oder das Bier seine Obsession... Weiß nicht genau... und ich weiß auch nicht, ob mit BDSM nun gemeint ist, dass er sich selber schadet mit seinem Lebenswandel... gibt es sowas wie Autosadismus? 😀

 

However, ich habs gelesen, es hat mich kurz unterhalten, dafür herzlichen Dank, aber für einen meiner oberen Plätze hat das leider nicht gereicht. Erraten habe ich dich auch, du schreibst meistens so im Altherren-Bierstammtisch-Style.

 

Viele Grüße

Braves Mädchen

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Bär

Förderer.

08.08.2026 um 15:32 Uhr

Hallo Poet,

 

diese sehr traurige und depressive Geschichte hat mich ganz schön mitgenommen. Vielleicht auch deshalb, weil mir diese oder ähnliche Geschichten, allerdings aus dem wahren Leben, nicht fremd sind. Ich kenne oder leider kannte einige Leute, die Sklaven der Flasche waren und nicht jeder hat es überlebt. Natürlich ist es ein verbreitetes Klischee vom 'pornoglotzendem' Alkoholiker, der nie eine Frau abbekommen hat und sich ständig 'einen runterholen' muss, wenn er an den für sich unerreichbaren Sex denkt. Das ändert aber nichts an der Tragik der Situation. Unterm Strich sehe ich da auch eine gewisse Sozialkritik, welche ich zwar nicht immer, aber meistens angebracht finde und hier ist es definitiv so. Leider kenne ich die Vorgeschichte des Protagonisten nicht. In der Regel wird man nicht so geboren und auch das soziale Umfeld muss diese Entwicklung nicht zwingend hervorrufen. Ich kenne auch genügend ähnliche Schicksale von mir nicht persönlich bekannten Menschen. Zum Einen wahr ich schon oft, meist dienstlich als Fahrgast mit dem Zug, in Frankfurt am Main und hatte auch mal einen absolut nicht dummen Freund, der dort studiert hat. Er ist leider im Drogensumpf untergegangen, ich weiß nicht mal, ob er überhaupt noch lebt. Dann habe ich auch in der Heimat schon viele mehr als traurige Schicksale erleben müssen. Ich habe ein knappes Vierteljahrhundert als Lokführer im Nahverkehr gearbeitet und habe nicht nur gewisse 'Stammgäste' gehabt, die mittags in Stadt gefahren sind und nachts mit dem letzten Zug und einem Rucksack leerer Pfandflaschen wieder auf dem Heimweg warn, was auch immer man unter 'Heim' verstehen kann. Im Innenspiegel habe ich auch gesehen, wie aus einem Häufchen Kippen aus irgendwelchen Aschenbechern auf dem Fensterbrett versucht wurde, sich 'neue' Zigaretten zu drehen. Natürlich hatte ich auch ab und zu mal Polizei- und Rettungsdiensteinsätze erlebt. Aber nicht nur Alkohol: Ein Zug nach Tschechien und zurück hieß bei uns intern "Crystal-Express". Dieser Name braucht sicher keine weitere Erläuterung.

 

Für mich hat diese Geschichte nichts mit BDSM zu tun, aber das stört mich nicht im Geringsten. Ich bitte auch meine Weitschweifigkeit zu entschuldigen, die ebenfalls nichts mit BDSM zu tun hat.

 

Lieber Poet, Du willst wissen, warum man Dir "gelegentlich eine 4 zukommen" lässt. Der obenstehende Text ist meine Begründung für die vier Sterne, die ich Dir gegeben habe.

 

Vielen  Dank und Gruß vom Bär.

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Schattenzeilen

Autorin. Teammitglied.

08.08.2026 um 15:32 Uhr

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Eisvogel

Autor. Förderer.

08.08.2026 um 16:59 Uhr

Lieber poet,

eine tolle Studie, meiner Meinung nach ein wirklich großartiger Text, der mich sehr an Bukowski erinnert - nur eben nicht lustig (und dass wir uns richtig verstehen: Das ist für mich ein Riesenkompliment, weil ich Bukowski sehr gerne lese). Die Verzweiflung und Einsamkeit des Protagonisten hast Du wirklich perfekt eingefangen und ich wollte unbedingt wissen, wie es jetzt ausgeht. Von mir bekommst Du dafür natürlich wohlverdiente vier Sterne. Allerdings kann ich sehr wohl auch nachvollziehen, wenn diese Geschichte a) ziemlich frustriert und b) ein positiver Held in ihr vermisst wird, denn so wirklich präzise und wortgewaltig Du auch den Helden schilderst - richtig kennenlernen möchte ich ihn dann eben doch eher ungern, ehrlich gesagt. Das unterscheidet ihn jetzt von den meisten anderen Helden mit Obsession, die wir in dem Wettbewerb bislang hatten, die dann eben doch alle eher sympathisch rübergekommen sind (nur bei meinem eigenen bin ich mir nicht ganz so sicher, wenngleich ich ihn jetzt doch deutlich liebenswerter als Deinen finde) und definitiv auch von den Helden Deiner anderen Geschichten. Macht andererseits diesen Text natürlich noch mal extra zu etwas ganz Besonderem!

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Natty

Autorin. Förderer.

08.08.2026 um 18:18 Uhr

Der Inhalt dieses Beitrags ist aus Gründen des Jugendschutzes nicht frei einsehbar.

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G Schichtenrausch

Autor. Korrektor. Förderer.

08.08.2026 um 22:51 Uhr

Braves Mädchen

 Klar, es mag ja sowohl die pubertierenden Jugendlichen als auch die alten schmuddeligen Säcke geben, aber wtf, warum in Geschichten, die beim Lesen Spaß machen sollen...

Aus meiner Lektorensicht auf den Schattenzeilen habe ich über deine Aussage nachgedacht.

Ich würde nicht mehr lektorieren, wenn ich ausschließlich Geschichten auf dem Tisch hätte, die beim Lesen Spaß machen sollen.

 

Es gibt sie, die alten Säcke, diese gescheiterten Existenzen, die nichts weiter haben als ihr Versagen, ihre Lüste, die sich durch den Suff zu wahnhaften Obsessionen steigern. In "Gespiegelt" habe ich für den Protagonisten nur einen traurigen Seitenblick, schätze aber die literarische Fähigkeit von poet, diesen Kerl so wunderbar unsympathisch und real darzustellen.

 

Müssen Geschichten Spaß machen?

Es gibt den immer weiter wachsenden Anteil psychisch kranker Menschen, die am Maßstab unserer Spaßgesellschaft scheitern, ebenso wie die vielen Menschen, denen die Spaßgesellschaft die eiserne Fratze zeigt, weil sie nicht jung, intelligent und gesund sind. Ich sehe die pubertierenden Jugendlichen, die in der Spaßgesellschaft keine greifbaren Werte, keine Perspektiven finden, die Crystal-Gesichter, immer mehr arme Alte und ich sehe 95 Prozent der Weltbevölkerung, die liebend gern in unserer Spaßgesellschaft leben würden, die aber nicht mal hier für alle reicht.

Es ist eine interessante Frage, die Sache mit dem Spaß beim Lesen. Den will ich auch, aber viel mehr Konflikt, Spannung, Handlung. Ich will Nachdenken, Gedanken, Ansichten, Einsichten, Vorschläge, Utopien und etwas aus einer Geschichte mitnehmen in mein Leben, bei dem Spaß nur ein geringer Teil ist.

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09.08.2026 um 05:39 Uhr

Lieber poet

 

das war die erste Geschichte hier, wo ich ganz absichtlich wartete was andere für Kommentare schreiben. 

 

Erst einmal vorweg bekommst Du von mir vier Sterne weil ich begeistert bin wie Du diese Szene beschrieben hast. 

Das ist finde ich große Leistung und Schriftstellerrisch eine schwere Arbeit. 

Gerade weil Du es in ganzer Linie durchgezogen hast.

 

Dazu dieses Titelbild. Ich musste gestern so lachen weil es genau dem Bild entspricht welches ich damals beim Lesen vor meinen inneren Augen hatte. 

 

Leider hatte mich die Geschichte in Thema Obsession weniger angesprochen. Was ich schade finde, weil Du so einige tolle Geschichten veröffentlicht hast. 

Aber mich stimmte die Geschichte traurig als ich sie das erste Mal lesen durfte. 

Vor weg möchte ich aber etwas sagen was mir wichtig erscheint. In deiner Geschichte ging es um einen Mann - der wenn ich es sagen darf, Probleme im Leben hat. 

Niemand wird so geboren und ich gehe so weit, daß niemand sich sein Leben so vorgestellt hat als er Jung war und seine Zukunft erträumte. 

Unsere Familie, Mitmenschen, Arbeitgeber und Freunde machen uns zu dem was wir sind. Gerade als Kind lernen wir viel von den Eltern wenn auch vielleicht unbeabsichtigt bzw ohne das die Eltern alles vorher Durchdenken. Denn auch sie sind nur Menschen. 

Ich möchte daher den Mann nicht bewerten oder über sein Leben etwas sagen, jeder kann in eine Lebenssituation gelangen die einen richtig tief fallen lassen. 

 

Traurig genug das er so ein Ende findet und ich glaube in dir hier wieder das Schlitzohr zu finden. Weil ich glaube viele so ihre "Obsession " ausleben und mehr nicht schaffen können. 

Mich hatte es als Jurymitglied nicht angesprochen - was aber nicht bedeutet das diese Geschichte schlecht ist

 

Das ist sie nämlich nicht. 

 

Liebe Grüße Thorsten

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