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Woher kommt die Lust, jemand zu fesseln und zu dominieren?

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29.08.2010 um 11:38 Uhr

Ja, ich weiß, mir ist nichts selbstverständlich....

Meine naiv-psychologische Vermutung: Der Wunsch nach dom ist Befreiung von dem verinnerlichten Bild eines bestimmenden, repressiven Elternteils.

Prominentes Beispiel ist Nietzsche ( Gehst du zu Frauen? Vergiss die Peitsche nicht! ), der praktisch ohne Vater aufwuchs und sich nie von der Dominanz seiner Mutter, Tante und Schwester befreien konnte.

Oder kann so was auch umgekehrt raus kommen, dass man das Muster, dominiert zu werden, wiederholen will, und eher sub wird?

Oder ist das totaler Unsinn, was ich hier schreibe...?

Da haben andere doch bestimmt auch schon drüber nachgedacht?

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Gelöscht.

29.08.2010 um 12:32 Uhr

Ich bin zwar nicht dominant, aber ich halte dennoch nicht viel von der Klischeebehaftung gewisser Neigungen. Nicht jeder Dom hatte dominante Eltern und nicht jede Sub ist sexuell missbraucht oder unterdrückt worden, wie auch immer. Es ist einfach eine individuelle Sache. Ich kenne auch genug Menschen, die trotz eifrigem Wühlens in ihrer Vergangenheit kein Schlüsselerlebnis finden. Ich vermute, dass es Neigungen gibt, die einfach existieren oohne Grund und Auslöser und es gibt Neigungen, bei denen sehr wohl eine Vorgeschichte mitspielt. Das ist so wie mit den Psychopathen. Zwar ist es erwiesen, dass häufig dieselbe Vorgeschichte auftritt, aber es gibt auch Menschen, die einfach so veranlagt sind. Ich habe es aufgegeben, mir über sowas Gedanken zu machen. Ich bin wie ich bin und so lange ich damit glücklich bin, sind mir die Ursprünge wurscht. Wichtig sind die Ursachen erst dann, wenn das Verhalten zwanghaft ist und somit eher eine frustierende Wirkung hat. Meine Meinung...das sieht jeder wie er will.

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Jona Mondlicht

Autor. Teammitglied. Vereinsmitglied.

29.08.2010 um 14:16 Uhr

Lieber Nachschatten,

ich selbst halte nicht viel von psychologischen Erklärungsmodellen zum Ursprung von BDSM. Das ist wohl eher der innere Zwang der Psychologie, alles aus irgendeinem Ereignis oder aus irgendeiner Konstellation in der Kindheit herleiten zu wollen. (Ja, ich halte auch nicht viel von Nietzsche und manchmal frage ich mich, wie Psychologen überleben können, da sie sich doch ständig und permanent selbst analysieren müssten.)

Ich stimme Scherbenprinzessin zu und meine, dass es eben verschiedene Neigungen gibt, die mal mehr und mal weniger ausgeprägt sind. Und ich ergänze, dass es nicht jedem Individuum wirklich klar ist, über welche Neigungen es verfügt. Wie sonst erklären sich "Spätzünder", die im erwachsenen Alter plötzlich erkennen, welche Befriedigung sie bei SM finden?

Andersherum müsste es ansonsten wenigstens einigermaßen sichere Kriterien in der Kindheit geben, die zwangsläufig zu einer BDSM-Ausrichtung eines Menschen führen. Und das halte ich für ausgesprochenen Blödsinn.

Viele Grüße

Jona

...der wahrscheinlich erschlagen wird, sobald hier ein Psychologe mitliest.

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Devana

Autorin. Teammitglied.

29.08.2010 um 14:30 Uhr

Hallo Nachtschatten!

Ich muss Scherbenprinzessin und Jona zustimmen. Ich denke ebenfalls, dass es einfach Neigungen gibt, die sozusagen angeboren sind. Dazu zähle ich Homosexualität ebenso wie eine BDSM-Neigung. Ich denke, man fährt auch selbst am besten damit, wenn man sich einfach so akzeptiert, wie man ist, ohne ins Grübeln zu kommen, warum das so ist. Denn alleine die Tatsache, dass ja doch so viele unterschiedliche Menschen diese Neigung mehr oder weniger stark in sich verspüren, die sicherlich alle ganz unterschiedliche Kindheitserlebnisse hatten, zeigt doch, dass es mehr sein muss als beispielsweise ein dominanter Vater.

Es kann aber natürlich durchaus sein, dass die eine oder andere Erfahrung in der Kindheit oder auch später, die eine oder andere Facette der Persönlichkeit beeinflusst. So bin ich z.B. ohne eigenen Vater aufgewachsen und frage mich manchmal schon, ob mein Bedürfnis, einen starken, mich beherrschenden Partner an meiner Seite zu haben, vielleicht daher kommt. Aber es ist sicherlich nicht der Auslöser.

Liebe Grüße

devana

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29.08.2010 um 20:43 Uhr

Das Leben funktioniert eben nicht immer wie eine "Skinner-Box". Auf dem Weg zu sich selbst sollte wohl eher jeder für sich einen befriedigenden Erklärungsansatz finden, der es ermöglicht, ohne schlechtes Gewissen zu eigenen "Neigungen" zu stehen, solange diese sich nicht destruktiv äußern.

Ich empfehle, wenn es denn schon psychologisch sein muss, Theodor Reik und sein Werk "aus Leiden Freuden". "Frauenspezifischer" "die furchtbare Wahrheit" von Maria Marcus.

Einen "Grund" werden wir wohl (in dieem Leben ) nicht finden...

Signatur

"Wir stellen die Normalität augenblicklich wieder her, sobald wir wissen, was eigentlich normal ist" Douglas Adams - Per Anhalter durch die Galaxis

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Gelöscht.

30.08.2010 um 19:52 Uhr

Wenn man bedenkt, dass Sadomasochismus bis vor gar nicht so langer Zeit von den Psychologen noch als Krankheit betrachtet wurde, erwarte ich von dieser Seite keine wirklich fundierten Antworten in diesem Bereich.

Nietzsche war übrigens Philosoph und kein Psychologe.

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30.08.2010 um 22:21 Uhr

Habt Dank für die vielen Ergänzungen.

Ihr habt sicher recht: Die Ursachenforschung ist müßig und fragwürdig, und es ist besser zu akzeptieren was in einem ist und zu leben, solange es keinem schadet. Das erfordert allerdings ein gewisses Selbstvertrauen. Ich denke, da haben manche einen ordentlichen Weg zurücklegen müssen, um in dieser Hinsicht bei sich anzukommen und ihre Neigungen zu akzeptieren.

Der Psychologie stehe ich auch skeptisch gegenüber, ähnlich wie die Astrologie kann sie alles erklären, und nichts ausschließen. Sie gilt vielen daher auch gar nicht als Wissenschaft. Es ging mir auch gar nicht um eine definitive Erklärung, es war eher so mein Gefühl und Eindruck, es könnte sich so verhalten, wie ich es beschrieb, und ich wollte mal hören, wie andere das sehen.

Nietzsche mag ich übrigens sehr, auch wenn er mit Frauen ein dickes Problem hatte.

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sinna

Autorin.

31.08.2010 um 08:26 Uhr

Interessant ist sicher, dass es Parallelen gibt bei einigen Menschen.

Die Wahrnehmung und das Geniessen von Sinneseindrücken bekommt nach manchen Erlebnissen einen anderen Stellenwert.

So gibt es im Bereich des BDSM viele Menschen, die diese Dinge entbehren mussten durch harte Zeiten.

Es gibt einige Menschen deren Stinoehe nicht funktioniert hat und die dort niemals Erfüllung fanden, die sich von dieser Art zu leben ganz klar abgewandt haben.

Burn Out zum Beispiel oder Schlaganfälle oder Herzinfart sind ebenfalls Themen die verstärkt immer wieder zur Sprache kommen.

Nur dürfen wir nicht die Kids vergessen bei denen dies schon gliech in der Pubertät ein Thema ist und die bei ihrer "Ausprobierwut" sogleich darüber stolpern. (Ich bin erst vor kurzem an eine 17jährige geraten, die mich auf meinen Kragen ansprach und seine Bedeutung kannte)

Den meisten ist jedoch eines gemeinsam: Sie haben einen ausgeprägten Willen zu leben, zu geniessen und zu fühlen.

In einer Welt in der man immer schneller lebt, wo Gefühle einem nur noch in Medien suggeriert werden als in Bobonpapier eingewickelter Einheitsbrei bekommt Individualität und eigene Wahrnehmung einen anderen Stellenwert.

Die Motivation mag immer eine andere sein:

- die Suche nach dem Kick

- der Wunsch nach großer Nähe

- die Hoffnung zu fühlen

- loslassen lernen

- den Alltag und seine Mühen hinter sich lassen

und vieles mehr

Dies alles in einfache Verhaltensmuster verpacken zu wollen würde nur bedeuten es sich einfach zu machen und Schubladen zu suchen in die man Dinge einsortieren kann, was übrigens in der Psychologie ein verbreitetes Phänomen ist.

Wir brauchen Schubladen um Komplexizität greifbarer zu machen.

Es wäre nur schade etwas so Wunderbares mit Dogmen oder auch mit simplen Mustern zu banalisieren.

Nehmen wir es einfach wie es ist.

Wir sind anders.

Irgendwie und aus irgendwelchen Gründen.

Ich bin gern anders und wie andere sich das erklären ist mir egal.

Wenn sie es wissen wollen sollen sie fragen.

Sollte es sie brennend interessieren würde ich sie dann gern an einen Psychologen verweisen, denn eigentlich geht es sie verdammt noch mal nichts an.

Und mangelndes Feingefühl und mangelnder Abstand ist bestimmt krankhaft

Alles Liebe,

sinna{A}

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Gryphon

Autor. Vereinsmitglied.

31.08.2010 um 12:44 Uhr

Tausend verschiedene Gründe, die meiner Meinung nach großteils aus der Sozialisation eines Menschen stammen.

Grüße von Gryphon

Signatur

Ein Gentleman sollte alles ausprobiert haben - außer Inzest und Volkstanz.

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Gelöscht.

31.08.2010 um 20:55 Uhr

Hm, ich hab ja fast ein schlechtes Gewissen. Über das warum ich so bin habe ich mir noch nie Gedanken gemacht.

Erst hat mich der Gedanke angemacht, dann habe ich lange mit mir gekämpft, dann habe ich begonnen es für mich zu akzeptieren. Aber warum dem so ist habe ich noch nie hinterfragt. Ich weis auch nicht ob es mich wirklich interessiert.

Ich hinterfrage ja auch nicht warum jemand hetro, homo oder sonst was ist. Ein amtierender Oberbürgermeister hat bei seinem Coming out kurz vor seinem Amtsantritt gesagt "Ich bin schwul und das ist gut so". Das könnte ich umformulieren. Ich bin dominant und das ist gut so.

Ich glaube ich werde mit meinem schlechten Gewissen gut leben können.

Grüße vom Traveller

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